{"id":3715,"date":"2016-04-21T08:27:00","date_gmt":"2016-04-21T06:27:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=3715"},"modified":"2016-04-21T08:27:00","modified_gmt":"2016-04-21T06:27:00","slug":"buch-zwei-um-die-welt-von-hansen-hoepner-paul-hoepner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2016\/04\/21\/buch-zwei-um-die-welt-von-hansen-hoepner-paul-hoepner\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eZwei um die Welt\u201c von Hansen Hoepner &#038; Paul Hoepner"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/ZweiUmDieWelt.jpg\" rel=\"attachment wp-att-3714\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3714\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/ZweiUmDieWelt-188x300.jpg\" alt=\"ZweiUmDieWelt\" width=\"188\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/ZweiUmDieWelt-188x300.jpg 188w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/ZweiUmDieWelt.jpg 314w\" sizes=\"(max-width: 188px) 100vw, 188px\" \/><\/a>Nach ihrer Extremfahrradtour Berlin &#8211; Shanghai (2012) sind die deutschen Zwillingsbr\u00fcder Hansen und Paul Hoepner im Sommer 2015 zu einer neuen, l\u00e4ngeren Reise aufgebrochen. Sie sollte &#8211; frei nach dem Jules Verne Roman &#8211; in 80 Tagen einmal um die Welt von Berlin nach Berlin f\u00fchren. Selbstgesetzte Bedingung war diesmal ganz ohne Geld auszukommen, alle erforderlichen Finanzmittel f\u00fcr Essen, Unterkunft und Transporte mussten unterwegs durch Tauschgesch\u00e4fte organisiert werden, betteln und einseitige Geschenke waren nicht erlaubt, Arbeit allerdings sehr wohl. F\u00fcr den absoluten Notfall lag eine Kreditkarte bereit, die aber nicht zum Einsatz kam. Die Gebr\u00fcder waren wie immer bestens vorbereitet, reisten mit verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig leichtem Gep\u00e4ck, zwei selbstgebauten, multifunktionalen Rollwagen. Schlafs\u00e4cke, Zelt, Klamotten, Werkzeuge, etc. hatten sie dabei und medien- und verwertungserfahren wie sie nun einmal sind , spielte nat\u00fcrlich auch die Dokumentation eine wichtige Rolle, deswegen waren auch Kameras, Mikrophone, iPads und iPhones mit dabei, Tagebuch wurde nebenbei auch noch gef\u00fchrt.<!--more--><\/p>\n<p>Die Reise f\u00fchrte sie aus ihrer Heimatstadt Berlin au die iberische Halbinsel, wo sie sich m\u00fchsam einen Transatlantikflug zusammenschnorren mussten, dann einmal quer durch Kananda, Flug von Vancouver nach Japan, von da weiter \u00fcber Hongkong, Bangkok und Kuala Lumpur nach Neu-Delhi und \u00fcber Moskau und Warschau zur\u00fcck nach Berlin. Das Buch dazu erscheint bei Malik und der Text wurde zusammen mit Marie-Sophie M\u00fcller verfasst. Die einzelnen Kapitel sind mit den Stammdaten Datum, Tageszahl, Standort und Kontostand \u00fcberschrieben und sind abwechselnd aus der Perspektive eines der beiden Br\u00fcder verfasst. Am Ende einiger Kapitel f\u00fchrt ein Q-Code zu einer Webseite mit weiterf\u00fchrenden Filmmaterialien. In der Mitte des Buches gibt es einige recht stimmungsvolle Farbfotos vom Trip.<\/p>\n<p>Soweit alles in Ordnung, trotzdem kann man als Leser die Reisedokumentation nicht so genie\u00dfen wie beim ersten Buch\/Film \u201eZwei nach Shanghai\u201c. Alles wirkt von Anfang an konstruierter, kalkulierter, abgebr\u00fchter. Es ist weniger ein sympathischer Selbsterfahrungstrip und stattdessen mehr ein gewaltiger, egozentrischer Kraftakt. Die Zwillinge rauschen einmal um die Welt, im Vordergrund steht dabei aber nicht das Erlebnis, sondern das Einhalten der selbstauferlegten Beschr\u00e4nkungen. Es dreht sich fast ausschlie\u00dflich um Nahrungsbeschaffung, \u00dcbernachtungsorte, Transportmittel, dabei sitzt zus\u00e4tzlich \u00fcber weite Strecken das Zeitlimit im Nacken. Menschen, St\u00e4dte und Landschaften werden eingeteilt in die Kategorien \u201ehaben uns weiter geholfen\u201c und \u201ehaben uns nicht weitergeholfen\u201c. Besonders absurd wird diese Vorgehensweise in Asien. Einige Male (z.B. S. 196, 210) f\u00e4llt den beiden selbst auf wie seltsam es wirkt, wenn zwei mit teuren Kameras und Smartphones beladene, wei\u00dfe, junge und gesunde Westeurop\u00e4er den armen einheimischen Arbeitern und Familienv\u00e4tern irgendeinen Kram verkaufen wollen um die Weiterreise fremd zu finanzieren, w\u00e4hrend die eigene Kreditkarte im wattierten Polstert\u00e4schchen ruht. Hier kommt der Trip an seine moralischen Grenzen, man hat kurz das Gef\u00fchl, dass das auch den beiden Hoepners ganz kurz d\u00e4mmert, aber egal, es muss weitergehen (von einem alten Inder bekommen sie dbzl. unerwartet Absolution, siehe S. 245). Sie schaffen es dank der Mithilfe vieler, deutlich weniger Privilegierter mit ein paar Umwegen, k\u00f6rperlichen Strapazen und zeitlichen Verz\u00f6gerungen zur\u00fcck nach Berlin.<\/p>\n<p>Als Leser fragt man sich warum die beiden sich so etwas auferlegen, anscheinend geht es nur darum etwas Ungew\u00f6hnliches, Unwahrscheinliches zu schaffen, koste es was es wolle. Sie reisen mit billigsten Mitteln, ern\u00e4hren sich \u00fcberwiegend von schlechtem, billigem Essen, lernen die Reiseregionen wegen des Zeitdrucks kaum kennen, weil sie st\u00e4ndig auf der Suche nach Einkommensm\u00f6glichkeiten und Unterkunft sind, sie gehen sich gegenseitig auf die Nerven, streiten sich, schreien sich an, wollen endlich wieder daheim bei ihren Freundinnen sein, magern ab, werden lebensbedrohlich krank. Alles nur um sagen zu k\u00f6nnen, wir haben es geschafft? Alles nur um noch ein Buch rauszubringen und nochmal auf Lesereise gehen zu k\u00f6nnen? Das Buch bleibt dazu eine Antwort schuldig. Man kann als Leser nur hoffen, dass die Zwillinge bei der Niederschrift, sp\u00e4testens w\u00e4hrend der Lesereise bemerken, dass sie diesmal den Bogen \u00fcberspannt haben.<\/p>\n<p>Eine kleinformatige Weltkarte mit der Reiseroute ist doppelt, im Front- und R\u00fcckdeckel abgedruckt. &#8222;Zwei um die Welt&#8220; erscheint bei Malik, hat 304 Seiten und kostet gebunden 19,99 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach ihrer Extremfahrradtour Berlin &#8211; Shanghai (2012) sind die deutschen Zwillingsbr\u00fcder Hansen und Paul Hoepner im Sommer 2015 zu einer neuen, l\u00e4ngeren Reise aufgebrochen. 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