{"id":3873,"date":"2016-06-13T12:17:22","date_gmt":"2016-06-13T10:17:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=3873"},"modified":"2016-06-13T12:17:22","modified_gmt":"2016-06-13T10:17:22","slug":"buch-am-blauen-fluss-von-carmen-rohrbach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2016\/06\/13\/buch-am-blauen-fluss-von-carmen-rohrbach\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eAm blauen Fluss\u201c von Carmen Rohrbach"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/AmBlauenFluss.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3872\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/AmBlauenFluss-188x300.jpg\" alt=\"AmBlauenFluss\" width=\"188\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/AmBlauenFluss-188x300.jpg 188w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/AmBlauenFluss.jpg 314w\" sizes=\"(max-width: 188px) 100vw, 188px\" \/><\/a>Carmen Rohrbach ist promovierte Biologin und Reisebuchautorin. Sie verbrachte Kindheit und Jugend in der DDR, bei der Flucht \u00fcber die Ostsee wurde sie aufgegriffen und musste zwei Jahre ins Gef\u00e4ngnis. 1976 wurde sie von der BRD freigekauft und arbeitete danach am Max-Planck-Institut f\u00fcr Verhaltensbiologie in M\u00fcnchen. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sie rund ein Duzend B\u00fccher \u00fcber Reisen und Expeditionen u.a. in den Jemen, Mongolei, Namibia, Patagonien geschrieben. 2015 erschien ihr Buch \u201eAm blauen Fluss\u201c \u00fcber eine Rad- und Wandertour entlang der Donau von der Quelle bis zur M\u00fcndung.<!--more--><\/p>\n<p>Carmen Rohrbach ist ein erfahrener Routinier in Sachen Langstreckenreisen und Reiseschriftstellerei. Diesmal radelte sie den Lauf der Donau vom Schwarzwald bis zum schwarzen Meer hinab von West nach Ost und machte dabei immer wieder auch f\u00fcr ein paar Tage halt um ausgew\u00e4hltes Umland als Wanderin zu Fu\u00df zu erkunden. Die knapp 3000km lange Strecke teilte sie in zwei Teile, fuhr den ersten Teil bis Wien im Fr\u00fchsommer eines Jahres und den zweiten Teil im darauffolgenden.<\/p>\n<p>Die Autorin hat einen angenehm unaufgeregten Schreibstil, beschreibt ihre Beobachtungen und Erlebnisse detailreich und reflektiert. Der Fokus liegt dabei auf Flora und Fauna, Zeit- und Kulturgeschichte. F\u00fcr Naturbetrachtungen und Ausf\u00fchrungen zur Geschichte von Steinzeit bis Moderne nimmt sie sich viel Zeit und Raum. Etwas zu kurz geraten dagegen sind narrative Anteile bei denen man als Leser \u00fcber subjektive Eindr\u00fccke von Rohrbach selbst erf\u00e4hrt. Weite Teile des Textes wirken emotional stark gefiltert und nachtr\u00e4glich objektiviert. Dazu passt, dass die Erz\u00e4hlerin die weite Strecke wochen- und monatelang alleine bew\u00e4ltigt, sich h\u00f6chstens mal kurz mit einer Bedienung, einer Herbergsmutter oder einem Klosterm\u00f6nch unterh\u00e4lt. Lediglich zwei Tage verbringt sie mit anderen Radlern, denen sie durch einen Zufall begegnet und hier passiert endlich auch mal Unvorhergesehenes. Ansonsten werden Begegnungen mit anderen Menschen und pers\u00f6nliche Auseinandersetzung gemieden, gr\u00f6\u00dfere St\u00e4dte (Wien, Bratislava) werden umfahren und bleiben somit ausgeklammert. Musik, Kunst und Kulinarik spielen so gut wie gar keine Rolle, Rohrbach sucht stattdessen Stille und Abgeschiedenheit und verr\u00e4t wenig \u00fcber ihr Innenleben. Das mag durchaus eigene Qualit\u00e4ten vor Ort haben, f\u00fcr den interessierten Leser ist es auf Dauer etwas statisch und unzug\u00e4nglich.<\/p>\n<p>Erst kurz vor Ende der Reise l\u00e4sst sie kurz durchblicken, dass die Einsamkeit und die k\u00f6rperlichen Strapazen ihr zu schaffen machen, erw\u00e4gt an einer Weggabelung den Trip abzuk\u00fcrzen und den n\u00e4chsten Zug in die Heimat zunehmen. F\u00fcr einen kurzen Augenblick erscheint die Autorin menschlich und verwundbar, aber gleich danach geht\u2019s doch planm\u00e4\u00dfig weiter und die Reise wird n\u00fcchtern bis zum Ende durchgezogen. Zum Schluss des Textes gibt es keinen Blick zur\u00fcck, keine Gedanken dar\u00fcber, was der Weg und die Erfahrungen mit einem gemacht haben, auf welche Weise man ver\u00e4ndert wurde, was man mit nach Hause nimmt, was davon \u00fcbrig bleibt. Stattdessen erschreckend sachliche Tipps zur Reisevorbereitung, geologische Informationen zum Donaulauf, Geschichte im \u00dcberblick und eine Liste von Sachb\u00fcchern zum weiterlesen. Vielleicht insgesamt das Ergebnis von etwas zu viel Reiseroutine.<\/p>\n<p>Die Reisebeschreibung ist somit weniger eine mitrei\u00dfende Nacherz\u00e4hlung eines auf- und anregender Roadtrips, sondern vielmehr ein unemotionaler, kulturgeschichtlich befrachteter Tourbericht f\u00fcr beflissene Bildungsb\u00fcrger im Rentenalter.<\/p>\n<p>Das Buch hat in der Mitte farbige, zum Teil sehr stimmungsvolle Fotos. Im vorderen und hinteren Umschlag ist es mit einer kompakten Karte ausgestattet, die einen die zweiteilige Route auch kartographisch mitverfolgen lassen. Einen Blog oder weiterf\u00fchrende Informationen im Internet gibt es anscheinend nicht.<\/p>\n<p>Das Buch erscheint bei Malik, hat 288 Seiten und kostet 19,99\u20ac.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Carmen Rohrbach ist promovierte Biologin und Reisebuchautorin. 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