{"id":4027,"date":"2016-08-21T16:04:39","date_gmt":"2016-08-21T14:04:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=4027"},"modified":"2016-08-21T16:04:39","modified_gmt":"2016-08-21T14:04:39","slug":"buch-die-elfte-plage-von-peter-laudenbach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2016\/08\/21\/buch-die-elfte-plage-von-peter-laudenbach\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eDie elfte Plage\u201c von Peter Laudenbach"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/DieElftePlage.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-4026\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/DieElftePlage-179x300.jpg\" alt=\"DieElftePlage\" width=\"179\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/DieElftePlage-179x300.jpg 179w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/DieElftePlage.jpg 298w\" sizes=\"(max-width: 179px) 100vw, 179px\" \/><\/a>Peter Laudenbach ist freier Journalist und Theaterkritiker u.a. f\u00fcr taz, Tagesspiegel, Tipp und S\u00fcddeutsche Zeitung. 2013 erschien bei Tiamat das B\u00fcchlein \u201eDie elfte Plage\u201c, eine kritische Bestandsaufnahme zum Thema Berlin-Tourismus.\u00a0In 16 Kapiteln und einem abschlie\u00dfenden Literaturverzeichnis beschreibt Laudenbach in dem handlichen und kompakten Taschenbuch die gegenw\u00e4rtige Situation des Hauptstadt-Tourismus. In Anspielung an die zehn biblischen Plagen des alten Testaments wird der Berlin-Besucher bereits im plakativen Titel als elfte Plage bezeichnet. Der Untertitel \u201eWie Berlin-Touristen die Stadt zum Erlebnispark machen\u201c pr\u00e4zisiert die Grundhaltung noch etwas.<!--more--><\/p>\n<p>Laudenbach geht das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln an. Standpunkt und Schreibweise triefen zwar vor bei\u00dfendem Sarkasmus, allerdings wird das mit ordentlich recherchierten Sachinformationen aus Interviews, Artikeln, Fachb\u00fcchern und Selbsterlebtem unterf\u00fcttert. Offensichtlich schreibt der Autor als Betroffener, denn er beschreibt immer wieder auch Situationen aus dem eigenen Leben und guerilla-artige Selbstversuche. Dabei ist die Grundaussage freilich immer schon vorgegeben. Beispielsweise wenn er die Aussagen von Burkhard Kieker, dem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Vermarktungsagentur \u201evisitBerlin\u201c, einem Close Reading unterzieht und dabei nicht nur hohle Phrasen entlarvt, sondern auf diese Weise auch die abschreckende Grundphilosophie der Gesellschaft offen legt: Professionelle Vermarktung ohne R\u00fccksicht auf die eigentlichen Bewohner der Stadt.<\/p>\n<p>Andererseits verbraucht sich diese einseitige Position bereits nach einigen Kapiteln und am Ende des Buches ist man auch wieder froh, dass es vorbei ist. Wie Laudenbach selbst an einer Stelle kurz bemerkt, darf man sich als Bayer oder Baden-W\u00fcrttemberger schon mal fragen, was da in Berlin eigentlich das Problem ist, wenn Jahr f\u00fcr Jahr irre Summen im Rahmen des L\u00e4nderfinanzausgleichs r\u00fcberflie\u00dfen und als Konsequenz davon selbstgerecht gemeckert wird, wenn sich Berlin zu einer internationalen Metropole wandelt und das dann eben mit allen bekannten Vor- und Nachteilen. Menschen, die es gewohnt sind mit regelm\u00e4\u00dfiger, teils auch durchaus zeitraubender und\/oder unangenehmer Arbeit das t\u00e4gliche Brot zu verdienen, werden wohl mit den Augen rollen, wenn sich die angeblich kreative Berliner Boheme ma\u00dflos dar\u00fcber aufregt, wenn Touristen nach dem Weg fragen, touristische Zentren entstehen und einstmals hippe Stadtteile gnadenlos gentrifiziert werden. Nun ja, ist halt mal so, und das nicht nur in Berlin, kann vielleicht anders gestalten werden, aber da sind Grafito-Parolen und andere verbale \u00dcbergriffe auf interessierte und zahlungskr\u00e4ftige Touristen und Investoren vermutlich eher nicht besonders zielf\u00fchrend, au\u00dfer vielleicht als Ventil f\u00fcr angestaute Wut, aber woher kommt die eigentlich wirklich?<\/p>\n<p>Anscheinend haben die Berliner viel zu lange als geographische Enklave und bundespolitische Besonderheit verbracht und sich an gew\u00e4hrte Privilegien ohne jegliche Gegenleistung gew\u00f6hnt. Sowohl die Alteneingesessenen, als auch die Neu-Berliner bewegen sich zum Teil anscheinend noch immer in der \u00fcberkommenen H\u00e4userbesetzermentalit\u00e4t und 1. Mai-Krawallstimmung der 70er und 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Dazu kommen dann noch etliche hausgemachte Probleme (Flughafen!), da k\u00f6nnte man als deutsche Fl\u00e4chenbev\u00f6lkerung durchaus das gemeine Hauptst\u00e4dtergro\u00dfmaul als biblische Plage empfinden. Vielleicht kann Laudenbach aus dieser Position mal einen Fortsetzungsband mit \u00e4hnlich agitatorischem Verve verfassen. Gerettet wird die parteiische Bestandsaufnahme immerhin durch den tadellosen und letztlich auch humorvollen Stil des Autors der durchwegs auf hohem Niveau unterh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Seinen eigenen Geburtsort gibt Laudenbach \u00fcbrigens an keiner Stelle preis (auch nicht im Netz). Ob das Zufall ist? Zwar wohnt und arbeitet er in Berlin, aber vielleicht kam auch er einst als Besucher in die Hauptstadt. W\u00e4re schon interessant gewesen.<\/p>\n<p>Das broschierte B\u00fcchlein erscheint bei Tiamat, hat 142 Seiten und kostet 13 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Laudenbach ist freier Journalist und Theaterkritiker u.a. f\u00fcr taz, Tagesspiegel, Tipp und S\u00fcddeutsche Zeitung. 2013 erschien bei Tiamat das B\u00fcchlein \u201eDie elfte Plage\u201c, eine kritische Bestandsaufnahme zum Thema Berlin-Tourismus.\u00a0In 16 Kapiteln und einem abschlie\u00dfenden Literaturverzeichnis beschreibt Laudenbach in dem &hellip; <a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2016\/08\/21\/buch-die-elfte-plage-von-peter-laudenbach\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5,11,10,15],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4027"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4027"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4027\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4027"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4027"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4027"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}