{"id":2209,"date":"2015-02-23T15:16:10","date_gmt":"2015-02-23T14:16:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=2209"},"modified":"2015-02-23T15:16:10","modified_gmt":"2015-02-23T14:16:10","slug":"buch-harmonielehre-von-christoph-hempel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2015\/02\/23\/buch-harmonielehre-von-christoph-hempel\/","title":{"rendered":"Buch: &#8222;Harmonielehre&#8220; von Christoph Hempel"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/511b1doJevL.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-2208 size-medium\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/511b1doJevL-212x300.jpg\" alt=\"511b1doJevL\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/511b1doJevL-212x300.jpg 212w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/511b1doJevL.jpg 354w\" sizes=\"(max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a>Das Buch erschien im September 2014 bei Schott und tr\u00e4gt den Untertitel \u201eDas gro\u00dfe Praxisbuch\u201c (39,90 \u20ac). Der Autor Christoph Hempel hat Kirchenmusik und Schulmusik studiert und ist seit 1982 Professor f\u00fcr Musiktheorie an der Hochschule f\u00fcr Musik und Theater in Hannover. In den 1990er Jahren legte er die Titel \u201eNeue Allgemeine Musiklehre\u201c (Schott) und \u201eThema Musik. Grundlagen Musiktheorie\u201c (Klett) vor, weitere Buchver\u00f6ffentlichungen sind weder bei Amazon, noch in der Kurzbio der Hochschulwebseite verzeichnet.<!--more--><\/p>\n<p>Das umfangreiche Buch (618 S.) beginnt mit einer kurzen Einleitung des Autors, danach folgen 13 in viele Unterabschnitte unterteilte Kapitel: Harmonie und Harmonielehre, Grundlegende Begriffe, Akkorde, Die Klausel, Chiffrierungssysteme, Die Kadenz (1-3), Modelle harmonischer Bewegung (1-2), Musikalischer Satz, Endzeit und Ausblick, Anhang. Hempel nimmt sich viel vor und spannt einen weiten thematischen Bogen. Nach eigenen Angaben will er \u201eein Verst\u00e4ndnis der musikalischen Epochen und Stilen vermitteln\u201c, im Zentrum stehen \u201eVerlaufsmuster und Satztypen von der Renaissance bis zu Jazz und Popularmusik\u201c. Das Lehrbuch richtet sich an &#8222;Musikliebhaber, Lehrer, Ensembleleiter, Kirchenmusiker und Musikstudenten&#8220;.<\/p>\n<p>Hempel wurde im selben Jahr wie Diether de La Motte als Professor an die Hochschule in Hannover berufen und wie dieser belegt er seine Ausf\u00fchrungen mit sorgf\u00e4ltig ausgew\u00e4hlten Literatur\/Musikbeispielen. Diese mehr als 1000 Beispiele k\u00f6nnen mit einem Code in einer ePlayer-Version kostenlos von der Verlagswebseite heruntergeladen werden und stellen einen enormen Mehrwert dar, die beschriebenen Klangereignisse k\u00f6nnen somit gelesen und geh\u00f6rt werden. Hempels Betrachtung ist sehr fundamental und historisch ausgerichtet, immer wieder stellt er vermeintlich selbstverst\u00e4ndliche musikalische Ph\u00e4nomene wie Akkorde, Klauseln und Kadenz in Frage, leitet musikhistorisch her und erkl\u00e4rt sie aus verschiedenen Blickwinkeln. Er operiert dabei mit der Terminologie der Funktionsanalyse nach Hugo Riemann und deren Fortf\u00fchrung von Hermann Grabner, geht aber mit den verdienten Musiktheoretikern auch kritisch ins Gericht, thematisiert Widerspr\u00fcche und Grenzen der Funktionstheorie. Leider endet seine interessante Betrachtung mit der Sp\u00e4tromantik beim \u00dcbergang vom 19. zum 20 Jahrhundert. Damals aufregend neue und musikwissenschaftlich bereits aufgearbeitet Ans\u00e4tze von K\u00fcnstlern (und Theoretikern) wie Busoni, Sch\u00f6nberg, Strawinsky, Messiaen fehlen im Buch leider g\u00e4nzlich oder werden nur sehr kurz gestreift, Entwicklungen der zeitgen\u00f6ssischen Musik seit 1945 sucht man vergebens. Parallel zu den Ausf\u00fchrungen zur Musik der klassisch-romantischen Tradition \u00e4u\u00dfert sich Hempel am Rande auch immer wieder zu Themen in den Stilistiken Jazz und Pop. Die \u00fcber hundertj\u00e4hrige Geschichte und die unermessliche stilistische Vielfalt des Jazz wird dabei zu einem einzigen Ansatz, der Akkord-Skalen-Theorie, verdichtet. Das ist im Grunde nicht falsch, wird der Sache aber leider nicht gerecht. Bedenklich sind seine stichwortartigen und sehr allgemeinen Bemerkungen zum Thema Popmusik, zu der er als klassisch ausgerichteter Theoretiker und Analyst offensichtlich keinen inhaltlichen Bezug herstellen kann und nur immer wieder die Simplizit\u00e4t heraushebt. Zu erkennen ist diese Geringsch\u00e4tzung auch darin, dass der Autor in den Bereichen Jazz und Pop keine authentischen Literatur\/Musikbeispiele vorlegt, die Notendarstellungen in diesen Bereichen sind fast ausschlie\u00dflich kleine Ausschnitte aus selbstkreierten S\u00e4tzen. Transkriptionen w\u00e4ren freilich das allererste Mittel der Wahl gewesen um musikalische Realit\u00e4ten glaubhaft zu belegen. Hier h\u00e4tte Hempel sich ein Beispiel an den zwar etwas betagten, aber immer noch hervorragenden Analysen Gunther Schullers nehmen m\u00fcssen (\u201eEarly Jazz\u201c, \u201eThe Swing Era\u201c).<\/p>\n<p>Was der praktische Anteil (\u201eDas gro\u00dfe Praxisbuch\u201c) der Publikation sein soll, bleibt im Verlauf unklar. Das Buch beinhaltet keinen Aufgabenteil, es gibt keinen erg\u00e4nzenden Praxisteil, es ist ein Lehr- und kein Lernbuch. Das dahingehend vielversprechende 12. Kapitel \u201eHarmonie und musikalischer Satz\u201c wirkt nach 500 Seiten Theorie dann wie eine Kapitulation. Der Autor versucht hier abschlie\u00dfend einige etablierte Satzformen zu beschreiben, was durchaus als\u00a0ehrenhafter Versuch zu werten ist. Als Gitarrist muss ich lesen: \u201ein Bsp. 12.2., einem Gitarrensatz, sind die Harmonien in Akkordbrechungen und Durchgangsnoten aufgel\u00f6st; Stimmf\u00fchrung spielt hier so gut wie keine Rolle.\u201c \u00c4hnlich knapp (zwei Buchseiten) und unbefriedigend werden wieder einmal die Themen Jazz (\u201eStreicher fehlen hier\u201c) und Pop (\u201erein additives Prinzip\u201c) verhandelt.<\/p>\n<p>Fazit: Das Buch richtet sich nicht an Musikliebhaber oder (Musik-) Studenten, sondern an vor- oder ausgebildete Theoretiker und Komponisten der klassisch-romantischen Tradition, die das harmonische Wissen \u00fcber musikalische Epochen von Renaissance bis Sp\u00e4tromantik mal aus einem alternativen Blickwinkel (wieder-) betrachten wollen, hier ist das Buch sicherlich erhellend und inspirierend. F\u00fcr praktisch orientierte Musiker wie Instrumentlisten, S\u00e4nger, Arrangeure und Ensembleleiter oder auch interessierte Musikkonsumenten dagegen vermutlich eher eine etwas trockene Lekt\u00fcre.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Buch erschien im September 2014 bei Schott und tr\u00e4gt den Untertitel \u201eDas gro\u00dfe Praxisbuch\u201c (39,90 \u20ac). 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