{"id":1466,"date":"2014-05-02T12:44:22","date_gmt":"2014-05-02T10:44:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=1466"},"modified":"2014-05-02T12:44:22","modified_gmt":"2014-05-02T10:44:22","slug":"buchtipp-grundeinkommen-statt-urheberecht-von-ilja-braun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2014\/05\/02\/buchtipp-grundeinkommen-statt-urheberecht-von-ilja-braun\/","title":{"rendered":"Buchtipp: \u201eGrundeinkommen statt Urheberrecht?\u201c von Ilja Braun"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Grundeinkommen.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1465\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Grundeinkommen-196x300.jpg\" alt=\"Grundeinkommen\" width=\"196\" height=\"300\" \/><\/a>Das Buch erschien im Februar 2014 bei transcript und tr\u00e4gt den Untertitel \u201eZum kreativen Schaffen in der digitalen Welt\u201c (ISBN 978-3-8376-2680-3, 21,99 \u20ac). Der Autor Ilja Braun ist freier Autor und Journalist, er hat f\u00fcr das Urheberrechtsportal iRights.info geschrieben und geh\u00f6rt der Redaktion des Magazins CARTA an.<!--more--><\/p>\n<p>Nach einer kurzen Einleitung folgen zehn klar strukturierte Kapitel in denen St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck auf das im Titel formulierte Thema hingearbeitet wird. Jedem Kapitel ist ein ca. halbseitiges Abstract vorangestellt in dem wesentliche Fragen und die thematische Grundidee des folgenden Textes zusammengefasst sind.<\/p>\n<p>Fragt man sich am Anfang noch wie die Themen Urheberrecht und bedingungsloses Grundeinkommen zusammenh\u00e4ngen, so wird das im Verlauf der Lekt\u00fcre immer klarer.<br \/>\nBraun beginnt mit einer knappen Zusammenfassung der urspr\u00fcnglichen Idee des Urheberrechts und erkl\u00e4rt anschlie\u00dfend die rechtlichen und wirtschaftlichen Arbeitsbedingungen von Urhebern in der heutigen, digitalen Welt. Er streift dabei auch die heiklen Themen Kunst und Markt, Selbstvermarktung, intrinsische Motivation, Flatrate, Netzneutralit\u00e4t, Datenschutz, Privatsph\u00e4re, DRM u.a. Bei diesen im \u00f6ffentlichen Diskurs zumeist \u00e4u\u00dferst ideologisch besetzten Themen bleibt Braun auff\u00e4llig n\u00fcchtern, sachlich und matter-of-fact. An keiner Stelle wird es tendenzi\u00f6s, auch sehr angenehm ist, dass der gesamte Text komplett ironie- und anspielungsfrei ist und ohne nur einen Anflug von Sarkasmus auskommt. Alle Beschreibungen, Erkl\u00e4rungen und Argumente sind \u00e4u\u00dferst plausibel und logisch und werden im Anhang durch aktuelle und seri\u00f6se Quellen belegt.<\/p>\n<p>Ab dem siebten von zehn Kapiteln geht es dann ans Eingemachte. Auf dem Pr\u00fcfstand steht die Kulturflatrate in Form von Bezahlsystem, Verg\u00fctungsmodell oder Gesellschaftsvertrag. Alle Ideen werden umfassend vorgestellt und ihre St\u00e4rken und Schw\u00e4chen aufgezeigt. Im achten Kapitel geht es um die Idee eines \u00f6ffentlich-rechtlichen Internets als Erweiterung der bereits bestehenden \u00f6ffentlich-rechtlichen Bereiche Funk und Fernsehen. Hier d\u00fcrfte auch dem letzten B\u00fcrger klar werden wie gut die urspr\u00fcngliche Idee von \u00f6ffentlich-rechtlicher medialer Grundversorgung einmal gewesen ist und wie verkommen, verkorkst und versaut das aktuelle System seit vielen Jahren geworden ist. Braun gibt hier einige praktische Anregungen wie dem entgegengewirkt und gleichzeitig kulturell wertvolle Produktionen angeregt werden k\u00f6nnten. Trotzdem kann auch hiermit die Entlohnung von Urhebern nicht umf\u00e4nglich geregelt werden.<\/p>\n<p>Es ist schon erstaunlich wie im letzten Kapitel des Buches dann alle F\u00e4den zusammenlaufen und die Utopie eines bedingungslosen Grundeinkommens f\u00fcr alle (nicht nur K\u00fcnstler) zur einzigen umsetzbaren und vern\u00fcnftigen L\u00f6sung in einer digitalen Welt wird. Dem Autor ist dabei durchaus bewusst, dass sein Vorschlag realpolitisch z.Z. nicht umsetzbar ist. Es schlie\u00dft mit den Worten: \u201eEin bedingungsloses Grundeinkommen w\u00fcrde f\u00fcr alle Mitglieder der Gesellschaft leisten, was das Urheberrecht einst f\u00fcr eine kleine Schicht von Privilegierten zu leisten versprach, ohne dieses Versprechen je zu erf\u00fcllen: Es w\u00fcrde die Freiheit der Individuen absichern, sch\u00f6pferisch produktiv zu sein, ohne deshalb um das t\u00e4gliche Brot bangen zu m\u00fcssen. Es stellt sich modernen, postindustriellen Gesellschaften kaum eine vornehmere Aufgabe.\u201c<\/p>\n<p>Fazit: Ein Buch, das nicht nur f\u00fcr Urheber oder sonstige Kreative, sondern f\u00fcr alle m\u00fcndigen B\u00fcrger in einer digitalen Welt h\u00f6chstinteressant sein sollte. Die Zusammenh\u00e4nge zwischen den auf den ersten Blick z.T. sehr unterschiedlichen Themen werden in einer gut lesbaren, unakademischen Sprache pr\u00e4gnant und auf den Punkt erkl\u00e4rt und die Situation, Probleme und m\u00f6gliche L\u00f6sungen verst\u00e4ndlich dargelegt. Der Autor Ilja Braun hat sehr gute, wichtige, aufkl\u00e4rende Arbeit geleistet f\u00fcr die man ihm nur danken kann, dicke Empfehlung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Buch erschien im Februar 2014 bei transcript und tr\u00e4gt den Untertitel \u201eZum kreativen Schaffen in der digitalen Welt\u201c (ISBN 978-3-8376-2680-3, 21,99 \u20ac). 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