{"id":1365,"date":"2014-03-24T08:15:24","date_gmt":"2014-03-24T07:15:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=1365"},"modified":"2014-03-24T08:15:24","modified_gmt":"2014-03-24T07:15:24","slug":"uber-das-artwork-des-albums-unsung-songs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2014\/03\/24\/uber-das-artwork-des-albums-unsung-songs\/","title":{"rendered":"\u00dcber das Artwork des Albums &#8222;Unsung Songs&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/us-cd-600.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1338\" alt=\"us-cd-600\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/us-cd-600-300x300.jpg\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/us-cd-600-300x300.jpg 300w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/us-cd-600-150x150.jpg 150w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/us-cd-600.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>von\u00a0<a href=\"http:\/\/www.kleinhenzgrafischesbuero.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Jochen Kleinhenz<br \/>\n<\/a><br \/>\nAls Dennis mich wegen der Gestaltung seiner neuen CD kontaktierte, hatte er diesmal vor allem Vorstellungen davon, was er nicht wollte \u2013 wir hatten in der Vergangenheit schon mehrfach mit stark von Fotografien gepr\u00e4gter \u00c4sthetik gearbeitet (Sideburner, Shine like Gold). Er wollte lieber Illustrationen, aber nicht individuell angefertigt wie die tollen Cover, die Markus Westendorf f\u00fcr ihn gezeichnet hat \u2013 eher in der Art wie die \u00bbSears &amp; Roebuck\u00ab-Kataloge: Versandkataloge aus dem sp\u00e4ten 19. und fr\u00fchen 20. Jahrhundert, in denen Produkte noch nicht mit Fotos, sondern mit Strichzeichnungen beworben wurden. <!--more-->Mein Faible f\u00fcr die Optik (und Verwendung) dieser Zeichnungen konnte ich in den vergangenen 15 Jahren schon \u00f6fters ausleben, aber immer nur in Kontexten, in denen Understatement und\/oder Ironie zu finden waren.\u00a0<span class=\"Apple-style-span\" style=\"font-style: normal;\"><span class=\"Apple-style-span\" style=\"font-style: normal;\"><span class=\"Apple-style-span\" style=\"font-style: normal;\"><span class=\"Apple-style-span\" style=\"font-style: normal;\"><span class=\"Apple-style-span\" style=\"font-style: normal;\"><span class=\"Apple-style-span\" style=\"font-style: normal;\"><span class=\"Apple-style-span\" style=\"font-style: normal;\">Nat\u00fcrlich geht es auch in dieser Gestaltung um Understatement, um Ironie \u2013 gl\u00fccklicherweise auch in einigen der Texte, so dass das Design nicht willk\u00fcrlich wirkt. Und nat\u00fcrlich orientierte ich mich vor allem an einem \u00bbSears &amp; Roebuck\u00ab-Katalog (1897, als Reprint erh\u00e4ltlich) \u2013 wobei mir der deutsche \u00bbHauptkatalog 1912 von August Stukenbrok\u00ab viel besser gef\u00e4llt, aber in typografischer Hinsicht nicht kompatibel ist mit Dennis&#8216; musikalischer Ausrichtung nach Nordamerika. Und nat\u00fcrlich musste ich auf frei zug\u00e4ngliches Bildmaterial setzen, das es zuhauf gibt, in Papierform klassisch zum Kopieren\/Ausschneiden, aber auch digital (Pepin Press etwa, thematisch gegliederte B\u00fccher inkl. CD mit den Bilddateien).<\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p>Dennoch half das Studium von \u00bbSears &amp; Roebuck\u00ab, um ein Gef\u00fchl f\u00fcr den Seitenaufbau und die Typografie zu entwickeln. Und wenn es nach mir gegangen w\u00e4re, w\u00e4re das Album nicht in einem Jewelcase erschienen, sondern die CD in ein mindestens A5-gro\u00dfes B\u00fcchlein eingelegt \u2013 nicht, um den gestalterischen Aspekt \u00fcberm\u00e4\u00dfig in den Vordergrund zu stellen, sondern weil eine gewisse Seitengr\u00f6\u00dfe und Mehrspaltigkeit n\u00f6tig ist, um den Charme der damaligen Gestaltung ad\u00e4quat zu zitieren. Dennis hat sich nat\u00fcrlich f\u00fcr die \u00f6konomisch sinnvollere Variante entschieden, aber die 12 Seiten des Booklets wurden zumindest als Wickelfalz angelegt \u2013 je 6 Seiten (=12 Spalten, siehe Innenteil) nebeneinander kommen dem epischen Umfang der alten Katalog-Doppelseiten n\u00e4her, als wenn hier so ein d\u00fcrres Booklet mit 4 Spalten nebeneinander durchgebl\u00e4ttert w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Bei der Schriftwahl entschied ich mich f\u00fcr ein paar Klassiker aus der Zeit, die ich allesamt seit Jahren in meiner Sammlung habe, zwar in der technisch alten Bitstream-Variante aus der Zeit weit vor OpenType, aber immer noch praktikabel f\u00fcr Texte, die weder \u00bb@\u00ab- noch \u00bb\u20ac\u00ab-Zeichen brauchen:<br \/>\nDie \u00bbFranklin Gothic\u00ab (1), eine sch\u00f6ne Serifenlose mit ebensovielen Ecken und Kanten wie Rundungen, pr\u00e4gt das Front-Cover \u2013 der Verweis auf das kleine \u00bbg\u00ab (wie in \u00bbget\u00ab oder \u00bbsongs\u00ab) soll dies exemplarisch belegen. Der eigentliche Hingucker ist jedoch der Titel \u00bbUnsung Songs\u00ab, gesetzt aus der \u00bbClarendon Bold\u00ab (2), einer serifenbetonten Schrift (sog. Egyptienne), die in Adobe Illustrator in Schwingung versetzt und vektorisiert wurde. Und ganz am Rande \u2013 \u00bbFULL LYRIC SHEET INCLUDED\u00ab \u2013 taucht hier schon die \u00bbCentury Old Style\u00ab (3) auf, eine Serifenschrift, die als eigentliche Textschrift letztlich das Gros der typografischen Gestaltung tr\u00e4gt. Alle drei Schriften haben ihre Wurzeln im 19. Jahrhundert, in England resp. Nordamerika.<\/p>\n<p>Zuerst gestaltete ich die Innenseiten mit den Songtexten in der Century Old Style \u2013 trotz der Kompromisse, bedingt durch das Seitenformat, kam ich dabei recht z\u00fcgig voran \u2013, allerdings verzichtete ich auf den urspr\u00fcnglich gedachten Wechsel mit der Franklin Gothic (was auch typografisch noch n\u00e4her an den alten Katalog herangekommen w\u00e4re). Anfangs gelang es mir auch ganz gut, die Platzierung der Bilder den den entsprechend instrumentierten Songs zuzuordenen \u2013 bis Dennis mir dann die finale Reihenfolge durchgab, wodurch sich manches verschob. Was aber nicht wirklich tragisch ist. Untypisch f\u00fcr die Zeit sind nat\u00fcrlich die \u00bb\/\u00ab, erst recht gedoppelt hintereinander. Die gepunkteten Linien bei den Besetzungen und die Haarstriche zwischen den Spalten gleichen das aber hoffentlich wieder aus.<\/p>\n<p>Als n\u00e4chstes kam das eigentliche Cover dran \u2013 in einem gr\u00f6\u00dferen Format w\u00e4re Platz f\u00fcr die Ranch gewesen, und das ganze Design w\u00e4re noch mehr in Richtung Katalog-Titel gewandert. So wirkt es eher wie eine Anzeige, aber stilecht. Und war die Arbeit am Innenteil noch von einer Art Ernsthaftigkeit gepr\u00e4gt, so versuchte ich nun, m\u00f6glichst zeittypisch das \u00bbWichtig! Wichtig!\u00ab der Werbung aus der damaligen Zeit einzufangen \u2013 und zu persiflieren: \u00bbYou will get 10 all new songs\u2026\u00ab \u2013 der ganze Sermon stammt aus meiner Tastatur, mit minimalen nachtr\u00e4glichen textlichen Anpassungen. \u00dcber die Aussage, dass jeder Song von \u00bbat least 4 skilled musicians\u00ab aufgef\u00fchrt wird, kann ich heute noch lachen. In das optische Loch, das sich wegen des geschwungenen Titels unter diesem links ergab, packte ich ein \u00bbAUDIOPHILE COMPACT DISC RECORDING\u00ab, sp\u00e4ter von Dennis (der voll auf diese Textebene einstieg und den Humor von Anfang an teilte) um \u00bbSTEREOPHONIC\u00ab erg\u00e4nzt. In das Loch rechts kam die Zeigehand, die sp\u00e4ter ebenfalls getauscht wurde, plus eine Prise Bedienungsanleitung (\u00bbOpen here\u00ab) und noch ein Versprechen \u2013 das bereits erw\u00e4hnte \u00bbFULL LYRIC SHEET INCLUDED\u00ab. Der gr\u00f6\u00dfte Witz dabei: In iTunes wurde das Artwork nicht freigegeben, weil die Files eben keine Compact Disc seien und kein Lyric Sheet dabei w\u00e4re \u2026 wollen die uns ver\u00e4ppeln?<\/p>\n<p>Dass die Musiker ebenfalls stilecht durch alte Zeichnungen dargestellt werden, rundet das Gesamtbild ab. Und die Ranch kam auch zum Zug, im Innenteil bei den Linernotes und auf der CD selbst. Ein paar belassene Unsauberkeiten in der Typografie (auf die ich nicht explizit hinweisen will, aber ich weiss: Dennis wird jetzt hektisch suchen) und ein paar gewollte generelle Unsauberkeiten (wie das gebr\u00e4unte, stockige Papier im Hintergrund) sorgen f\u00fcr die richtige Portion Patina \u2013 und Semi- bzw. Unprofessionalit\u00e4t (gemessen an heutigen Standards), denn damals gab es kein DTP f\u00fcr alle und Grafiker noch nicht als Beruf, Mengensatz und Gestaltung lagen bei den meisten Druckereien in den H\u00e4nden derselben Personen, die auch die Druckmaschinen bedienten, die Farben auf die Walzen oder Formen auftrugen, die Kisten mit Papier schleppten und sich ohne Taschentuch schn\u00e4uzten. Ich mache das auch, aber nur beim Radfahren, nie bei der Arbeit \u2026<\/p>\n<p>(1) Produced by ATF in 1904, Morris Fuller Benton\u2019s personal version of the heavy sanserifs first made popular by Vincent Figgins in 1830. Franklin Gothic remains popular after over a hundred years of use. Quelle:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.myfonts.com\/fonts\/bitstream\/franklin-gothic\/\">http:\/\/www.myfonts.com\/fonts\/bitstream\/franklin-gothic\/<\/a><br \/>\n(2) The classical Clarendon form originating in England in 1845 as polished by Edouard Hoffmann and Hermann Eidenbenz at Haas a little over a century later. Haas\u2019 revival of this typeface in 1953 precipitated the revivals that follow. Quelle:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.myfonts.com\/fonts\/bitstream\/clarendon\/\">http:\/\/www.myfonts.com\/fonts\/bitstream\/clarendon\/<\/a><br \/>\n(3) Century Oldstyle is Linn Boyd Benton\u2019s and Morris Fuller Benton\u2019s renovation of Phemister\u2019s Miller &amp; Richard Old Style for ATF forty-five years later, using the Century name for marketing purposes. Quelle:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.myfonts.com\/fonts\/bitstream\/century-old-style\/\">http:\/\/www.myfonts.com\/fonts\/bitstream\/century-old-style\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von\u00a0Jochen Kleinhenz Als Dennis mich wegen der Gestaltung seiner neuen CD kontaktierte, hatte er diesmal vor allem Vorstellungen davon, was er nicht wollte \u2013 wir hatten in der Vergangenheit schon mehrfach mit stark von Fotografien gepr\u00e4gter \u00c4sthetik gearbeitet (Sideburner, Shine &hellip; <a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2014\/03\/24\/uber-das-artwork-des-albums-unsung-songs\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5,8,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1365"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1365"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1365\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1365"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1365"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1365"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}