{"id":2638,"date":"2015-05-18T13:16:14","date_gmt":"2015-05-18T11:16:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=2638"},"modified":"2015-05-18T13:16:14","modified_gmt":"2015-05-18T11:16:14","slug":"buch-highway-61-revisited-von-mark-polizzotti","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2015\/05\/18\/buch-highway-61-revisited-von-mark-polizzotti\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eHighway 61 Revisited\u201c von Mark Polizzotti"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/polizzotti_highway_gr.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-2637\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/polizzotti_highway_gr.jpg\" alt=\"polizzotti_highway_gr\" width=\"140\" height=\"235\" \/><\/a>Im August 1965 erschien Bob Dylans Album \u201eHighway 61 Revisited\u201c. Es ist ein besonderes Album im Gesamtwerk dieses gro\u00dfen amerikanischen Songschreibers, denn es markiert das Ende der anf\u00e4nglich stark von akustischen Folktraditionen gepr\u00e4gten Karrierephase und seine &#8211; zur damaligen Zeit &#8211; als radikal empfundene Hinwendung zu Instrumentierungen, die damals eher dem Pop und Rock zugerechnet wurden (E-Gitarre, E-Bass, Orgel, Drumset). Zus\u00e4tzlich fielen auch die Songtexte bei \u201eHighway 61 Revisited\u201c deutlich weniger politisch, sozial- und gesellschaftskritisch aus, wurden stattdessen literarisch, frei-assoziativ, teilweise auch kryptisch-kodiert. Bei \u00f6ffentlichen Auftritten und Interviews verweigerte sich Dylan, gab seltsame, orakelhafte, oft auch widerspr\u00fcchliche oder unsinnige Antworten. All das zusammen l\u00f6ste unter seinen Anh\u00e4ngern heftige Kontroversen aus. Freunde und K\u00fcnstlerkollegen f\u00fchlten sich verraten, Sympathisanten der ersten Jahre warfen ihm Illoyalit\u00e4t und Kommerzstreben vor, viele wandten sich gegen ihn, doch erst durch diesen Schritt stieg Dylan zur unangefochtenen, amerikanischen Songwriterikone auf, die er bis heute ist.<!--more--><\/p>\n<p>Zum 50. Jubil\u00e4um des Albums erscheint beim deutschen Verlag Tiamat nun ein Buch zum Album. Der Text stammt von dem Amerikaner Mark Polizzotti, der sich bisher als \u00dcbersetzer franz\u00f6sischer Autoren und Herausgeber einen Namen gemacht hat. Seit 2010 arbeitet er als Publisher and Editor in Chief am Metropolitan Museum of Art in New York. Der vorliegende Text ist seine erste l\u00e4ngere Ver\u00f6ffentlichung zu einem popmusikalischen Thema und erschien im englischen Original in der Buchreihe 33 1\/3 bei Bloomsbury im Jahr 2006.<\/p>\n<p>Polizzotti ist gut informiert, aber man erkennt sofort, dass hier ein begeisterter Fan schreibt. Das muss erstmal kein Nachteil sein, es kann auch sch\u00f6n sein sich als Leser mitrei\u00dfen zu lassen, nur muss einem klar sein, dass kritische Distanz hier nicht erwartet werden kann. Teilweise sind die \u00c4u\u00dferungen so nah am Material, das man den Eindruck gewinnt, der Text sei in den 1960ern, direkt nach Erscheinen des Album verfasst worden. Das wirkt in den besseren Momenten sehr unmittelbar und lebendig, in den nicht so guten Momenten unreflektiert und unkritisch. Passagenweise war ich nicht sicher, ob hier wirklich der Mark Polizzotti der Met schreibt oder ein namensgleicher Hardcorefan, der komplett im Gestern lebt.<\/p>\n<p>Nach zwei einleitenden Kapiteln \u00fcbernimmt der Autor f\u00fcr das Buch die Einteilung des Albums in A- und B-Seite, auch die originale Reihefolge des Tracking wird eingehalten und dann Song f\u00fcr Song abgearbeitet. Polizzotti kl\u00e4rt auf \u00fcber \u00e4u\u00dfere und pers\u00f6nliche Umst\u00e4nde, \u00fcber Recordingtermine, verantwortliche Produzenten und beteiligte Musiker, interpretiert Texte, stellt Verbindungen her. Es werden jede Menge Zitate platziert und auch ordentlich in Fu\u00dfnoten dokumentiert. Jedes kleinste Detail wird mit Bedeutung aufgeladen, alles hat irgendeinen Sinn, weist einen Weg, der nicht anders sein k\u00f6nnte, als w\u00e4re das Album vom Schicksal vorherbestimmt, bei seiner Sichtweise bleibt er allerdings komplett in den Sixties stecken. Welche Bedeutung das Album \/ die Aufnahmen in den danach folgenden Jahren, dar\u00fcber hinaus oder f\u00fcr folgende Generationen haben k\u00f6nnte wird ausgespart und dabei w\u00e4re doch gerade mehrere Jahrzehnte sp\u00e4ter die knapp f\u00fcnfzigj\u00e4hrige Rezeptionsgeschichte des Albums interessant gewesen.<\/p>\n<p>So wie er ist, bleibt der Text eine etwas nerdige, fast schon fachidiotische Ehrerbietung an einen phasenweise doch recht \u00fcberbewerteten Songschreiber, dessen beste Tage mittlerweile weit zur\u00fcckliegen und dessen Werk unabh\u00e4ngig von der Zeit ihrer Entstehung kaum zu entschl\u00fcsseln oder zu verstehen ist. Die Zeit \u00fcberdauert hat dieses angeblich epochale Album nur in den Vinylsammlungen hoffnungslos verliebter Dylanologen.<br \/>\n\u00dcbersetzt hat Christine Heikamp, gr\u00f6\u00dftenteils ordentlich und lesbar. Warum auch zitierte Songtextpassagen \u00fcbersetzt wurden, bleibt allerdings ein R\u00e4tsel. Man h\u00e4tte das dem interessierten Leser ruhig im Original zumuten k\u00f6nnen. Wer will diese krummen, eingedeutschten Zeilen lesen, die sich nicht reimen, vollkommen unpoetisch daher kommen und bei denen nun wirklich jede hintergr\u00fcndige Anspielung auf der Strecke bleibt? Ein Buch f\u00fcr Dylanfans, die des Englischen nicht m\u00e4chtig sind? Gibt es so was? Falls ja, hier bekommen sie Lesestoff.<\/p>\n<p>Das englische Original ist erh\u00e4ltlich bei Bloomsbury, NY. Die deutsche \u00dcbersetzung erscheint bei Tiamat, hat 175 Seiten und kostet 18 Euro. www.dennisschuetze.de\/blog<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im August 1965 erschien Bob Dylans Album \u201eHighway 61 Revisited\u201c. 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