{"id":2790,"date":"2015-07-01T10:32:19","date_gmt":"2015-07-01T08:32:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=2790"},"modified":"2015-07-01T10:32:19","modified_gmt":"2015-07-01T08:32:19","slug":"familiengeschichten-ein-ueberblick-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2015\/07\/01\/familiengeschichten-ein-ueberblick-teil-1\/","title":{"rendered":"Familiengeschichte(n): Ein \u00dcberblick, Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>Aus der Hinterlassenschaft eines k\u00fcrzlich verstorbenen Onkels sind im Fr\u00fchjahr 2015 einige famili\u00e4re Erinnerungsst\u00fccke in meine H\u00e4nde geraten, darunter Fotoalben, Dias, Briefe, Tonb\u00e4nder und auch ein Bildnis meines Urgro\u00dfvaters Ludwig Hermann Sch\u00fctze (1869-1943). Dar\u00fcber und die Gef\u00fchle, die das in mir ausl\u00f6ste, habe ich vor einigen Wochen in einem <a href=\"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/2015\/06\/06\/familiengeschichten-das-bildnis-meines-urgrossvaters\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Blogartikel <\/a>berichtet.<br \/>\nWie es so ist nach einem Todesfall, gab es in der erweiterten Familie Dinge zu besprechen und Angelegenheiten zu regeln, die Familie r\u00fcckte ein klein wenig n\u00e4her zusammen, einige Kontakte wurden dadurch aufgefrischt, in meinem speziellen Fall entstand Kontakt zu Verwandten, die ich bis dahin nur vom H\u00f6rensagen kannte. Im Mai lernten wir uns dann pers\u00f6nlich kennen, tauschten uns aus und es lag nahe, dass wir schlie\u00dflich auch \u00fcber unsere gemeinsamen Vorfahren zu sprechen kamen. Bis dahin kannte ich nur einige, allerdings vielversprechende Anekdoten, hatte jedoch nicht den Eindruck, dass viel mehr in Erfahrung zu bringen sei. Schon die erste, kurze Begegnung mit der Berliner Verwandtschaft belehrte mich da eines besseren, hier wurden ganz nebenbei von Erlebnissen berichtet, Geschichten erz\u00e4hlt und Zusammenh\u00e4nge erw\u00e4hnt, die mich ganz neugierig machten. Ich hielt also Kontakt und stellte viele Fragen. Seitdem habe ich von meinem Vater, diversen Gro\u00dfcousins und Menschen deren Verwandtschaftsgrad mit mir gar nicht so leicht herzuleiten ist ganz viel erfahren. Mir wurden Emails und Briefe geschrieben, mir wurden Fotos und Abbildungen geschenkt und man hat mir Stammb\u00fccher, Kompositionen und andere Dokumente anvertraut.<br \/>\nUnabh\u00e4ngig davon habe ich mich ganz allgemein mit den Lebensbedingungen meiner Vorfahren vertraut gemacht (Geburtsort und \u2013datum, Beruf, Eheschlie\u00dfung, Wohnorte, Lebensende) und in einem besonderen Fall habe ich auch sehr viele Informationen in Fachb\u00fcchern aus dem 19. Jahrhundert gefunden, die heutzutage mit \u00fcberschaubarem Aufwand \u00fcber Google Books zu finden und dort auch kostenlos zu beziehen sind.<br \/>\nIm Folgenden m\u00f6chte ich einen kleinen \u00dcberblick bieten \u00fcber das, was ich in den letzten Wochen zusammengetragen habe. Meine Erkundigungen beziehen sich auf die Familie v\u00e4terlicherseits. Die meisten Informationen fanden sich \u00fcber die direkte Linie der m\u00e4nnlichen Familiennamenstr\u00e4ger (Sch\u00fctze) auf die ich mich in der Darstellung zun\u00e4chst beschr\u00e4nken will. Sie lie\u00df sich bis ins sp\u00e4te 18. Jahrhundert, also \u00fcber f\u00fcnf Generationen zur\u00fcckverfolgen.<\/p>\n<p>Von <strong>Nicolaus Gottlieb Sch\u00fctze<\/strong> (meinem Ururururgro\u00dfvater) ist nicht viel bekannt, geboren wurde er wohl in der zweiten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts. In einer Quelle wird er als verarmter Landwirt, an anderer Stelle als Gutsbesitzer bezeichnet. Er lebte im \u201eAlten Land\u201c bei Hamburg, wird aber um 1801 auch mit dem Gut Niebeck (bei Uelzen) in Zusammenhang gebracht. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits verheiratet mit Marie Elisabeth Ritter. Zusammen hatten sie mehrere Kinder davon mindestens zwei S\u00f6hne: Mein Urururgro\u00dfvater Johann Erdmann Nicolaus Sch\u00fctze (*1799) und Johann Wilhelm Eduard Sch\u00fctze (*1801). Den Vater Nicolaus Gottlieb Sch\u00fctze hat irgendwann das Gl\u00fcck verlassen, durch einen Krieg verlor er \u201eVerm\u00f6gen und Wohlstand\u201c und verdiente sich danach seinen Lebensunterhalt mit privaten Musikstunden. Aufgrund seiner finanziellen Situation war es ihm nicht m\u00f6glich seinen Kindern eine h\u00f6here Schulbildung zu bieten. Er verstarb w\u00e4hrend der Belagerung Hamburgs in den Jahren 1813\/14 an einer Krankheit.<\/p>\n<p>\u00dcber seinen Sohn\u00a0<strong>Johann Erdmann Nicolaus Sch\u00fctze<\/strong>\u00a0(meinen Urururgro\u00dfvater) ist wesentlich mehr in Erfahrung zu bringen,\u00a0\u201eschon in dem zehnj\u00e4hrigen Knaben erwachte [\u2026] die Liebe zur Schauspielkunst\u201c und er besuchte regelm\u00e4\u00dfig die Hamburger B\u00fchne. Im Jahr 1815 mit knapp 17 zog er mit den hanseatischen Truppen in den Krieg gegen Napoleon. Bei ihrer Ankunft war die Schlacht in Waterloo gl\u00fccklicherweise bereits geschlagen und das Kontingent kampierte wochenlang einige Kilometer vor Paris. Um die Langeweile zu vertreiben probte er zusammen mit einiger Kameraden Theaterst\u00fccke ein und brachte sie erfolgreich zur Auff\u00fchrung. Nach seiner R\u00fcckkehr nach Hamburg schloss er sich einem \u201eDilettanten-Vereine\u201c an und widmete sich nun voll und ganz seinem Interesse f\u00fcr Schauspielkunst. Schon nach kurzer Zeit schauspielerte er hauptberuflich und arbeitete sich St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck nach oben. Seinen b\u00fcrgerlichen Namen legte er kurz darauf ab und wurde bekannt als (Johann Nikolaus) <strong>Eduard Sch\u00fctz<\/strong>. Es war f\u00fcr Schauspieler bereits damals \u00fcblich oft den Wohnort zu wechseln und so arbeitete er an vielen Theatern in verschiedenen St\u00e4dten. Eine besondere Station wurde sein Engagement am Hoftheater in Braunschweig. Hier spielte er im Januar 1829 die Hauptrolle bei der Urauff\u00fchrung von Goethes \u201eFaust\u201c. Das Drama war zwar bereits 1808 in Schriftform ver\u00f6ffentlicht worden, galt aber zwei Jahrzehnte lang als unauff\u00fchrbar. Das Hoftheater Braunschweig unternahm in einer gek\u00fcrzten Fassung den weltweit ersten Versuch das bedeutende Drama auf die B\u00fchne zu bringen und in der Rolle des Dr. Faust ist mein Urururgro\u00dfvater Eduard Sch\u00fctz in die Theatergeschichte eingegangen. Es gibt \u00fcber ihn sogar einen eigenen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eduard_Sch\u00fctz_(Schauspieler)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wikipediaeintrag <\/a>und er wird mehrfach in der Fachliteratur erw\u00e4hnt.<br \/>\nEduard Sch\u00fctz war viermal verheiratet. Von seiner ersten Frau lie\u00df er sich aus unbekannten Gr\u00fcnden scheiden, im Jahr 1824 heiratete er die S\u00e4ngerin Betti Schmidt geb. Herz. Nach ihrem Tod im Jahr 1835 heiratete er am 1. Mai 1836 die Schauspielerin Sophie H\u00f6ffert, aus dieser Ehe gingen zwei S\u00f6hne und eine Tochter hervor. Nach dem Tod seiner dritten Frau im Jahr 1850, heiratete er am 3. Juni 1851 Marie W\u00fcrth, aus dieser Ehe ging ein Sohn hervor.\u00a0Nach der Urauff\u00fchrung des \u201eFaust\u201c hatte Eduard Sch\u00fctz weiterhin Engagements und Gastspiele an verschiedenen Theatern u.a. in Leipzig (1829-31), W\u00fcrzburg, Braunschweig, Wiesbaden (1854-56), bevor er 1856 als Direktor des Hoftheaters nach Braunschweig zur\u00fcckkehrte und dort bis zu seinem Tod wirkte. Er starb am 2. Mai 1868 an einer Krankheit. Nur wenige Tage zuvor verfasste er dieses letzte Gedicht:<\/p>\n<p>&#8222;Doch wollen wir dem Ewigen vertrauen,<br \/>\nUnd, naht sich dann der Tage letztes Ende,<br \/>\nFroh sprechen und nach oben schauen:<br \/>\nHerr, ich befehle meinen Geist in deine H\u00e4nde.&#8220;<br \/>\n(Eduard Sch\u00fctz, 1868)<\/p>\n<p>Eduard Sch\u00fctz wird beschrieben als \u201esehr flei\u00dfiger Mann mit einer didaktischen Ader, aber auch einem gewissen Hang zur Pedanterie\u201c (Hartmann). An schriftlichen Arbeiten hinterlie\u00df er etliche Prologe, Gedichte, dramatische Abhandlungen und B\u00fchnenwerke. Er war der Onkel des Reiseschriftstellers Friedrich Gerst\u00e4cker, der seine Jugendjahre bei ihm verbrachte und ihm in seinem Roman \u201eIm Eckfenster\u201c mit der Figur des Theaterdirektors S\u00fc\u00dfmeier ein literarisches Denkmal setzte.<\/p>\n<p>Einer seiner S\u00f6hne aus der Ehe mit Sophie H\u00f6ffert war <strong>August Ludwig Heinrich Johann Carl Sch\u00fctze<\/strong> (mein Ururgro\u00dfvater). Er wurde am 28. November 1841 in Braunschweig geboren, wuchs dort auf und absolvierte nach seiner Schulzeit eine Lehre in einer Buchhandlung. Irgendwann zog er nach D\u00fcsseldorf und heiratete dort die ortsans\u00e4ssige Friedericke Wilhelmine Bertha Audoyer. Aus der Ehe gingen mehrere Kinder, vermutlich drei S\u00f6hne hervor, einer davon war mein Urgro\u00dfvater Ludwig Hermann Sch\u00fctze. Der Vater arbeitete hauptberuflich als gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Kunsth\u00e4ndler bei der Firma Ed. Schulte und verfasste nebenbei Artikel f\u00fcr angesehene Zeitungen und Zeitschriften. U.a. war er jahrelang Kunst- und Schauspielreferent des D\u00fcsseldorfer Generalanzeigers und war als Kunstkenner und regelm\u00e4\u00dfiger Theaterg\u00e4nger bekannt. In einem Nachruf hei\u00dft es: \u201eSein f\u00fcr alles Sch\u00f6ne und Edle sich bis in seine letzte Lebenszeit mit jugendlicher Frische erw\u00e4rmendes Gem\u00fct [\u2026] gewann ihm die Herzen all derer mit denen er in Ber\u00fchrung kam.\u201c Er starb am 22. April 1903 in D\u00fcsseldorf.<\/p>\n<p>Teil 2 folgt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus der Hinterlassenschaft eines k\u00fcrzlich verstorbenen Onkels sind im Fr\u00fchjahr 2015 einige famili\u00e4re Erinnerungsst\u00fccke in meine H\u00e4nde geraten, darunter Fotoalben, Dias, Briefe, Tonb\u00e4nder und auch ein Bildnis meines Urgro\u00dfvaters Ludwig Hermann Sch\u00fctze (1869-1943). 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