{"id":2806,"date":"2015-07-09T15:24:42","date_gmt":"2015-07-09T13:24:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=2806"},"modified":"2015-07-09T15:24:42","modified_gmt":"2015-07-09T13:24:42","slug":"buch-soll-und-haben-von-jane-gleeson-white","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2015\/07\/09\/buch-soll-und-haben-von-jane-gleeson-white\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eSoll und Haben\u201c von Jane Gleeson-White"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/SollHaben.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-2808\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/SollHaben.jpg\" alt=\"1347_01_SU_GleesonWhite_SollUndHaben.indd\" width=\"180\" height=\"295\" \/><\/a>Jane Gleeson-White ist eine australische Wirtschafts- und Literaturwissenschaftlerin. Das Buch \u201eSoll und Haben\u201c erschien als englisches Original im Jahr 2012 unter dem Titel \u201eDouble Entry: How the Merchants of Venice created modern Finance\u201c. Die deutsche gebundene Ausgabe erschien im M\u00e4rz 2015 und tr\u00e4gt den Untertitel \u201eDie doppelte Buchf\u00fchrung und die Entstehung des modernen Kapitalismus\u201c. Die Autorin hat sich damit einiges vorgenommen, beschreibt die Etablierung und Auswirkungen eines buchhalterischen Systems zuerst in Italien, dann in Westeuropa und schlie\u00dflich auf globaler Ebene. Sie pr\u00e4sentiert damit eine Kombination aus westlicher Wirtschafts- und Kulturgeschichte aus speziellem Blickwinkel.<!--more--><\/p>\n<p>Das Buch besteht aus einem Vorwort, zehn Kapiteln, einem Epilog und einem ausf\u00fchrlichen Anhang mit Quellennachweis. Jedem Kapitel sind mehrere Zitate vorangestellt, die die nachfolgende Argumentation andeuten, dabei werden \u00d6konomen, Wirtschaftshistoriker, klassische Literaten und Pr\u00e4sidenten zitiert. Das einleitende Vorwort beginnt mit einem Zitat aus einer Rede des amerikanischen Senators Bobby Kennedy, in der er anprangert, dass das Bruttosozialprodukt, also die in Zahlen belegbare Wirtschaftsleistung einer Nation, zum alleinigen Ma\u00dfstab von politischen Entscheidungen geworden sei. Wie es dazu gekommen ist und wie man \u00f6kologische, soziale und andere weiche Faktoren in die Rechnung einbringen kann, will uns die Autorin in dem Buch darlegen.<\/p>\n<p>Sie beginnt dabei ganz vorn, startet mit ihrer Darstellung der Geschichte der Buchhaltung in der fr\u00fchen Antike und arbeitet sich vor bis zum Mittelalter. Thematisiert werden fr\u00fche Formen von Z\u00e4hl-, Notations- und Schriftsystemen. Dreh und Angelpunkt der westlichen Wirtschaft werden in der Renaissance dann die Praktiken der international agierenden, norditalienischen Kaufmannsdynastien, die f\u00fcr die berufliche Ausbildung ihrer Nachkommen eigene Schulen, mit fachm\u00e4nnischem Lehrpersonal aufbauen. Hier entwickelt der italienische Gelehrte Luca Pacioli die fr\u00fche Form der sogenannten Doppelten Buchf\u00fchrung, die in den folgenden Jahrhunderten zum buchhalterischen Erfolgsmodell wird. Das Prinzip wird im Laufe der Zeit weiterentwickelt, bleibt aber im Kern bis heute erhalten.<\/p>\n<p>Die praktische Anwendung wird leider nur kurz und am Rande erkl\u00e4rt. Hier h\u00e4tte die Autorin gerne noch etwas mehr Informationen und praktische Beispiele f\u00fcr quer einsteigende Leser aufzeigen\u00a0d\u00fcrfen. Viel Platz r\u00e4umt sie dagegen der Verbreitung, der Entwicklung und Verwandlung des Systems und seinen Varianten ein. Dabei verlegt sich im Laufe der Betrachtung der wirtschaftgeographische Schauplatz von Italien (Renaissance), nach Holland (17.\/18. Jahrhundert), weiter nach England (19. Jahrhundert) und von da aus in die USA (20. Jahrhundert) und die Weltwirtschaft (Ende 20. &amp; 21. Jahrhundert).<\/p>\n<p>Je weiter sich die Autorin an die Gegenwart heranarbeitet, desto weniger kulturhistorisch und mehr idealistisch werden die Aussagen. Bezugnehmend auf die Eingangs zitierte Rede von Kennedy wird gegen Ende hin versucht globale Probleme und Krisen aus buchhalterischer Perspektive zu l\u00f6sen indem in den nationalen Wirtschaftszahlen neben Produktion und Wachstum zus\u00e4tzlich auch Faktoren wie Ressourcenverbrauch, Nachhaltigkeit, Umweltverschmutzung, gesellschaftliche Effekte, etc. verrechnet werden. Dies h\u00e4tte &#8211; rein buchhalterisch &#8211; andere Bewertungen zur Folge, w\u00fcrde zu anderen Ergebnissen und somit auch zu alternativen Konsequenzen, Wegen und L\u00f6sungen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Fazit: Das Buch beginnt als trockene wissenschaftliche Aufarbeitung der buchhalterischen Wirtschaftshistorie, im Mittelteil werden Bezugsthemen und Wirkungsfeld dann betr\u00e4chtlich, teilweise etwas willk\u00fcrlich erweitert. Das Buch endet schlie\u00dflich mit einer idealistischen, Weltverbesserungsidee auf die tats\u00e4chlich nur ein Wirtschaftswissenschaftler kommen kann: Retten wir die erhaltenswerten, noch nicht komplett durchkommerzialisierten Bestandteile unserer Erde indem wir sie bewerten und mit einem Preis versehen in die B\u00fccher aufnehmen. Das verr\u00fcckte darin ist, dass diese spezielle Rechnung evtl. sogar aufgehen k\u00f6nnte, wie einige politische Entwicklungen der letzten Jahre durchaus positiv best\u00e4tigen. F\u00fcr sich gesehen ist jeder der drei thematischen Abschnitte (Geschichte der Buchhaltung, Entwicklung der Doppelten Buchf\u00fchrung, Weltwirtschaftsutopie) interessant und in sich geschlossen, in Kombination passen sie nicht immer gut zusammen, wissenschaftliche, pers\u00f6nliche und idealistische Anteile harmonieren nicht.<\/p>\n<p>Susanne Held hat den mit wirtschaftstheoretischen Fachbegriffen durchsetzten Text sehr lesbar ins Deutsche \u00fcbersetzt. Sehr gute Arbeit, das war sicher keine einfache Herausforderung. Das gebundene Buch erscheint bei Klett-Cotta, hat 366 Seiten und kostet 24,95 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jane Gleeson-White ist eine australische Wirtschafts- und Literaturwissenschaftlerin. Das Buch \u201eSoll und Haben\u201c erschien als englisches Original im Jahr 2012 unter dem Titel \u201eDouble Entry: How the Merchants of Venice created modern Finance\u201c. 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