{"id":3755,"date":"2016-05-02T10:34:21","date_gmt":"2016-05-02T08:34:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=3755"},"modified":"2016-05-02T10:34:21","modified_gmt":"2016-05-02T08:34:21","slug":"buch-sinfonia-gastronomica-von-roberto-iovino-ileana-mattion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2016\/05\/02\/buch-sinfonia-gastronomica-von-roberto-iovino-ileana-mattion\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eSinfonia Gastronomica\u201c von Roberto Iovino &#038; Ileana Mattion"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/SinfoniaGastro.jpg\" rel=\"attachment wp-att-3754\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3754\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/SinfoniaGastro-223x300.jpg\" alt=\"SinfoniaGastro\" width=\"223\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/SinfoniaGastro-223x300.jpg 223w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/SinfoniaGastro.jpg 371w\" sizes=\"(max-width: 223px) 100vw, 223px\" \/><\/a>\u201eEine Reise durch 2500 Jahre Musik und Esskultur\u201c soll dieses Buch von Roberto Iovino und Ileana Mattion sein. Es erschien bereits 2006 im italienischen Original und wurde Ende 2015 von Reclam in deutscher \u00dcbersetzung ver\u00f6ffentlicht. Nach einem knappen Vorwort (\u201eAdagio\u201c) folgen f\u00fcnf Kapitel (\u201eS\u00e4tze\u201c) mit den \u00dcberschriften \u201eVom griechischen Festmahl zum modernen Fastfood\u201c, \u201eDas leibliche Wohl in der Oper\u201c, \u201eKomponisten zu Tisch\u201c, \u201eEinladung zu musikalischen Tafelfreuden\u201c, \u201eChi vuol esser lieto sia&#8230;\/ Froh sein, wem\u2019s beliebt&#8230;\u201c. Die n\u00e4here Betrachtung der Zusammenh\u00e4nge zwischen Musikgeschichte und Kulinarik klingt erstmal vielversprechend, aber um es gleich vorwegzunehmen, das Ergebnis ist durchwachsen, Herangehensweise und Tonfall der Autoren werden dem Thema nicht gerecht, Idee und Pr\u00e4sentationsform z\u00fcnden einfach nicht.<!--more--><\/p>\n<p>Das liegt zum gro\u00dfen Teil daran, dass sich Iovino und Mattion in ihren Darstellungen in oberfl\u00e4chlichen Plattit\u00fcden verstricken und \u00fcber weite Strecken mit vollkommen unbelegten Anekdoten vor sich hin schwadronieren. Da werden angebliche Feierrituale des antiken Griechenlands mit nicht \u00fcberlieferter Musik und Praktiken der Musikaus\u00fcbung in Beziehung zueinander gesetzt. Erw\u00e4hnt wird dabei der \u201eGitarrenspieler Terpnus\u201c (S. 25), auch wenn die Gitarre erst gute 2000 Jahre sp\u00e4ter entwickelt wurde. Es geht dabei auch wirklich nur um Esskultur, also den reinen Verzehr, nur in seltenen Ausnahmef\u00e4llen spielen tats\u00e4chlich Lebensmittel oder gar die Kunst der Zubereitung eine tragende Rolle. Stattdessen werden seitenweise naheliegende, aber auch haneb\u00fcchene Bez\u00fcge serviert. Hier wurden flei\u00dfig s\u00e4mtliche kunstmusikalischen Referenzen auf Speis und Trank gesammelt und in einem oberfl\u00e4chlichen Parlando abgefr\u00fchst\u00fcckt. So geht das \u00fcber die Jahrhunderte hinweg, gestreift werden Mittelalter, Barock, Klassik und das 19. Jahrhundert. Aber selbst Rossini, der ja als das Bindeglied zwischen Musik und Kulinarik einer genauen Betrachtung h\u00e4tte unterzogen werden k\u00f6nnen, immerhin hat er seinen Kompositionsberuf an den Nagel geh\u00e4ngt um sich ausschlie\u00dflich dem Kochen zu widmen, wird lediglich als primitiver Fresssack blo\u00dfgestellt. Nicht nur an dieser Stelle h\u00e4tte man sich etwas mehr Tiefgang gew\u00fcnscht. Daf\u00fcr h\u00e4tte an anderer Stelle gerne auf die zahlreichen zitierten Textpassagen uralter italienischer Opern verzichtet werde k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Musik und Esskultur ab Anfang des 20. Jahrhunderts werden in dem Buch dann so gut wie \u00fcberhaupt nicht mehr behandelt, obwohl ja erst da verfeinerte Zubereitungsmethoden m\u00f6glich werden. Kapriziert wird sich auf mitteleurop\u00e4ische Kunstmusik, vorwiegend italienische Oper (K\u00fchlketten, Diversit\u00e4t und Qualit\u00e4t der Lebensmittel, exotische Gew\u00fcrze, etc.). Die Musik und Esskultur ganzer Kontinente wird andererseits komplett unter den Tisch fallen gelassen (Afrika, Asien, S\u00fcdamerika) oder in einem abf\u00e4lligen Nebensatz unn\u00f6tig diskreditiert (z.B. Nordamerika, S. 111). Als Leser hat man daher insgesamt den Eindruck: Entweder haben die Autoren den falschen Ansatz gew\u00e4hlt oder die beiden Themen lassen sich nicht kombinieren. Wenn man genau \u00fcberlegt werden Musik und Essen wohl auch wesentlich \u00f6fter getrennt voneinander konsumiert als dieses Buch einem nahelegen will. Vielleicht hat deswegen vorher noch keiner dar\u00fcber geschrieben.<\/p>\n<p>Fazit: Lekt\u00fcre ohne Tiefgang f\u00fcr Liebhaber mitteleurop\u00e4ischer Kunstmusik, die sich f\u00fcr etwas besseres halten und darin best\u00e4tigt werden wollen. Wer wirklich etwas \u00fcber den Wandel von Kulinarik und Kochkunst im Laufe der Zeit erfahren will, liest besser \u201eD\u00f6ner Hawaii\u201c von Marin Trenk (Klett-Cotta, 2015).<\/p>\n<p>Das gebundene Buch hat 250 Seiten, erscheint bei Reclam und kostet 29,95.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEine Reise durch 2500 Jahre Musik und Esskultur\u201c soll dieses Buch von Roberto Iovino und Ileana Mattion sein. Es erschien bereits 2006 im italienischen Original und wurde Ende 2015 von Reclam in deutscher \u00dcbersetzung ver\u00f6ffentlicht. 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