{"id":1773,"date":"2014-09-22T18:01:06","date_gmt":"2014-09-22T16:01:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=1773"},"modified":"2014-09-22T18:01:06","modified_gmt":"2014-09-22T16:01:06","slug":"buch-das-zweite-ich-von-gunter-reus-hg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2014\/09\/22\/buch-das-zweite-ich-von-gunter-reus-hg\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eDas zweite Ich\u201c von Gunter Reus (Hg.)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Unknown.jpeg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1772\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Unknown-210x300.jpeg\" alt=\"Unknown\" width=\"210\" height=\"300\" \/><\/a>Das Buch erschien im M\u00e4rz 2014 im wissenschaftlichen Verlag Springer VS (bis 2012 VS Verlag) in der Reihe \u201eMusik und Medien\u201c und tr\u00e4gt den Untertitel \u201eGespr\u00e4che mit Musikern \u00fcber Image und Karriere in der Mediengesellschaft\u201c (ISBN 978-3-658-04482-4, 34,99 \u20ac). Der Herausgeber Gunter Reus ist Professor f\u00fcr Journalistik an der Hochschule f\u00fcr Musik, Theater und Medien in Hannover.<!--more--><\/p>\n<p>Das Buch umfasst Interviews mit 18 deutschen Musikern verschiedenster musikstilistischer Sparten. Die Interviews wurden vorbereitet und durchgef\u00fchrt von Teilnehmern eines Projektseminars der Hochschule Hannover, das der Herausgeber dort leitet. Der Ablauf folgt einem \u201ehalbstandardisierten Verfahren\u201c, d.h. ein Teil der Fragen war vorformuliert und wurde an alle Interviewpartner gerichtet, ein weiterer Teil der Fragen wurde individuell an den einzelnen Interviewpartner gerichtet.<\/p>\n<p>Im Vorwort f\u00fchrt Gunter Reus an das Themen &#8222;Image und Karriere&#8220; heran und er\u00f6ffnet mit einem antiquierten Zitat aus Lessings Schauspiel \u201eEmila Galotti\u201c (1772). Von da arbeitet er sich ins 19. Jahrhundert voran, beschreibt knapp die Entwicklung von B\u00fcrgerkultur, Zeitungen und Feuilletons und zeigt sich auch weiterhin einer stark historisch gepr\u00e4gten Sichtweise verhaftet. Irgendwann kommt er dann doch wenigstens im 20. Jahrhundert an, schw\u00e4rmt von den M\u00f6glichkeiten von Grammophon, Kassettenrekordern und \u201emobilen Endger\u00e4ten\u201c. Bis zur Gegenwart im 21. Jahrhundert reicht es dann leider doch nicht. Er faselt zwischendurch allen Ernstes vom \u201eSiegeszug der angels\u00e4chsisch gepr\u00e4gten Popmusik nach 1900\u201c (meint wohl anglo-amerikanisch) und erkennt \u201eGegebenheiten der Rezeption, die einen Konzertrahmen nicht mehr unbedingt voraussetzen\u201c. Die Musikwelt wird klassisch unterteilt in E und U, das Musikgesch\u00e4ft in Kunst und Kommerz und das Internet ist im weiteren Verlauf nahezu gleichgesetzt mit Facebook (finden alle doof, aber man muss halt), ganz vielleicht wird noch kurz eine Homepage erw\u00e4hnt, aber nie benannt (wird meist von Zuarbeitern gepflegt, man ist ja K\u00fcnstler), keine Rede von Videos, Downloads, Blogs, Crowdfunding, digitaler Vernetzung, Subventionsproblematik, Umsonstkultur, Selbstausbeutung, Selbstmanagement oder gar m\u00f6glicher Perspektiven etc. Lobenswert immerhin der Ansatz der Publikation mal die agierenden Musiker in das Zentrum einer Betrachtung zu setzen und ihnen konkrete Fragen zu stellen. Dazu w\u00e4re anzumerken, dass so was von ernstzunehmenden Musikmagazinen (Rolling Stone, Spex, Visions) nat\u00fcrlich schon seit Jahrzehnten gemacht wird. Im wissenschaftlichen Kontext scheint es, wenn man der Argumentation von Reus folgt, anscheinend eine neue Herangehensweise zu sein.<\/p>\n<p>Die befragten Musiker sind musikstil- und generationen\u00fcbergreifend ausgew\u00e4hlt, leider sind nur zwei Frauen dabei (beide aus dem klassischen Bereich). Alle zusammen sind oder waren in ihrem jeweiligen Bereich national, zum Teil auch international, erfolgreich und etabliert.<br \/>\nDer Fragenkatalog startet fast ausnahmslos mit der idiotischen Frage \u201eWas ist f\u00fcr Sie das perfekte\u00a0Publikum?\u201c. Erstaunlicherweise finden die Befragten dazu meist eine halbwegs freundliche Antwort. Wie auch insgesamt festzustellen ist, dass die Interviewpartner dem Projekt und den fragenden Studenten gegen\u00fcber sehr offen eingestellt sind. Tats\u00e4chlich ist aber bereits das Interview (bzw. sogar die erfolgte Absage eines solchen) eine Form der Imagepflege eines jeden K\u00fcnstlers und so w\u00e4re es insbesondere aus wissenschaftliche Sicht nat\u00fcrlich interessant gewesen wer im Vorfeld alles angefragt wurde, auf welchem Wege und in welcher Form kommuniziert wurde bevor es \u00fcberhaupt zu dem Interview kam, wo es stattfand, aus welchem Grund Absagen erfolgten etc. Es ist auch nicht ganz unwesentlich, dass anscheinend keine Interviews mit Vertretern der allerersten Liga deutscher Musiker stattfanden und insbesondere nicht mit Musikern, die in einem besonderen Masse von einem stark konstruierten Image leben wie z.B. Rammstein, Bushido, Helene Fischer oder David Garrett um Mal ein paar sehr prominente Vertreter zu nennen. Es handelt sich bei der in den Interviews\u00a0pr\u00e4sentierten Gruppe also bereits um eine deutliche (Vor-)Auswahl von Musikern, die \u2013 jede\/r auf seine Weise &#8211; um Formen der \u00f6ffentlichen Wahrnehmen k\u00e4mpfen m\u00fcssen. So behauptet nat\u00fcrlich folgerichtig auch fast jeder der Interviewten \u201eauthentisch\u201c zu sein, \u201ef\u00fcr seine Fans da\u201c zu sein. Es wird mehrfach behauptet man sei \u201eam Boden geblieben\u201c, \u201eganz normal\u201c, h\u00e4tte sich durch die vermeintliche Prominenz \u201enicht ver\u00e4ndert\u201c und sei privat \u201egenau so wie auf der B\u00fchne\u201c.<br \/>\nDas sind dann nat\u00fcrlich wieder f\u00fcr sich gesehen interessante und verwertbare Erkenntnisse. Sie werden aber nicht kommentiert, gefiltert, relativiert oder aufgearbeitet. Der Leser wird am Ende jedes Interviews und schlie\u00dflich auch am Ende des Buches komplett allein gelassen. Es gibt keinerlei Zusammenfassung, kein Ergebnis, kein Fazit, nichts. Man findet nicht mal eine Einsch\u00e4tzung dar\u00fcber, ob man die einigerma\u00dfen aufw\u00e4ndige Unternehmung (Anfragen, Anreisen, Interviews, Verschriftlichung, Buchform) selbst f\u00fcr wertvoll und gelungen oder f\u00fcr eigentlich irrelevant und \u00fcberfl\u00fcssig h\u00e4lt (was im Rahmen eines Seminars keine Schande gewesen w\u00e4re). Der Herausgeber zieht sich hier am Ende einfach sang- und klanglos aus der Aff\u00e4re. Das \u00fcberakademische Vorwort wirkt dadurch im R\u00fcckblick noch weltfremder und abgehobener.<\/p>\n<p>Die Interviewsammlung bekommt dadurch den Charakter einer zwar sachlichen, aber auch seltsam passiven und farblosen Texttranskriptionen ohne Motiv, Wertung, Aussage oder Intention. Man fragt sich als Leser: Was wollte der Herausgeber mir mitteilen? Dass er die F\u00e4higkeit hat seine Studenten anzuleiten wie man Interviews konzipiert? Am Schluss hat man 18 Interviews gelesen mit Musikern, die man kennt oder auch nicht, die man sympathisch findet oder auch nicht, aber es hat alles in allem leider keine nennenswerte Relevanz. Vielleicht kann die Interviewsammlung in anderen Uni- oder Hochschulseminaren als Stoffsammlung dienen, vielleicht folgt irgendwann die Auswertung der erhobenen Aussagen durch Herrn Reus oder weitere seiner Seminarteilnehmer. Vielleicht kann man es aber auch bleiben lassen.<\/p>\n<p>Fazit: Das mit 200 Seiten recht d\u00fcnn angelegte B\u00fcchlein ist nicht sehr aussagekr\u00e4ftig und mit einem Preis von 34.99 Euro deutlich \u00fcberteuert. Es h\u00e4tte aus wissenschaftlicher Sicht vollkommen ausgereicht die Transkriptionen der Interviews in digitaler Form und f\u00fcr jedermann zug\u00e4nglich ins Netz zu stellen. Alternativ empfehle ich zum Thema das erst k\u00fcrzlich bei transcript erschienene und hervorragende Buch \u201eK\u00fcnstler. Ein Report\u201c von Wolfgang Schneider (Hg.). Darin geht es zwar nicht in erster Linie um Image, die Karrieren und Lebensumst\u00e4nde von K\u00fcnstlern verschiedenster Sparten werden aber hoch interessant und aussagekr\u00e4ftig beschrieben, in einen gesellschaftlichen Kontext gesetzt und gewinnbringend und erkenntnisreich kommentiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Buch erschien im M\u00e4rz 2014 im wissenschaftlichen Verlag Springer VS (bis 2012 VS Verlag) in der Reihe \u201eMusik und Medien\u201c und tr\u00e4gt den Untertitel \u201eGespr\u00e4che mit Musikern \u00fcber Image und Karriere in der Mediengesellschaft\u201c (ISBN 978-3-658-04482-4, 34,99 \u20ac). 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