{"id":2261,"date":"2015-03-14T09:07:10","date_gmt":"2015-03-14T08:07:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=2261"},"modified":"2015-03-14T09:07:10","modified_gmt":"2015-03-14T08:07:10","slug":"weltsicht-aus-der-nische-ueber-mft-meine-allerliebsten-lieder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2015\/03\/14\/weltsicht-aus-der-nische-ueber-mft-meine-allerliebsten-lieder\/","title":{"rendered":"Weltsicht aus der Nische \u00fcber &#8222;MFT &#8211; Meine allerliebsten Lieder&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im Herzen unbunt<\/strong><br \/>\nvon <a href=\"https:\/\/stefanhetzel.wordpress.com\/2015\/03\/14\/binnendiversitat\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Stefan Hetzel<\/a><\/p>\n<p>Das schnuckelige Mittelst\u00e4dtchen W\u00fcrzburg im Norden Bayerns r\u00fchmt sich dieser Tage, um k\u00fcrzlich re\u00fcssierende W\u00fcGIDA-Demos vergessen zu machen, seiner, \u00e4h, soziokulturellen \u201cBuntheit\u201c. Aber wie, \u00e4h, \u201cbunt\u201d ist es eigentlich in den K\u00f6pfen der dortigen Kulturschaffenden wirklich? Der promovierte, in W\u00fcrzburg lebende und arbeitende Musikwissenschaftler Dennis Sch\u00fctze wollte das wissen und hat \u00fcber 9 Jahre (2005 \u2013 2014) \u00fcber 50 einflussreiche AkteurInnen der lokalen Unterhaltungsbranche aus allen Bereichen (au\u00dfer Musik!) nach ihren 10 liebsten Musikst\u00fccken befragt und sich anschlie\u00dfend <a href=\"https:\/\/stefanhetzel.wordpress.com\/2015\/03\/14\/binnendiversitat\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00f6ffentlich mit ihnen dar\u00fcber unterhalten<\/a>.<!--more--><br \/>\nVor Kurzem erschien nun \u2013 etwas versteckt in einem <a href=\"http:\/\/www.waxmann.com\/index.php?id=buecher&amp;no_cache=1&amp;tx_p2waxmann_pi1%5Boberkategorie%5D=OKA999999&amp;tx_p2waxmann_pi1%5Bbuch%5D=BUC124001\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">kulturwissenschaftlichen Jahrbuch<\/a> \u2013 eine 13-seitige Auswertung dieser Herkulesarbeit, der sich Sch\u00fctze (Full Disclosure: Ich bin mit Dennis befreundet und geh\u00f6rte \u2013 als einziger, hm, Musiker \u2013 zu den Interviewten; 2 der 51 Abende habe ich selber moderiert; au\u00dferdem habe ich die Excel-Tabellen f\u00fcr die Arbeit nach Vorgabe von Dennis gestaltet) im Wesentlichen ganz allein \u2013 allerdings mit ein wenig staatlicher Bezuschussung \u2013 unterzog, will sagen: Niemand hatte ihn zu diesem Projekt beauftragt.<br \/>\nUm es kurz zu machen: Die musikalischen Vorlieben der dominierenden AkteurInnen der W\u00fcrzburger Kulturszene lassen sich in zwei Worten zusammenfassen: \u201cBarock\u201d und \u201cWoodstock\u201d:<\/p>\n<p>&#8222;Sucht man innerhalb der 510 ausgew\u00e4hlten Tracks nach Mehrfachnennungen von Komponisten, Bands oder Einzelk\u00fcnstlern, so ergibt sich folgendes Bild (hierarchisch): Johann Sebastian Bach (9\/510), Pink Floyd (7\/510), Georg Friedrich H\u00e4ndel (5\/510), Jimi Hendrix (4\/510), Tom Waits (4\/510). Deutsche Barockkomponisten kommen zusammen auf immerhin 14 Nennungen unterschiedlicher Werke (keine Doppelnennungen). [\u2026] Die klassische Rockmusik von Jimi Hendrix und Pink Floyd kommt zusammen auf 11 Nennungen, wobei hier eine direkte Doppelnennung (Pink Floyd: Another Brick in the Wall, Pt. 2) und eine indirekte Doppelnennung (Hey Joe von Jimi Hendrix und Deep Purple) zu verzeichnen sind.&#8220; (D. Sch\u00fctze: \u201cMy Favourite Tracks \u2013 Meine allerliebsten Lieder\u201d, S. 256)<\/p>\n<p>Nun, so richtig pluralistisch wirkt das ja nicht \u2013 woran nat\u00fcrlich Dr. Sch\u00fctzes fiese Fragestellung Schuld hat. Sie lautete ja nicht (wie \u00fcblich): \u201cWas h\u00f6ren sie denn so f\u00fcr Musik?\u201d (Standard-Antwort: \u201cNat\u00fcrlich alles!\u201d), sondern \u201cWelche Musik ist Ihnen wirklich wichtig?\u201d Und \u2013 siehe da \u2013 aus vermeintlicher Buntheit werden urpl\u00f6tzlich \u201cFifty Shades of Grey\u201d. Sch\u00fctze formuliert das nat\u00fcrlich etwas seri\u00f6ser:<\/p>\n<p>&#8222;Die Gesamtheit der Track-Auswahlen wird eindeutig dominiert von angloamerikanischer Popularmusik aus der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts und modernen Einspielungen mitteleurop\u00e4ischer Kunstmusik. [\u2026] Die eigenwillige \u201cHeterogenit\u00e4t innerhalb homogener Verh\u00e4ltnisse\u201d der Track-Auswahlen l\u00e4sst sich als Binnendiversifizierung oder Binnendiversit\u00e4t bezeichnen.&#8220; (a. a. O., S. 265)<\/p>\n<p>Will sagen, die W\u00fcrzburger AkteurInnen legten zwar durchaus gesteigerten Wert auf individuellen Geschmack \u2013 aber bitte \u201cinnerhalb homogener Verh\u00e4ltnisse\u201d! Denn:<\/p>\n<p>&#8222;Welche Tracks wurden von den Talk-G\u00e4sten nicht gew\u00e4hlt? [\u2026] Selten bis gar nicht gew\u00e4hlt wurden Tracks aus direkten Nachbarl\u00e4ndern Deutschlands \u2026 oder traditionelle europ\u00e4ische Folklore (Jiddische Musik, Gypsy\/Sinti-Jazz, B\u00f6hmische Polka, Flamenco, Fado, Rembetiko etc.). Selten bis gar nicht gew\u00e4hlt wurden Tracks aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Ozeanien. In der Gesamtauswahl gibt es nicht einen Track aus den wirtschaftlich aufstrebenden BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, S\u00fcdafrika). Aber auch Tracks mit dezidiert lokaler oder regionaler Provenienz sind auff\u00e4llig d\u00fcnn ges\u00e4t. Selten oder gar nicht wurden Tracks aus W\u00fcrzburg, Unterfranken, Bayern oder aber auch S\u00fcddeutschland gew\u00e4hlt, keine Dialektlieder, wenig oder gar keine deutsche Volksmusik, volkst\u00fcmliche Musik oder deutsche Schlager.&#8220; (a. a. O., S. 264)<\/p>\n<p>Das hei\u00dft nat\u00fcrlich nicht, dass die Befragten all diese vielen, vielen Musiken ablehnten \u2013 aber sie schafften es eben (vorausgesetzt, die Antworten waren ehrlich) auch nicht unter ihre 10 liebsten Lieder, ganz nah ans Herz sozusagen.<br \/>\nIch w\u00fcnsche Dennis\u2019 Aufsatz viele aufmerksame Leser und bin stolz, Teil dieses mutigen und \u2013 vor allem \u2013 undankbaren Projekts gewesen zu sein!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Herzen unbunt von Stefan Hetzel Das schnuckelige Mittelst\u00e4dtchen W\u00fcrzburg im Norden Bayerns r\u00fchmt sich dieser Tage, um k\u00fcrzlich re\u00fcssierende W\u00fcGIDA-Demos vergessen zu machen, seiner, \u00e4h, soziokulturellen \u201cBuntheit\u201c. 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