{"id":3030,"date":"2015-09-18T12:35:04","date_gmt":"2015-09-18T10:35:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=3030"},"modified":"2015-09-18T12:35:04","modified_gmt":"2015-09-18T10:35:04","slug":"buch-musikgeschichte-im-ueberblick-von-werner-keil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2015\/09\/18\/buch-musikgeschichte-im-ueberblick-von-werner-keil\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eMusikgeschichte im \u00dcberblick\u201c von Werner Keil"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/MusikgeschichteKeil.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3029\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/MusikgeschichteKeil-212x300.jpg\" alt=\"Musikgeschichte(Keil)\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/MusikgeschichteKeil-212x300.jpg 212w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/MusikgeschichteKeil.jpg 354w\" sizes=\"(max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a>2014 erschien bei UTB \u201eMusikgeschichte im \u00dcberblick\u201c in der zweiten \u00fcberarbeiteten Auflage. Der Text basiert auf einer zweisemestrigen Vorlesung zur Musikgeschichte und entstand mit \u201eumfassender Hilfe\u201c von Mitarbeitern und studentischen Hilfskr\u00e4ften am Musikwissenschaftlichen Seminar Detmold\/Paderborn, wo der als Autor angegebene Werner Keil eine Professur f\u00fcr Musikwissenschaft bekleidet.\u00a0Das Buch beginnt mit einem knappen Vorwort des Autors, das auch gleich die Danksagung umfasst. Werner Keil macht einige Anmerkungen zur Aufbereitung und verweist ohne n\u00e4here Angaben auf Musikbeispiele, die z.B. bei Youtube oder in CD-Sammlungen von Musikbibliotheken zu finden seien. Es folgt ein f\u00fcnfseitiges Inhaltsverzeichnis und eine Einleitung. Hier werden Aufbau und Struktur der folgenden Kapitel begr\u00fcndet, es ist die Rede von Studium, Seminaren und \u00dcbungen und es wird klar, dass sich das Buch in erster Linie an Studierende der Musikwissenschaft und verwandten Fachrichtungen richtet. Die folgenden 27 Kapitel sind chronologisch angeordnet und in die zwei, umf\u00e4nglich etwa gleich gro\u00dfen H\u00e4lften \u201e\u00c4ltere Musikgeschichte bis 1800\u201c und \u201eNeuere Musikgeschichte\u201c unterteilt. \u00dcber das Buch verteilt sind Notenbeispiele und historische s\/w-Abbildungen, es endet mit Anmerkungen, einem Glossar der Abk\u00fcrzungen und einem Personenregister.<!--more--><\/p>\n<p>Werner Keil bietet mit dieser Ver\u00f6ffentlichung einen sorgf\u00e4ltig ausgearbeiteten \u00dcberblick \u00fcber den von der deutschen Musikwissenschaft etablierten Kanon der mitteleurop\u00e4ischen Kunstmusik von der griechischen Antike bis ca. Mitte der 20. Jahrhunderts. Im besonderen Fokus stehen dabei die Kunstmusikkulturen von Italien, Deutschland, \u00d6sterreich und Frankreich. England, Holland und Polen kommen am Rande vor. Skandinavien, S\u00fcdosteuropa, die iberische Halbinsel sowie s\u00e4mtliche andere Kontinente werden \u00fcberhaupt nicht erw\u00e4hnt. Dieser f\u00fcr die deutsche Musikwissenschaft zwar typische, aber unglaublich eng gefasste Blick auf die Geschichte, ist geradezu in einem peinlichen Ausma\u00df euro-zentristisch. Es kommt dazu, dass auch s\u00e4mtliche europ\u00e4ische Entwicklungen aus den Bereichen Folklore, Jazz, Pop\/Rockmusik ausgespart bleiben, \u00fcbrigens mit dem Verweis, dass ein Kollege an einer entsprechenden Darstellung arbeitete (eine entsprechende Ank\u00fcndigung war weder beim Verlag, noch beim genannten Autor zu finden). Gerade im 20. Jahrhundert f\u00fchrt das zu einigen sehr einseitigen Schlussfolgerungen. Wieder einmal wird Sch\u00f6nbergs Zw\u00f6lftontechnik eine Bedeutung zugeordnet, die sie zum Zeitpunkt ihrer Entstehung und auch in der musikalischen Praxis nie hatte, serielle Kompositionsweisen und einige andere spezielle Verfahren werden noch gestreift, danach bricht die Geschichte schlagartig ab, so als w\u00e4re in den letzten 50 Jahren nichts erw\u00e4hnenswertes mehr passiert. Tats\u00e4chlich bewegte sich die deutsche Neue Musikszene ab diesem Zeitpunkt in eine Sackgasse aus der sie bis heute nicht mehr herausgekommen ist. Dass die Entwicklungen in anderen Teilen der Welt (und anderen Stilistiken sowieso) durchaus weiterging wird geflissentlich unterschlagen. Man kann angesichts dieses Umstands nur mutma\u00dfen welche wesentlichen Entwicklungen auch in den weiter zur\u00fcckliegenden Epochen weggelassen wurden. Obwohl der R\u00fcckblick in der griechischen Antike beginnt, erf\u00e4hrt man z.B. mit keinem Wort was bis Ende des Mittelalters eigentlich in Mitteleuropa so musiziert wurde, stattdessen werden haargenau irgendwelche physikalische Formeln griechischer Mathematiker erkl\u00e4rt. Sp\u00e4ter dann genau umgekehrt: Kein Wort mehr \u00fcber Griechenland, daf\u00fcr ellenlange Textanteile \u00fcber die Musikkultur im deutschsprachigen Kulturraum.<\/p>\n<p>Auch ph\u00e4nomenal: Die Protagonisten sind ohne Ausnahme christliche M\u00e4nner, es gibt ab dem Mittelalter keine einzige Darstellung von angeh\u00f6rigen anderer Religionen, nat\u00fcrlich auch nicht von Nord- oder S\u00fcdamerikanern, Afrikanern oder Asiaten, und wohlgemerkt auch von keiner einzigen Frau. Bei all dem hat Werner Keil einen durchaus angenehmen Schreibstil, geht stellenweise mit zeitgen\u00f6ssischen Ansichten kritisch ins Gericht. Besonders interessant sind seine Ausf\u00fchrungen zu den epochetypischen Positionen der Musikwissenschaft, also seiner eigenen, akademischen Disziplin, deren Tendenzi\u00f6sit\u00e4t er immer wieder auf erhellende Weise offenlegt. Bei sich selbst fallen ihm vergleichbare Unwuchten leider nicht auf, bzw. werden sie nicht weiter thematisiert. Trotz oder vielleicht gerade wegen seiner auff\u00e4llig selektiven und erzkonservativen Themenschwerpunkte wirkt das Buch in sich geschlossen und kann als begleitende Lekt\u00fcre jedem Studenten der deutschen Musikwissenschaft uneingeschr\u00e4nkt empfohlen werden. Andere musikgeschichtliche Themen werden einem im Studium ziemlich sicher nicht abverlangt, zumindest nicht in Deutschland. Um diesen l\u00fcckenhaften, musikgeschichtlichen \u00dcberblick etwas zu vervollst\u00e4ndigen empfehlen sich u.a.:<\/p>\n<p>\u201eAudio Culture\u201c von Cox &amp; Warner (Hg.), \u201eThe Rest is Noise\u201c von Alex Ross, \u201eThe Ambient Century\u201c von Mark Predergart, \u201eEarly Jazz\u201c und \u201eThe Swing Era\u201c von Gunther Schuller, \u201eA new History of Jazz\u201c von Alyn Shipton und \u201eBossa Nova\u201c von Ruy Castro.<\/p>\n<p>Flankierend zum Buch erscheint, ebenfalls bei UTB, das Poster \u201eMusikgeschichte im \u00dcberblick\u201c (6,99 Euro). In zwei unterschiedlichen 80er-Jahren-Designs (vorn\/r\u00fcck) werden hier, aufgeteilt nach kunstmusikalischen Epochen, bedeutende Komponisten inkl. Lebensdaten und einiger herausragender Werkbezeichnungen gelistet. Leider etwas lieblos und ohne gro\u00dfen Nutzwert. Das broschierte Taschenbuch hat ein gut lesbares Format, erscheint bei UTB und kostet 29,99 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2014 erschien bei UTB \u201eMusikgeschichte im \u00dcberblick\u201c in der zweiten \u00fcberarbeiteten Auflage. 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