{"id":11407,"date":"2026-06-09T10:04:01","date_gmt":"2026-06-09T08:04:01","guid":{"rendered":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/?p=11407"},"modified":"2026-06-10T13:11:39","modified_gmt":"2026-06-10T11:11:39","slug":"liner-notes-25-52-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2026\/06\/09\/liner-notes-25-52-2026\/","title":{"rendered":"Liner Notes: \u201e25\/52\u201c (2026)"},"content":{"rendered":"<p>Das Album \u201e25\/52\u201c erscheint weltweit am Freitag, den 05.06.2026 auf allen g\u00e4ngigen Streamingportalen. Hier einige Einzelheiten zur Entstehung, Besetzung und ein pers\u00f6nlicher Kommentar zu jedem Track.<\/p>\n<p><strong>01. Hard Time<\/strong><br \/>\nDennis Sch\u00fctze: vocals, piano, organ, bass; Jan Hees: drums<\/p>\n<p>Der Song stammt aus einer Jackson Browne-Phase und handelt von meiner Zeit als Sch\u00fcler in den USA im Schuljahr 1988\/89. Lief da nicht alles optimal, eher provisorisch, ich war an verschiedenen Orten bei verschiedenen Familien, wurde von einer Station zur n\u00e4chsten gereicht inkl. Schulwechsel, r\u00fcckblickend ein typisch amerikanisches Szenario. Irgendwann reichte es mir, ich nahm als gerade mal sechszehnj\u00e4hriger mein Schicksal selbst in die Hand, kontaktierte entfernte Verwandte und plante im geheimen eine \u00dcberfahrt von Philadelphia, Pennsylvania nach Tulsa, Oklahoma. Im fr\u00fchen Morgengrauen brach ich auf, mit einem Koffer in der einen und einer Gitarrentasche in der anderen Hand, bestieg irgendwo einen Greyhoundbus und war 24h unterwegs, vorbei an Indianapolis, St. Louis und Kansas City. An jeder Haltestation kamen und gingen Passagiere, die Mitfahrer auf meinem Nachbarsitz wechselten. Irgendwann mitten in der Nacht sa\u00df ein junger Typ neben mir, alleine unterwegs wie ich und auf dem Weg zu seinem Vater, den er noch nie in seinem Leben gesehen hatte. Wir fuhren beide in eine ziemlich ungewisse Zukunft. Ich d\u00e4mmerte dahin und als ich wieder aufwachte war der Sitz neben mir frei, er war irgendwo ausgestiegen, wir hatten uns nicht verabschieden k\u00f6nnen, ich sah ihn nie wieder. In Tulsa verbrachte ich die zweite H\u00e4lfte meines insgesamt einj\u00e4hrigen Aufenthalts. Das Auslandsjahr hat mich gebrochen, schwere Wunden geschlagen. Die Erlebnisse haben noch lange nachgewirkt und nach meiner R\u00fcckkehr nach Deutschland hat es ein paar Jahre gedauert bis ich wieder einigerma\u00dfen klar war. Gitarre spielen, singen und Songs schreiben hat dabei geholfen.<\/p>\n<p>Geschrieben am 13.02. &amp; 27.04.1994<\/p>\n<p><strong>02. Exactly<\/strong><br \/>\nDennis Sch\u00fctze: vocals, piano, bass; Jan Hees: drums<\/p>\n<p>Ja, das ist genau das, was ich meine (\u201eexactly what I mean\u201c). Wann wei\u00df man schon mal genau, was man will und kann es auch pr\u00e4zise formulieren. Wenn man verliebt ist, funktioniert das manchmal und ganz wunderbar ist, wenn man die Gedanken an jemanden richten kann, der\/die zuh\u00f6rt und versteht. Wenn du so eine findest, dann halt sie fest und lass erstmal nicht mehr los!<\/p>\n<p>Geschrieben am 21.03.1993<\/p>\n<p><strong>03. One of those nights again<\/strong><br \/>\nDennis Sch\u00fctze: vocals, guitars, organ, bass; Jan Hees: drums<\/p>\n<p>Und manchmal trifft man eine und sieht sie immer wieder und nach einiger Zeit wird einem klar, dass da was fehlt, wenn sie nicht da ist, dass sie fehlt, dass du nicht komplett bist ohne diese Person. Und dann musst du dir \u00fcberlegen, ob du noch aus der Freundeszone rauskommst, wenn du sagst, was du f\u00fchlst, aber sei vorsichtig, es k\u00f6nnte sein, dass du alles riskierst und alles verlierst, wenn du dich offenbarst. Du k\u00f6nntest dich vortasten, du k\u00f6nntest es vorsichtig ausloten. Ja, du k\u00f6nntest einen Song schreiben und ihr vorsingen und sehen was passiert. Ja, das w\u00e4re eine M\u00f6glichkeit und eine ziemlich gute, weil du im ung\u00fcnstigsten Fall wenigstens einen wahrhaftigen Song in der Tasche hast, den du noch Jahrzehnte sp\u00e4ter singen und produzieren kannst.<\/p>\n<p>Geschrieben am 31.10.1994 &amp; 16.05.1995<\/p>\n<p><strong>04. Devil on my trail<\/strong><br \/>\nDennis Sch\u00fctze: vocals, guitars, organ, bass; Jan Hees: drums<br \/>\nSamples: \u201cHellhound on my Trail\u201d, Robert Johnson (1937)<br \/>\nSamples: \u201cIf I had Possession over Judgement Day\u201d, Robert Johnson (1936\/61)<\/p>\n<p>Stammt aus meiner (langen) Robert Johnson-Phase. Der K\u00fcnstler, der Musiker, der S\u00e4nger und Songschreiber und der faustische Pakt. In der ein oder anderen Form haben viele davon geschrieben oder gesungen. Bei mir ist\u2019s eher die Unruhe, die Getriebenheit, die Unzufriedenheit, auch die Langweile, die Unterforderung, die Spielfreude, das Risiko, das Ungewisse, die Neugier, die \u00dcberraschung, die Belohnung, was mich antreibt und nie Ruhe geben l\u00e4sst. Als junger Mann dachte ich, das gibt sich irgendwann, irgendwann h\u00f6rt das auf, aber ich muss sagen, bis jetzt noch nicht. Wenn ich vor der Frage stehe, soll ich\u2019s tun oder besser nicht, ist es schon entschieden und ich tu\u2019s. Jemand sagte mal zu mir: Wenn du eine vern\u00fcnftige Antwort haben willst, dann frage besser nicht mich. Genau so stelle ich mir einen guten Ratgeber vor, denn die vern\u00fcnftige Entscheidung liegt ja sichtbar auf dem Tisch, daf\u00fcr brauche ich keinen Ratschlag. Stattdessen: Handle unvern\u00fcnftig, gehe dahin, wo dich dein Herz hinschickt, handle dir \u00c4rger ein, gehe in Opposition, hinterlasse Unverst\u00e4ndnis, aber nicht aus Prinzip, sondern weil dich das Unbekannte interessiert, nicht die ausgetretenen Pfade, dar\u00fcber kannst du in Reisef\u00fchrern lesen, dann brauchst du nicht selbst hinfahren. Gehe deinen eigenen Weg, schreibe dein eigenes Buch und wenn der Teufel hinter dir her ist, steig in den n\u00e4chsten Zug und winke ihm durchs Fenster zu, w\u00e4hrend der Zug abf\u00e4hrt und er auf dem Bahnsteig steht und an der T\u00fcr r\u00fcttelt. Aber sei immer freundlich zu ihm, k\u00f6nnte sein, dass er dich irgendwann einholt.<\/p>\n<p>Geschrieben am unbekannt<\/p>\n<p><strong>05. Please Baby<\/strong><br \/>\nDennis Sch\u00fctze: vocals, guitars, organ, bass; Ferdinand Sch\u00fctze: Fl\u00fcgelhorn; Jan Hees: drums<\/p>\n<p>Wenn man wissen will was los ist und bereit ist alles zugeben. Wurde komplett an einem alten Casio-Keyboard geschrieben und arrangiert. Die jetztige Fl\u00fcgelhornmelodie war in den Aufzeichnungen in Buchstaben notiert und ergab jahrzehnte sp\u00e4ter immer noch Sinn, habe sie allerdings etwas erweitert und harmonisiert.<\/p>\n<p>Geschrieben am 26.06. &amp; 10.07.1995<\/p>\n<p><strong>06. Postcard from France<\/strong><br \/>\nDennis Sch\u00fctze: vocals, guitars, epiano, bass; Jan Hees: drums<\/p>\n<p>Lange Geschichte. Jemand, den ich sehr gerne hatte, war weit weg im Urlaub und zwar mit jemand anderem, den ich nicht kannte, aber (noch) eine Rolle spielte. Ich bekam nur eine einzelne Postkarte von unterwegs (ja, so alt ist der Song), mehr gab\u2019s damals nicht und malte mir den Rest so ungef\u00e4hr aus und lag damit vermutlich nicht mal allzu sehr daneben. Ich wartete auf die R\u00fcckkehr, war gespannt, was noch \u00fcbriggeblieben sein w\u00fcrde, was aus uns werden w\u00fcrde und vertrieb mir die Zeit mit dem Schreiben dieses Songs.<\/p>\n<p>Geschrieben im Februar 1995 und am 17.04. &amp; 16.05.1995<\/p>\n<p><strong>07. Sun come up<\/strong><br \/>\nDennis Sch\u00fctze: vocals, guitar, epiano, bass; Jan Hees: drums<\/p>\n<p>Ein Song f\u00fcr die Sonne. Zu der Zeit war ich viel unterwegs, st\u00e4ndig im Zug (meist schwarz) und per Anhalter (oft unter Zeitdruck), das Geld war knapp, aber die Laune gut. Wenn man im Sonnenuntergang lange auf einen Wagen warten muss, der anh\u00e4lt und einen mitnimmt oder nachts in einsamen Sechser-Zugabteilen sitzt und endlich ankommen will, manchmal kommt da vor lauter Abgeschiedenheit und Abwesenheit von irgendwas ein sch\u00f6ner Gedanke, eine nette Idee und wenn man viel Gl\u00fcck hat, kann man sich die merken bis man ein Instrument oder einen Bleistift zur Hand hat um es aufzuschreiben. Jahrzehnte sp\u00e4ter fand ich heraus, dass es einen unbekannten Song gleichen Namens von meinem Lieblingssongschreiber Jim Croce gibt, den kannte ich damals aber noch nicht.<\/p>\n<p>Geschrieben am 12.03. &amp; 06.04.1994<\/p>\n<p><strong>08. Down before<\/strong><br \/>\nDennis Sch\u00fctze: vocals, eguitars, organ, bass; Jan Hees: drums<br \/>\nSamples: \u201cRamblin\u2019 on my Mind\u201d, Robert Johnson (1936\/37)<\/p>\n<p>Mein erster epischer Bluessong, f\u00fcr eine kurze Zeit im Konzertrepertoire und aufgenommen mit Sch\u00fctze &amp; St\u00fcckle unter dem Titel \u201eI\u2019ve been down\u201c und erschienen auf dem Album \u201eLeave the Blues behind\u201c (2000), was ich danach ziemlich w\u00f6rtlich nahm. Inzwischen bin ich immer wieder zum Blues zur\u00fcckgekehrt, ist einfach nicht tot zu kriegen und bekomme ihn auch nicht mehr aus dem Blutkreislauf. In der neuen Version mit Samples vom gro\u00dfen Robert Johnson, 1937 aufgenommen und somit ikonisch, aber Copyright frei, im wahrsten Sinne Public Domain.<\/p>\n<p>Geschrieben am 12.04. &amp; 16.05.1995<\/p>\n<p><strong>09. This ain\u2019t Eden<\/strong><br \/>\nDennis Sch\u00fctze: vocals, piano, guitars, organ, bass; Jan Hees: drums<\/p>\n<p>Wenn die Liebe zerf\u00e4llt und das Paradies zusammenbricht. Es ist eine harte Erkenntnis, wenn das passiert, es gibt erste Andeutungen, Missverst\u00e4ndnisse, Auseinandersetzungen, Streit, Schweigen und schlie\u00dflich die Frage: Ist es das, was ich wollte und will? Dieser Song ist Erinnerung, Bestandsaufnahme, Schlussfolgerung und Quintessenz. Vielleicht auch eine inst\u00e4ndige Bitte, auch wenn der Entschluss bereits vermeintlich feststeht. Allerdings: Himmel, H\u00f6lle und Paradies gibt\u2019s immer nur vor\u00fcbergehend, das wei\u00df man dann sp\u00e4ter als erfahrener Mensch. Wie meine liebe Schwiegermutter einst sagte: \u201eWir werden\u2019s alle \u00fcberleben und wenn nicht, ist\u2019s auch nicht so schlimm.\u201c Aber das glaubt man als junger Mensch nat\u00fcrlich noch nicht und das ist auch ganz richtig so.<\/p>\n<p>Geschrieben im November 1996 und am 10.12. &amp; 27.12.1996<\/p>\n<p><strong>10. Hate him for that<\/strong><br \/>\nDennis Sch\u00fctze: vocals, piano, organ, bass; Jan Hees: drums<\/p>\n<p>Ich habe mal an einem Abend auf der Stra\u00dfe gesehen wie sich zwei junge M\u00e4nner gepr\u00fcgelt haben, nicht geschubst oder gebatscht, sondern mit aller Kraft zugeschlagen, sowas geht ganz schnell, so schnell schaut man kaum und als beistehender Zeuge sp\u00fcrst du die urt\u00fcmliche, unheimliche Kraft, das Testosteron, die Muskeln, die Aggression, die Anspannung, die Wut, den Hass, aber auch die Angst, den Schmerz, den Aufprall, die Dumpfheit, die Gleichg\u00fcltigkeit, die Gewalt, die Gnadenlosigkeit.<\/p>\n<p>Es gibt immer wieder Situationen, in denen ich ausrasten k\u00f6nnte, aber besser nicht. Manchmal kommen einem solche Gef\u00fchle zu nahe, obwohl man es nicht will. Genau das ist der Unterschied zwischen Zivilisation und Barberei.<\/p>\n<p>Geschrieben am 13.01. &amp; 06.07.1997<\/p>\n<p><strong>11. Weakness<\/strong><br \/>\nDennis Sch\u00fctze: vocals, guitar, piano, bass; Jan Hees: drums<\/p>\n<p>Ein dunkler, kalter Wintertag, der Blick aus dem Dachfenster nach drau\u00dfen auf die Stra\u00dfe, die Spuren im Schnee, die langsam einschneien, der Blick zur\u00fcck auf das was war, langsam verlischt und bald nicht mehr ist. Erschien vor langer Zeit unter dem Titel \u201eThe Weakness of Your Smile\u201c, Titel abgewandelt von \u201eShadow of Your Smile\u201c (Henry Mancini), Akkordfolge von \u201e500 Miles\u201c (Traditional), Melodie und Pianolinie selbst ausgedacht, immerhin.<\/p>\n<p>Geschrieben am 14.\/15.12.1995 &amp; 02.01.1996<\/p>\n<p><strong>12. Crossroads<\/strong><br \/>\nDennis Sch\u00fctze: vocals, eguitars, organ, bass; Jan Hees: drums<br \/>\nSamples: \u201cCross Road Blues\u201d, Robert Johnson (1937)<\/p>\n<p>Ein abartig langes Epos, das ich in meiner Erinnerung nach an einem Tag aufgeschrieben habe, in den Aufzeichnungen steht etwas anderes. Schon beim Schreiben war klar, dass ich diesen Song niemals spielen, auff\u00fchren oder aufnehmen k\u00f6nnte, nach 30 Jahren habe ich es doch getan. Die Songproduktion wurde schlie\u00dflich mehr als 10 Minuten lang, habe noch Intros und mehrere Solos eingef\u00fcgt (alles One-Taker, also nur ein einziges Mal aufgenommen, das war\u2019s), war dann irgendwann auch egal, musste somit der letzte Track des Albums werden, wurde aber als erstes ver\u00f6ffentlicht. Darin enthalten sind Samples aus \u201eCross Roads Blues\u201c von Robert Johnson, ansonsten alles selbst erfunden. Selbst hatte ich nie den Eindruck meine Seele f\u00fcr irgendwas verkauft zu haben, obwohl es mehrfach Gelegenheit dazu gegeben h\u00e4tte. R\u00fcckblickend sehe ich aber schon auch die Opfer, die erbracht wurden und Dinge, die ich habe liegen lassen (oft ohne es zu bemerken) um das Musikerleben zu f\u00fchren, das hinter mir liegt. Es war f\u00fcr mich lange nicht sichtbar, daf\u00fcr umso mehr f\u00fcr mein Umfeld, meine Familie und Freunde. Es waren f\u00fcr mich allerdings keine schwerwiegenden Opfer, es ging nie um Leben und Tod, wenn auch vielleicht manchmal um Seelenheil, so wie in der obigen Nacherz\u00e4hlung des faustischen Pakts aus der Ich-Perspektive (eine Mischung aus Robert Johnson und mir selbst).<\/p>\n<p>Geschrieben im Mai und Juni 1994 und am 13.09.1994<\/p>\n<p>Gesang &amp; Instrumente aufgenommen von Dennis Sch\u00fctze<br \/>\nSchlagzeug &amp; Perkussion aufgenommen von Jan Hees<br \/>\nMix &amp; Master: Jan Hees<br \/>\nProduktion: Dennis Sch\u00fctze (2026)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Album \u201e25\/52\u201c erscheint weltweit am Freitag, den 05.06.2026 auf allen g\u00e4ngigen Streamingportalen. Hier einige Einzelheiten zur Entstehung, Besetzung und ein pers\u00f6nlicher Kommentar zu jedem Track. 01. 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