{"id":3500,"date":"2016-02-11T15:04:07","date_gmt":"2016-02-11T14:04:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=3500"},"modified":"2016-02-11T15:04:07","modified_gmt":"2016-02-11T14:04:07","slug":"buch-russland-meschugge-von-filipp-piatov","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2016\/02\/11\/buch-russland-meschugge-von-filipp-piatov\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eRussland Meschugge\u201c von Filipp Piatov"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/RusslandMeschugge.jpg\" rel=\"attachment wp-att-3499\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3499\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/RusslandMeschugge-193x300.jpg\" alt=\"RusslandMeschugge\" width=\"193\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/RusslandMeschugge-193x300.jpg 193w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/RusslandMeschugge.jpg 321w\" sizes=\"(max-width: 193px) 100vw, 193px\" \/><\/a>Filipp Piatov ist Russe, Ukrainer und Jude, hat aber einen bundesdeutschen Pass. Er wurde 1991 in Leningrad (heute St. Petersburg) geboren, emigrierte kurz danach mit seinen Eltern nach Deutschland und wuchs nach vor\u00fcbergehenden Zwischenstationen im beschaulichen Bad Krozingen bei Freiburg auf. Nach dem Abitur studierte er Wirtschaftswissenschaft in Frankfurt, heute schreibt er Essays und Kolumnen f\u00fcr \u201eDie Welt\u201c und andere Zeitungen und Magazine.\u00a0In seinem Buch \u201eRussland Meschugge\u201c berichtet er von einer Reise nach und durch Russland, die er zusammen mit seiner Lebensgef\u00e4hrtin Sara unternommen hat. Die Route f\u00fchrt von Kaliningrad, \u00fcber St. Petersburg nach Moskau und von dort mit der transsibirischen Eisenbahn in mehreren Etappen \u00fcber Jekaterinburg, Nowosibirsk, Irkutsk bis auf die Insel Olchon am Baikalsee, also ziemlich genau von West nach Ost. Das Reisebudget war schmal, zum gr\u00f6\u00dften Teil kamen die beiden via Couchsurfing bei gastfreundlichen Ortsans\u00e4ssigen unter, manchmal auch bei entfernten Verwandten und Freunden, notfalls auch in mehr oder weniger dubiosen Hostels.<!--more--><\/p>\n<p>Piatov schreibt stilsicher und erz\u00e4hlfreudig von den Erlebnissen dieser mehrw\u00f6chigen Reise in sein Herkunfts- bzw. Heimatland. Er berichtet von St\u00e4dten und Landschaften, von Stra\u00dfen und Bahnstrecken, von den Menschen und ihren Eigenarten, er hinterfragt Klischees, diskutiert mit Einheimischen, ger\u00e4t in brenzlige Situationen, rettet sich und seine Partnerin und zieht weiter. Mindestens genau so viel Raum wie f\u00fcr die Erlebnisse w\u00e4hrend der eigentlichen Reise nimmt er sich im Laufe des Buches aber auch um seine besondere Familiengeschichte zu erl\u00e4utern und damit seine Motivation zu erkl\u00e4ren. Nach dem Zerfall der Sowjetunion sind seine Eltern, der Vater Russe, seine Mutter Ukrainerin, in den Westen gegangen. Gro\u00dfeltern und Eltern haben ihm von fr\u00fchester Kindheit an aus ihrem ehemaligen Leben und den gesellschaftlichen und politischen in ihrem Heimatland berichtet, trotz dieser vielen Geschichten und Informationen wei\u00df Piatov anfangs aber herzlich wenig vom gegenw\u00e4rtigen, russischen Alltag und bricht auf um sich ein eigenen Bild zu machen.<\/p>\n<p>Dem Autor gelingt auf sehr charmante und unterhaltsame Weise der Spagat zwischen verschiedenen Erz\u00e4hlebenen. Der Text wird so zu einer gelungenen Mischung aus famili\u00e4rer Emigrationsgeschichte, einer Bestandsaufnahme der gegenw\u00e4rtigen gesellschafts-politischen Situation in Russland und einem pers\u00f6nlichen Reisebericht. Piatov b\u00fcndelt diese Anteile zu einem gut lesbaren, humorvollen und klugen pers\u00f6nlichem Statement. Er scheut sich nicht seine Erfahrungen einzuordnen, in einen gr\u00f6\u00dferen Kontext zu setzen und vergangene und gegenw\u00e4rtige Vorkommnisse bzgl. der Sowjetunion \/ Russland zu bewerten und pers\u00f6nliche Konsequenzen daraus zu ziehen. Es handelt sich hier also ganz sicher nicht um das Protokol einer Pauschalreise aus dem Urlaubsprospekt, sondern es geht dabei vielmehr um Identit\u00e4t, Geschichte, Politik, Mentalit\u00e4t, nationale Eigenheiten, etc., nicht zuletzt aber auch um Menschen.<\/p>\n<p>Mehrmals stellt der Autor fest, dass er seine Identit\u00e4t nicht aufteilen kann. Er ist eben alles gleichzeitig: Deutscher, Ukrainer, Russe, Jude und vermutlich auch noch ein paar andere Dinge. Letzten Endes kann man dieses Buch auch als lesenswertes Dokument einer gelungenen individuellen Integration verstehen. Und das ist in unseren bewegten Zeiten doch erfreulich, oder etwa nicht?<\/p>\n<p>In den Umschlagsinnenseiten des Buches sind einige stimmungsvolle Familien- und Reisefotos abgedruckt. Leider gibt es keine weiteren Bilder im Innenteil und das ist schwer zu verstehen, denn mehrfach wird im Text erw\u00e4hnt, dass Piatovs Reisegef\u00e4hrtin Fotografin ist. Eine geographische \u00dcbersichtskarte fehlt kurioserweise ebenso, bereits eine klitzekleine \u00dcbersichtskarte w\u00e4re bereits hilfreich und dabei sicher nicht aufw\u00e4ndig zu erstellen gewesen.<\/p>\n<p>Das Taschenbuch erscheint bei dtv premium, hat 200 Seiten und kostet 14,90\u20ac.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Filipp Piatov ist Russe, Ukrainer und Jude, hat aber einen bundesdeutschen Pass. 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