{"id":4022,"date":"2016-08-18T14:37:24","date_gmt":"2016-08-18T12:37:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=4022"},"modified":"2016-08-18T14:37:24","modified_gmt":"2016-08-18T12:37:24","slug":"buch-jerry-lee-lewis-his-own-story-von-rick-bragg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2016\/08\/18\/buch-jerry-lee-lewis-his-own-story-von-rick-bragg\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eJerry Lee Lewis. His Own Story\u201c von Rick Bragg"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/JLL.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-4021\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/JLL-200x300.jpg\" alt=\"JLL\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/JLL-200x300.jpg 200w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/JLL.jpg 334w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a>Rick Bragg ist amerikanischer Journalist und Schriftsteller. Bis 2003 arbeitete er f\u00fcr die New York Times. Seit 1999 ver\u00f6ffentlicht er neben seiner journalistischen T\u00e4tigkeit regelm\u00e4\u00dfig non-fiktionale B\u00fccher, in denen er anhand von biographischen Einzelschicksalen, zum Teil auch anhand der eigenen Familiengeschichte, Entwicklungen in der Gesellschaft aus US-amerikanischer Perspektive beschreibt. Er wurde mit vielen Schriftstellerpreisen u.a. 1996 mit dem Pulitzer-Preis f\u00fcr Feature Writing ausgezeichnet.<!--more--><\/p>\n<p>Ende 2014 erschien von Bragg die Biographie des legend\u00e4ren S\u00e4ngers und Pianisten Jerry Lee Lewis. Sie entstand mit Einverst\u00e4ndnis und in enger Zusammenarbeit mit dem Musiker. Lewis hat Bragg nah an sich herangelassen und in etlichen Interviewgespr\u00e4chen ausf\u00fchrlich seine Herkunft, Familiengeschichte, Entwicklung und musikalische Karriere dargelegt. Seine Aussagen werden immer wieder w\u00f6rtlich zitiert, sind passend ausgew\u00e4hlt, klug platziert und fallen &#8211; f\u00fcr Lewis\u2019 Verh\u00e4ltnisse &#8211; erstaunlich sachlich und uneitel aus. Selbstverst\u00e4ndlich liegen den Ausf\u00fchrungen auch die umfangreichen Vorarbeiten \u201eGreat Balls of Fire: The Uncensored Story of Jerry Lee Lewis\u201c (Myra Lewis, Murray Silver, 1981), \u201eHellfire\u201c (Nick Tosches, 1982), Rockin&#8216; My Life Away: Listening to Jerry Lee Lewis (Jimmy Guterman, 1991) zu Grunde, dazu kommen Aufs\u00e4tze von Peter Guralnick und Colin Escott. Es wurden auch umfangreiche Interviewgespr\u00e4che im famili\u00e4ren Umfeld von Lewis und bei musikalischen Weggenossen gef\u00fchrt und zus\u00e4tzlich Featurestories und Zeitungsartikel miteingebunden. An der Literaturliste kann man erkennen, dass Bragg seine Hausaufgaben auf jeden Fall gemacht hat, die Recherche muss ihn lange besch\u00e4ftigt haben.<\/p>\n<p>Die Niederschrift der Lebensgeschichte ist chronologisch und ohne zeitliche Spr\u00fcnge oder andere Finessen angelegt. Bragg schreibt eloquent, stilsicher und mit erkennbarer Sympathie f\u00fcr Lewis. Er l\u00e4sst ihn immer wieder zu Wort kommen und rechtfertigt damit den Untertitel \u201eHis Own Story\u201c in betr\u00e4chtlichem Umfang. Bragg agiert aber nicht als gef\u00e4lliger Ghostwriter, ist kein Sch\u00f6nredner, l\u00e4sst sich nicht vom charismatischen Musiker einwickeln. Immer wieder geht er sp\u00fcrbar auf kritische Distanz, ber\u00fchrt ungekl\u00e4rte, unangenehme, unvorteilhafte Begebenheiten und davon gibt es bei Lewis ja nun unbestritten etliche bekannte und noch mehr unbekannte Beispiele. Das interessante ist, dass Lewis seine typische, teils nachvollziehbare, oft aber auch ma\u00dflos \u00fcbersteigerte Selbsteinsch\u00e4tzung im vorangeschrittenen Alter sp\u00fcrbar besser im Griff hat. Er zweifelt an zur\u00fcckliegenden Handlungsweisen, bereut einige eigene Taten, sch\u00e4tz sie r\u00fcckblickend anders ein, als zur Zeit des Geschehens etc., ja, als Leser k\u00f6nnte man meinen Lewis w\u00e4re tats\u00e4chlich etwas altersweise geworden. Braggs Erz\u00e4hlstil, Wortwahl und seine kenntnisreiche und sensible Einbindung der vergangenen Vorkommnisse in das soziale und kulturelle Gef\u00fcge im noch stark unterentwickelten S\u00fcden der USA in den 1950er Jahren kommt Lewis da nat\u00fcrlich zu Gute. Bragg l\u00e4sst die Hauptfigur an keiner Stelle ins offene Messer rennen, liefert sie niemals ungesch\u00fctzt aus und wenn man Lewis Charakter ann\u00e4hernd einsch\u00e4tzen kann, l\u00e4sst sich nur vermuten, wie viel unendliche Geduld Bragg aufgebracht haben muss um Lewis als offenherzigen Erz\u00e4hler seiner eigenen Geschichte auf seiner Seite zu haben.<\/p>\n<p>Bragg hat mit dem Buch so etwas wie die Autobiographie von Lewis mitgestaltet und das Endergebnis d\u00fcrfte doch ziemlich in Lewis Sinne ausgefallen sein. Denn Angst oder Bef\u00fcrchtungen von eigenen Misstritten und Verfehlungen zu erz\u00e4hlen hat Lewis sicher nicht. Im Gegenteil S\u00fcnde und Vergebung sind wesentlicher Bestandteil seines alttestamtarischen \/christlich-fundamentalen Weltbilds. Bragg f\u00fcgt der Lebensgeschichte vielleicht nicht allzu viele neue Sachinformationen hinzu, aber er macht die Legende greifbarer, nachvollziehbarer, weniger abstrakt indem er den Wahnwitz und Irrsinn der Hauptfigur runterbricht und aufkl\u00e4rt. Und siehe da, die Musikkunst des Lewis braucht diesen Legendenbildung gar nicht. Auch ohne Rock and Roll-Mythos und Lifestyle, ja gerade ohne diese Zutaten, ist sein musikalisches Genie noch viel deutlicher zu erkennen. Da reichen auch einfach die ganz n\u00fcchternen Stammdaten seiner Familiengeschichte, sein Heimatdorf, die Armut, der religi\u00f6se Fundamentalismus, die Inbrunst, das gemeinsame Singen, der Glaube an eine bessere Welt in der Musik und das ewige Leben danach.<\/p>\n<p>Bragg hat mit seinem Buch einen unterhaltsamen, anspruchsvollen und erhellenden Beitrag dazu geleistet das musikalische Jahrhundertph\u00e4nomen Jerry Lee Lewis in m\u00f6glichst vielen seiner Facetten zu erfassen. All Killer, no Filler!<\/p>\n<p>Das gebundene Buch erscheint bei Harper, hat 512 Seiten und kostet ca. 20 Euro, Taschenbuchversion ca. 12 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rick Bragg ist amerikanischer Journalist und Schriftsteller. Bis 2003 arbeitete er f\u00fcr die New York Times. 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