{"id":2119,"date":"2015-01-19T13:32:19","date_gmt":"2015-01-19T12:32:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=2119"},"modified":"2015-01-19T13:32:19","modified_gmt":"2015-01-19T12:32:19","slug":"buch-musikwirtschaft-2-0-von-steffen-hoehne-matthias-maier-wolf-georg-zaddach-hg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2015\/01\/19\/buch-musikwirtschaft-2-0-von-steffen-hoehne-matthias-maier-wolf-georg-zaddach-hg\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eMusikwirtschaft 2.0\u201c von Steffen H\u00f6hne, Matthias Maier, Wolf-Georg Zaddach (Hg.)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/51POsYoiQ8L.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2118\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/51POsYoiQ8L-212x300.jpg\" alt=\"51POsYoiQ8L\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/51POsYoiQ8L-212x300.jpg 212w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/51POsYoiQ8L.jpg 354w\" sizes=\"(max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a>Das Buch erschien im M\u00e4rz 2014 in der Reihe \u201eWeimarer Studien zur Kulturpolitik und Kultur\u00f6konomie\u201c im Leipziger Universit\u00e4tsverlag und tr\u00e4gt den Untertitel \u201eBestandsaufnahmen und Perspektiven\u201c (Preis: 29,00 \u20ac). Der Herausgeber Steffen H\u00f6hne ist Professor f\u00fcr Kulturmanagement am Institut f\u00fcr Musikwissenschaft Weimar-Jena; der Herausgeber Matthias Maier ist Professor f\u00fcr Medienmanagement an der Bauhaus-Universit\u00e4t Weimar; der Herausgeber Wolf-Georg Zaddach ist Musikwissenschaftler und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Kulturwissenschaft der Hochschule f\u00fcr Musik Weimar.<!--more--><\/p>\n<p>Das Buch beginnt mit einer Einf\u00fchrung der Herausgeber H\u00f6hne und Zaddach. Auf ca. 20 Seiten wird aus akademischer Sicht die momentane Situation der Musikwirtschaft dargelegt und anhand vieler, teils relativ komplexer Tabellen illustriert und mit Quellenangaben, Fu\u00dfnoten und einer ausf\u00fchrlichen Literaturliste unterf\u00fcttert. Der Text ist informativ, bleibt aber relativ unkonkret. Es wird im Verlauf keine substantielle Fragestellung formuliert. Ebenso vers\u00e4umen es die Herausgeber eine inhaltliche Br\u00fccke zu den folgenden Beitr\u00e4gen der anderen Autoren zu schlagen.\u00a0Daher bleibt unklar auf welche Art von Musikwirtschaft die Herausgeber ihren Blick richten. Es wird kein Zeitraum, keine Region, kein \u00f6konomischer Bereich benannt. Geht es um globale Ph\u00e4nomene, den westlichen, den europ\u00e4ischen oder den deutschen Musikmarkt? Geht es um Popmusik oder Klassische Musik oder alles zusammen? Wann ging die \u00c4ra der Musikwirtschaft 1.0 zu Ende, wann begann die \u00c4ra 2.0, wann ist mit 3.0 zu rechnen? Zu all diesen essentiellen Fragen machen die Herausgeber keine Angaben und somit bleibt die konkrete Thematik der Aufsatzsammlung undeutlich und diffus.<\/p>\n<p>Die beteiligten Autoren sind in ihrer Mehrzahl Professoren, Lehrbeauftragte und wissenschaftliche Mitarbeiter aus den Fachbereichen Musik-, Kultur- und Medienwissenschaft (ost-)deutscher Universit\u00e4ten und Musikhochschulen. Die Ausnahmen bilden ein Rechtsanwalt und ein Komponist zeitgen\u00f6ssischer Kunstmusik. Praktiker, die tats\u00e4chlich musikwirtschaftlich t\u00e4tig sind und als Tagesgesch\u00e4ft betreiben sind nicht darunter. Also kein einziger Vertreter eines Verlages oder Labels, kein Konzertveranstalter, kein Produzent, kein DJ, kein Songschreiber, kein B\u00fchnen- oder Studiomusiker, kein Musikp\u00e4dagoge, kein Vertreter von f\u00fchrenden Download- oder Streamingportalen, kein Lizensierungsfachmann, kein Werbe-, Film- oder Theatermusikverwerter, kein Blogger oder Netztheoretiker. Die Texte sind dadurch in ihrer Summe sehr theoretisch angelegt und haben sehr wenig mit musikwirtschaftlicher Praxis zu tun. Die Herausgeber und Autoren legen stattdessen hohen Wert auf wissenschaftlicher Nachweise in Form von Fu\u00dfnoten und Literaturangaben, die zum Teil nahezu genauso viel Umfang haben wie die eigentlichen Texte.<\/p>\n<p>Nach der Einf\u00fchrung folgen 15 wissenschaftliche Aufs\u00e4tze ohne erkennbare thematische Ordnung. Wie bei derartig herausgegebenen Aufsatzsammlungen \u00fcblich gibt es auch hier H\u00f6hen und Tiefen, Licht und Schatten. Herausragend gut sind sicherlich die Beitr\u00e4ge von Martin Pfleiderer (\u201eMusikpolitik\/\u00d6ffentliche Musikf\u00f6rderung\u201c), Martin L\u00fccke (\u201eDer deutsche Klassikmarkt\u201c) und Matthias Maier und Nancy Richter (\u201eUnbestimmtheiten der Musikindustrie 2.0. Eine Prozessperspektive\u201c). Neben anderen ordentlichen, wenn auch zum Teil sehr speziellen Beitr\u00e4gen, sind leider auch einige bemerkenswert schwache Beitr\u00e4ge darunter.\u00a0Einige davon k\u00f6nnen wohl fast schon als akademische Kuriosit\u00e4ten gewertet werden, die Herausgeber haben hier vers\u00e4umt vor der Ver\u00f6ffentlichung t\u00e4tig zu werden. Zu nennen ist hier der Aufsatz in englischer Sprache der deutschen (!) Autoren Graeff, K\u00fcppers, Pfeifer und Pinto mit dem sagenhaften Titel \u201eAutomatic Retrieval of Rhythmic Patterns for the Global Database\u201c. Warum wird von deutschen Autoren, in einer deutschen Publikation einer deutschen Universit\u00e4t eigentlich ein langweiliger Aufsatz in schlechtem akademischen Englisch publiziert?<br \/>\nEin herausragendes Beispiel f\u00fcr einen Aufsatz mit akademischen Tunnelblick stammt von Knopke und Wernicke und tr\u00e4gt den Titel \u201e#fusionfestival \u2013 Tribal Tagging bei Twitter am Beispiel des Fusion Festivals in L\u00e4rz 2013\u201c, ein f\u00fcr Au\u00dfenstehende noch weniger relevantes Thema zu formulieren d\u00fcrfte schwer fallen (L\u00e4rz ist eine kleine Gemeinde in Mecklenburg-Vorpommern und hat aktuell 507 Einwohner, die Autoren sind vermutlich zwei davon) .<br \/>\nEine astreine Themaverfehlung ist der Aufsatz des Herausgebers (!) H\u00f6hne mit dem Titel \u201ePerspektive Kreativunternehmer? Rollenbilder und \u2013modelle\u201c. Man wird visuell zugesch\u00fcttet mit komplizierten Zahlen, unleserlichen Tabellen, langen Fu\u00dfnoten und Bezugnahmen ohne klare Aussage. In seinem Fazit schafft es H\u00f6hne \u2013 wohlgemerkt in einem Band \u00fcber \u201eMusikwirtschaft\u201c &#8211; die bildenden K\u00fcnstler Marcel Duchamp, Andy Warhol und Joseph Beuys als Repr\u00e4sentanten f\u00fcr, ja f\u00fcr was eigentlich, zu nennen. Warum ist hier keiner der anderen Herausgeber dazwischen gegangen? Antwort: Zaddach ist H\u00f6hnes wissenschaftlicher Mitarbeiter, was soll er schon machen?<br \/>\nWohl eher unfreiwillig witzig, daf\u00fcr aber richtig unterhaltsam, ist dann der abschlie\u00dfende Text von Ludger Vollmer. Er ist nach eigenen Angaben freiberuflicher Komponist von z.B. modernen Opern und erkl\u00e4rt dem interessierten Leser etwas wirr seine eigenwillige, teils skurrile, teils deutlich ins Groteske kippende Sicht auf sein Berufsleben. Zitat: \u201cDas \u201aCovern\u2019 popul\u00e4rer kommerzieller Musik ist gut f\u00fcr das schnelle Gesch\u00e4ft (&#8230;)\u201c, sein Lieblingswort ist \u201evolitiv\u201c (willentlich, gewollt). Hier gibt es im Gegensatz zu den anderen Aufs\u00e4tzen keine einzige Fu\u00dfnote oder sonstige Quellenangabe, alles anscheinend selbst ersonnen, das Ende des Textes bildet die Liste einer Auswahl eigener kompositorischer Werke mit Angaben \u00fcber Ur- und Folgeauff\u00fchrungen. Aha, nun gut. Was diese eitle, egozentrische und nicht repr\u00e4sentative Selbstdarstellung in einem akademischen Fachband verloren hat, m\u00fcsste noch gekl\u00e4rt werden, vermutlich geh\u00f6rt Vollmer aber zu H\u00f6hnes oder eben Maiers akademischer Nachbarschaft in Weimar.<\/p>\n<p>In seiner Gesamtheit verschafft die Textsammlung dem Leser einen sehr akademischen und leider etwas praxisfernen Blick auf eine nicht n\u00e4her definierte \u201eMusikwirtschaft\u201c. Einige, nicht alle Texte, sind informativ, interessant und in sich geschlossen. Den von den Herausgebern nicht formulierten thematischen Schwerpunkt bilden die Auswirkungen des Digitalen Medienzeitalters auf die aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen der klassischen Musik in Deutschland, andere musikalische Stilistiken und entsprechende M\u00e4rkte spielen im Band kaum eine Rolle.<br \/>\nEs w\u00e4re sch\u00f6n gewesen, wenn man als Leser wenigsten einen kleinen Einblick in die g\u00e4ngige und f\u00fcr viele Musikschaffende allt\u00e4gliche wirtschaftliche Praxis abseits des subventionierten deutschen Klassikorchesterbetriebs bekommen h\u00e4tte. So wirkt das Buch insgesamt doch etwas abgehoben, unzug\u00e4nglich und dadurch in Teilen auch \u00fcberfl\u00fcssig. Ansonsten als Erg\u00e4nzung zu anderen praktischen Betrachtungen oder als Detailausschnitt f\u00fcr praxisfremde oder -entfremdete Akademiker eventuell anregend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Buch erschien im M\u00e4rz 2014 in der Reihe \u201eWeimarer Studien zur Kulturpolitik und Kultur\u00f6konomie\u201c im Leipziger Universit\u00e4tsverlag und tr\u00e4gt den Untertitel \u201eBestandsaufnahmen und Perspektiven\u201c (Preis: 29,00 \u20ac). 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