{"id":2954,"date":"2015-08-20T14:30:08","date_gmt":"2015-08-20T12:30:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=2954"},"modified":"2015-08-20T14:30:08","modified_gmt":"2015-08-20T12:30:08","slug":"buch-harmonielehre-fuer-gitarre-von-gerhard-brunner-und-thomas-duetsch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2015\/08\/20\/buch-harmonielehre-fuer-gitarre-von-gerhard-brunner-und-thomas-duetsch\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eHarmonielehre f\u00fcr Gitarre\u201c von Gerhard Brunner und Thomas D\u00fctsch"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Harmonielehre.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2953\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Harmonielehre-300x300.jpg\" alt=\"Harmonielehre\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Harmonielehre-300x300.jpg 300w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Harmonielehre-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Harmonielehre-150x150.jpg 150w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Harmonielehre-768x768.jpg 768w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Harmonielehre-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Harmonielehre-1200x1200.jpg 1200w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Harmonielehre.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>In diesem Sommer erschien bei PPV Medien das Buch \u201eHarmonielehre f\u00fcr Gitarre\u201c. Es handelt sich dabei um die erste musiktheoretische Ver\u00f6ffentlichung der fr\u00e4nkischen Autoren Gerhard Brunner und Thomas D\u00fctsch. Brunner trat bisher vorwiegend als Cartoonist und Illustrator in Erscheinung und hat in den letzten Jahren zwei CD-Alben als E-Gitarrist ver\u00f6ffentlicht. \u00dcber Thomas D\u00fctsch waren im Netz keine weiterf\u00fchrenden Information zu finden, laut Klappentext ist er Gitarrist und S\u00e4nger. Beide Autoren sind akademisch unausgebildete Autodidakten und wollen mit ihrer Publikation nach eigener Aussage eine an der musikalischen Praxis orientierte Alternative zu etablierten Standardwerken bieten. Zur Anpreisung werden bereits auf Buchdeckel und -r\u00fccken etliche vollmundige bis rei\u00dferische Ank\u00fcndigungen bem\u00fcht: \u201eAkkorde schnell verstehen und perfekt einsetzen\u201c, \u201ekreativer improvisieren\u201c, \u201eMehr Spa\u00df mit Musik\u201c, \u201eDieses Buch bietet alles, was ein moderne Gitarrist \u00fcber Harmonie- und Melodielehre wissen muss\u201c und \u201eIhr Publikum wird begeistert sein!\u201c. Ah, ja.\u00a0Das B\u00fcchlein startet mit einer Einleitung, einer Vorbemerkung und gliedert sich dann in die Kapitel \u201eAkkorde und Harmonik\u201c, \u201eMelodie und Skalen\u201c, \u201ePraxisbeispiele und Funktionsanalysen\u201c, \u201eVerminderte und Dominantketten\u201c, \u201eNeapolitaner und Modales Zeugs\u201c und endet mit einem Anhang, der den Quintenzirkel und ein Sachregister umfasst.<!--more--><\/p>\n<p>Harmonie beginnt mit zwei Elementen, die zueinander in Bezug stehen. Das ist in der Musik im tonalen Kontext das einfache Intervall, also zwei T\u00f6ne und ihr Verh\u00e4ltnis zueinander. Dies wird bei traditionellen Harmonielehren meist als erstes und auch sehr gr\u00fcndlich unter der \u00dcberschrift Intervalllehre behandelt, weil alles weitere auf eben diesen fundmentalen Verh\u00e4ltnissen aufbaut. Brunner und D\u00fctsch \u00fcberspringen die Erkl\u00e4rung dieser Grundinformation, verwenden aber im weiteren Verlauf die entsprechende Terminologie, das dann aber leider nicht immer richtig. Bereits in der Vorbemerkung erw\u00e4hnen sie bei der l\u00fcckenhaften Erkl\u00e4rung des \u201eTritonus\u201c die \u201ekleine Quinte\u201c und meinen damit die verminderte Quinte, sp\u00e4ter kommt noch die \u201enormale Quinte\u201c (sie meinen die reine Quinte) und die \u201eerh\u00f6hte Quinte\u201c (sie meinen die \u00fcberm\u00e4\u00dfige). Und so unaufger\u00e4umt und wirr geht es munter weiter, sp\u00e4ter unterscheiden sie die \u201eMajor 7\u201c (gro\u00dfe Septime) und die \u201enormale 7\u201c (kleine Septime). Das sind zwar Details, aber auch auf h\u00f6herer Ebene gibt es unrichtige oder zumindest konfuse Angaben. In der Vorbemerkung verwechseln sie \u201evoicing\u201c (Stimmf\u00fchrung) mit \u201efingering\u201c (Fingersatz), sp\u00e4ter verwechseln sie Traditional Jazz und Modern Jazz. Diese Unklarheiten setzen sich leider auch im Gesamtkonzept fort. Abwechselnd verwenden sie Bezeichnungen aus der Funktions- und Stufentheorie ohne eines der beiden dynamischen Analysemodelle aus dem 19. Jahrhundert n\u00e4her zu definieren. Auf dem Buchdeckel ist noch von \u201ePop &amp; Rock\u201c die Rede, im Buch selbst werden ausschlie\u00dflich historische Realbookstandards \u201eanalysiert\u201c, das hei\u00dft eigentlich werden nach der hermetischen Akkord\/Skalen-Theorie pr\u00e4skriptive Tonmaterialien entwickelt und den einzelnen Takten eines Standards als improvisatorisches Grundmaterial zugeordnet. Dass selbst die komponierten Themen diesen Vorgaben nicht im Ansatz entsprechen (gutes Beispiel: \u201eAll of me\u201c), scheint den Autoren nicht einmal aufzufallen. Stattdessen werden \u00e4ngstlich angebliche musikalische Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten hergeleitet und pseudoakademisch begr\u00fcndet. Dass Melodiebildung und Improvisation aus mehr besteht als aus einem Materialausschlussverfahren (z.B. Variationen, Motiven, Intervallspr\u00fcngen, Sequenzen, Licks, Riffs etc.) und noch dazu in hohem Ma\u00dfe stilistischen, zeitgeistigen und pers\u00f6nlichen Kategorien unterworfen ist, wird leider nicht mal Rande erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Abgesehen vom durchaus diskutablen Inhalt hat das Buch auch eine sehr eigenwillige Pr\u00e4sentationsform. Brunner hat in seiner Eigenschaft als Zeichner alle paar Seiten mehr oder weniger laue Cartoons platziert (haha). Ebenso erscheinen immer wieder Info- und Spotboxen, die angeblich weiterf\u00fchrende Informationen enthalten, sich zwar durchaus als nicht falsch, aber oftmals eben auch als nicht ganz richtig oder zumindest sehr unvollst\u00e4ndig darstellen und deswegen eben gerade nicht als weiterf\u00fchrend bezeichnet werden k\u00f6nnen. Wirklich sehr gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig ist auch der anbiedernde, pseudo-elit\u00e4re und immer deutlich ironisch gepr\u00e4gte Sprachduktus der ganzen Schrift. Hier ein paar Beispiele:<\/p>\n<p>\u201eWir \u00fcbernehmen keine Gew\u00e4hrleistung, dass es gut klingt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSchuld sind im Zweifelsfall immer die anderen!\u201c<\/p>\n<p>\u201eAlteriert muss nicht sein: (&#8230;) Wozu einen enormen Aufwand betreiben, wenn der zu erreichende Nutzen sehr \u00fcberschaubar ist?\u201c<\/p>\n<p>Die Darstellung der Musik beschr\u00e4nkt sich auf Akkordsymbole, Griffbildern und nur sehr wenige Notendarstellungen. Tabulaturen, die bevorzugte Schriftform vieler unausgebildeter Gitarristen, kommen so gut wir gar nicht vor. Die meisten musikalischen Zusammenh\u00e4nge werden in schriftlichen Textpassagen erl\u00e4utert. Warum auf die etablierte Darstellungsform in Noten und TAB so konsequent verzichtet wird und so sehr auf die Abstraktionsebene Schrift gesetzt wird, bleibt unklar. Es gibt keine Aufgaben mit exemplarischen L\u00f6sungen um das Erlernte in irgendeiner Weise nachvollziehen und aufarbeiten zu k\u00f6nnen. Auch eine Audio-CD, Videolinks oder entsprechende Downloadmaterialien stehen nicht zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Fazit: Es bleibt unklar an wen sich das Konzept dieser \u201eHarmonielehre\u201c richtet. Textaffine Nicht-Notisten mit Hang zur Abstraktion? Anti-akademische Hobbyfuddler ohne eindeutige stilistische Vorliebe? Besserwisserische Griffbrettkryptologen? Gitarrespielende Verschw\u00f6rungstheoretiker?<br \/>\nGitarristen, die bereits einige Jahre spielen, Erfahrungen in Rock, Pop und Blues gemacht haben und erste improvisatorische Ausfl\u00fcge zu komplexeren Akkordverbindungen gemacht haben, d\u00fcrften nach der Lekt\u00fcre dieses Buches verwirrter sein als zu Beginn. Man muss als Leser alles schon einmal anderweitig durchgearbeitet haben um zu verstehen worauf die Autoren eigentlich hinaus wollen. Da sind die bew\u00e4hrten Standardwerke wie \u201eNeue Schule f\u00fcr Jazzgitarre\u201c von Eddy Marron, \u201eHarmonielehre I &amp; II\u201c von Frank Haunschild oder auch \u201eDie Neue Jazz-Harmonielehre\u201c von Frank Sikora umfassender, korrekter und hilfreicher. Was mich abschlie\u00dfend wirklich interessieren w\u00fcrde: Was sagt der beratende und mehrfach zitierte Jazzpianist Bernhard Pichl zu den unsortierten Aussagen in diesem Buch seiner beiden sp\u00e4tberufenen Sch\u00fcler? Vielleicht h\u00e4tte doch besser er das Buch schreiben sollen.<\/p>\n<p>Das broschierte Taschenbuch im quadratischen Format erscheint bei PPV Medien, hat 130 Seiten und kostet gebunden 17,99 \u20ac.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Sommer erschien bei PPV Medien das Buch \u201eHarmonielehre f\u00fcr Gitarre\u201c. Es handelt sich dabei um die erste musiktheoretische Ver\u00f6ffentlichung der fr\u00e4nkischen Autoren Gerhard Brunner und Thomas D\u00fctsch. 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