{"id":2847,"date":"2015-07-19T11:53:31","date_gmt":"2015-07-19T09:53:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=2847"},"modified":"2015-07-19T11:53:31","modified_gmt":"2015-07-19T09:53:31","slug":"buch-basistexte-musikaesthetik-und-musiktheorie-von-werner-keil-hg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2015\/07\/19\/buch-basistexte-musikaesthetik-und-musiktheorie-von-werner-keil-hg\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eBasistexte Musik\u00e4sthetik und Musiktheorie\u201c von Werner Keil (Hg.)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/MusikKeil.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2840\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/MusikKeil-212x300.jpg\" alt=\"MusikKeil\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/MusikKeil-212x300.jpg 212w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/MusikKeil.jpg 336w\" sizes=\"(max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a>Bereits 2007 erschien bei UTB das Arbeitbuch \u201eBasistexte Musik\u00e4sthetik und Musiktheorie\u201c. Werner Keil hat als Herausgeber 23 Texte zum Thema zusammengestellt. Die Entstehungszeiten erstrecken sich \u00fcber fast 2500 Jahre und reichen von antiken Philosophen wie Platon und Aristoteles bis zu modernen Theoretikern wie Carl Dahlhaus und Hans Heinrich Eggebrecht.\u00a0Das Buch beginnt mit einem knappen Vorwort des Herausgebers, das auch gleich die Danksagung umfasst. Werner Keil, der als Professor f\u00fcr Musikwissenschaft an der Hochschule f\u00fcr Musik in Detmold t\u00e4tig ist, begr\u00fcndet die Auswahl der Texte und macht einige Anmerkungen zu \u00dcbersetzung und Aufbereitung. Er erw\u00e4hnt Studium, Seminare, \u00dcbungen und es wird klar, dass sich die Textsammlung in erster Linie an Studierende der Musikwissenschaft richtet.<!--more--><\/p>\n<p>Die folgenden 23 Texte sind chronologisch nach ihrer Entstehung angeordnet und in die drei Oberkapitel \u201eAntike, Mittelalter, Renaissance\u201c, \u201e17. und 18. Jahrhundert\u201c und \u201e19. und 20. Jahrhundert\u201c unterteilt. Zu Beginn jedes Kapitels f\u00fchrt der Herausgeber kurz aber pr\u00e4gnant an das Thema heran. Nach einem biographischen Abriss, werden das Werk und die Grundpositionen des Autors beschrieben, die Auswahl des folgenden Textes begr\u00fcndet und die Bedeutung innerhalb des Gesamtwerkes erkl\u00e4rt. Bei der Vielzahl der im B\u00fcchlein pr\u00e4sentierten Autoren enthalten diese kompakten Einf\u00fchrungen wertvolle Informationen, die dem Leser Orientierung geben und die Lekt\u00fcre der oftmals sperrigen Texte deutlich erleichtern. Besonders die antiken und mittelalterlichen Schriften, aber auch etliche andere Texte bis zum 18. Jahrhundert w\u00e4ren ohne diese Kommentierung nur schwer lesbar, vielleicht kaum oder gar nicht verst\u00e4ndlich, weil die thematischen Bez\u00fcge fehlen oder heutzutage weitgehend unbekannt sind. Ob sie \u00fcber ihre historische Relevanz hinaus irgendeinen Nutzwert haben, wie der Herausgeber im Vorwort behauptet, bleibt vorerst fraglich. Musiktheoretische Inhalte kommen bei der Textauswahl \u00fcbrigens so gut wie gar nicht vor, im kompletten Buch gibt es nur wenige Darstellungen und davon keine einzige in Notenschrift, warum der Begriff \u201eMusiktheorie\u201c explizit im Titel benannt wird und nicht in einem gesonderten Buch umfassend behandelt wird, ist nicht ersichtlich.<\/p>\n<p>Das Buch bietet einen guten \u00dcberblick \u00fcber mitteleurop\u00e4ische Texte zur Musik\u00e4sthetik und wird somit seinem Titel auf den ersten Blick wenigstens zur H\u00e4lfte gerecht. Wie bei vergleichbaren Textsammlungen (z.B. \u201eTexte zur Musik\u00e4sthetik\u201c, Reclam) muss man allerdings hinzuf\u00fcgen, dass es sich \u2013 wie in der deutschen Musikwissenschaft bedauerlicherweise \u00fcblich &#8211; um eine extrem eurozentristische, klassisch-romantische und m\u00e4nnerdominierte Sicht auf das Thema handelt. Die neuzeitlichen Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts bestehen ohne Ausnahme aus deutschen M\u00e4nnern, es gibt keine einzige \u00c4u\u00dferung von einem Nord- oder S\u00fcdamerikaner, Afrikaner oder Asiaten, \u00fcbrigens wohlgemerkt auch von keiner einzigen Frau. Der aktuellste Text stammt aus dem Jahr 1991 (Eggebrecht), Texte aus dem 21. Jahrhundert gibt es nicht. Dabei ist es nicht so, dass sich nicht auch andere zum Thema ge\u00e4u\u00dfert h\u00e4tten. Aktuelle Buchpublikationen wie \u201eAudio Culture\u201c von Cox &amp; Warner (Hg.), \u201eThe Rest is Noise\u201c von Alex Ross oder \u201eThe Ambient Century\u201c von Mark Predergart zeichnen da ein differenzierteres Bild und beziehen sich bereits im Titel auf eine bestimmte Epoche, einen Stil, ein musikalisches Sujet, nehmen den Mund also nicht ganz so voll. Diese Art der Bescheidenheit w\u00fcrde den eurozentristischen Experten der deutschen Musikwissenschaft auch gut zu Gesicht stehen und somit w\u00e4re ein korrekter Titel f\u00fcr das Studienbuch: \u201eHistorische Texte zur deutschen Musik\u00e4sthetik der klassisch-romantischen Tradition\u201c.<\/p>\n<p>Im Nachwort \u00e4u\u00dfert sich der Herausgeber unerwarteterweise kritisch \u00fcber den Wahrheitsgehalt und Aussagewert der von ihm selbst ausgew\u00e4hlten Texte. Er weist teilweise recht ausf\u00fchrlich auf Fehler, Irrwege und Widerspr\u00fcche hin (dazu sehr passend auf dem Titelseite des Buches: Abbildung im Miniaturformat der Weltenorgel von Athanasius Kircher, dem Renaissance-Gro\u00dfmeister aller Irrung und Verwirrung). Diese Erkl\u00e4rungen sind allerdings auch dringend n\u00f6tig, denn der Leser, der bis hierhin durchgehalten hat, stellt sich ganz sicher die Frage, was diese sehr theoretischen, sprachlich unn\u00f6tig komplizierten und fachlich zum \u00fcberwiegenden Teil \u00fcberholten Texte mit dem aktuellen Geschehen in Musik\u00e4sthetik &#8211; ganz zu schweigen von Musiktheorie &#8211; zu tun haben sollen. Keil scheint das auch selbst aufzufallen, aber er wagt nicht den Blick nach vorne, bleibt der erzkonservativen Ausrichtung seines Fachgebiets viel zu sehr verhaftet. Und das ist bedauerlich, denn die kritischen Ans\u00e4tze sind da, aber es werden leider keine Konsequenzen daraus gezogen. Interessant und vermutlich auch gefragt w\u00e4re dagegen mal ein ausf\u00fchrlicher \u00dcberblick der Positionen, Ausrichtungen und Tendenzen der letzten Jahrzehnte, also des gesamten musik\u00e4sthetischen Diskurses seit Mitte des 20. bis Anfang 21. Jahrhundert und das dann bitte gerne \u00fcber den deutschsprachigen Raum hinaus. Das wurde leider str\u00e4flich vernachl\u00e4ssigt, aber dazu w\u00e4re der Herausgeber vermutlich in der Lage. Werner Keil bitte \u00fcbernehmen Sie!<\/p>\n<p>Das broschierte Taschenbuch hat ein gut lesbares Format, erscheint bei UTB und kostet 19,90 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bereits 2007 erschien bei UTB das Arbeitbuch \u201eBasistexte Musik\u00e4sthetik und Musiktheorie\u201c. Werner Keil hat als Herausgeber 23 Texte zum Thema zusammengestellt. 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