{"id":1799,"date":"2014-10-02T12:17:18","date_gmt":"2014-10-02T10:17:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=1799"},"modified":"2014-10-02T12:17:18","modified_gmt":"2014-10-02T10:17:18","slug":"faq-zu-warum-hits-hits-werden-von-volkmar-kramarz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2014\/10\/02\/faq-zu-warum-hits-hits-werden-von-volkmar-kramarz\/","title":{"rendered":"FAQ zu \u201eWarum Hits Hits werden\u201c von Volkmar Kramarz"},"content":{"rendered":"<p>Aufgrund meiner <a href=\"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/2014\/09\/03\/buchkritik-warum-hits-hits-werden-von-volkmar-kramarz\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ausf\u00fchrlichen Kritik<\/a> zu seinem j\u00fcngst bei Transcript erschienen Buch \u201eWarum Hits Hits werden\u201c hat der Autor <a href=\"http:\/\/volkmarkramarz.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Volkmar Kramarz<\/a> sich bei mir gemeldet. Er hatte das dringende Bed\u00fcrfnis auf einige der von mir angesprochenen Fragen zu reagieren und hofft damit etwaigen Unklarheiten auf Seiten der Leser zu begegnen. Nach gemeinsamer Absprache hat er nun einen Fragen- und Antwortenkatalog (FAQ) vorgelegt, den ich hiermit gerne ver\u00f6ffentliche. Ich freue mich \u00fcber seine unmittelbare und direkte Reaktion auf meine Kritik und bedanke mich f\u00fcr seinen konstruktiven Beitrag zum wissenschaftlichen Diskurs, der an anderer Stelle leider viel zu selten offen\/\u00f6ffentlich gef\u00fchrt wird. Feedbacks, Meinungen und Kommentare sind diesmal besonders\u00a0herzlich willkommen.<!--more--><\/p>\n<p><strong>FAQ von Volkmar Kramarz<br \/>\nKann ich bei einem St\u00fcck 100% sagen, dass es a. ein Hit und\/oder b. KEIN Hit wird?<\/strong><br \/>\nWas sich sagen l\u00e4sst aufgrund meiner Beobachtungen und Forschungsergebnisse, ist: Wenn ein Song NICHT bestimmte Elemente und Grundz\u00fcge aufweist (gerade im Bereich Harmonik), wird er nicht zu der Gruppe von St\u00fccken geh\u00f6ren, die aktuell ernsthaft um den vordersten Platz in der Hitparade k\u00e4mpfen. Dort kann es aber nur einen Sieger geben, und daher ist es insofern nicht m\u00f6glich zu garantieren, dass eine bestimmte Song-Produktion mit ihrem jeweiligen Image, Gesangsperformer, Arrangement und Promotionaufwand letztendlich das gew\u00fcnschte Ergebnis erzielen wird. ABER: Man kann feststellen, dass der eine Song zumindest das Potential hat, ein weithin akzeptiertes St\u00fcck zu werden \u2013 und dass andere St\u00fccke dies eben nicht haben \u2013 wobei das praktisch immer zu einem \u2013 garantierten \u2013 NICHT-Erfolg f\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>Sind neben Harmonien und Melodien nicht auch (oder gerade) au\u00dfermusikalische Faktoren wichtig f\u00fcr einen Hit?<br \/>\n<\/strong>Es geht um die Hierarchie der Elemente: Nat\u00fcrlich sind im langwierigen Verfahren zu einem Hit irgendwann vitale Kontakte zu Plattenfirmen, \u00fcppige Etats bei den Videoproduktionen usw. absolut notwendig, ABER: Zuerst muss die musiktheoretische Basis stimmen \u2013 mit packender Melodik, pulsierendem Rhythmus und eben vorrangig den richtigen, allgemein als wohlig empfundenen Harmonie-Abfolgen. Nur dann kann alles Weitere irgendwann seine Wirkung erzielen. Eine musiktheoretisch ,chaotisch-aufgel\u00f6ste\u00b4 Musikabfolge wird einfach keine Chance \u2013 trotz aller theoretischer Innovation und Ungew\u00f6hnlichkeit \u2013 haben, einen weltweiten (kommerziell durchschlagenden) Erfolg zu erzielen.<\/p>\n<p><strong>Warum ist nicht jedes St\u00fcck, das den Pop Formeln entsprechende Harmoniefolgen hat, auch ein Hit?<br \/>\n<\/strong>Weil es so viele St\u00fccke gibt, die sich an diese Standard-Formeln halten und darauf aufgebaut sind. Aber auf Platz Eins ist nur begrenzt Platz \u2013 und daher fallen viele, an sich Hit-geeignete St\u00fccke erfolglos wieder zur\u00fcck ins Abseits.<\/p>\n<p><strong>Ist es nicht viel sch\u00f6ner, wenn man nicht per Analyse wei\u00df, wie Hits gemacht werden \u2013 und was sie jeweils auszeichnet? Warum das Mystische zerst\u00f6ren?<br \/>\n<\/strong>F\u00fcr viele Rezipienten und Genie\u00dfer von Popmusik mag das gelten. Aber wenn ich beispielsweise als Musiker mein ganzes Leben, meine gesamte berufliche Existenz mit dem kommerziellen Erfolg eigener St\u00fccke verbinde, macht es Sinn, sich dar\u00fcber zu informieren, welche Grundlagen im Bereich etwa von Harmonik f\u00fcr angenehme Gef\u00fchle sorgen bei den H\u00f6rern \u2013 und welche nicht. Und wenn ich eine F\u00fclle von neuen Songs auf ihre Erfolgswahrscheinlichkeit begutachte, kann es ebenfalls helfen. Und nicht zuletzt, wenn ich beim n\u00e4chsten ESC auf die vorderen Pl\u00e4tze eine Wette abschlie\u00dfen m\u00f6chte&#8230;;-)<\/p>\n<p><strong>Gibt es wirklich DIE Formel f\u00fcr einen Hit?<br \/>\n<\/strong>JEIN \u2013 es gibt nicht DIE Formel, aber es gibt ein B\u00fcndel von Vorraussetzungen, die unbedingt eingehalten und beachtet werden sollten, wenn ernsthaft ein gesch\u00e4ftlicher Musik erzielt werden soll. Dies alles beinhaltet so viele standardisierte Anwendungs-praktiken, dass schon in bestimmten Beziehungen \u2013 wie eben dem Einsatz von musterartigen Harmonieabl\u00e4ufen \u2013 zumindest von (einigen wenigen) ,Formeln` gesprochen werden kann.<\/p>\n<p><strong>Warum der h\u00e4ufige Bezug auf die Beatles?<br \/>\n<\/strong>Weil bei ihnen so \u00fcberzeugend und exemplarisch gezeigt werden kann:<br \/>\n1. Der Erfolg basiert auf intensivstes und zeitraubendes Einarbeiten in die Grundlagen und Baumuster der weltweiten Mega-Hits (Wirken der Beatles in Hamburg und Liverpool).<br \/>\n2. Wenn dann erste Eigenkompositionen, die sich ganz an diese Muster halten und sie nur minimal variieren (beispielsweise die Verbindung eines Blues-12-Takt-Schemas mit einer Turn-Around Abfolge wie in \u201eCan\u00b4t Buy Me Love\u201c, was zu diesem Zeitpunkt \u00e4u\u00dferst ungew\u00f6hnlich war), ver\u00f6ffentlicht wurden, dann konnte in Verbindung mit dem passenden Zeitgeist, gelungener Promotion und gro\u00dfer Interpretationskunst (die Beatles hatten z.B. drei hervorragende S\u00e4nger unter sich!) der Anfang einer gro\u00dfen Hit-Produktionszeit erfolgen.<br \/>\n3. Dann durfte die Zeit der Experimente einsetzen: Verbindung mit Elektronik, mit Tontechnik aus dem Studiobereich, wobei allerdings die Beliebtheits-Grenze erreicht wird, wenn die harmonischen Grundlagen der fr\u00fchen Hit v\u00f6llig verlassen werden wie etwa in \u201eRevolution No. 9\u201c.<br \/>\n4. Schlie\u00dflich besonnen sich die Fab Four auf ihre Kommerzielle Durchschlagskraft und kreierten nun Songs wie \u201eLet It Be\u201c, das als einer der ersten St\u00fccke das bekannte Four-Chord-Schema aufweist. Axis of Awesome werden \u2013 Jahrzehnte sp\u00e4ter \u2013 zeigen, wie viele Hits auf der Grundlage dieser viertaktigen Harmoniefolge m\u00f6glich sind.<br \/>\nFazit: Kaum eine Band hat solch einen exemplarischen Werdegang in nur einigen wenigen Jahren aufzuweisen \u2013 f\u00fcr mich daher ein dankbares und aussagekr\u00e4ftiges Beispiel-Potential.<\/p>\n<p><strong>Warum wird der ESC Eurovision Song Contest so vorrangig erw\u00e4hnt?<br \/>\n<\/strong>Es handelt sich hier nicht um eines der gr\u00f6\u00dften weltweiten Medienereignisse in Bezug auf Popmusik \u00fcberhaupt, sondern hier l\u00e4sst sich auch sehr sch\u00f6n einerseits die Bewertung von vielen, vielen (Erst-)H\u00f6rern erkennen und andererseits das \u2013 oftmals abweichende \u2013 Experten-Urteil der jeweiligen Fach-Jurys damit in Verbindung bringen.<\/p>\n<p><strong>Warum dt. Nomenklatur bzw. Akkordbezifferung?<br \/>\n<\/strong>Schlichtweg eine Absprache mit dem Verlag, da wir f\u00fcr dieses Buch \u00fcberwiegend in Deutschland den Markt sehen.<\/p>\n<p><strong>Warum werden nur St\u00fccke einer bestimmten Zeit exemplarisch untersucht \u2013 und nicht auch aus all den fr\u00fcheren Jahrzehnten?<br \/>\n<\/strong>Hier d\u00fcrfen gerne viele andere Autoren und Analyse-Interessenten sich zur Mitarbeit aufgerufen f\u00fchlen! Wobei es ja schon eine Reihe von weiteren Untersuchungen gibt: Joe Burns in Bezug auf die Rock\u00b4n\u00b4Roll-Zeit der 50er Jahre, KG Johansson in Bezug auf die Beatles-Titel und diverse andere.<\/p>\n<p><strong>Was ist der Sinn der ausf\u00fchrlichen Analysen der einzelnen Winnersongs?<br \/>\n<\/strong>Ausgehend von den einzelnen Songwriter-Anleitungen (deutsch und international) will ich zeigen, inwieweit die einzelnen Ratschl\u00e4ge a. wichtig und b. \u00fcberhaupt g\u00fcltig bzw. relevant sind: Gibt es eine Erh\u00f6hung innerhalb der Melodik hin zum Refrain, f\u00e4ngt der Refrain immer ziemlich genau nach einer Minute an und betr\u00e4gt das Tempo wirklich fast immer 120 BpM? Dies einmal zu untersuchen und dann zu verifizieren bzw. in Frage zu stellen ist mir ein wichtiges Anlegen gewesen.<\/p>\n<p><strong>Wieso solch ein ausf\u00fchrliches Literaturverzeichnis?<br \/>\n<\/strong>Das Buchprojekt versteht sich auch als eine Sichtung der vorhandenen und ma\u00dfgeblichen Literatur. Daher wurde so viel wie m\u00f6glich Material integriert und aufgegriffen.<\/p>\n<p><strong>Was wurde hier besonders ausgew\u00e4hlt und durchgearbeitet?<br \/>\n<\/strong>Der Ansatz war, m\u00f6glichst in jeder Beziehung einen \u00dcberblick \u00fcber die jeweils vorhandene Literatur zu geben: Was wurde in Bezug auf Musik&amp;Erfolg, was in Songwriting oder in Bezug auf die rezeptions\u00e4sthetische Wirkung von Popmusik bereits abgehandelt?<\/p>\n<p><strong>Warum die eigene Layout-Setzung der Notenbeispiele und die Reduktion auf Melodie und Akkord-Symbole?<br \/>\n<\/strong>Dies diente sowohl der durchgehenden Reduzierung auf Melodik und begleitende Harmonik(symbole) als auch der optischen Vereinheitlichung, um nicht aus den unterschiedlichsten Songb\u00fcchern das jeweils sehr unterschiedliche Erscheinungsbild nebeneinander setzen zu m\u00fcssen. Die akribisch genaue \u00dcbernahme aus den einzelnen Songbooks oder Notentranskriptionen wurde aber ausdr\u00fccklich beachtet.<\/p>\n<p><strong>Warum schreibst du selbst keinen Hit?<br \/>\n<\/strong>Zumindest w\u00e4re ich n\u00e4her dran als viele andere: Wenn ich jetzt konsequent den Weg gehen w\u00fcrde \u2013 etwa als langj\u00e4hrig professioneller Produzent mit viel Erfahrung, reichlich Etat und besten Beziehungen \u2013 w\u00e4re ich schneller im Bereich \u201eHit\u201c als viele andere, die m\u00fchsam im Dunkeln stochern, bis ihnen endlich einmal ein Hit-artiger Song gelingt. Mehr durch Gl\u00fcck und Zufall als bewusstes Dahinsteuern tut sich bei ihnen etwas auf \u2013 w\u00e4hrend ich, so wie die wirklich erfolgreichen Hit-Produzenten, sehr schnell w\u00fcsste (und in vielf\u00e4ltigen Beratungssituationen auch kundtue), was die Komposition und Produktion unbedingt ben\u00f6tigt und was sie \u00fcberhaupt attraktiv macht. Aber das konkrete Leben als Berufs-Komponist war f\u00fcr mich pers\u00f6nlich nie eine erstrebenswerte Option, ebenso wenig wie der Zustand zwischen Koffer und Hotel, in dem sich so viele Tour- und Studio-Musiker befinden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufgrund meiner ausf\u00fchrlichen Kritik zu seinem j\u00fcngst bei Transcript erschienen Buch \u201eWarum Hits Hits werden\u201c hat der Autor Volkmar Kramarz sich bei mir gemeldet. 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