{"id":1013,"date":"2013-10-09T10:30:08","date_gmt":"2013-10-09T08:30:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=1013"},"modified":"2013-10-09T10:30:08","modified_gmt":"2013-10-09T08:30:08","slug":"buchkritik-wie-uberlebe-ich-als-kunstler-von-ina-ross","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2013\/10\/09\/buchkritik-wie-uberlebe-ich-als-kunstler-von-ina-ross\/","title":{"rendered":"Buchkritik: \u201eWie \u00fcberlebe ich als K\u00fcnstler?\u201c von Ina Ross"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Ina-Ross-Wie-ueberlebe-ich-als-Kuenstler-Eine-Werkzeugkiste-fuer-alle-die-sich-selbst-vermarkten-wollen.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1012\" alt=\"Ina-Ross-Wie-ueberlebe-ich-als-Kuenstler-Eine-Werkzeugkiste-fuer-alle-die-sich-selbst-vermarkten-wollen\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Ina-Ross-Wie-ueberlebe-ich-als-Kuenstler-Eine-Werkzeugkiste-fuer-alle-die-sich-selbst-vermarkten-wollen-197x300.jpg\" width=\"197\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Ina-Ross-Wie-ueberlebe-ich-als-Kuenstler-Eine-Werkzeugkiste-fuer-alle-die-sich-selbst-vermarkten-wollen-197x300.jpg 197w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Ina-Ross-Wie-ueberlebe-ich-als-Kuenstler-Eine-Werkzeugkiste-fuer-alle-die-sich-selbst-vermarkten-wollen.jpg 426w\" sizes=\"(max-width: 197px) 100vw, 197px\" \/><\/a>Das Buch \u201eWie \u00fcberlebe ich als K\u00fcnstler?\u201c von Ina Ross ist im September 2013 im <a href=\"http:\/\/www.transcript-verlag.de\/main\/index.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">transcript-Verlag<\/a> erschienen und tr\u00e4gt den Untertitel \u201eEine Werkzeugkiste f\u00fcr alle, die sich selbst vermarkten wollen\u201c (ISBN 978-3-8376-2304-8, 19,80 \u20ac). Die Autorin ist studierte Kulturwissenschaftlerin, arbeitete u. a. als Managerin der Bauhaus-Akademie und ist aktuell k\u00fcnstlerische Mitarbeiterin an der Schauspielschule Ernst Busch in Berlin, Schwerpunkt: Projektmanagement und Marketing f\u00fcr K\u00fcnstler.<!--more--><\/p>\n<p>Im ersten Kapitel wird in aller K\u00fcrze ein Setting inszeniert: Frisch gebackene Absolventen der Schauspielschule fragen die Dozentin um Rat bzgl. der Vorgehensweise zur eigenen Vermarktung. Dies rechtfertigt im weiterem Verlauf den kumpelhaften, teilweise etwas distanzlosen Tonfall des Textes (Leser wird mit \u201eIhr\/Euch\u201c angeredet, viele pers\u00f6nliche Meinungen, Anekdoten, Interviewpartner sind offensichtlich Freunde oder wenigstens Kollegen).<br \/>\nDer Text ist insgesamt \u00fcbersichtlich strukturiert, wird durch Illustrationen, comicartige Zeichnungen und viele Sprechblasen aufgelockert und hat knapp 190 Seiten Umfang (kein Anhang oder Stichwortverzeichnis). In den Hauptkapiteln geht die Autorin drei Fragen nach: Wie mache ich mich bekannt? Wie finanziere ich mich? Wie organisiere ich mich?<\/p>\n<p>Im ersten Teil (\u201eWie mache ich mich bekannt?\u201c) geht es um die richtige Formulierung und Verteilung von Presseank\u00fcndigungen, Social Media als Marketing-Tool und das budgetfreundliche \u201eGuerilla-Marketing\u201c. Insgesamt interessant zu lesen, allerdings best\u00e4tigen nahezu alle Interviewpartner diverser, prominenter Presseorgane, dass sie auf Presseank\u00fcndigungen per Mail nicht reagieren oder diese erst gar nicht bei ihnen ankommen. Auch die Guerilla-Marketing-Empfehlung (Werbespr\u00fchen auf Gehwegen) funktioniert anscheinend nur in Berlin, in den meisten anderen St\u00e4dten wird die Aktion als Ordnungswidrigkeit gewertet und es k\u00f6nnte ein saftiges Bu\u00dfgeld f\u00fcr den K\u00fcnstler folgen.<br \/>\nDer zweite Teil (\u201eWie finanziere ich mich?\u201c) behandelt das Thema Finanzierung von (Kunst-) Projekten. Die Autorin empfiehlt die drei Bereiche M\u00e4zene, Sponsoren und den Staat (Kulturf\u00f6rderung von Kommune, Land, Bund). Auch hier greifen die Vorschl\u00e4ge nur teilweise. Insbesondere Stiftungen und Sponsoren sind auf der Suche nach arrivierten\/etablierten und\/oder hochbegabten K\u00fcnstlern, die m\u00f6glichst international t\u00e4tig sein sollten und deren Werke hohe gesellschaftliche Relevanz haben. F\u00fcr die meisten jungen Indie-K\u00fcnstler d\u00fcrften diese Anforderungen bereits das Ende sein. Bleibt noch (Kultur-) F\u00f6rderung der Stadt oder des Bezirks, aber auch hier geht es um Relevanz f\u00fcr die Region, genaue Kostenaufstellung und Beantragung lange Zeit vor dem Projekt, auch hier wird vorzugsweise mit arrivierten Organisatoren, Vereinen, Institutionen verhandelt, das best\u00e4tigen wiederum die verschiedenen Interviewpartner der Autorin. Wenig hilfreich also f\u00fcr junge Berufseinsteiger, h\u00f6chstens in dem Sinne, dass sie hier erfahren, was sie sich gleich sparen k\u00f6nnen. Die Variante, seine Projekte selbst zu finanzieren, spricht die Autorin \u00fcbrigens nicht an, alle drei Modelle gehen davon aus, dass fremdfinanziert wird. Warum das naheliegende Modell \u201eIch verdiene Geld mit meiner Kunst und investiere in mich selbst\u201c nicht angesprochen wird, verwundert, w\u00e4re es doch die einfachste Grundlage f\u00fcr das tagt\u00e4gliche \u00dcberleben eines K\u00fcnstlers.<br \/>\nDer dritte Teil (\u201eWie organisiere ich mich?\u201c) ist der k\u00fcrzeste des Textes (24 Seiten inkl. Diagrammen). Hier r\u00e4t die Autorin dazu, mit der Erledigung der Arbeit fr\u00fch anzufangen und kontinuierlich dranzubleiben, au\u00dferdem werden die Prinzipien \u201eCheckliste\u201c und \u201eBalkendiagramm\u201c erl\u00e4utert. Ina Ross schlie\u00dft mit den weisen Worten: \u201eMarketing schafft keine Kunst und keine K\u00fcnstler, aber es macht sie sichtbar.\u201c<\/p>\n<p>Das Buch wird seinem ambitionierten Titel bzw. dem Thema \u201eSelbstvermarktung eines K\u00fcnstlers\u201c nur teilweise gerecht, die eigentliche T\u00e4tigkeit des \u201eK\u00fcnstlers\u201c und das \u201e\u00dcberleben\u201c (in allen seinen Facetten) ist daf\u00fcr zu wenig konkret gefasst. In den Beispielen geht es in erster Linie um Projekte aus dem Bereich Bildende Kunst, Schauspielauff\u00fchrung, Filmproduktion. Gerade nicht projektgebundene oder weniger budgetintensive Genres wie Musik, Literatur, Video, Kleinkunst etc. fallen fast komplett unter den Tisch. Die St\u00e4rke des Buches liegt in den Informationen bzgl. des Marketings eines Kunst-Projektes, was die Autorin auch reichlich mit selbstgewonnenen und glaubhaften Erkenntnissen belegt. Hier profitiert der Text am Deutlichsten von ihrer Ausbildung und beruflichen Erfahrung. Somit ist der Titel des Buches zwar vielversprechend, aber leider nicht besonders zutreffend. Besser w\u00e4re gewesen: \u201eSelbstvermarktung eines Kunst-Projektes\u201c. Das klingt nicht ganz so aufregend, w\u00e4re aber pr\u00e4ziser gewesen.<\/p>\n<p>Tipp f\u00fcr Musiker zum Schluss: Ein sehr umfassendes und empfehlenswertes Buch zum Thema Selbstvermarktung speziell f\u00fcr Musikschaffende ist <a href=\"http:\/\/www.transcript-verlag.de\/ts1660\/ts1660.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eSelbstmanagement im Musikbetrieb\u201c<\/a> von Petra Schneidwind und Martin Tr\u00f6ndle (Hg.), erschienen in zweiter, komplett \u00fcberarbeiteter Auflage im selben Verlag (transcript, 2012). Unter den \u00dcberschriften \u201eKonzert und Publikum\u201c, \u201eMusikmanagement\u201c, \u201eAgenturen und Labels\u201c, \u201eZur Ausbildungssituation an Hochschulen\u201c und \u201eRecht\u201c informieren hier verschiedene Autoren auf knapp 400 Seiten.<\/p>\n<p>Video-Interview mit der Autorin Ina Ross:<br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" width=\"584\" height=\"438\" src=\"http:\/\/www.youtube.com\/embed\/725Vt55BKOM?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Buch \u201eWie \u00fcberlebe ich als K\u00fcnstler?\u201c von Ina Ross ist im September 2013 im transcript-Verlag erschienen und tr\u00e4gt den Untertitel \u201eEine Werkzeugkiste f\u00fcr alle, die sich selbst vermarkten wollen\u201c (ISBN 978-3-8376-2304-8, 19,80 \u20ac). 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