{"id":1233,"date":"2014-01-20T10:49:03","date_gmt":"2014-01-20T09:49:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=1233"},"modified":"2014-01-20T10:49:03","modified_gmt":"2014-01-20T09:49:03","slug":"buchtipp-kunstler-ein-report-von-wolfgang-schneider-hg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2014\/01\/20\/buchtipp-kunstler-ein-report-von-wolfgang-schneider-hg\/","title":{"rendered":"Buchtipp: \u201eK\u00fcnstler. Ein Report\u201c von Wolfgang Schneider (Hg.)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/ts2287g.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1232\" alt=\"UMS2287kumediSchneider.indd\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/ts2287g-197x300.jpg\" width=\"197\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/ts2287g-197x300.jpg 197w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/ts2287g.jpg 260w\" sizes=\"(max-width: 197px) 100vw, 197px\" \/><\/a><\/p>\n<p>\u201eK\u00fcnstler. Ein Report.\u201c von Wolfgang Schneider (Hg.) ist im Februar 2013 im transcript-Verlag erschienen und tr\u00e4gt den Untertitel \u201ePortraits und Gespr\u00e4che zur Kulturpolitik\u201c (ISBN 978-3-8376-2287-4, 24,80 \u20ac). Der Herausgeber ist promovierter Kulturwissenschaftler und seit 1998 u.a. Direktor des Instituts f\u00fcr Kulturpolitik der Universit\u00e4t Hildesheim mit dem Schwerpunkt Kulturpolitik, Kulturf\u00f6rderung, Kulturelle Bildung.<!--more--><\/p>\n<p>Das Buch besteht aus 24 Portr\u00e4ts und Gespr\u00e4chen ebenso vieler Autoren \u00fcber 26 hauptberufliche, in Deutschland t\u00e4tige Kunstschaffende aus den Bereichen Film und Fernsehen (7), Literatur (6), Darstellende K\u00fcnste (6), Bildende Kunst (3) und Musik (2).<br \/>\nIn zwei vorangestellten Texten leitet Wolfgang Schneider kulturwissenschaftlich in das Thema \u201eK\u00fcnstler sein\u201c ein und verweist auch auf EU-rechtliche Aspekte. Er setzt sich ein f\u00fcr eine \u201eKulturpolitik im Interesse von K\u00fcnstlern\u201c, die er in folgenden Forderungen zusammenfasst:<\/p>\n<p>1. Kulturelle: Vielfalt sch\u00fctzen!<br \/>\n2. Kunst ist Kulturelle Bildung!<br \/>\n3. Kultur braucht F\u00f6rderung!<br \/>\n4. Wider die B\u00fcrokratie der K\u00fcnstlerf\u00f6rderung!<br \/>\n5. Der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk hat einen Kulturauftrag!<br \/>\n6. Die KSK und BfA sind reformbed\u00fcrftig!<br \/>\n7. Grundsicherung der Kultur. Grundeinkommen der K\u00fcnstler!<br \/>\n(Wolfgang Schneider)<\/p>\n<p>Der Text ist insgesamt \u00fcbersichtlich strukturiert, hat knapp 300 Seiten (kurzer Anhang, wenig Fu\u00dfnoten, kein Stichwortverzeichnis). Es gibt ungef\u00e4hr genau so viele Gespr\u00e4che (Dialoge) wie Portraits, zahlenm\u00e4\u00dfig halten sie sich in etwa die Waage. Jedem Text ist eine Kurzbiografie des jeweiligen K\u00fcnstlers vorgeblendet.<\/p>\n<p>Die vorgestellten K\u00fcnstler sind allesamt Profis, die ihr Handwerk zum gr\u00f6\u00dften Teil in einem entsprechenden Studium erlernt haben. Sie sind teilweise mehrere Jahrzehnte freiberuflich t\u00e4tig und verdienen damit auch weitestgehend ihren Lebensunterhalt. Obwohl sie vermutlich in ihrer jeweiligen Szene bekannt sein m\u00f6gen, geh\u00f6ren sie sicherlich nicht zur nationalen Prominenz. Es sind eben genau jene eher unspektakul\u00e4ren, aber unverzichtbaren, ein Leben lang idealistisch und unverdrossen vor sich hinwerkelnden Kulturschaffenden, die von den Medien gerne mal \u00fcbersehen werden und nur selten gesellschaftliche W\u00fcrdigung erfahren. Es sind diejenige, die regionale oder lokale Kultur bef\u00f6rdern, kulturelles Wissen vermitteln und, nicht zuletzt, Menschen auch au\u00dferhalb des institutionalisierten Kulturbetriebs f\u00fcr \u00e4sthetische Erfahrungen sensibilisieren oder ihnen schlicht Freude bereiten.<\/p>\n<p>Die Texte sind im Ton einf\u00fchlsam und in der Sache konkret. Regelm\u00e4\u00dfig angesprochen werden die Themen Ausbildung, individuelle Tages- und Arbeitsstruktur, Projektplanung und -finanzierung, Arbeitsbedingungen, regionale und nationale Kulturf\u00f6rderung, \u00f6ffentliche F\u00f6rderung\/Preise\/Unterst\u00fctzung, \u00f6ffentlich-rechtlicher Rundfunk und Fernsehen, Verdienst\/Auskommen, K\u00fcnstlersozialkasse, Familienplanung, Altersabsicherung etc.\u00a0Die Portraitierten werden dabei durchgehend zu einer pers\u00f6nlichen Stellungnahme ermutigt, so dass allgemeines Lamentieren weitgehend entf\u00e4llt. Und die vorgestellten K\u00fcnstler sind wirklich entwaffnend offen und ehrlich. Es ist schmerzhaft, einmal so unverbl\u00fcmt zu erfahren, unter welch oftmals prek\u00e4ren Umst\u00e4nden in Deutschland heutzutage sparten\u00fcbergreifend Kultur entsteht. Obwohl mit vollem Einsatz dabei, klagen die K\u00fcnstler, werde ihnen gerade von \u00f6ffentlicher Seite das Leben oft schwer gemacht. Insbesondere von st\u00e4dtischen Kultur\u00e4mtern, -b\u00fcros und \u2013referenten, deren Aufgabe es eigentlich sei genau diese Aktivit\u00e4ten zu beobachten, sie zu hegen und zu pflegen, ihnen Raum zu geben, Infrastruktur zu schaffen, sie also zu f\u00f6rdern oder wenigsten nicht zu behindern. Meist finde jedoch von Seiten der Verantwortlichen nicht einmal ein ernst zu nehmender Austausch statt. Ein reales Aufeinandertreffen lokaler Kunstschaffender und einem Vertreter st\u00e4dtischer Kulturpolitik hat Bloggerkollege Stefan Hetzel in einem unterhaltsamen <a href=\"http:\/\/stefanhetzel.wordpress.com\/2012\/09\/11\/lokale-kulturpolitik-macht-mude-und-traurig-dramolett\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Dramolett<\/a> dokumentiert.<\/p>\n<p>Ich muss hier anmerken: Ich arbeite selbst seit mehr als 20 Jahren als freier, selbst\u00e4ndiger Musiker in der erweiterten Region und bestreite damit den Unterhalt einer gro\u00dfen Familie. Dar\u00fcber hinaus engagiere ich mich auch ehrenamtlich und unbezahlt als Unterst\u00fctzer der regionalen Kultur, so z.B. als Initiator und Moderator einer langj\u00e4hrigen Gespr\u00e4chsreihe. Durch die obenstehenden Aussagen von K\u00fcnstlern verschiedenster Altersgruppen und Sparten und aus den unterschiedlichsten Regionen sehe ich mich in vielen meiner eigenen Kritikpunkte an der lokalen, regionalen und nationalen Kultur- und F\u00f6rderpolitik best\u00e4tigt. Bis jetzt hatte ich allerdings oftmals den Eindruck mit dieser Meinung ziemlich alleine dazustehen. Allein daf\u00fcr, nun zu wissen, dass dem ganz offensichtlich nicht so ist, bin ich diesem Buch, seinem Herausgeber sowie dem Verlag nachhaltig dankbar.<\/p>\n<p>Kritisch sehe ich allerdings die Forderung nach einem Grundeinkommen f\u00fcr K\u00fcnstler, \u00fcber dessen praktische Umsetzung man im Buch leider kaum etwas erf\u00e4hrt. An der Frage, wer dar\u00fcber entscheiden darf, wer denn nun eigentlich \u201eK\u00fcnstlerIn\u201c ist und wer nicht, d\u00fcrfte dieses ganze Vorhaben aller Wahrscheinlichkeit nach schon im Ansatz scheitern.\u00a0Auch bei der Gewichtung der Kulturf\u00f6rderung besteht aus meiner Sicht gro\u00dfer Diskussionsbedarf. Obwohl vollkommen einig mit Schneiders Forderung nach einer \u201eKulturpolitik im Interesse von K\u00fcnstlern\u201c und eben nicht, wie heute gr\u00f6\u00dftenteils Usus, von Institutionen, Vereinen, Beir\u00e4ten, Politikern, Gremien, Kulturvermarktern und -sponsoren fehlen konkrete Vorschl\u00e4gen, wie dieses Vorhaben denn nun umgesetzt werden soll. In der Praxis kollidieren in meinem Umfeld regelm\u00e4\u00dfig stark gef\u00f6rderte Kulturvermarktungsprojekte mit von Eigeninitiative getragenen, aber evtl. sperrigen Aktionen Einzelner oder (noch) \u201enicht Etablierter\u201c.<\/p>\n<p>So werden in meiner Heimatstadt vom Kulturamt der Stadt, des Bezirks und diversen Sponsoren seit vielen Jahren Festivals gef\u00f6rdert bei denen Musiker aus der Region allenfalls umsonst spielen d\u00fcrfen. Zwar wird hier trotz freiem Eintritt \u00fcber den Getr\u00e4nke- und Speisenverkauf kr\u00e4ftig Umsatz gemacht, doch sind die auftretenden Musiker \u2013 also die \u201eeigentlichen\u201c Akteure der Veranstaltung \u2013 an diesem in keinster Weise beteiligt. Die F\u00f6rderung geht komplett an die Organisatoren und Techniker, f\u00fcr die K\u00fcnstler bleibt buchst\u00e4blich nichts &#8211; au\u00dfer Arbeit. F\u00fcr regional bereits etablierte Bands und Musiker, die normalerweise f\u00fcr Gage spielen (!), ist eine derartige F\u00f6rderung von \u201eUmsonstkultur\u201c nat\u00fcrlich langfristig kontraproduktiv.<\/p>\n<p>\u201eK\u00fcnstler. Ein Report\u201c sei allen empfohlen, die auch nur ansatzweise daran interessiert sind, zu erfahren, unter welchen Bedingungen heutzutage Musik, Bildende Kunst, Literatur, Theater- und Filmarbeit auf lokaler, regionaler, zum Teil auch auf nationaler Ebene wirklich entsteht. Vor allem den Mitarbeitern von Kultur\u00e4mtern und -b\u00fcros sowie den Mitgliedern von F\u00f6rdergremien und Preisjurys und auch Sponsoren, F\u00f6rderern und G\u00f6nnern regionaler Kultur sei die Lekt\u00fcre nachdr\u00fccklich ans Herz gelegt.<\/p>\n<p>Korrektur: Der Hildesheimer Mundharmonikaspieler und Bluesmusiker Michael Arlt wird im Anhang mit dem namensgleichen W\u00fcrzburger Jazzgitarristen verwechselt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eK\u00fcnstler. Ein Report.\u201c von Wolfgang Schneider (Hg.) ist im Februar 2013 im transcript-Verlag erschienen und tr\u00e4gt den Untertitel \u201ePortraits und Gespr\u00e4che zur Kulturpolitik\u201c (ISBN 978-3-8376-2287-4, 24,80 \u20ac). Der Herausgeber ist promovierter Kulturwissenschaftler und seit 1998 u.a. 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