{"id":2799,"date":"2015-07-02T09:24:38","date_gmt":"2015-07-02T07:24:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=2799"},"modified":"2015-07-02T09:24:38","modified_gmt":"2015-07-02T07:24:38","slug":"familiengeschichten-ein-ueberblick-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2015\/07\/02\/familiengeschichten-ein-ueberblick-teil-2\/","title":{"rendered":"Familiengeschichte(n): Ein \u00dcberblick, Teil 2"},"content":{"rendered":"<p>Einer der S\u00f6hne meines Ururgro\u00dfvaters Ludwig Sch\u00fctze (Senior) war <strong>Ludwig Hermann Sch\u00fctze<\/strong> (mein Urgro\u00dfvater). Er wurde am 12. April 1869 in D\u00fcsseldorf geboren, wuchs dort auf, ging zur Schule und absolvierte ab 1886 eine Lehre zum Kunsth\u00e4ndler in der Firma Ed. Schulte, bei der sein Vater als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer angestellt war. Nach seiner Lehrzeit zog er 1889 nach Berlin und trat dort eine Stelle als Korrespondent bei der Photographischen Gesellschaft Berlin an. Von Herbst 1891-92 musste er die Arbeit dort unterbrechen und absolvierte seinen Milit\u00e4rdienst. In seinen Lebenserinnerungen \u00e4u\u00dfert er sich kritisch \u00fcber die \u201eWillk\u00fcr der Subalternen\u201c, \u201edie oft recht rohe Behandlung wehrloser Rekruten durch brutale Unteroffiziere\u201c, den \u201evielfach geistlosen Drill\u201c. Einige kleinere Verletzungen lassen ihn mehrmals Zeit im Lazarett verbringen, er nahm deswegen nicht am Man\u00f6ver teil und die \u00fcbliche Bef\u00f6rderung blieb aus. Das scheint ihm aber nichts ausgemacht zuhaben. Am\u00fcsiert erz\u00e4hlt er die Anekdote, dass er aufgrund seines Nachnamens von den Milit\u00e4rs vorab ma\u00dflos \u00fcbersch\u00e4tzt wurde und bei den Schie\u00df\u00fcbungen dann kl\u00e4glich versagte. Nach seiner R\u00fcckkehr an seinen Arbeitsplatz in Berlin macht man ihm das Angebot doch f\u00fcr einige Zeit in die Filiale nach New York zu wechseln. Als abenteuerlustiger und noch lediger, junger Mann nahm er diese einmalige Gelegenheit dankend an. Er reiste zuerst nach London und arbeitete eine Zeit lang in der dortigen Filiale um sich mit dem Abl\u00e4ufen vertraut zu machen. Ende Oktober 1892 bestieg er in Southampton den Schnelldampfer \u201eLahn\u201c, \u00fcberquerte den Atlantik und betrat in New York erstmals amerikanischen Boden. Zur Jahreswende arbeitete er bereits in der New Yorker Filiale der Photographischen Gesellschaft, \u00fcbernahm kurz danach die Gesch\u00e4ftsleitung und verbrachte dort seine n\u00e4chsten elf Lebensjahre. Am 10. Oktober 1896 heiratete er die deutschst\u00e4mmige Amerikanerin Frida Volkmann, sie galt als kulturell gebildet und spielte Klavier. Aus dieser Ehe gingen vier Kinder, zwei S\u00f6hne und zwei T\u00f6chter, hervor. Die Familie wohnte in Brooklyn und hier wurde im August 1902 in Flatbush mein Gro\u00dfvater Ralph Ernst Sch\u00fctze geboren. Kurz danach \u00fcbersiedelte die ganze Familie zur\u00fcck nach Berlin. Mein Urgro\u00dfvater arbeitete noch bis Ende der 1920er Jahre f\u00fcr die Photographische Gesellschaft Berlin, im Jahr 1928 er\u00f6ffnete er zusammen mit Charlotte Luke\u00a0die Galerie \u201eKunststube\u201c in Berlin. Er schrieb \u2013 wie sein Vater \u2013 nebenberuflich feuilletonistische Artikel und Kunstkritiken f\u00fcr amerikanische und deutsche Zeitungen und Zeitschriften u.a. f\u00fcr die Deutsche Allgemeine Zeitung (DAZ). Ab Anfang der 1930er Jahre zog er sich aus dem beruflichen Leben zur\u00fcck und verbrachte mehrere, l\u00e4ngere Aufenthalte in einem Sanatorium. Er litt unter einem sog. \u201eschweren Gem\u00fct\u201c, war im Alter vermutlich depressiv. Aus dieser Zeit stammen die umfangreichen Lebenserinnerungen (\u201eAus den Erinnerungen eines alten Kunsth\u00e4ndlers\u201c) und diverse Kurzgeschichten. F\u00fcr ihn als aufgeschlossenen und weltgewandten Kunst- und Kulturliebhaber m\u00fcssen die politischen Verh\u00e4ltnisse zum Ende seines Lebens bedr\u00fcckend gewesen sein. Er \u00e4u\u00dfert sich dazu in seinen Erinnerungen fast gar nicht und wenn, dann nie konkret. Ob das eine Vorsichtsma\u00dfnahme angesichts der totalit\u00e4ren \u00dcberwachung gewesen ist oder ob er sich tats\u00e4chlich nicht f\u00fcr Tagespolitik interessierte, wird nicht ganz klar. Er stirbt im November 1943 in Berlin eines nat\u00fcrlich Todes, an Kamphandlungen war er Zeit seines Lebens nicht beteiligt.<\/p>\n<p><strong>Ralph Ernst Sch\u00fctze<\/strong> (mein Gro\u00dfvater) wurde am 18. August 1902 in Flatbush, Brooklyn geboren. Bereits als Kleinkind siedeln die Eltern um, zur\u00fcck nach Berlin. Zwei Jahre sp\u00e4ter wird dort im Jahr 1904 sein kleiner Bruder Ludwig Joseph Sch\u00fctze als j\u00fcngstes Kind der Familie geboren. Ralph Ernst geht in Berlin zur Schule, absolviert eine Lehre und macht am 17. Dezember 1924 seinen F\u00fchrerschein. Automobile, Motoren und Technik sollen zeitlebens seine gro\u00dfe Leidenschaft bleiben, er arbeitet bis zum Ende des Krieges f\u00fcr die Bayerischen Motorenwerke in Berlin und heiratet zweimal in seinem Leben. Aus der ersten Ehe gehen drei Kinder, zwei T\u00f6chter und ein Sohn hervor. Die zweite Ehe schlie\u00dft er am 16. Februar 1942 mit der blutjungen Esther Ruth Reger (meiner Gro\u00dfmutter). Ihr erster Sohn Christian Michael Sch\u00fctze (mein Onkel) wird im M\u00e4rz 1942 in Berlin geboren, ihr zweiter Sohn Thomas Ralph Sch\u00fctze (mein Vater) wird am 13. November 1943 geboren, ebenfalls in Berlin. Kurz danach verlassen Ehefrau, Ex-Ehefrau, die f\u00fcnf Kinder und weitere Verwandte die Hauptstadt, die zunehmend unter alliierten Bombardements zu leiden hat. F\u00fcr mehrere Jahre leben gro\u00dfe Teile der Familie Sch\u00fctze in Sicherheit vor den Kriegshandlungen in dem kleinen Bergdorf Gerlos in Tirol in \u00d6sterreich. Mein Gro\u00dfvater arbeitet derweil immer noch f\u00fcr BMW in Berlin, kann es aber einrichten, dass er regelm\u00e4\u00dfig in einer Fabrik in der N\u00e4he zu tun hat und kommt alle paar Wochen oder Monate vorbei. Erst 1946 kehrt die Familie nach Berlin zur\u00fcck, ihre Wohnungen sind nicht zerst\u00f6rt worden und alle haben \u00fcberlebt. Ralph Sch\u00fctze gilt als stattlicher und gewitzter Mann, er spielt etwas Gitarre und singt dazu mit kr\u00e4ftiger Stimme. Nach dem Krieg arbeitet er als Autoh\u00e4ndler bei dem amerikanischen Hersteller Ford. Zum Ende seines Lebens wird auch er \u2013 wie sein Vater \u2013 schwerm\u00fctig kommt in Zeiten des Wirtschaftswunders nicht mehr zurecht. Er stirbt am 27. September 1964, also acht Jahre vor meiner Geburt.<\/p>\n<p>Erw\u00e4hnen will ich in diesem Zusammenhang noch den kleinen Bruder meines Gro\u00dfvaters. <strong>Ludwig Joseph Sch\u00fctze<\/strong> wurde 1904 in Berlin geboren. Nach seiner Schulzeit und einer Lehre zum Buchh\u00e4ndler studierte er am Berliner Konservatorium Klavier. Danach arbeitete er als privater Musiklehrer und unterrichtete Klavier und Blockfl\u00f6te. Im Laufe seines Lebens vertonte er Gedichte zu Liedern und komponierte f\u00fcr Klavier und Blockfl\u00f6tenensemble. Etliche seiner Liedkompositionen wurden im Rahmen von Liederabenden \u00f6ffentlich aufgef\u00fchrt, nach dem Krieg wurden einige Lieder im Radio gesendet, Tonaufnahmen existieren leider nicht. Seine musikalische Hinterlassenschaft befindet sich mittlerweile in meinem Besitz. Ein \u201eAllegro f\u00fcr Klavier und Klarinette\u201c in F-Dur habe ich transkribiert. Es liegen nun ein Notensatz und eine ePlayer-Version vor. Sein Stil ist stark von der klassisch-romantischen Tradition gepr\u00e4gt. Klassische Moderne oder gar Folklore, Jazz oder Unterhaltungsmusik spielen keine erkennbare Rolle.<\/p>\n<p>Mein Vater<strong> Thomas Ralph Sch\u00fctze<\/strong> wurde am 13. November 1943 in Berlin geboren. Sein fr\u00fcheste Kindheit verbrachte er in dem kleinen Bergdorf Gerlos in den Tiroler Alpen. Ab ca. 1946 wuchs er in Berlin auf, ging dort zur Schule, absolvierte eine Lehre zum Schlosser, arbeitet dann auf einer Werft in Hamburg und fuhr f\u00fcr etliche Jahre zur See. Auf gro\u00dfen Tankern schipperte er durch alle Weltmeere und studierte anschlie\u00dfend Ingenieurswesen. Ich wurde im Juli 1972 noch in Elmshorn bei Hamburg geboren, kurz danach zog die kleine Familie nach M\u00fcnchen, wo mein Vater Arbeit als Betriebsingenieur am neu errichteten Klinikum Gro\u00dfhadern gefunden hatte. Aus der Ehe mit Heidelore Marie-Luise Zerbe (meiner Mutter) gingen zwei Kinder hervor. Im Juni 1975 wurde in M\u00fcnchen meine Schwester Melanie geboren.<\/p>\n<p>Soweit mein erster \u00dcberblick, ist doch ein ganzes St\u00fcck l\u00e4nger geraten als ich dachte. Einige der Gedichte, Kurzgeschichten, Lebenserinnerungen, Fotos, Zeichnungen und Kompositionen meiner Vorfahren werde ich im Lauf der n\u00e4chsten Wochen und Monate auf diesem Blog vorstellen. Ich habe zwar schon einiges gesichtet, habe aber auch noch einiges vor mir, teilweise m\u00fcssen die Dokumente auch vorbereitet und aufgearbeitet werden. Die Familiengeschichte(n) wird mich noch eine Weile besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Quellen:<br \/>\nLudwig Hermann Sch\u00fctze: Aus den Erinnerungen eines alten Kunsth\u00e4ndlers. (Privat)<br \/>\nLudwig Joseph Sch\u00fctze: S\u00e4mtliche Werke. (Privat)<br \/>\nUlrich Parenth: Wie Goethes \u201eFaust\u201c auf die B\u00fchne kam. (Gerd J. Holtzmeyer Verlag)<br \/>\nL. von Alvensleben: Biographisches Taschenbuch deutscher B\u00fchnen-K\u00fcnstler und K\u00fcnstlerinnen (Leipzig, 1837)<br \/>\nA. Entsch: Deutscher B\u00fchnenalmanach (Berlin, 1869)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einer der S\u00f6hne meines Ururgro\u00dfvaters Ludwig Sch\u00fctze (Senior) war Ludwig Hermann Sch\u00fctze (mein Urgro\u00dfvater). Er wurde am 12. 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