{"id":2302,"date":"2015-03-20T13:40:57","date_gmt":"2015-03-20T12:40:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=2302"},"modified":"2015-03-20T13:40:57","modified_gmt":"2015-03-20T12:40:57","slug":"buch-was-die-deutsche-universitaeten-von-den-amerikanischen-lernen-koennen-und-was-sie-vermeiden-sollten-von-mark-roche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2015\/03\/20\/buch-was-die-deutsche-universitaeten-von-den-amerikanischen-lernen-koennen-und-was-sie-vermeiden-sollten-von-mark-roche\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eWas die deutschen Universit\u00e4ten von den amerikanischen lernen k\u00f6nnen und was sie vermeiden sollten\u201c von Mark Roche"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Roche.jpeg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2301\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Roche-186x300.jpeg\" alt=\"Roche\" width=\"186\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Roche-186x300.jpeg 186w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Roche.jpeg 215w\" sizes=\"(max-width: 186px) 100vw, 186px\" \/><\/a>Mark Roche ist Professor f\u00fcr deutsche Literatur und Philosophie an der University of Notre Dame, USA. Im Laufe seiner akademischen Karriere hat er in Deutschland studiert, geforscht und gelehrt und neben zahlreichen Publikationen zur deutschen Literatur- und Geistesgeschichte B\u00fccher und Aufs\u00e4tze zur Entwicklung von Lehre und Forschung ver\u00f6ffentlicht.<br \/>\nNach einem einleitendem Vorwort folgen drei klar strukturierte Kapitel in denen St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck auf das im Titel formulierte Thema hingearbeitet wird. Die Kapitel tragen die \u00dcberschriften: \u201aIdee und Wirklichkeit der Universit\u00e4t\u2019, \u201aHauptmerkmale des amerikanischen Universit\u00e4tswesens\u2019 und \u201aHerausforderungen und Chancen des Wandels in Deutschland\u2019.<!--more--><\/p>\n<p>Im ersten Kapitel erkl\u00e4rt Roche die historische Entwicklung des deutschen, universit\u00e4ren Bildungssystems von den Anf\u00e4ngen in der Renaissance bis zur gegenw\u00e4rtigen Situation nach Bologna. Dargelegt wird wie sich die ersten deutschen Universit\u00e4ten mit eng abgesteckten F\u00e4cherangebot (Jura, Theologie, Medizin) im 19. Jahrhundert fachlich immer breiter aufstellten und sie sich ab Mitte des 20. Jahrhunderts innerhalb relativ kurzer Zeit von Eliteeinrichtungen zu Massenuniversit\u00e4ten wandelten. Hier liegt aus seiner Sicht auch ein zentraler Punkt: W\u00e4hrend an den amerikanischen Universit\u00e4ten durch h\u00f6here Studentenzahlen mehr Studiengeb\u00fchren generiert werden konnten und somit auch h\u00f6here Etats zur Verf\u00fcgung standen, wurden in Deutschland bei dem Wandel zur Massenuniversit\u00e4t die Mittel immer knapper, was sich auch deutlich im Betreuungsschl\u00fcssel (Prof. pro Stud.) niederschl\u00e4gt (USA: ca. 1:17, D: ca. 1:76). Die zuletzt umgesetzte Bologna-Reform deutet Roche als hoch problematische Amerikanisierung des deutschen Systems und zeigt aus seiner interessanten und gut durchdachten Au\u00dfenperspektive die Probleme und Herausforderungen dieser Entwicklung auf.<\/p>\n<p>Dem gegen\u00fcber stellt Roche das traditionelle und das moderne amerikanische System, das er in durchaus \u00fcberzeugender Weise als erfolgreich, stark und wirkungsvoll beschreibt. Er begr\u00fcndet dies mit n\u00fcchternen Fakten aus diversen, etablierten (Bildungs-)Studien und Erhebungen. Das US-amerikanische Unisystem ist feingliedrig (Community College, College, staatliche und private Universit\u00e4ten, Lehr- und Forschungsunis), finanziell besser ausgestattet (Studiengeb\u00fchren, Spenden, Sponsoren, Patente, staatliche Unterst\u00fctzung, etc.), erfolgreicher (viele Absolventen, darunter bedeutende Innovatoren, Forscher, (Nobel-)Preistr\u00e4ger etc.), das amerikanische System hat weniger Studienabbrecher, mehr Absolventen, einen weltweit vorbildlichen Betreuungsschl\u00fcssel (s.o.), optimale Lehr- und Lernbedingungen, bef\u00f6rdert aktiv den Netzwerk und Community-Gedanken (durch Campus, Verbindungsh\u00e4user, Sport-, Kultur- und andere Aktivit\u00e4ten, Mentorensystem, Jobvermittlung und Alumni etc.). Zusammengefasst werden diese Vorteile von Roche unter den Unter\u00fcberschriften Vielfalt, Flexibilit\u00e4t, Wettbewerb, Anreizstrukturen, Verantwortlichkeit, Studienzentriertheit und Gemeinschaftsgeist.<\/p>\n<p>Im letzten Kapitel werden dann abschlie\u00dfend alle angesprochenen Themen geb\u00fcndelt und Ans\u00e4tze f\u00fcr w\u00fcnschenswerte Ver\u00e4nderungen f\u00fcr das deutsche System vorgelegt. Dabei wird klar, dass Roche kein idealistischer Tr\u00e4umer ist, sondern in seiner Funktion als Dean des College of Arts and Letters (1997-2008) durchaus gelernt hat realpolitische Machbarkeiten zu ermessen und gegebenenfalls auch mit Nachdruck durchzusetzen. Durchwegs wirkt er positiv und unvoreingenommen, benennt die Probleme, Herausforderungen und Chancen direkt und ohne ideologische Umschweife und pflegt damit eine unpr\u00e4tenzi\u00f6se und sehr erfrischende Argumentationsweise. F\u00fcr deutsche Akademiker, insbesondere f\u00fcr solche, die das deutsche System der letzten Jahre als Juniorprofessoren, Lehrbeauftragte oder Studenten erlebt und durchlitten haben, werden immer wieder bekannte, aber selten diskutierte Missst\u00e4nde und Probleme des deutschen Systems ohne Umschweife oder Standesd\u00fcnkel beim Namen genannt. Hier profitiert Roche deutlich von seiner unvoreingenommenen, alternativen Sichtweise und reflektierten Erfahrung. So schreibt er zum Thema Lehre an deutschen Universit\u00e4ten:<\/p>\n<p>\u201eDer gr\u00f6\u00dfte Skandal des deutschen Hochschulwesens ist nicht, dass es seinen Spitzenrang in der Forschung verloren hat \u2013 das ist bei der Mittelknappheit vorhersehbar. [\u2026] Der Skandal ist die Lehre. W\u00fcrde diese [in Rankings] bewertet werden, dann stiegen die deutschen Universit\u00e4ten fast mit Sicherheit noch weiter ab.\u201c (Roche, S. 60)<\/p>\n<p>Zum Thema Studienaufbau: \u201cDeutschland fehlt \u00fcberhaupt eine Tradition des strukturierten Grundstudiums.\u201c (S.61)<\/p>\n<p>\u00dcber die zur\u00fcckliegende Ver\u00e4nderung: \u201eDie Bologna-Reformen waren kaum von einer h\u00f6heren Idee oder einer Zielvorstellung begleitet. Es hatte den Anschein, als best\u00fcnde das Ziel allein darin, \u00e4u\u00dferen Standards zu gen\u00fcgen, bei denen es um Mobilit\u00e4t und Anerkennung von Studienabschl\u00fcssen ging; um eine h\u00f6here Abschlussquote von Studenten, indem niedrigere Abschl\u00fcsse angeboten werden; um die Steigerung der Effizienz und die Verringerung der \u00dcberf\u00fcllung, indem man die Studenten schneller durch das System schleust. [\u2026] Die Preisgabe des deutschen Ideals von Erkenntnis als Selbstzweck k\u00f6nnte f\u00fcr diese und \u00e4hnliche Reformen das gr\u00f6\u00dfte unausgesprochene Problem sein. [\u2026] Eine wirklich anregende, kraftvoll motivierende Vision sieht anders aus.\u201c (S. 224)<\/p>\n<p>Fazit: Roche erm\u00f6glicht dem Leser einen umfassenden und detaillierten Blick auf das moderne, tragf\u00e4hige und praxiserprobte US-amerikanische Universit\u00e4tssystem. Ein Buch, das nicht nur f\u00fcr Professoren, Lehrbeauftragte und Studenten, sondern f\u00fcr den gesamten (Aus-) Bildungsstandort Deutschland und insbesondere f\u00fcr verantwortliche deutsche Bildungspolitiker h\u00f6chstinteressant sein sollte. Die Zusammenh\u00e4nge zwischen den auf den ersten Blick z.T. sehr unterschiedlichen Systemen in den USA und Deutschland werden in einer gut lesbaren, unakademischen Sprache pr\u00e4gnant erkl\u00e4rt und die Situation, Probleme und m\u00f6gliche L\u00f6sungen verst\u00e4ndlich dargelegt.<\/p>\n<p>Mark Roche hat mit seinem Buch hervorragende, bittern\u00f6tige, aufkl\u00e4rende Arbeit geleistet f\u00fcr die man ihm auf dieser Seite des Atlantiks nur danken kann, dicke Empfehlung.<\/p>\n<p>Das Taschenbuch erschien im Oktober 2014 bei Meiner und kostet 22,90 \u20ac.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mark Roche ist Professor f\u00fcr deutsche Literatur und Philosophie an der University of Notre Dame, USA. 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