{"id":3049,"date":"2015-09-29T09:54:01","date_gmt":"2015-09-29T07:54:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=3049"},"modified":"2015-09-29T09:54:01","modified_gmt":"2015-09-29T07:54:01","slug":"buch-deutsche-musik-von-friederike-wissmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2015\/09\/29\/buch-deutsche-musik-von-friederike-wissmann\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eDeutsche Musik\u201c von Friederike Wi\u00dfmann"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/DeutscheMusik.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3048\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/DeutscheMusik-188x300.jpg\" alt=\"DeutscheMusik\" width=\"188\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/DeutscheMusik-188x300.jpg 188w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/DeutscheMusik-643x1024.jpg 643w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/DeutscheMusik-768x1223.jpg 768w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/DeutscheMusik-965x1536.jpg 965w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/DeutscheMusik.jpg 1005w\" sizes=\"(max-width: 188px) 100vw, 188px\" \/><\/a>Friederike Wi\u00dfmann ist Musik- und Literaturwissenschaftlerin und lehrt zur Zeit an der Universit\u00e4t Bonn. Nach der Biographie \u201eHanns Eisler\u201c von 2012 ist \u201eDeutsche Musik\u201c ihre zweite, umfangreiche Publikation.\u00a0Das Buch beginnt mit einer ausf\u00fchrlichen und aufschlussreichen Einleitung. Darauf folgen 13 Kapitel, die mit Adjektiven wie \u201eHimmlisch\u201c, \u201eDiskursiv\u201c, \u201eGesellig\u201c, \u201eRegional\u201c \u201e\u00d6ffentlich\u201c, \u201eK\u00e4uflich\u201c etc. \u00fcbertitelt sind und in denen entsprechende Themen der deutschen Musikkultur epochen\u00fcbergreifend exemplarisch verhandelt werden. Am Anfang jeden Kapitels steht ein kurzer, inhaltlicher \u00dcberblick, der die folgenden Ausf\u00fchrungen \u00fcbersichtlich zusammenfasst. Das letzte Kapitel besch\u00e4ftigt sich ausschlie\u00dflich mit Faust und dem Mythos der deutschen Musik, ein Thema mit dem sich die Autorin bereits umfassend in ihrer Dissertation auseinandergesetzt hat. Das Buch endet mit pr\u00e4zisen Anmerkungen, einer Danksagung und einem Verzeichnis der Personen, Orchester und Bands.<!--more--><\/p>\n<p>Friederike Wissmann ist sich der Komplexit\u00e4t und Problematik des Themas durchaus bewusst und geht von Anfang an souver\u00e4n und argumentativ \u00fcberzeugend damit um. In \u00fcbergeordneten Kapitel bietet sie einen umfassenden \u00dcberblick \u00fcber herausragende Momente deutscher und deutschsprachiger Musikkultur vom Zeitalter des Barock \u00fcber das 19. und 20. Jahrhundert bis in die unmittelbare Gegenwart. Die meisten Betrachtungen stammen dabei aus dem Bereich des klassisch-romantischen Bildungskanons. So spielen Leben, Werk und Rezeption von Bach, H\u00e4ndel, Haydn, Mozart, Beethoven, Schumann, Mendelssohn Bartholdy, Wagner, Brahms und Bruckner eine zentrale Rolle. Im 20. Jahrhundert werden vor allem Sch\u00f6nberg, Eisler und Stockhausen betrachtet. Als Leser sp\u00fcrt man, dass die Autorin in der Welt der klassischen Musik zu Hause ist und sich sicher in diesem stilistischen Umfeld bewegt. Die Argumentation wirkt klar durchdacht und stringent, immer wieder bietet sie neue oder zumindest ungew\u00f6hnliche Sichtweisen, allenfalls sind einige Ausf\u00fchrungen etwas zu ausschweifend (z.B. Wagner). Spannend sind ihre Ausf\u00fchrungen zu besonderen Auspr\u00e4gungen deutscher Musikkultur, so wie sie sich in Fanges\u00e4ngen, Castingshows, Festivalkultur oder Nationalhymnen manifestieren, allerdings wirken einige Passagen und Exkurse hier bereits etwas angelesen und nicht so gr\u00fcndlich reflektiert wie noch in den klassisch-romantischen Themenbereichen. Nicht ganz so \u00fcberzeugend sind dann die \u00c4u\u00dferungen zu den popmusikalischen Anteilen deutscher Musik. Hier ergeben sich trotz des bemerkenswerten Umfangs des Buches auch einige auff\u00e4llige, thematische Leerstellen. Obwohl auf dem Titel des Einbands schlagwortartig Namen, Stile und Stichworte abgedruckt sind, werden einige davon im Buch gar nicht behandelt, so gibt es wenig oder gar keine Aussagen zu einigen Themen, die wenigstens eine kurze Erw\u00e4hnung durchaus verdient gehabt h\u00e4tten, wie z.B.: Marschmusik, Alpenl\u00e4ndische Volksmusik, Kinderlieder, Kaffeehauskultur, Tanzmusik, Comedian Harmonists, Marlene Dietrich, Katharina Valente, Heintje, Heino, Reinhard Mey, Udo J\u00fcrgens, Wolf Biermann, Krautrock, Kraftwerk, Udo Lindenberg, Nena, Falko, Neue Deutsche Welle, Herbert Gr\u00f6nemeyer, Deutscher Hip Hop, Fantastischen Vier, Techno, Kruder Dorfmeister, The Notwist, Sportfreunde Stiller, Peter Fox oder Helene Fischer, um nur einige zu nennen.<\/p>\n<p>Wi\u00dfmann schreibt routiniert, zug\u00e4nglich und unterhaltsam. Immer wieder werden interessante Anekdoten und Querverbindungen zwischen die allgemeinen Ausf\u00fchrungen gestreut. Der Stil ist ernsthaft, solide recherchiert und dabei angenehm unakademisch. Externe Quellen sind sauber markiert und in den Fu\u00dfnoten im Anhang ausf\u00fchrlich dokumentiert. Gerade deswegen ist bedauerlich, dass sich die Autorin zur strukturellen Entwicklung der deutschen Musikkultur nur selten bis gar nicht \u00e4u\u00dfert. Bereiche wie Musikkritik, Musikwissenschaft, Charts, DJs, Veranstaltungsorte, Musikvermarktung, Kulturf\u00f6rderung, Bildungsauftrag der \u00f6ffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehsender, Medienf\u00f6deralismus, F\u00f6rderung, Wettbewerbe, Ausbildung, Hochschulwesen, Musikvermittlung in der Schule, Bedeutung von Sing- u. Musikschulen, Ch\u00f6ren und Hausmusik werden, wenn \u00fcberhaupt, nur am Rande behandelt. Gar keine Stellung bezieht die Autorin zu aktuellen Tendenzen, es gib keinen abschlie\u00dfender Ausblick und die Zusammenfassung f\u00e4llt denkbar knapp aus. Im Schlussteil stellt sie erwartungsgem\u00e4\u00df fest, dass Vielfalt und Hybridit\u00e4t die wesentlichen Merkmale \u201adeutscher Musik\u2019 sind, eine Erkenntnis, die sich im Verlauf der Betrachtung dem Leser immer deutlicher aufdr\u00e4ngt und der letztlich uneingeschr\u00e4nkt zugestimmt werden kann. Deutsche Musik ist und bleibt wie auch deutsche Kultur, das deutsche Volk oder die deutsche Nation ein geistiges Konstrukt. Auf der anderen Seite ist genau diese kritisch-distanzierte Sichtweise auch wiederum sehr deutsch.<\/p>\n<p>Fazit: Die Autorin bietet mit ihrer Fragestellung eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Sichtweise auf verschiedenste Ausschnitte deutscher Musikkultur(en) der letzten Jahrhunderte. In einem angenehmen, ansprechenden Ton gelingt ihr damit eine interessante und vielseitige geo-kulturelle Darstellung exemplarischer, deutscher Kulturgeschichte, Entwicklungen und Befindlichkeiten. Ein intelligenter und unterhaltsamer Blick auf das Selbstverst\u00e4ndnis einer kulturbeflissenen Region im Herzen Europas.<\/p>\n<p>Das Buch enth\u00e4lt f\u00fcnf kleinformatige, s\/w-Abdrucke von zeitgen\u00f6ssischen Drucken. Das gebundene Buch erscheint im Berlin Verlag, hat 512 Seiten und kostet 38,00 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Friederike Wi\u00dfmann ist Musik- und Literaturwissenschaftlerin und lehrt zur Zeit an der Universit\u00e4t Bonn. Nach der Biographie \u201eHanns Eisler\u201c von 2012 ist \u201eDeutsche Musik\u201c ihre zweite, umfangreiche Publikation.\u00a0Das Buch beginnt mit einer ausf\u00fchrlichen und aufschlussreichen Einleitung. 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