{"id":3978,"date":"2016-07-28T17:05:14","date_gmt":"2016-07-28T15:05:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=3978"},"modified":"2016-07-28T17:05:14","modified_gmt":"2016-07-28T15:05:14","slug":"orgels-regel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2016\/07\/28\/orgels-regel\/","title":{"rendered":"Orgels Regel"},"content":{"rendered":"<p>John Mayer ist ein erfolgreicher amerikanischer Singer\/Songwriter\/Guitarist. F\u00fcr kurze Zeit studierte er am renommierten Berklee College of Music in Boston, MA, brach sein Studium jedoch bereits nach zwei Semestern ab, zog nach Atlanta, GA, arbeitete weiter an seiner Musik, spielte sich in den lokalen Clubs nach oben, ver\u00f6ffentlichte eine EP, wurde von Columbia Records unter Vertrag genommen und ver\u00f6ffentlichte 2001 sein Major-Label Debutalbum \u201eRoom for Squares\u201c mit gro\u00dfem kommerziellen und k\u00fcnstlerischen Erfolg. Im Oktober 2008 kehrte er nach Berklee an seine kurzzeitige akademische Ausbildungsst\u00e4tte zur\u00fcck, diesmal allerdings nicht als Student, sondern als erfolgreicher Ehemaliger und legte das Konzept seiner musikalischen Arbeit und Denkweise in einem Vortrag dar. Sein Auftritt wurde gefilmt und gelangte einige Jahre sp\u00e4ter, aufgeteilt in mehrere Teile auf Youtube und erreichte dort schnell hohe Zugriffzahlen. Das liegt vermutlich daran, dass er unverbl\u00fcmt und ehrlich einige weit verbreitete Mythen und Legenden enttarnt. Besonders interessant sind seine Ausf\u00fchrungen im zweiten Teil zum Thema \u201eWhat it takes to succeed\u201c. Eine zentrale Aussage, die er vor der versammelten Studentenschaft trifft und ausf\u00fchrt ist folgende.<\/p>\n<p>\u201cThe public is always smarter than you\u201d John Meyer<br \/>\nJohn Mayer Berklee Part 2: What It Takes To Succeed (13:00)<!--more--><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"584\" height=\"438\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/JXSLTdcH22k?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>John Mayer gibt daf\u00fcr etliche, pers\u00f6nliche Beispiele und macht damit klar, dass viele, vor allem \u00f6konomische, aber auch k\u00fcnstlerische Entwicklungen, nicht plan oder steuerbar sind, sich kaum oder gar nicht beeinflussen lassen. Als Beispiel dient ihm einerseits ein eigener Song, der sich trotz bester Prognosen nicht nennenswert entwickelte, dann noch ein anderer, der komplett gegen seine Erwartung richtig Fahrt aufnahm. Sein Fazit verdichtet sich in dem oben zitierten Satz.<\/p>\n<p>Im Verlauf der Zeit habe ich die verschiedenen Teile mehrmals angesehen. Am zitierten Satz bin ich dabei immer wieder h\u00e4ngen geblieben, weil ich auch in meinem Werdegang \u2013 wenn auch im deutlich geringerem Umfang &#8211; etliche Beispiele anf\u00fchren kann, die dem dargelegten Muster entsprechen. Ob da jemand schlauer war als ich, kann ich nicht sagen, aber dass ich immer wieder daneben lag mit meiner Einsch\u00e4tzung sehr wohl. Nun sind solche Einsichten ja nicht auf eigene musikalische Ideen und deren Vermarktungspotential beschr\u00e4nkt, selbst gro\u00dfe Firmen mit erfahrenen Mitarbeitern, renommierte Wissenschaftler, gro\u00dfe Denker und Zukunftsforscher lagen und liegen nicht selten vollkommen daneben mit ihren Prognosen und Erwartungen. K\u00f6nnte es sein, dass dahinter ein universeller Mechanismus steckt? Ich machte mich auf die Suche, begann eine kleine Recherche und es dauert nicht lange bis ich auf die Ideen des britischen Chemikers und Evolutionsbiologen Leslie Orgel stie\u00df. Allein der Name des Mannes d\u00fcrfte die Ohren jedes deutschen Popularmusikforschers aufhorchen lassen, noch dazu ist die Evolution das l\u00e4ngste, laufende Projekt aller Zeiten. Orgel\u00a0formulierte zwei seiner grunds\u00e4tzlichen Ideen in den sog. Orgel\u2019s Rules von denen die zweite besonders interessant erscheint:<\/p>\n<p>\u201eEvolution is cleverer than you are\u201c (\u201eDie Evolution ist raffinierter als du es bist\u201c)<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzend wird hinzugef\u00fcgt (Wikipedia): \u201eOrgel&#8217;s Second Rule is intended as a rejoinder to the argument by lack of imagination. In general, this rule expresses the sometimes experienced fact that &#8222;trial and error&#8220; strategies are better than centralized intelligent human planning.\u201c<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte das Wort Evolution auch mit den Begriffen Entwicklung, Zukunft, Erfindergeist, Kreativit\u00e4t, Einfallsreichtum, Kunst, Musik etc. pp. ersetzen und erh\u00e4lt eine sinnvolle Aussage.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich pers\u00f6nlich ist es zu einem gewissen Grad auch beruhigend, dass ich eine Idee haben, eine Umsetzung ansto\u00dfen, durchziehen und zu Ende bringen kann und es letztlich doch nicht komplett in meiner Hand liegt wie alles laufen wird, wohin die Reise geht und wo alles endet. Vermutlich ist gerade das ein Merkmal von kreativen Arbeiten mit Potential und Entwicklungskraft: Dass sie sowohl die M\u00f6glichkeit zu scheitern, als auch die zum unerwarteten Erfolg in sich tragen. Arbeiten, die von Anfang bis zum Ende berechenbar sind und garantiert funktionieren, sind undynamisch &#8211; zumal aus k\u00fcnstlerischer Sicht \u2013 langweilig und uninspirierend, weil vollendet. Nat\u00fcrlich kann auch eine g\u00fcltige mathematische Formel oder ein korrektes physikalisches Modell Erhabenheit und W\u00fcrde ausstrahlen. Nur ist sie eben statisch und unbeweglich, unab\u00e4nderlich und ewiglich. Da braucht es auf der anderen Seite schon noch etwas wackliges, st\u00f6ranf\u00e4lliges, unvoraussagbares, fehlbares, menschliches, interpretierbares, ambivalentes mit Ver\u00e4nderungspotential in verschiedenste Richtungen. Es lebe also die Kraft, die kl\u00fcger ist als wir selbst. Lassen wir uns \u00fcberraschen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>John Mayer ist ein erfolgreicher amerikanischer Singer\/Songwriter\/Guitarist. 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