{"id":3444,"date":"2016-01-24T20:00:55","date_gmt":"2016-01-24T19:00:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=3444"},"modified":"2016-01-24T20:00:55","modified_gmt":"2016-01-24T19:00:55","slug":"aufsatz-my-favourite-tracks-meine-allerliebsten-lieder-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2016\/01\/24\/aufsatz-my-favourite-tracks-meine-allerliebsten-lieder-teil-1\/","title":{"rendered":"Aufsatz: My Favourite Tracks &#8211; Meine allerliebsten Lieder, Teil 1"},"content":{"rendered":"<p><strong>My Favourite Tracks \u2013 Meine allerliebsten Lieder<\/strong><br \/>\nAuswertung und Analyse von pers\u00f6nlichen Bestenlisten einer W\u00fcrzburger Musiktalkshow<\/p>\n<p>von Dennis Sch\u00fctze<br \/>\nErschienen in der Schriftenreihe \u201cLied und popul\u00e4re Kultur\u201d (59. Jg., 2014) des Zentrums f\u00fcr Popul\u00e4re Kultur u. Musik zum Thema \u201cLieder\/Songs als Medien des Erinnerns&#8220;<\/p>\n<p><strong>Einleitung<\/strong><br \/>\nSeit Oktober 2005 findet in der unterfr\u00e4nkischen Universit\u00e4tsstadt W\u00fcrzburg (ca. 125.000 Einwohner) in den Wintermonaten (Oktober bis M\u00e4rz) jeweils einmal im Monat eine Talkshow statt in der ein prominenter Akteur der regionalen Kulturszene auf besondere Weise vorgestellt wird. In den bisher insgesamt 51 abendf\u00fcllenden Veranstaltungen wurden vor Live-Publikum und bei freiem Eintritt zehn eigens vom Gast ausgew\u00e4hlte Musikst\u00fccke, seine \u201eFavourite Tracks\u201c, als Playback von Tr\u00e4germedien angeh\u00f6rt. Dar\u00fcber hinaus dienten die Tracks als roter Faden eines jeweils ca. dreist\u00fcndigen Gespr\u00e4chs. Fragen der Zuh\u00f6rer waren dabei erlaubt und erw\u00fcnscht. Als Talkg\u00e4ste konnten \u00fcber die Jahre u.a. der amtierende Kulturreferent, der Intendant des Mainfranken Theaters, Lokaljournalisten, Kulturredakteure, Schriftsteller, Schauspieler, Filmemacher, K\u00fcnstler, T\u00e4nzer, Philosophen, lokale Blogger, Veranstalter und Kultursponsoren gewonnen werden. Die Orte der Veranstaltung wechseln und stehen soweit m\u00f6glich im direkten Bezug zum jeweiligen Gast (u.a. Tanz- und Tonstudios, K\u00fcnstlerateliers, Theater, B\u00fcchereien, Konzertb\u00fchnen, Kirchen und Kneipen). Seit Herbst 2008 wird die Veranstaltungsreihe vom Bezirk Unterfranken und vom Kulturamt der Stadt W\u00fcrzburg (im Rahmen einer Projektf\u00f6rderung) finanziell unterst\u00fctzt. Eine \u00dcbertragung durch Rundfunk oder TV war nie geplant und hat in keinem Fall stattgefunden. Alle bisherigen \u201eTalks\u201c wurden jedoch in Form von biographische Stammdaten, Tracklisten etc. l\u00fcckenlos dokumentiert und sind auf der Internetseite www.myfavouritetracks.de einsehbar. Dar\u00fcber hinaus wurden weitere Informationen (Vorgespr\u00e4che, Korrespondenzen, Audio- und Video-Mitschnitte) dokumentiert und nicht-\u00f6ffentlich archiviert.<br \/>\nDie Musiktalkshow fand im Fr\u00fchjahr 2014 vorerst zum letzten Mal statt. Dies soll zum Anlass genommen werden den generierten Datenfundus genauer zu betrachten und analytisch auszuwerten. Die Auswahl der \u201eFavourite Tracks\u201c fand bei allen Beteiligten im vollen Bewusstsein dar\u00fcber statt, dass die Titel der Trackliste \u00f6ffentlich angeh\u00f6rt und in direkten Bezug zur Person gesetzt werden w\u00fcrden. Bei der Auswahl wurden deswegen meist f\u00fcr die eigene Biographie wichtige und f\u00fcr Lebenseinstellung und Arbeitsfeld repr\u00e4sentative Tracks gew\u00e4hlt. Es war deutlich zu erkennen, dass die Auswahl von den G\u00e4sten sehr sorgf\u00e4ltig und zum Teil mit betr\u00e4chtlichem zeitlichem Aufwand getroffen wurde, ein Umstand, der sich in oft intensiven Vor- und Nachgespr\u00e4chen mit dem Moderator ausdr\u00fcckte. Die Veranstaltungen wurden durch Poster, Flyer, Mailinglisten und Ank\u00fcndigungen in lokalen Medien beworben (Tageszeitung, Monatsmagazine, etc.). Der Zuspruch der Zuh\u00f6rer war ausgesprochen wechselhaft (1 bis ca. 120), bewegte sich aber zumeist im mittleren zweistelligen Bereich.<br \/>\nAls Datenbasis f\u00fcr die statistische Auswertung standen folgende Informationen zur Verf\u00fcgung: Datum und Ort der Veranstaltung, Name, Geschlecht, Geburtsjahr und berufliches Bet\u00e4tigungsfeld des Talkgastes, sowie Titel und Produktionsjahr der ausgew\u00e4hlten Tracks. Pers\u00f6nliche Daten wie Geburtsjahr und Bet\u00e4tigungsfeld entstammen der Selbstauskunft der G\u00e4ste. Die Trackinformationen wurden vom Autor soweit wie m\u00f6glich verifiziert. Als Produktionsjahr eines Tracks gilt das Jahr der Erstver\u00f6ffentlichung oder alternativ das Jahr der Aufnahme einer Einspielung. Es gibt daher in dieser Kategorie keine Datierung vor 1900.<\/p>\n<p><strong>Auswahl der Talk-G\u00e4ste und Relation \u2642\/\u2640<\/strong><br \/>\nEinige Monate vor Beginn jeder Staffel wird eine Liste mit w\u00fcnschenswerten Talk-G\u00e4sten erstellt. Dabei werden insbesondere prominente Akteure der lokalen und regionalen Kulturszene ber\u00fccksichtigt, die sich \u00fcber ihre eigentliche berufliche T\u00e4tigkeit hinaus f\u00fcr kulturelle Belange in der Region engagiert haben. Oft sind die G\u00e4ste daher nicht nur Kreative, sondern stehen auch einem gemeinn\u00fctzigen Verein, einer Interessensgemeinschaft oder einer Initiative vor, bekleiden ein (Ehren-)Amt, f\u00f6rdern, unterst\u00fctzen und begleiten kulturelle Projekte, Festivals, Konzert- oder Veranstaltungsreihen.<br \/>\nEine ausgewogene Ratio zwischen weiblichen und m\u00e4nnlichen G\u00e4sten wurde zwar angestrebt, h\u00e4tte aber die Verh\u00e4ltnisse nicht realistisch widergespiegelt. Tats\u00e4chlich befinden sich \u00fcberdurchschnittlich viele M\u00e4nner in den verantwortlichen Positionen. Es kommt erschwerend dazu, dass von den angefragten Personen deutlich mehr M\u00e4nner sofort gro\u00dfe Bereitschaft zeigten sich, ihre Arbeit und Biographie anhand ausgew\u00e4hlten Tracks in einem pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch vor Live-Publikum zu pr\u00e4sentieren. Bei Frauen war es gerade umgekehrt, \u00fcberdurchschnittlich viele der angefragten Frauen lie\u00dfen sich zwar das Konzept des Talks erkl\u00e4ren und zeigten grunds\u00e4tzliches Interesse f\u00fcr die Form der Pr\u00e4sentation, sagten dann aber nach einer einger\u00e4umten Bedenkzeit eine pers\u00f6nliche Teilnahme ab. Begr\u00fcndet wurde eine Absage von Frauen u.a. damit, dass sie ihre Arbeit im Vergleich zu anderen G\u00e4sten als nicht interessant genug einsch\u00e4tzten. Das Missverh\u00e4ltnis zwischen m\u00e4nnlichen und weiblichen G\u00e4sten trat bereits nach wenigen Staffeln zu Tage. Der Versuch dem mit einer ausschlie\u00dflich von Frauen besetzten Reihe entgegenzuwirken, scheiterte wiederum an den dazu erforderlichen Zusagen. Insgesamt haben an den 51 hier zu betrachtenden Talks 43 M\u00e4nner und nur acht Frauen als G\u00e4ste teilgenommen (\u2642: 84,3%, \u2640: 15,7%). Interessant ist, dass sich dieses Verh\u00e4ltnis innerhalb der Zuh\u00f6rerschaft nicht widerspiegelt. Es wurden zwar keine konkreten Zahlen erhoben, doch tendenziell waren je nach Geschlecht des Gastes Talk-Gastes bei M\u00e4nnern etwas mehr M\u00e4nner, bei Frauen etwas mehr Frauen im Publikum. Das Verh\u00e4ltnis d\u00fcrfte im Mittel aller Talks in etwa ausgeglichen gewesen sein.<\/p>\n<p><strong>Lebensalter der Talk-G\u00e4ste<\/strong><br \/>\nEin wichtiges Kriterium bei der Auswahl der Talk-G\u00e4ste ist, dass sie besonders profilierte und herausragend engagierte Akteure der lokalen und regionalen Kulturszene sein sollen. Sie sind also zu einem gewissen Grad bekannt und etabliert, k\u00f6nnen von ihrem freien k\u00fcnstlerischen Schaffen leben, bekleiden ein \u00f6ffentlichkeitswirksames (Ehren-)Amt und nehmen auf diese Weise gestalterischen Einfluss auf das kulturelle Leben der Region. Es liegt in der Natur der Sache, dass solche Personen sich zumeist im mittleren bis vorangeschrittenen Lebensalter befinden. Dar\u00fcber hinaus ist es f\u00fcr die inhaltliche Gestaltung des Talks (und der Musikauswahl) f\u00f6rderlich, wenn der Gast auf eine lebendige und erfahrungsreiche Biographie zur\u00fcckblicken kann, eventuell schon einige Lebensphasen, Ortsver\u00e4nderungen und diverse Aufs und Abs in der Karriere durchlebt hat. Jugendliche, junge Erwachsene und Akteure am unmittelbaren Anfang ihrer Karrieren sind daher f\u00fcr eine Teilnahme an der Talkshow weniger interessant. Auf der anderen Seite wird darauf geachtet, dass die Talk-G\u00e4ste &#8211; unabh\u00e4ngig vom Lebensalter &#8211; aktive Gestalter der lokalen und regionalen Szene sind. Komplett retrospektive Positionen werden so bereits im Vorfeld ausgeschlossen.<br \/>\nIn den neun bisherigen Staffeln (\u201eVolumes\u201c) der Talkreihe waren der J\u00fcngste der insgesamt 51 Talk-G\u00e4ste zum Zeitpunkt des Interviews 33 Jahre, der \u00c4lteste 77 Jahre alt. Das Durchschnittsalter betr\u00e4gt 49 Jahre.<\/p>\n<p><strong>Auswahl der Tracks und stilistische Diversit\u00e4t<\/strong><br \/>\nVon Oktober 2005 bis Januar 2014 wurden in der Musik-Talkshow \u201eMy Favourite Tracks\u201c insgesamt 51 Talk-G\u00e4ste vorgestellt und interviewt. Jeder einzelne von ihnen w\u00e4hlte im Vorfeld des Talks zehn meist musikalische Tracks aus, die er als besonders bedeutend oder pr\u00e4gend f\u00fcr seine pers\u00f6nliche Biographie, seinen beruflichen Werdegang oder sein k\u00fcnstlerisches Werk erachtet. Es gibt daf\u00fcr keinerlei Vorgaben, Ratschl\u00e4ge oder inhaltliche Einschr\u00e4nkungen. Die neutrale Bezeichnung \u201eTrack\u201c (Tonaufnahme) im Titel der Veranstaltung tr\u00e4gt diese Offenheiten gegen\u00fcber jeder Stilistik bereits im Namen. Damit neben der Musik gen\u00fcgend Zeit f\u00fcr das Gespr\u00e4ch bleibt, werden die G\u00e4ste lediglich darauf hingewiesen, dass die Gesamtlaufzeit aller zehn Tracks maximal 60 Min. betragen soll.<br \/>\nVon den 51 G\u00e4sten wurden je 10 Tracks, insgesamt also 510 Tracks gew\u00e4hlt und vor Publikum zuerst angeh\u00f6rt und anschlie\u00dfend die pers\u00f6nliche Bedeutung mehr oder weniger intensiv erl\u00e4utert. Die Produktionsjahre der Tracks erstrecken sich von 1936 bis 2012, die Trackdauer variierte von 12 Sekunden (Pascal Comelade: \u201eSmoke on the Water\u201c) bis zu mehr als 15 Min (Ravel: \u201eBolero\u201c). Zu h\u00f6ren waren Kinderlieder, Folklore, Filmmusik, Popsongs, H\u00f6rspiele, Theaterszenen, klassische Kompositionen, Live-Mitschnitte, experimentelle Soundcollagen, selbst aufgenommene Interpretationen, Klang-Artefakte und vieles mehr. Die anf\u00e4nglich zur Auswertung erwogene Zuordnung der einzelnen Tracks zu dezidierten musikalischen Stilen wurde angesichts dieser un\u00fcberschaubaren Diversit\u00e4t und der m\u00f6glichen Mehrdeutigkeit (z.B. Filmmusik mit klassischem Orchester, experimentelle Rockmusik, Sprachaufnahmen mit unterlegter Musik) aufgegeben.<br \/>\nObwohl die meisten G\u00e4ste den \u00fcberwiegenden Teil ihres Lebens zu \u00e4hnlichen Zeiten in derselben s\u00fcddeutschen Stadt verbracht haben, einer vergleichbaren Bildungs- und Gesellschaftsschicht und in etwa einer gemeinsamen Generation angeh\u00f6ren, kam es bei den insgesamt 510 Tracks zu lediglich vier Doppelnennungen, also der Auswahl eines Tracks, der von zwei Personen unabh\u00e4ngig voneinander als bedeutend und pr\u00e4gend f\u00fcr ihr Leben erachtet wurde. Die Doppelnennungen sind \u201eWhole lotta Love\u201c von Led Zeppelin, \u201eLucky Man\u201c von Emerson, Lake &amp; Palmer, \u201eAnother Brick in the Wall, Pt. 2\u201c von Pink Floyd und \u201eSchwarz zu Blau\u201c von Peter Fox. Von 510 m\u00f6glichen wurden von 51 Talk-G\u00e4sten somit also 506 verschiedene Tracks ausgew\u00e4hlt. Dieses Ergebnis beweist eine aus oben genannten Gr\u00fcnden nicht erwartbare und deswegen signifikant hohe Diversit\u00e4t der ausgew\u00e4hlten Tracks.<\/p>\n<p>Sucht man innerhalb der 510 ausgew\u00e4hlten Tracks nach Mehrfachnennungen von Komponisten, Bands oder Einzelk\u00fcnstlern, so ergibt sich folgendes Bild (hierarchisch).<\/p>\n<p>Johann Sebastian Bach (9\/510)<br \/>\nPink Floyd (7\/510)<br \/>\nGeorg Friedrich H\u00e4ndel (5\/510)<br \/>\nJimi Hendrix (4\/510)<br \/>\nTom Waits (4\/510)<\/p>\n<p>Deutsche Barockkomponisten kommen zusammen auf immerhin 14 Nennungen unterschiedlicher Werke (keine Doppelnennungen). Es besteht innerhalb dieses Segments die h\u00f6chstm\u00f6gliche Diversit\u00e4t von Werken. Die klassische Rockmusik von Jimi Hendrix und Pink Floyd kommt zusammen auf 11 Nennungen, wobei hier eine direkte Doppelnennung (Pink Floyd: \u201eAnother Brick in the Wall, Pt. 2\u201c) und eine indirekte Doppelnennung (Jimi Hendrix: \u201eHey Joe\u201c und Deep Purple: \u201eHey Joe\u201c) zu verzeichnen sind.<br \/>\nJeweils drei Nennungen haben Ludwig van Beethoven (3\/510), Emerson, Lake &amp; Palmer (3\/510), Deep Purple (3\/510), Herbert Gr\u00f6nemeyer (3\/510), Led Zeppelin (3\/510) und die in der Region ehemals etablierte, aber mittlerweile nicht mehr bestehende Oberton-Folklore-Formation Boerte aus der Mongolei (3\/510).<br \/>\nMit weniger als drei Nennungen weit abgeschlagen sind \u00fcberraschenderweise folgende Konsensmusiker und -bands: The Beatles (2\/510), Johnny Cash (2\/510), Bob Dylan (2\/510), Wolfgang Amadeus Mozart (2\/510), The Velvet Underground (2\/510), Elvis Presley (1\/510).<br \/>\nAlle verbleibenden Track-Komponisten, -Bands und -Einzelk\u00fcnstler werden jeweils nur einmal gew\u00e4hlt, auch dies wiederum ein Anzeichen signifikant hoher Diversit\u00e4t.<\/p>\n<p><strong>Strategien der Track-Auswahl<\/strong><br \/>\nDie meisten Talk-G\u00e4ste ordnen ihre Tracks chronologisch und in deutlich erkennbaren Zusammenhang zur eigenen Biographie. So beziehen sich die ersten Tracks in aller Regel auf Kindheit und Jugend, die Tracks im mittleren Bereich auf die Lebensphase als junge Erwachsene und erst die letzten Tracks lassen einen Bezug zur Gegenwart und eventuell eine Vorausschau in die Zukunft (Evergreens von morgen) erkennen. Die meisten G\u00e4ste w\u00e4hlen nicht ihre aktuellen Lieblingslieder, sondern Tracks, die als Stellvertreter bestimmter Lebensphasen oder biographischer Umbr\u00fcche dienen. Auff\u00e4llig ist, dass besonders (Kultur-) Politiker dazu neigen, durch eine ungew\u00f6hnliche stilistische Breite innerhalb ihrer pers\u00f6nlichen Track-Auswahl eine demonstrative Offenheit und Toleranz gegen\u00fcber m\u00f6glichst vielen Geschm\u00e4ckern, Musikstilen und Kulturen unter Beweis zu stellen.<br \/>\nAuf der anderen Seite gibt es von einigen wenigen Talk-G\u00e4sten konzeptuelle Track-Auswahlen: Ein Vertreter der lokalen Filminitiative w\u00e4hlte ausschlie\u00dflich Filmmusik (teilweise inkl. Projektion entsprechender Filmausschnitte), eine feministische Philosophin w\u00e4hlte ausschlie\u00dflich Musik von Frauen (allerdings mit au\u00dfergew\u00f6hnlicher zeitlicher Spanne), zwei stadtbekannte Krautrockspezialisten w\u00e4hlten ausschlie\u00dflich Rockmusik aus den 1970er Jahren, eine lokale Musikkritikerin w\u00e4hlte ausschlie\u00dflich klassische Gesangs- und Liederinterpretationen mit starkem lokalen Bezug und ein jung gebliebener Althipster bestand darauf ausschlie\u00dflich Musik aus dem \u201eW-LAN-Zeitalter\u201c zu pr\u00e4sentieren (extrem enge zeitliche Spanne).<\/p>\n<p><strong>Produktionsjahre der Tracks<\/strong><br \/>\nIm Vergleich zu Kategorien wie \u201emusikalische Stilistik\u201c und \u201egeo-kulturelle Herkunft\u201c ist das Produktionsjahr eines Tracks meist zweifelsfrei zu ermitteln. Es ist dadurch ein verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig konkreter Indikator und beinhaltet eine Aussage dar\u00fcber auf welche Zeit, Phase oder \u00c4ra der Talk-Gast sich absolut oder aber auch im Verh\u00e4ltnis zu seinem eigenen Lebensalter bezieht. Es muss dabei ber\u00fccksichtigt werden, dass ein Talk-Gast einen Track sicher nicht vor dem Produktionsjahr gekannt haben kann. Andererseits k\u00f6nnen zwischen dem Produktionsjahr und dem Erstkontakt eines Talk-Gastes mit einem Track durchaus mehrere Jahre, in manchen F\u00e4llen auch Jahrzehnte liegen. Das darf insbesondere dann als gesichert gelten, wenn das Produktionsjahr vor dem Geburtsjahr des Talk-Gastes liegt. Freilich \u00e4ndert auch ein gro\u00dfer zeitlicher Abstand zwischen Produktionsjahr und Erstkontakt nichts daran, auf welche Zeit und\/oder Kulturepoche sich der Talk-Gast damit beruft und in welchem Verh\u00e4ltnis die entsprechende Jahreszahl zu seinem Lebensalter steht. Zun\u00e4chst sollen im Folgenden die absoluten Zahlen betrachtet werden. Als Produktionsjahr gilt, wie bereits erw\u00e4hnt, das Jahr der Erstver\u00f6ffentlichung des Tracks bzw. alternativ das Jahr der Aufnahme der Einspielung.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/MFTGrafik3.jpg\" rel=\"attachment wp-att-3420\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-large wp-image-3420\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/MFTGrafik3-1024x584.jpg\" alt=\"MFTGrafik3\" width=\"584\" height=\"333\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/MFTGrafik3-1024x584.jpg 1024w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/MFTGrafik3-300x171.jpg 300w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/MFTGrafik3-768x438.jpg 768w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/MFTGrafik3-1536x876.jpg 1536w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/MFTGrafik3-1200x684.jpg 1200w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/MFTGrafik3.jpg 1575w\" sizes=\"(max-width: 584px) 100vw, 584px\" \/><\/a>Diagramm 1: Verteilung der Produktionsjahre der Tracks (absolut)<\/p>\n<p>Der \u00e4lteste Track stammt aus dem Jahr 1936 (Robert Johnson: \u201eKindhearted Woman Blues\u201c), der j\u00fcngste aus dem Jahr 2013 (Daft Punk: \u201eGeorgio by Moroder\u201c). Hierzu muss angemerkt werden, dass die Reihe 2005 begann und daher auch bei der aktuellsten Auswahl nur wenige G\u00e4ste die M\u00f6glichkeit hatten Titel aus den Jahren 2013 oder gar 2014 zu w\u00e4hlen. Track-Produktionsjahre vor 1960 sind insgesamt selten, Produktionsjahre vor 1950 liegen bereits deutlich au\u00dferhalb der Norm. Von insgesamt 510 Tracks stammen lediglich sieben aus den 1940er Jahren und nur der oben erw\u00e4hnte, einzelne Track aus den 1930er Jahren. Aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, gibt es keine einzige Nennung. Besonders stark konzentrieren sich dagegen die Produktionsjahre der Tracks um die Jahre 1970 und 2000. Auch um die Jahre 2005\/2006 herum ist ein deutlicher Peak zu erkennen. Der Durchschnitt aller Tracks liegt rechnerisch im letzten Quartal des Jahres 1986.<\/p>\n<p>Werfen wir nun einen Blick auf die Verteilung der Produktionsjahre der Tracks pro Talk-Gast. Diagramm 2 stellt in chronologischer Reihenfolge der Musiktalks die Produktionsjahre der insgesamt 51 individuellen Track-Auswahlen dar. Die Minima und Maxima jeder Auswahl sind deutlich zu erkennen und bilden pro Talk-Gast einen klar umrissenen, zeitlichen Bezugsrahmen. Bei einem Vergleich der individuellen Auswahlen untereinander entsteht ein sehr variantenreiches Bild. Ein allgemeing\u00fcltiges Muster f\u00fcr Minima, Maxima oder die zeitliche Spanne des Bezugsrahmens ist nicht ohne weiteres zu erkennen. Individuelle Minima bewegen sich zwischen 1936 und 2004, individuelle Maxima zwischen 1972 und 2013. Die individuellen Spannen bewegen sich zwischen einem Minimum von 7 Jahren bis zu einem Maximum von 72 Jahren.<br \/>\nDer rechnerische Durchschnitt der individuellen Minima aller Talk-G\u00e4ste liegt im ersten Quartal des Jahres 1966, der der individuellen Maxima liegt im ersten Quartal des Jahres 2003, dies bei Talk-G\u00e4sten deren rechnerisches Mittel des Geburtsjahrs in das Jahr 1960 datiert. Der Durchschnitt der individuellen zeitlichen Spannen aller Talk-G\u00e4ste liegt bei etwa 37 Jahren.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/MFTGrafik1.jpg\" rel=\"attachment wp-att-3418\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-large wp-image-3418\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/MFTGrafik1-657x1024.jpg\" alt=\"MFTGrafik1\" width=\"584\" height=\"910\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/MFTGrafik1-657x1024.jpg 657w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/MFTGrafik1-193x300.jpg 193w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/MFTGrafik1-768x1196.jpg 768w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/MFTGrafik1.jpg 938w\" sizes=\"(max-width: 584px) 100vw, 584px\" \/><\/a>Diagramm 2: Verteilung der Produktionsjahre der Tracks pro Gast (absolut)<\/p>\n<p>Ende Teil 1, <a href=\"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/2016\/01\/25\/aufsatz-my-favourite-tracks-meine-allerliebsten-lieder-teil-2\/\">Teil 2<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>My Favourite Tracks \u2013 Meine allerliebsten Lieder Auswertung und Analyse von pers\u00f6nlichen Bestenlisten einer W\u00fcrzburger Musiktalkshow von Dennis Sch\u00fctze Erschienen in der Schriftenreihe \u201cLied und popul\u00e4re Kultur\u201d (59. 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