{"id":140,"date":"2013-02-06T21:40:38","date_gmt":"2013-02-06T20:40:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=140"},"modified":"2013-02-06T21:40:38","modified_gmt":"2013-02-06T20:40:38","slug":"jim-croce-unchained","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2013\/02\/06\/jim-croce-unchained\/","title":{"rendered":"Jim Croce Unchained"},"content":{"rendered":"<p>Ich muss ungef\u00e4hr in der f\u00fcnften Klasse gewesen sein, als ich mir zum ersten Mal eine Kompaktkassette kaufte um eine erste, eigene Aufnahme damit zu machen. Ich hockte mich abends an den Radiokassettenspieler in unserer K\u00fcche, machte das Radio an und dr\u00fcckte die Record-Taste immer bei den Liedern, die mir gerade gefielen.\u00a0Der erste Song, der bei dieser Aktion auf meiner Kassette landete, war \u201eI got a name\u201c\u00a0gesungen von Jim Croce, aber das war mir in dem Augenblick nat\u00fcrlich noch nicht klar.<\/p>\n<p><!--more--><span class=\"Apple-style-span\" style=\"font-family: 'Helvetica Neue', Helvetica, Arial, sans-serif;\">Ich habe in den Wochen danach immer wieder vom Radio auf meine Kassette aufgenommen und dabei das meiste gel\u00f6scht und wieder dr\u00fcbergespielt, nur \u201eI got a name\u201c habe ich nie angetastet, ich fand den Song magisch. Mein Vater kl\u00e4rte mich irgendwann dar\u00fcber auf wie der Song hie\u00df und von wem er gesungen war, er hatte eine \u201eBest of\u201c-Schallplatte von Croce und die fand ich auch ziemlich gut. Ca. 1992 erschienen dann f\u00fcr sehr kurze Zeit die drei Originalalben von Jim Croce auf CD und die habe ich mir gekauft und rauf und runter geh\u00f6rt. Bald danach kaufte ich mir das damals einzig verf\u00fcgbare Croce-Songbook, das war zwar nur ein Klavierauszug, aber es waren alle wichtigen Linien notiert. Ich begann alle seine Song auf der Gitarre zu spielen und zu singen, am Anfang viele der Balladen, sp\u00e4ter immer mehr auch die sogenannten \u201eCharaktersongs\u201c bei denen es immer um skurrile Figuren in ungew\u00f6hnlichen Settings geht. Ich konnte eigentlich mit allen seinen Songs etwas anfangen und habe durch das intensive Studium dieser Lieder sehr viel \u00fcber die Kunst des Songwritings gelernt. Croce konnte seine Liebeslieder so intensiv und herzzerrei\u00dfend in der Ich-Form schreiben wie kaum jemand anderes, seine Charaktersongs waren immer witzig und unterhaltsam und er hatte die F\u00e4higkeit mit Worten, Musik und Gestus voll in die Welt seiner Figuren einzutauchen. Wie unglaublich humorvoll er sein konnte erf\u00e4hrt man auch auf dem Live-Album \u201eThe Final Tour\u201c bei dem die Ansagen mindestens so gut sind wie die Songs, die er singt. Faszinierend war nat\u00fcrlich auch das Gitarrenspiel, das sehr auf die Zusammenarbeit mit seinem Gitarristen Maury Muehleisen aufbaute. Anfangs war Croce der Gitarrist f\u00fcr Muehleisen gewesen, weil dessen Karriere aber nicht so recht Fahrt aufnahm und Croces erstes Album ziemlich schnell erfolgreich wurde, vertauschten sie kurzerhand die Rollen und entwickelten einen ziemlich eigenen Begleitstil bei dem es nicht wesentlich war, ob nun Schlagzeug und Bass dabei war oder nicht. Croce zupfte seine Gitarre in den unteren Lagen und Muehleisen spielte dazu auf seiner Gitarre meist mit Capo im f\u00fcnften oder siebten Bund. Zusammen ergab das ein beeindruckendes Klangbild und ich brauchte Jahre bis ich das Prinzip einigerma\u00dfen begriffen hatte. M\u00f6glich war mir das nur, weil die Gitarren auf den Alben im Stereobild extrem rechts\/links gemischt waren. 2003 erschien dann zum 30. Todestag eine DVD mit bis dahin unver\u00f6ffentlichten Fernsehstudioauftritten der beiden auf der man alles ganz einfach sehen konnte (\u201eHave you heard: Jim Croce Live\u201c).<\/span><\/p>\n<p>\u00dcber die Jahre habe ich viele Croce-Songs im Repertoire gehabt und viele davon auch aufgenommen (\u201eBad, bad Leroy Brown\u201c, \u201eYou don\u2019t mess around with Jim\u201c, \u201eSpeedball Tucker\u201c, \u201eI got a name\u201c, \u201eBox #10\u201c, \u201eWorkin\u2019 at the Carwash Blues\u201c). Bei meiner Reise an die amerikanische Westk\u00fcste im Jahr 2007 machte ich auch Station in San Diego, weil Ingrid Croce dorthin nach Jims Tod umgesiedelt war und ein mittlerweile sehr renommiertes Restaurant im Gas Lamp Destrict betreibt (Croce&#8217;s Restaurant and Jazz Bar, 802 Fifth Ave). Obwohl ich unangemeldet vorbeischaute, nahm sie und ihr neuer Mann sich einem Abend f\u00fcr mich Zeit. Ich erz\u00e4hlte von meiner Faszination f\u00fcr die Musik ihres verstorbenen Mannes und sie lie\u00df mich an ihren Erinnerungen teilhaben. Auch heute noch singe ich bei jedem meiner Konzerte mindestens einen seiner Songs. Und dann war ich letzte Woche im Kino und habe mir den neuen Tarantino-Film angesehen. In einer der wenigen friedvollen Szenen des Spektakels erklingt \u201eI got a name\u201c gesungen von Jim Croce. Das hatte ich nicht erwartet, ich habe mich still gefreut und im Dunkeln des Kinosaals gel\u00e4chelt.<\/p>\n<p>Epi-Log: Am Tag der Ver\u00f6ffentlichung des Songs \u201eI got a name\u201c, am 20. September 1973, ist Croce zusammen mit seinem Freund und Gitarristen Maury Muehleisen und vier weiteren Personen mit einem Flugzeug abgest\u00fcrzt, alle Insassen kamen dabei ums Leben. Jim Croce w\u00e4re am 10. Januar dieses Jahres 70 Jahre alt geworden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich muss ungef\u00e4hr in der f\u00fcnften Klasse gewesen sein, als ich mir zum ersten Mal eine Kompaktkassette kaufte um eine erste, eigene Aufnahme damit zu machen. 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