{"id":10791,"date":"2025-01-27T12:00:50","date_gmt":"2025-01-27T11:00:50","guid":{"rendered":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/?p=10791"},"modified":"2025-01-27T12:01:24","modified_gmt":"2025-01-27T11:01:24","slug":"buch-julius-echter-robert-meier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2025\/01\/27\/buch-julius-echter-robert-meier\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eJulius Echter\u201c \u2013 Robert Meier"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-10793\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/JuliusEchterCover-192x300.jpg\" alt=\"\" width=\"192\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/JuliusEchterCover-192x300.jpg 192w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/JuliusEchterCover.jpg 383w\" sizes=\"(max-width: 192px) 100vw, 192px\" \/>Robert Meier ist Archivar, Publizist und Lehrbeauftragter an der Julius-Maximilians-Universit\u00e4t zu W\u00fcrzburg. Seit vielen Jahren h\u00e4lt er Vorlesungen und ver\u00f6ffentlicht wissenschaftliche Fachb\u00fccher zur Geschichte W\u00fcrzburgs, Wertheim, Hohenlohe. Zuletzt erschien \u201eJulius Echter (1545-1617)\u201c (2017), ein Taschenbuch zu Leben und Wirken des m\u00e4chtigen und einflussreichen W\u00fcrzburger F\u00fcrstbischofs.<!--more--><\/p>\n<p>Als ausgebildeter und aktiv t\u00e4tiger Archivar bringt der Autor geradezu ideale Voraussetzungen f\u00fcr das historische Thema mit, seine Herangehensweise ist aber keineswegs buchhalterisch trocken, sondern, ganz im Gegenteil, sehr frisch, aktuell und lebendig. Nach der knackigen Einleitung folgen acht Kapitel, die die Figur Echter, sein Wirken und seine Zeit aus verschiedenen Perspektiven betrachten: 1. Familie und Ausbildung, 2. Wahl und Weihe, 3. Der katholische F\u00fcrst, 4. Bildung und Bilder, 5. Katholisch im Alltag, 6. Spit\u00e4ler und Soziales, 7. Reichsf\u00fcrst und Landesherr, 8. Hexenprozesse. Es folgen eine kurze Schlussbemerkung und ausf\u00fchrliche, zug\u00e4nglich formulierte Anmerkungen.<\/p>\n<p>Obwohl gerade mal 168 Seiten lang wird der Mensch Julius Echter umfangreich betrachtet. Gr\u00f6\u00dftes Verdienst der Schrift ist die Neubewertung historischer und neu erschlossener Quellen und die verst\u00e4ndliche Erkl\u00e4rung der wesentlichen Inhalte. An etlichen Stellen werden historisch \u00fcberlieferte Sachlagen nachjustiert oder gar g\u00e4nzlich korrigiert. Der Schreibstil ist klar und zeitgem\u00e4\u00df, gar nicht akademisch gek\u00fcnstelt, sondern sehr gut les- und nachvollziehbar.<\/p>\n<p>Meier erkl\u00e4rt immer wieder auch die historischen Umst\u00e4nde und Gegebenheiten der Zeit, setzt ins Verh\u00e4ltnis, betrachtet die ausgew\u00e4hlten Quellen aber auch durchaus kritisch. Er beschreibt wer, was und f\u00fcr wen geschrieben und verfasst wurde, welche Interessen dahinter lagen, was erreicht oder verhindert werden sollte. Erw\u00e4hnt wird das folgenreiche Konzil von Trient, dessen weitreichende Beschl\u00fcsse vom jungen F\u00fcrstbischof Julius Echter oftmals gegen die Interessen der Domherren durchgesetzt wurde. Echter tritt hier als gebildeter Intellektueller und ausgebildeter Jurist hervor, der verwaltungsrechtlich versiert eine klare Linie hatte und auch konsequent und allen zur Verf\u00fcgung stehenden Man\u00f6vern durchsetzte. In seine Zeit fallen epochale Entscheidungen, die damals revolution\u00e4r wirkten und bis heute nachhallen: Gr\u00fcndung des Juliusspitals, Neugr\u00fcndung der Universit\u00e4t, Gr\u00fcndung des Priesterseminars, verwaltungstechnische Reorganisation des Hochstifts, Durchsetzung von Dekreten, Erlassen und Gesetzen, Formulierung und Durchf\u00fchrung einer neu geregelten, einheitlichen Glaubenslehre, allerdings auch Ma\u00dfnahmen gegen Protestanten, Juden und vermeintlichen Hexenglauben.<\/p>\n<p>Gerade bei letzterem wurden Echter schwere Vorw\u00fcrfe gemacht, die Meier n\u00e4her beleuchtet und zu dem Urteil kommt, dass er weniger beteiligt war als in einigen Ver\u00f6ffentlichungen behauptet. Die Quellenlage ist da zum Teil un\u00fcbersichtlicher als bisher bekannt, so wurden ihm Urteile unterstellt, die nach neuesten Kenntnissen gar nicht in seinen Herrschaftsbereich fielen. Im Zent Remlingen wirkte er beispielsweise m\u00e4\u00dfigend auf den Prozess ein und erwirkte die Freilassungen der Beschuldigten. Die horrenden Vorf\u00e4lle in Gerolzhofen fielen andererseits in den Verantwortungsbereich eines gewissen Hausherrn und waren von W\u00fcrzburg aus schwer nachzuvollziehen oder zu kontrollieren.<\/p>\n<p>Fazit: Meier ist mit dem B\u00fcchlein ein lebendiger und zeitgem\u00e4\u00dfer Beitrag zu einer aufregenden Epoche der Geschichte der Stadt und des Hochstifts W\u00fcrzburgs gelungen, der noch dazu originelle Blickwinkel und Einsch\u00e4tzungen aufgrund neuester Forschungen liefert. Es gelingt ihm scheinbar m\u00fchelos, nicht nur Figur und Wirken der Hauptfigur zu beleuchten, sondern auch dem Leser ein Grundgef\u00fchl f\u00fcr die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse der Zeit und sogar den sensiblen Umgang mit historischen Quellen zu vermitteln. Mehr kann man von einem Taschenbuch kaum erwarten und sich nur w\u00fcnschen, dass sich Meier mit diesem interessanten Ansatz weiterhin historischen Themen widmet. Ein h\u00f6chst lesenswertes B\u00fcchlein, allen W\u00fcrzburgern und Unterfranken dringen zur Lekt\u00fcre empfohlen!<\/p>\n<p>Das Taschenbuch hat 168 Seiten, erscheint im Verlag echter und kostet 15 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Robert Meier ist Archivar, Publizist und Lehrbeauftragter an der Julius-Maximilians-Universit\u00e4t zu W\u00fcrzburg. Seit vielen Jahren h\u00e4lt er Vorlesungen und ver\u00f6ffentlicht wissenschaftliche Fachb\u00fccher zur Geschichte W\u00fcrzburgs, Wertheim, Hohenlohe. 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