{"id":1896,"date":"2014-11-14T23:06:38","date_gmt":"2014-11-14T22:06:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=1896"},"modified":"2014-11-14T23:06:38","modified_gmt":"2014-11-14T22:06:38","slug":"konzert-2-sinfoniekonzert-anfang-ende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2014\/11\/14\/konzert-2-sinfoniekonzert-anfang-ende\/","title":{"rendered":"Konzert: Anfang &#038; Ende (2. Sinfoniekonzert)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/IMG_2035.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-large wp-image-1895\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/IMG_2035-1024x768.jpg\" alt=\"IMG_2035\" width=\"584\" height=\"438\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/IMG_2035-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/IMG_2035-300x225.jpg 300w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/IMG_2035-768x576.jpg 768w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/IMG_2035-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/IMG_2035-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/IMG_2035-1200x900.jpg 1200w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/IMG_2035-1980x1485.jpg 1980w\" sizes=\"(max-width: 584px) 100vw, 584px\" \/><\/a>Gestern war ich beim 2. Sinfoniekonzert des Philharmonischen Orchesters unter dem Motto \u201eAnfang &amp; Ende\u201c in der W\u00fcrzburger St. Johanniskirche. Geboten wurde die Urauff\u00fchrung einer zeitgen\u00f6ssischen Komposition und im Anschluss daran das \u201eDeutsche Requiem\u201c von Johannes Brahms. Ich habe an dem Abend viel \u00fcber mich gelernt.<!--more--><\/p>\n<p>Die evangelische Johanniskirche bot einen ausgesprochen w\u00fcrdevollen und feierlichen Ort f\u00fcr das klassische Konzert. Und so war der Publikumsandrang entsprechend gro\u00df und die zu diesem Anlass durchnummerierten Holzkirchenb\u00e4nke ordentlich besetzt. Nach einigen einleitenden, aber akustisch kaum verst\u00e4ndlichen S\u00e4tzen des verantwortlichen Dirigenten Enrico Calesso begann der Abend mit der Auftragskomposition \u201eAnd here again \u2013 eine Perlenlandschaft\u201c des S\u00fcdkoreaners Kunsu Shim. Das Werk bot f\u00fcr den normalen Ma\u00dfstab ungew\u00f6hnliches, f\u00fcr Neue Musik aber anscheinend zwingend erforderliches Instrumentarium. Einer der Percussionisten hantierte das gesamte St\u00fcck \u00fcber mit diversen K\u00fcchenger\u00e4tschaften (Sieb, Schneebesen, Kochl\u00f6ffel), es war aber eher was f\u00fcr\u2019s Auge als f\u00fcr\u2019s Ohr, denn man h\u00f6rte davon so gut wie nichts. Bei dem Werk handelt es sich um eine Art Orchesterstudie von ca. 12-15 Min L\u00e4nge. Es besteht fast durchgehend aus auf- und abschwellenden, dissonanten Akkorden des gesamten Orchesters. Sch\u00f6n sph\u00e4risch als Einstimmung, aber selbst auf die f\u00fcr sinfonischen Verh\u00e4ltnisse recht kurze Dauer zum Ende hin bereits etwas erm\u00fcdend, weil nach dem statischen Akkordnebeln nicht mehr viel anregendes folgt. Da war man dann schon dankbar dem schwerbesch\u00e4ftigten Percussionisten beim Utensilienwechsel zusehen zu k\u00f6nnen und Vermutungen anzustellen was er wohl als n\u00e4chstes hervorzaubern und hoch in die Luft strecken w\u00fcrde (Sp\u00e4tzlepresse?, Gurkenhobel?). Ich hatte auch den Eindruck, dass weitere Proben der Interpretation nicht geschadet h\u00e4tten. Die leisen Kl\u00e4nge setzten nicht immer pr\u00e4zise simultan ein und selbst bei den Dissonanzen waren insgesamt immer wieder Intonationsschw\u00e4chen zu h\u00f6ren. Oder geh\u00f6rte das zum St\u00fcck und war Absicht? W\u00fcrde dazu gerne mal die Meinung des extra angereisten Komponisten h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Nach einer kleinen Umbaupause (mehr Musiker, Chor) begann danach das \u201eDeutsche Requiem nach Worten der Heiligen Schrift\u201c von Brahms. Es ist ein zentrales Werk im Schaffen des norddeutschen Komponisten, z\u00e4hlt zur Hochromantik und wurde im Jahr 1868, also vor ca. 150 Jahren, uraufgef\u00fchrt. Brahms komponierte die Totenmesse in noch relativ jungen Jahren \u00fcber selbst ausgew\u00e4hlte Texte aus dem Neuen und Alten Testament in deutscher \u00dcbersetzung. Das insgesamt siebens\u00e4tzige und damit etwa einst\u00fcndige Werk wurde bei angenehmer Raumakustik \u00fcberzeugend dargeboten, die Musiker haben routiniert gespielt und der Chor und Extrachor hat inbr\u00fcnstig gesungen.<\/p>\n<p>Wirklich erreicht hat mich die Musik leider nicht. Und hier sind wir nun bei dem Teil bei dem ich etwas \u00fcber mich gelernt habe. Ich konnte pers\u00f6nlich einfach keinen Anschluss finden. Die Texte des Requiems sind gesungen in voller Chorst\u00e4rke naturgem\u00e4\u00df nahezu unverst\u00e4ndlich. Als ich dann im Programmheft parallel mitlas wurde ich allerdings auch nicht schlau daraus. Die Bibel selbst ist ja nun nicht eben besonders sinnvoll, spannend oder poetisch gestaltet, das wissen wir bibeltreuen Christen ja alle aus dem Kommunionsunterricht. Hier wurden nun zus\u00e4tzlich einzelne Zitate aus dem Zusammenhang gerissen und scheinbar willk\u00fcrlich collagiert. Die Musik dazu war so wie man sich post-feudalen bzw. gro\u00dfb\u00fcrgerlichen Bombast in hochromantischer, vollsinfonischer Instrumentierung eben vorzustellen hat. Mit introspektiven Kleinstformen der fr\u00fchen Romantik (Schubert, Schumann) hat das so viel zu tun wie ein alter Chaplin-Film mit Blockbustern wie \u201eTransformers 4\u201c oder \u201eIron Man 3\u201c.<br \/>\nMir war alles zuviel: Die pr\u00e4historischen, mir vollkommen unverst\u00e4ndlichen Texte, die Wuchtigkeit der Besetzung, die immer gleichbleibende harmonische Sprache, die Bewegungslosigkeit auf der B\u00fchne, die schiere L\u00e4nge, die harten Holzb\u00e4nke, die verkrampfte Anspannung im Publikum. Es war alles furchtbar anstrengend und ich dachte die ganze Zeit: Bin ich ein Banause, dass ich das nicht genie\u00dfe, dass ich nicht beeindruckt bin, dass mein R\u00fccken vom Sitzen schmerzt, dass mir immer wieder mein Bein einschl\u00e4ft und ich mich auf den Schlussakkord freue?<br \/>\nIch glaube mit einem Getr\u00e4nk, einem gepolsterten Sessel, einer kleinen Verk\u00fcrzung des Werkes h\u00e4tte ich etwas mehr Spa\u00df gehabt. Vielleicht war ich aber auch einfach nicht in Stimmung f\u00fcr ein Requiem, der Tag war auch so schon anstrengend genug, ich wollte mich bei sch\u00f6ner Musik entspannen und nicht zusammenkrampfen.<br \/>\nSicher ist auf jeden Fall, dass es nicht am Dirigenten, den Musikern und den Chors\u00e4ngern lag. Die armen S\u00e4ngerInnen mussten ja auch noch die ganze Zeit stehen (daher wohl die Inbrunst). Es ist ein Wunder, dass nicht ein paar von den reiferen Damen aus dem Chor wegen Ersch\u00f6pfung einfach nach vorne auf die Blechbl\u00e4ser gekippt sind. Es w\u00e4re interessant zu wissen wie sie sich mental vorbereitet haben, denn sie standen da wie festgenagelt.<\/p>\n<p>Nein, die Interpreten trifft keine Schuld. Dass der Abend f\u00fcr mich so anstrengend war, lag an der gro\u00dfkotzigen Klangsprache und Instrumentierung der deutschen Hochromantik, es lag an der hochkulturellen Erhabenheit, der atmosph\u00e4rischen Verkrampftheit und der extremen Ungem\u00fctlichkeit des Zuh\u00f6rerraums und es lag daran, dass sich 90 Min nichts anatomisch bewegt hat au\u00dfer die Arme des Dirigenten.<br \/>\nAber eigentlich, und das wissen wir alle, liegt es nat\u00fcrlich an mir selbst. Ich versuche es gerne zur verschleiern und durch meine diversen akademischen Ausbildungen und Studieng\u00e4nge gelingt mir das auch ganz gut, aber ich bin nun mal ein Kind der Popkultur. Meine musikalische Form ist die Single (3-4 Min), nach sp\u00e4testens einer Albuml\u00e4nge (45 min) ist normalerweise Ende mit Zuh\u00f6ren. Die Erfahrung hat mich gelehrt, wer bis dahin noch nicht gelandet ist, seine Aussage nicht formuliert und kommuniziert hat, der wird es auch in der Verl\u00e4ngerung nicht mehr schaffen. So etwas wie einen Siegtreffer in der 5. Minute der Nachspielzeit gibt es bei musikalischen Darbietungen nicht. Fr\u00fcher bin ich bei klassischen Konzerten oft in der Pause gegangen, habe mich quasi franz\u00f6sisch verabschiedet (= gar nicht) und zwar nicht immer aus Missfallen, sondern weil ich einfach abgef\u00fcllt war, es war alles gesagt, mehr ging nicht, es war genug. Das war am gestrigen Abend nicht m\u00f6glich, aber ich werde mir diese Option f\u00fcr kommende Konzerte weiter offen halten.<\/p>\n<p>Der Bayerische Rundfunk (Studio Franken) hat das Konzert f\u00fcr eine geplante CD-Produktion (Fr\u00fchling 2015) und eine Radio\u00fcbertragung (BR-Klassik) mitgeschnitten. Das 3. Sinfoniekonzert des Philharmonischen Orchesters W\u00fcrzburg unter der \u00dcberschrift \u201eIllusion &amp; Wahrheit\u201c findet statt am 11. und 12. Dezember 2014 im Konzertsaal der Hochschule f\u00fcr Musik. Geboten wird ein italienisches Programm mit Puccini, Rossini, Verdi u.a.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern war ich beim 2. Sinfoniekonzert des Philharmonischen Orchesters unter dem Motto \u201eAnfang &amp; Ende\u201c in der W\u00fcrzburger St. Johanniskirche. Geboten wurde die Urauff\u00fchrung einer zeitgen\u00f6ssischen Komposition und im Anschluss daran das \u201eDeutsche Requiem\u201c von Johannes Brahms. 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