{"id":3233,"date":"2015-11-24T08:46:12","date_gmt":"2015-11-24T07:46:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=3233"},"modified":"2015-11-24T08:46:12","modified_gmt":"2015-11-24T07:46:12","slug":"buch-ach-diese-luecke-diese-entsetzliche-luecke-von-joachim-meyerhoff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2015\/11\/24\/buch-ach-diese-luecke-diese-entsetzliche-luecke-von-joachim-meyerhoff\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eAch, diese L\u00fccke, diese entsetzliche L\u00fccke\u201c von Joachim Meyerhoff"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/AchDieseL\u00fccke.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3232\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/AchDieseL\u00fccke-183x300.jpg\" alt=\"AchDieseL\u00fccke\" width=\"183\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/AchDieseL\u00fccke-183x300.jpg 183w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/AchDieseL\u00fccke.jpg 275w\" sizes=\"(max-width: 183px) 100vw, 183px\" \/><\/a>Joachim Meyerhoff ist Schauspieler am Wiener Burgtheater und Autor einer mittlerweile bereits dreib\u00e4ndigen, frei interpretierten Autobiographie mit dem Titel \u201eAlle Toten fliegen hoch\u201c. Der erste Band \u201eAmerika\u201c erschien im Fr\u00fchjahr 2011 und erz\u00e4hlte von seinem Austauschjahr als Jugendlicher in den USA. Der zweite Band folgte 2013 und berichtete von seiner Kindheit als Sohn eines Arztes in einer Psychiatrie bei Schleswig. Nun erschien der dritte Band \u201eAch, diese L\u00fccke, diese entsetzliche L\u00fccke\u201c. In diesem Teil schreibt Meyerhoff \u00fcber seine Ausbildung an der Schauspielschule Otto Falkenberg in M\u00fcnchen und seine Zeit mit den Gro\u00dfeltern, bei denen er w\u00e4hrend dieser Zeit f\u00fcr einige Jahre wohnte.<!--more--><\/p>\n<p>Der Zeitraum der Romanerz\u00e4hlung umfasst ca. 3-4 Jahre. Meyerhoff ger\u00e4t per Zufall an die Schauspielschule, er wollte nur weit weg von Schleswig, seine Wahl f\u00e4llt auf M\u00fcnchen und er plant seinen Zivildienst an einem Krankenhaus anzutreten. Doch dann besteht er zu seiner eigenen \u00dcberraschung die Aufnahmepr\u00fcfung und tritt seinen Ausbildungsplatz kurzentschlossen an. Er wohnt in dieser Zeit bei seinen Gro\u00dfeltern in einer Villa im vornehmen Stadtteil Nymphenburg. Seine Gro\u00dfmutter ist eine divenhafte, aber liebenswerte alte Dame, sein Gro\u00dfvater ein verkopfter und mindestens genauso liebenswerter Philosophieprofessor. Das Leben des Ich-Erz\u00e4hlers spielt sich in dieser Zeit zwischen zwei Extremen ab: Tags\u00fcber wird er an der Schauspielschule in seine Einzelheiten zerlegt, er wird immer unsicherer, zweifelt immer mehr an sich und verliert vollkommen das Vertrauen in sich selbst. Die Abende hingegen verbringt er berauscht von alkoholischen Getr\u00e4nken zusammen mit seinen Gro\u00dfeltern auf dem opulenten Sofa im Wohnzimmer der Villa in einem Zustand fortgeschrittener Weltflucht.<\/p>\n<p>Wie schon in den vorangegangenen B\u00e4nden zeigt sich Meyerhoff als sehr sensibler und humorvoller Beobachter und Erz\u00e4hler. Er kann vollkommene Nebens\u00e4chlichkeiten sehr eindringlich beschreiben und auf unterhaltsame Art und Weise so lange dar\u00fcber fabulieren bis sie auf den letzten Meter dann eben doch einen erhabenen Sinn ergeben. Er erz\u00e4hlt von seiner Zerrissenheit als junger Mann, dem der Tod des eigenen Bruders noch tief in den Knochen sitzt. Im Rahmen seiner Ausbildung ist er auf der Suche nach sich selbst, findet aber keine verwertbare Substanz: Er vergleicht sich fortw\u00e4hrend mit seinen begabten Schauspielsch\u00fclerkollegen, darunter einige Naturtalente, und empfindet sich selbst als verstockt, talentlos, fahrig und ungestalt. Lehrer und Mitsch\u00fcler konfrontieren ihn immer wieder mit den eigenen Unzul\u00e4nglichkeiten und er findet einfach kein Mittel dagegen.<br \/>\nAuf der anderen Seite stehen die gn\u00e4digen Gro\u00dfeltern, die sich im fortgeschrittenem Alter eine ganz eigene, weltabgewandte, routinierte und in sich vollkommen geschlossene Wirklichkeit geschaffen haben. Besonders die Gro\u00dfmutter, selbst eine ehemals gefeierte Schauspielerin, liebt ihren Enkel und unterst\u00fctzt ihn auf ihre ganz eigene, etwas altmodische Art. Erst sp\u00e4t wird dem Ich-Erz\u00e4hler klar, dass die eigentliche Ausbildung in seiner Freizeit in der Villa der Gro\u00dfeltern stattgefunden hat und die Schauspielschule ihm keine F\u00e4higkeiten vermittelt, sondern in erster Linie eigene Schw\u00e4che offenbart hat. Zusammen ergibt sich daraus dann aber etwas Ganzes und als Leser wissen wir ja wohin den Autor diese Erlebnisse gef\u00fchrt haben.<\/p>\n<p>Fazit: Meyerhoff offenbart hier sein ganzes literarisches Potenzial, spielt auf der kompletten Klaviatur eines gro\u00dfartigen Geschichtenerz\u00e4hlers und ist dabei humorvoll, poetisch, gnadenlos, liebevoll, energisch, mutig, kurios, eigenwillig, originell und auf den Punkt. Man darf sich jetzt schon auf die Fortsetzung freuen, die vermutlich erst 2017 erscheint.<\/p>\n<p>&#8222;Ach diese L\u00fccke, diese entsetzliche L\u00fccke&#8220; erscheint bei Kiepenheuer &amp; Witsch, hat 348 Seiten und kostet gebunden 21,99 \u20ac.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Joachim Meyerhoff ist Schauspieler am Wiener Burgtheater und Autor einer mittlerweile bereits dreib\u00e4ndigen, frei interpretierten Autobiographie mit dem Titel \u201eAlle Toten fliegen hoch\u201c. 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