{"id":2865,"date":"2015-07-24T10:30:07","date_gmt":"2015-07-24T08:30:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=2865"},"modified":"2015-07-24T10:30:07","modified_gmt":"2015-07-24T08:30:07","slug":"buch-i-sing-the-music-of-my-heart-erinnerungen-von-jessye-norman","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2015\/07\/24\/buch-i-sing-the-music-of-my-heart-erinnerungen-von-jessye-norman\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eI Sing the Music of My Heart &#8211; Erinnerungen\u201c von Jessye Norman"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/MusicOfMyHeart.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2864\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/MusicOfMyHeart-194x300.jpg\" alt=\"MusicOfMyHeart\" width=\"194\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/MusicOfMyHeart-194x300.jpg 194w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/MusicOfMyHeart.jpg 404w\" sizes=\"(max-width: 194px) 100vw, 194px\" \/><\/a>Jessye Norman ist eine renommierte, afro-amerikanische Sopranistin. Nach einem Gesangstudium an der Howard Universit\u00e4t in Washington D.C. gewann sie 1968 den ARD Musikwettbewerb im M\u00fcnchen und es entfaltete sich eine herausragende, internationale Karriere. Sie singt Opernarien und Lieder, vorwiegend aus dem klassisch-romantischen Repertoire, aber auch Werke der Klassischen Moderne, Spirituals und Jazzsongs. Im letzten Jahr erschienen ihre Memoiren im englischen Original unter dem Titel \u201eStand up straight and sing!\u201c. Kurz vor ihrem 70. Geburtstag ver\u00f6ffentlicht dtv ihre Lebenserinnerungen nun auch in deutscher \u00dcbersetzung unter dem Titel \u201eI Sing the Music of My Heart\u201c (\u00dcbersetzung: Birgit Brandau).<!--more--><\/p>\n<p>Das Buch beginnt mit einer kurzen und pers\u00f6nlichen Einf\u00fchrung des amerikanischen Dirigenten und Pianisten James Levine und einem Vorspiel der Autorin. Danach folgen zehn Kapitel und ein Zwischenspiel, denen allen ein englischer oder ein deutscher Arien-, Lied- oder Songtext voran- bzw. nachgestellt ist. Die Kapitel behandeln jeweils wichtige Personen wie Mutter, Vater, einflussreiche Lehrer und Vorbilder, aber auch kulturelle und gesellschaftspolitische Themen wie Kirche, Spirituals und Spiritualit\u00e4t, Rassismus, ihre pr\u00e4gende Zeit in Deutschland oder ihr Verst\u00e4ndnis des S\u00e4ngerberufs und sind gespickt mit vielen pers\u00f6nlichen Reminiszenzen.<\/p>\n<p>Jessye Norman beginnt ihre Erinnerungen mit der Familiengeschichte und der eigenen Kindheit, weicht aber auch immer wieder von der Chronologie ab, springt nach vorne und wieder zur\u00fcck, beschreibt pers\u00f6nliche Eindr\u00fccke, spezielle Situationen, prinzipielle Entscheidungen und offenbart auf diese manchmal etwas sprunghaft anmutende Weise ihre Sicht auf die Welt. Tats\u00e4chlich handelt es sich dabei, so wie im Titel korrekt angegeben, um Memoiren bzw. Erinnerungen, die anekdotenhaft aneinandergereiht wurden. Es ist nicht so sehr eine klassische Autobiographie, dazu sind die beschriebenen Erlebnisse zu punktuell, es fehlen nahezu komplett faktische Angaben und durch die nicht chronologische Erz\u00e4hlweise bleibt die Reihenfolge ihrer Lebensstationen und die n\u00e4heren pers\u00f6nlichen Umst\u00e4nde manchmal etwas unklar.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr \u00e4u\u00dfert sich die Autorin ausf\u00fchrlich \u00fcber weiche Themen wie z.B. Familie, Religion, Spiritualit\u00e4t, \u00fcber den Wert von Kultur, Bildung und gutem Benehmen. Als Vorbilder dienen die eigenen Eltern, Oma, Tanten, Geschwister, aber auch die afro-amerikanische Kirchengemeinde, ehrenwerte B\u00fcrgerrechtsk\u00e4mpfer wie Martin Luther King und einige Politiker. Normans Aussagen wirken dabei allerdings oft merkw\u00fcrdig distanziert und gefiltert. Alle Verwandten, ihr pers\u00f6nliches Umfeld verhalten sich ausnahmslos politisch korrekt, haben keine Ausf\u00e4lle, machen keine Fehler und alles nimmt immer ein gutes Ende. Auch sie selbst entscheidet immer besonnen, wohlbegr\u00fcndet und edelm\u00fctig. Auf die Dauer eines Buches w\u00fcrde man gerne mal etwas von pers\u00f6nlichen Fehleinsch\u00e4tzungen, Auseinandersetzungen, Um- und Irrwegen, von verpassten Gelegenheiten, Pleiten, Pech und Pannen erfahren. Aber nein, alles geht seinen geraden, vorgezeichneten Weg, alle Lehrer waren hilfreich, alle Personen des \u00f6ffentlichen Lebens vorbildlich, die Verwandtschaft tadellos, kleine Unstimmigkeiten gibt es allerh\u00f6chstens dann, wenn sich andere \u00fcber den erkl\u00e4rten Willen der S\u00e4ngerin hinwegsetzen und es wagen eine andere Meinung zu haben, da kann Frau Norman dann auch mal etwas unangenehm werden (typisches Verhaltensmuster von Gesangsdiven, deswegen absolut verzeihlich). Hinzu kommt die typisch amerikanische Neigung zur Verkl\u00e4rung der Vergangenheit, \u00fcbertriebenem Nationalstolz, verkl\u00e4render Religiosit\u00e4t, protestantischer Arbeitsethik und dem blinden Glauben an das kapitalistische Leistungsprinzip. Das alles ist f\u00fcr aufgekl\u00e4rte europ\u00e4ische Leser eventuell etwas zu dick aufgetragen. So wirkt das undynamische Buch in seiner Gesamtheit etwas arg selbstbezogen, sch\u00f6nmalerisch und schw\u00e4rmerisch und daf\u00fcr an den falschen Stellen zu zur\u00fcckhaltend. Als Leser erf\u00e4hrt man wenig bis nichts \u00fcber ihre pers\u00f6nliche Situation. Wo wohnt sie? Wie lebt sie? Was macht sie, wenn sie nicht singt? Gab es Misserfolge oder Tiefschl\u00e4ge und wie ging sie damit um? Ganz am Rande wird einmal erw\u00e4hnt, dass sie kinderlos ist (freiwillig?), etwaige Lebenspartner oder Lebenspartnerinnen spielen \u00fcberhaupt keine Rolle, daf\u00fcr sind alle ehemaligen Arbeitskollegen nat\u00fcrlich immer gleich beste Freunde. Ja, klar.<\/p>\n<p>Fazit: \u201eI sing the Music of My Heart\u201c ist ein Buch mit pers\u00f6nlichen Anekdoten f\u00fcr Jessye-Norman-Fans, die den (R\u00fcck-)Blick auf eine intakte und heile Welt bevorzugen und deren ausgewogene Weltsicht nicht ins Wanken geraten soll. Von pers\u00f6nlichen Auf und Abs, den Mechanismen des klassischen Konzertbetriebs, den Schwierigkeiten der klassisch-romantischen Konzertkultur in modernen Zeiten, der beruflichen Situation als S\u00e4ngerin erf\u00e4hrt man leider nur wenig bis nichts. Es ist bedauerlich, dass sich die Autorin hier nicht mehr \u00f6ffnet, mehr preisgibt oder deutlicher Stellung bezieht. So bleibt das Buch eine etwas lauwarme und unaufregende Lekt\u00fcre f\u00fcr den ungest\u00f6rten All-Inclusive-Urlaub.<\/p>\n<p>Das Buch enth\u00e4lt in der Mitte einige kleinformatige, s\/w-Fotoreproduktionen von offiziellen Auftritten der S\u00e4ngerin bei Auff\u00fchrungen und Ehrungen. Das gebundene Buch erscheint im dtv Verlag, hat 336 Seiten und kostet 22,90 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jessye Norman ist eine renommierte, afro-amerikanische Sopranistin. Nach einem Gesangstudium an der Howard Universit\u00e4t in Washington D.C. gewann sie 1968 den ARD Musikwettbewerb im M\u00fcnchen und es entfaltete sich eine herausragende, internationale Karriere. 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