{"id":1684,"date":"2014-07-31T17:44:29","date_gmt":"2014-07-31T15:44:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=1684"},"modified":"2014-07-31T17:44:29","modified_gmt":"2014-07-31T15:44:29","slug":"popkomm-wie-kommuniziert-man-ueber-popmusik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2014\/07\/31\/popkomm-wie-kommuniziert-man-ueber-popmusik\/","title":{"rendered":"Popkomm: Wie kommuniziert man \u00fcber Popmusik?"},"content":{"rendered":"<p>Im Laufe der letzten Tage gab es an einem meiner Blogartikel gro\u00dfes Interesse, das sich in hohen Zugriffszahlen und einer au\u00dferordentlichen Anzahl von Kommentaren niedergeschlagen hat. Es wurde eingangs die Frage gestellt, ob Popmusik als treibende Kraft der Popkultur ausgedient hat. Die anschlie\u00dfende Diskussion hatte ein enormes Tempo war wortgewaltig, engagiert, emotional, anregend, provokativ, zum Teil frei assoziativ, zum Teil deutlich um Sachlichkeit bem\u00fcht. Als beteiligter Diskutant und Moderator war f\u00fcr mich sehr interessant zu verfolgen welche Wege und Wendungen die Diskussion in ihrem Verlauf genommen hat, teilweise driftete sie in entfernte Gefilde (Was ist Popmusik?, Anything goes?\/Geht wirklich alles? Darf man Popmusik bewerten? Welche Rolle spielt der eigene Geschmack? Wo endet die Toleranz? Wo beginnt Wurschtigkeit? Was ist intellektuell\/pseudointellektuell? Welche Berechtigung haben externe Autorit\u00e4ten? Wer hat die Definitionshoheit? Etc.). Es prallten dabei viele verschiedene Standpunkte, Ansichten und Artikulationsstile aufeinander und es stellte sich immer deutlicher die Frage: Wie kommuniziert man \u00fcber Popmusik?<!--more--><\/p>\n<p>Jeder Beteiligte bringt ja seine ureigenste popmusikalische Sozialisierung, ein gro\u00dfes Repertoire von Erfahrungen und jede Menge von individuellen Vorlieben mit an den Tisch. All das schwingt bei einer Diskussion zwar subtil, aber in hohem Masse mit, ist oft schwer oder gar nicht begr\u00fcndbar und den Mitdiskutanten oftmals gar nicht bekannt. Selbst Vertreter ein und derselben Generation haben nicht selten vollkommen unterschiedliche, wenn nicht sogar diametral entgegengesetzte musikalische Biographien (wie ich oftmals auch als Moderator des langj\u00e4hrigen Musiktalks \u201cMy Favourite Tracks\u201c erfahren durfte). Da einen gemeinsamen Nenner zu finden ist nicht immer einfach. Zus\u00e4tzlich wird auf sehr unterschiedliche Art und Weise diskutiert. Jeder hat nat\u00fcrlich ein Recht auf seine ganz pers\u00f6nlichen Vorlieben, die nicht begr\u00fcndet werden k\u00f6nnen oder m\u00fcssen. Das sei jedem geg\u00f6nnt, aber f\u00fcr eine Diskussion ist das eine schwierige Ausgangslage. Und wenn jetzt jemand meint, das w\u00e4re ein Problem nicht-akademischer Kreise, dem kann ich entgegenhalten, dass auch Akademiker vom Fach also z.B. Musik-, Kultur-, oder Sozialwissenschaftler selbstverst\u00e4ndlich ihre fachlichen und inhaltlichen Vorlieben haben und diese auch offen pflegen. Man kann dies meist ganz leicht an den Themen ihrer Vorlesungen und Ver\u00f6ffentlichungen ablesen. Vordergr\u00fcndig ist man um Sachlichkeit und ein ganzheitliches Verst\u00e4ndnis bem\u00fcht, aber f\u00fcr sich genommen w\u00fcrde sicher kein Geisteswissenschaftler ein Thema bearbeiten an dem er nicht auch ein ganz pers\u00f6nlich begr\u00fcndetes Interesse hat.<\/p>\n<p>Es kommt bei einer Diskussion aber auch darauf an welchem Ort und mit wem man sie f\u00fchrt. Unter Vertrauten in der Stammkneipe, einer pers\u00f6nlichen Unterhaltung oder einem Blogkommentar, kann ich meiner Meinung nach anders agieren als in einer wissenschaftlichen Arbeit, einer \u00f6ffentlichen Rede oder einem Blogartikel. Je nachdem kann es dann assoziativ, emotional, subjektiv, provokativ oder eben intellektuell, sachlich begr\u00fcndet, allgemeing\u00fcltig oder akademisch zugehen.<\/p>\n<p>Wenig Sinn macht es dabei externe Autorit\u00e4ten oder Quellen zu bem\u00fchen, die andere Beteiligte nicht kennen, oder auf Behauptungen herumzureiten, die argumentativ nicht belegt werden k\u00f6nnen. Politische Korrektheit oder st\u00e4ndige Nicht-Festlegung ist auf Dauer auch etwas langweilig. Schwierig wurde es meist dann, wenn einer eine pers\u00f6nliche Meinung \u00e4u\u00dferte, ein anderer aber allgemeing\u00fcltige Aussagen h\u00f6ren wollte. Wenn einer vom Text (z.B. einer bestimmten Einspielung) redete und der andere vom Kontext (aus der Musik resultierende Moden, T\u00e4nze, politische Forderungen). Oder einer von soziokulturellen Auswirkungen und der andere von der kompositorischen oder instrumentaltechnischen Handwerklichkeit einer Einspielung. Es stellte sich heraus, dass man sich nicht einmal auf eine halbwegs g\u00fcltige Definition des Begriffs \u201ePopmusik\u201c einigen konnte. Man kann diese Ausrichtungen insbesondere in der Kommentarfunktion eines Blogs nicht vorher abstecken, das w\u00fcrde den nat\u00fcrlichen Verlauf einer Diskussion zu sehr regulieren und begrenzen. Die Diskutanten m\u00fcssen ein Gef\u00fchl daf\u00fcr entwickeln aus welcher argumentativen Ecke das Gegen\u00fcber kommt, Interesse zeigen, Fragen stellen, Antworten anbieten, das ist zum gro\u00dfen Teil auch gelungen. Falls alle auf Dauer nur auf dem eigenen Standpunkt behaaren und also inhaltlich unbeweglich sind, bleibt eine Diskussion allerdings unergiebig. Aber das gilt freilich nicht nur f\u00fcr die Kommunikation \u00fcber Popmusik, sondern f\u00fcr jegliche Form der Kommunikation.<\/p>\n<p>So oder so habe ich mich \u00fcber die rege Teilnahme an der Diskussion sehr gefreut und konnte einige Anregungen f\u00fcr mich selbst mitnehmen. Gerne mehr davon. Ich schlie\u00dfe mit einem herzlichen Gru\u00df an alle Leser und Kommentatoren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Laufe der letzten Tage gab es an einem meiner Blogartikel gro\u00dfes Interesse, das sich in hohen Zugriffszahlen und einer au\u00dferordentlichen Anzahl von Kommentaren niedergeschlagen hat. 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