{"id":1288,"date":"2014-02-24T17:14:14","date_gmt":"2014-02-24T16:14:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=1288"},"modified":"2014-02-24T17:14:14","modified_gmt":"2014-02-24T16:14:14","slug":"buchkritik-selbstmanagement-im-musikbetrieb-von-petra-schneidewind-und-martin-trondle-hg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2014\/02\/24\/buchkritik-selbstmanagement-im-musikbetrieb-von-petra-schneidewind-und-martin-trondle-hg\/","title":{"rendered":"Buchkritik: \u201eSelbstmanagement im Musikbetrieb\u201c von Petra Schneidewind und Martin Tr\u00f6ndle (Hg.)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/9783837616606_216x1000.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1291\" alt=\"9783837616606_216x1000\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/9783837616606_216x1000.jpg\" width=\"216\" height=\"329\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/9783837616606_216x1000.jpg 216w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/9783837616606_216x1000-197x300.jpg 197w\" sizes=\"(max-width: 216px) 100vw, 216px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die 1. Auflage des Buches \u201eSelbstmanagement im Musikbetrieb\u201c von Petra Schneidewind und Martin Tr\u00f6ndle (Hg.) erschien 2003 bei transcript und wurde 2012 in einer 2. Auflage komplett \u00fcberarbeitet, aktualisiert und erweitert (384 S.) Das Buch tr\u00e4gt den Untertitel \u201eEin Handbuch f\u00fcr Kulturschaffende\u201c (ISBN 978-3-8376-7660-6, 27,80 \u20ac). Die Herausgeberin Petra Schneidewind ist studierte Betriebswirtschaftlerin, leitet seit 2011 das Kontaktstudium an der P\u00e4dagogischen Hochschule Ludwigsburg und hat diverse Lehrauftr\u00e4ge; der Herausgeber Martin Tr\u00f6ndle studierte Musik und Kulturmanagement und lehrt seit 2009 Kulturbetriebslehre und Kunstforschung an der Universit\u00e4t Friedrichshafen.<!--more--><\/p>\n<p>Die Kapitel\u00fcberschriften der 1. Auflage wurden in der \u00fcberarbeiteten Neuauflage alle ersetzt und lauten nun: 1. Konzert und Publikum, 2. Musikmanagement, 3. Agenturen und Labels, 4. Zur Ausbildungssituation in den Musikhochschulen, 5. Recht. Unter diesen \u00dcberschriften sind jeweils 2-6 Aufs\u00e4tze zu speziellen Themen von insgesamt zehn Autoren (inkl. Hg.) abgedruckt. Im Vergleich zur 1. Auflage sind auf den ersten Blick keine neuen Autoren dazugekommen, die Aufs\u00e4tze wurden jedoch deutlich aktualisiert und zum Teil auch im Umfang ausgeweitet. Im Schlusskapitel \u201eRecht\u201c kam es dagegen zu erheblichen K\u00fcrzungen, weil die rechtliche Situation in der Schweiz nicht mehr gesondert ber\u00fccksichtigt wird.<\/p>\n<p>Man sollte meinen, dass knapp 400 Seiten den Herausgebern gen\u00fcgend Raum bieten um verschiedenen Sparten des Musikbetriebs zu betrachten. Leider wird bereits in den einleitenden Worten und Aufsatz\u00fcberschriften klar, dass sich die Autoren ausschlie\u00dflich an klassisch ausgebildete Instrumentalisten und Absolventen deutscher Musikhochschulen wenden.\u00a0Das Kapitel \u201eMusikmanagement\u201c gibt einige interessante, wenn auch ziemlich trocken formulierte, Ausf\u00fchrungen zum Thema \u00d6ffentlichkeitsarbeit, Soziale Medien, Drittmitteleinwerbung. Das Ziel aller Bem\u00fchungen ist die klassische Konzertsituation: Der virtuose Solist\/das Ensemble spielt im Konzertsaal vor dem bildungsb\u00fcrgerlich geschultem (Festival-) Publikum. Als Beispiel dient an verschiedenen Stellen ein fiktives, junges und aufstrebendes klassisches Streichquartett. Musikkultur wird hier als Konzertkultur verstanden, Zuh\u00f6rer sind Konzertbesucher, Musiker sind akademisch ausgebildete Instrumentalisten, Interpreten klassischer Musik sind Kulturschaffende usw. die Liste der eingeschr\u00e4nkten Auslegungen lie\u00dfe sich weiter fortsetzen. Wie es bei der thematischen Vorgabe (Stichwort: \u201eMusikbetrieb\u201c, \u201eKulturschaffende\u201c) zu einer derma\u00dfen drastischen Verengung des Betrachtungswinkels kommen konnte, bleibt das Geheimnis der Herausgeber. In einem eigenen Kapitel wird hier allen Ernstes die Ausbildungssituation an deutschen Musikhochschulen beschrieben und \u2013 vermutlich zu Recht \u2013 auch einige Missst\u00e4nde beklagt. An wen sich insbesondere dieses Kapitel richtet, bleibt unbeantwortet (Kultusministerien, Musikhochschulen, Professoren?).<\/p>\n<p>Nach wie vor aufschlussreich, wichtig und richtig ist das letzte Kapitel \u201eRecht\u201c. Die oben erw\u00e4hnten K\u00fcrzungen d\u00fcrfen als Gewinn hinsichtlich der \u00dcbersichtlichkeit verbucht werden. Allerdings sind die behandelten Themen (Urheberrecht, GEMA, KSK, Steuern, Vertragsrecht) auch vergleichsweise konkret und unterliegen nicht einem so gro\u00dfen Wandel wie andere Bereiche des Selbstmanagements.<\/p>\n<p>Fazit: Das umfangreiche Buch bietet einige interessante Einblicke. Insbesondere f\u00fcr ambitionierte Absolventen eines klassischen Instrumentalstudiengangs einer deutschen Hochschule k\u00f6nnte es eine aufschlussreiche Lekt\u00fcre zur Einsch\u00e4tzung der eigenen Situation nach Abschluss des Studiums darstellen. Dem eigenen Titel wird das Buch leider nicht gerecht. In den diversen Betrachtungen werden Musiker, Songwriter, Komponisten, Produzenten und andere Akteure aus den musikstilistischen Bereichen Pop, Jazz, Folk, Indie, Elektronik etc. und nicht akademisch ausgebildete Musikschaffende au\u00dferhalb des etablierten akademischen Kulturbetriebs (Hochschulen, Begabtenf\u00f6rderung, Wettbewerbe, etc.) nicht einmal ansatzweise ber\u00fccksichtigt, sie werden im Umkehrschluss sogar indirekt aus dem Musikbetrieb ausgegrenzt.<\/p>\n<p>Das Buch l\u00e4uft weiterhin Gefahr in bereits nur wenigen Jahren nicht mehr aktuell zu sein, teilweise ist das schon jetzt, nur ein Jahr nach Publikation, der Fall (z.B. MySpace, Facebook). Diesem Problem h\u00e4tten die Herausgeber ohne gro\u00dfen Aufwand mit entsprechenden Updates\/Erg\u00e4nzungen\/Vertiefungen auf einer Homepage\/Blog begegnen k\u00f6nnen. Obwohl die M\u00f6glichkeiten der Neuen Medien z.T. in den Aufs\u00e4tzen thematisiert werden, finden sie von Seiten der Herausgeber ganz offensichtlich keine Anwendung. Es gibt keine Hompage, keinen Blog, keine Facebookseite, kein Video zum Buch.<\/p>\n<p>Und an diesem Punkt setzt auch der letzte Kritikpunkt an: Die Informationen und Ausf\u00fchrungen in den verschiedenen Texten des Buches sind alle korrekt, aber wirken seltsam unerprobt. Der Schreibstil ist extrem steif und akademisch, alles ist wissenschaftlich gesehen sicherlich richtig (Fu\u00dfnoten, Literaturhinweise, Diagramme), wirkt aber oft leblos und theoretisch (Kreativit\u00e4tstechniken, Innovationsinkubator etc.) oder doch zumindest ziemlich arriviert und \u00fcber den Dingen schwebend (Arbeit an der Basis, musikp\u00e4dagogische T\u00e4tigkeit etc. spielen keine Rolle). Wenn man die Biographien der Autoren am Ende des Buches \u00fcberfliegt, bekommt man eine Ahnung, warum das evtl. so ist: Es sind zum gr\u00f6\u00dften Teil promovierte und\/oder habilitierte Wissenschaftler aus dem institutionalisierten Kultur- und Bildungsbetrieb. Weshalb gerade die sich bem\u00fc\u00dfigt f\u00fchlen ein Buch \u00fcber \u201eSelbstmanagement im Musikbetrieb\u201c, also einen vermeintlichen Ratgeber \u00fcber betriebswirtschaftliche Praxis f\u00fcr selbstst\u00e4ndige K\u00fcnstler in einem sehr speziellen Markt zu verfassen, bleibt unklar. Betroffene K\u00fcnstler kommen auf den fast 400 Seiten nur einmal zu Wort (klassisches Blockfl\u00f6ten Ensemble \u201eSpark\u201c: erfolgreich, keine Probleme).<\/p>\n<p>Tipp: Aufgrund vieler individueller Fallbeispiele sehr viel aufschlussreicher und anregender f\u00fcr K\u00fcnstler aller Sparten ist das Buch \u201eK\u00fcnstler. Ein Report\u201c (ebenfalls transcript, Wolfgang Schneider, Hg., 24,80\u20ac)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die 1. Auflage des Buches \u201eSelbstmanagement im Musikbetrieb\u201c von Petra Schneidewind und Martin Tr\u00f6ndle (Hg.) erschien 2003 bei transcript und wurde 2012 in einer 2. Auflage komplett \u00fcberarbeitet, aktualisiert und erweitert (384 S.) 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