{"id":3789,"date":"2016-05-13T12:00:59","date_gmt":"2016-05-13T10:00:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=3789"},"modified":"2016-05-13T12:00:59","modified_gmt":"2016-05-13T10:00:59","slug":"hottentottenmusik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2016\/05\/13\/hottentottenmusik\/","title":{"rendered":"Hottentottenmusik"},"content":{"rendered":"<p>Als ich heute morgen noch etwas verschlafen durch den Wohnungsflur ins Badezimmer schlurfte, standen dort meine beiden S\u00f6hne (8 u. 10 Jahre alt) am Waschbecken und putzen sich gerade die Z\u00e4hne. Vom Fensterbrett ballerte ein uns\u00e4glicher musikalischer Bl\u00f6dsinn aus dem aufgedrehten Kofferradio. Sie hatten wieder mal meinen Standard- und Lieblingssender \u201eDeutschlandradio Kultur\u201c verstellt (wie ich das hasse) und mir knallte irgendein Shubbie-Du-Lalala-Chorus eines s\u00fcddeutschen Formatradiosenders entgegen.<!--more--> Noch ehe ich aktiv nachdenken konnte, kam mir der Satz \u201eWas ist das f\u00fcr Hottentottenmusik?!\u201c \u00fcber die Lippen. Kaum hatte ich das letzte Wort ausgesprochen, zuckte ich innerlich zusammen, weil mir gleich klar war, was f\u00fcr eine schwache, un\u00fcberlegte und klischeebesetzte Ansage das nun gewesen war, aber ich hatte es tats\u00e4chlich f\u00fcr einen Augenblick ernst gemeint. Mein S\u00f6hne hatten mein Innehalten bemerkt, feixten sich eins und grinsten sich triumphierend an: Papa genervt, Mission erf\u00fcllt, ich sch\u00fcttelte verst\u00e4ndnislos den Kopf, ging r\u00fcckw\u00e4rts raus und \u00e4rgerte mich derweil \u00fcber mich selbst. Aber irgendwie stimmt es doch, oder etwa nicht? Ist es nicht meine Pflicht als Elternteil, die Musik, die meine Kinder so gro\u00dfartig finden, ein bisschen schei\u00dfe zu finden, mich davon zu distanzieren und mich vor ihnen bestenfalls auch abf\u00e4llig dar\u00fcber zu \u00e4u\u00dfern? Ist so eine Opposition nicht wichtig f\u00fcr ihre eigenst\u00e4ndige kulturelle Entwicklung? Wogegen sollen sie sich auflehnen, wenn ich alles immer \u201eeigentlich auch irgendwie ganz okay\u201c finde? Sie sollen fr\u00fch lernen f\u00fcr die eigenen \u00dcberzeugungen einzustehen. Und ein kleiner intrafamil\u00e4rer Kulturkampf hat auch noch keinem geschadet, oder liege ich da falsch?<\/p>\n<p>Die Episode lie\u00df mir heute Vormittag dann keine Ruhe mehr und ich habe im Netz versucht zu recherchieren, was da morgens genau gelaufen war. Ganz sicher bin ich mir nicht, aber es k\u00f6nnte David Guetta feat. Sam Smith mit \u201eDangerous\u201c gewesen sein. Das Video kann unfassbar viele Zugriffe auf Youtube verzeichnen, es scheint also vielen Menschen auf der ganzen Welt zu gefallen, ich m\u00fcsste mit Seelenlosigkeit, Ausverkauf und gnadenlosem Kommerz argumentieren, wenn ich eine Diskussion dar\u00fcber vertiefen wollte. Will ich aber nicht, damit w\u00fcrde ich mich nur immer tiefer reinreiten, habe bereits vor Augen wie sich meine S\u00f6hne \u00fcber meine Ernsthaftigkeit dem Thema gegen\u00fcber kaputtlachen. Andere Frage: Warum kenne ich die Produktion als erkl\u00e4rter Popmusiker nicht? Warum gef\u00e4llt sie mir nicht, wenn sie doch so vielen anderen gef\u00e4llt? Bin ich von gestern? Zu alt? Nicht mehr am Puls der Zeit? Ein alter Sack? Oh Mann, h\u00e4tte ich heute Morgen blo\u00df den Mund gehalten.<\/p>\n<p><strong>Wikipedia:<\/strong> \u201eHottentotten war eine in der Kolonialzeit von den Buren erstmals verwendete Sammelbezeichnung f\u00fcr die in S\u00fcdafrika und Namibia lebende V\u00f6lkerfamilie der Khoikhoi, zu der die Nama, die Korana und Griqua (Orlam und Baster) geh\u00f6rten. Man geht heute davon aus, dass die holl\u00e4ndische Bezeichnung Hottentot seit ihrer Einf\u00fchrung haupts\u00e4chlich abwertend rassistisch und diskriminierend verwendet wurde. Au\u00dferdem wurde das englische Wort Hottentots auf Menschen mit vermeintlich unterlegener Kultur und Mangel an intellektuellen F\u00e4higkeiten \u00fcbertragen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich heute morgen noch etwas verschlafen durch den Wohnungsflur ins Badezimmer schlurfte, standen dort meine beiden S\u00f6hne (8 u. 10 Jahre alt) am Waschbecken und putzen sich gerade die Z\u00e4hne. 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