{"id":4326,"date":"2017-01-09T14:47:59","date_gmt":"2017-01-09T13:47:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=4326"},"modified":"2017-01-09T14:47:59","modified_gmt":"2017-01-09T13:47:59","slug":"buch-die-gitarrenverzerrung-in-der-rockmusik-von-jan-peter-herbst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2017\/01\/09\/buch-die-gitarrenverzerrung-in-der-rockmusik-von-jan-peter-herbst\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eDie Gitarrenverzerrung in der Rockmusik\u201c von Jan-Peter Herbst"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Gitarrenverzerrung.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-4325\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Gitarrenverzerrung-208x300.jpg\" alt=\"\" width=\"208\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Gitarrenverzerrung-208x300.jpg 208w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Gitarrenverzerrung.jpg 347w\" sizes=\"(max-width: 208px) 100vw, 208px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.janherbst.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Jan-Peter Herbst<\/a> studierte E-Gitarre in M\u00fcnchen und Los Angeles und Musikwissenschaft in Detmold und Paderborn. \u201eDie Gitarrenverzerrung in der Rockmusik\u201c wurde im Oktober 2016 ver\u00f6ffentlicht und basiert auf seiner Masterarbeit aus dem Jahr 2014.\u00a0Der Autor\u00a0hat sich mit seiner Schrift \u00fcber Gitarrenverzerrung ein in der Rockmusik wesentliches, aber aus musikwissenschaftlicher und -p\u00e4dagogischer Sicht kaum beachtetes Thema vorgenommen. Er beschreibt und analysiert umfangreich, aus verschiedenen methodischen Blickwinkeln und pr\u00e4sentiert seine Ergebnisse auf mehr als 400 Seiten.<!--more--><\/p>\n<p>Das Buch beginnt mit einem freundlichen Geleitwort der Herausgeber und einem kurzen Vorwort des Autors, es folgen neuen Kapitel und ein ausgedehnter Anhang. Das erste Kapitel startet mit einer \u00dcbersicht \u00fcber die bisher erschienene wissenschaftliche Literatur der letzten Jahrzehnte zum Thema. Im Anschluss werden in den Kapiteln \u201eE-Gitarrensound\u201c und \u201eRockgitarrensound\u201c die technischen und \u00e4sthetischen Grundlagen gekl\u00e4rt und die Methode der experimentellen Untersuchung reflektiert. Hier wie auch im weiteren Verlauf geht Herbst sehr gr\u00fcndlich und auff\u00e4llig kritisch mit der eigenen Herangehensweise um, benennt ungesch\u00f6nt Probleme und die jeweiligen daraus folgenden Konsequenzen. Auf diese Weise entwickelt er auf mitunter etwas langwierige Art und Weise sehr anschauliche und kluge Thesen, die durch die Vielzahl der Ann\u00e4herungen vorhandene Einsch\u00e4tzungen auf wissenschaftlichem Wege \u00fcberpr\u00fcft und pr\u00e4sentiert au\u00dferdem etliche eigene Erkenntnisse. Die sind dann f\u00fcr erfahrene Gitarristen zwar nicht immer v\u00f6llig neuartig, aber durch seinen Ansatz oft erstmals wissenschaftlich belegt.<\/p>\n<p>Die Schwierigkeit seines analytischen Ansatzes ist, dass er keinen direkten Zugriff auf gitarristische Einzelspuren klassischer Einspielungen hat. Wo setzt also eine Analyse von Gitarrensound und Verzerrung an? Bei Spielweise, Gitarrentypus, Poti-Einstellung, Kabel, Pedalen, Verst\u00e4rkertyp und -einstellung, Abnahme, Mikrofontyp und Platzierung? Bereits vor der eigentlichen Aufnahme gibt es eine Vielzahl von variablen Faktoren. Wird aufgenommen auf Band, ADAT oder Festplatte? Welche klangtechnischen Manipulationen folgen im Mix, woraus besteht das soundtechnische Umfeld des Tracks. Was passiert beim Mastern, auf welches Medium wird \u00fcbertragen und auf welcher Anlage verst\u00e4rkt und abgeh\u00f6rt. Alles zusammen erscheint wie ein unendlicher Ozean von klanglichen M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>Herbst behilft sich indem er ausgew\u00e4hlte, charakteristische E-Gitarrenpassagen der Rockmusikgeschichte als Faksimile einspielt und diese auf digitaler Ebene mit verschiedenen Methoden untersucht. Das ist zwar nicht authentisch, aber trotzdem glaubhaft, noch dazu widersteht Herbst der Versuchung die eigenen Einspielungen mit den Originalen (Was genau ist das Original?) gleichzusetzen. Interessant und praktisch verwertbar ist seine nachfolgende Bewertung der voraus gegangenen, experimentellen Studien und die daraus abgeleiteten Impulse f\u00fcr den Instrumentalunterricht. Eine wesentliche Erkenntnis ist, dass technisch anspruchsvolle \u00dcbungen clean gespielt werden sollten. Auf der anderen Seite beeinflusst der Sound aber die Spielweise derma\u00dfen, dass ebenso mit dem f\u00fcr den jeweilige Musikstil \u00fcblichen Sound ge\u00fcbt und gespielt werden sollte, nicht zuletzt um einen eigenen Sound (weiter) zu entwickeln.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend folgt die Auswertung einer Online-Befragung einer zuf\u00e4lligen Auswahl von E-Gitarristen, die zwar nicht als repr\u00e4sentativ gelten kann, aber trotzdem einige interessante und genre-typischen Einsch\u00e4tzungen widerspiegelt. Selbst ausgebildeter E-Gitarrist, geht der Autor hier besonders kritisch mit einem umfangreichen Katalog von Zielsetzungen und Hypothesen um. Das ist wissenschaftlich konsequent, aber etwas m\u00fchsam nachzulesen. Wesentlich erquicklicher ist das Fazit, das auf zehn Seiten den Abschluss des Hauptteils bildet und die vorangegangen Ausf\u00fchrungen pointiert zusammenfasst. Der Anhang umfasst Literatur-, Abbildungs-, und Tabellenverzeichnisse, die Dokumentation der experimentellen und der empirischen Studie.<\/p>\n<p>Fazit: Herbst hat hervorragende Arbeitet geleistet. Er n\u00e4hert sich dem etwas ungreifbarem Thema betont seri\u00f6s und wissenschaftlich, seine Methoden sind dabei zeitgem\u00e4\u00df und stets sehr transparent. Damit leistet er einen \u00fcberaus konkreten, anschlussf\u00e4higen und somit willkommenen Beitrag zur wissenschaftlichen Popmusikforschung. F\u00fcr Nicht-Wissenschaftler vermutlich eine anstrengende und nicht ganz so ergiebige Lekt\u00fcre.<\/p>\n<p>Anmerkung: Obwohl der Autor offensichtlich mit Pedal- und Verst\u00e4rkersimulationen auf digitaler Ebene vertraut ist, wurde anscheinend nicht der Versuch unternommen entsprechende kommerzielle Anbieter (z.B. Native Instruments, Berlin) zu kontaktieren und zum Thema zu befragen. Dort haben sich Techniker und Informatiker jahrelang umfassend mit der Simulation von Verst\u00e4rker- und Verzerrungscharakteristika besch\u00e4ftigt und in der Folge brauchbare und \u00fcberzeugende Produkte entwickelt. Eine Befragung h\u00e4tte vermutlich einige interessante, zus\u00e4tzliche Erkenntnisse liefern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Buch hat 418 Seiten, erscheint bei Lit und kostet sportliche 44,90 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jan-Peter Herbst studierte E-Gitarre in M\u00fcnchen und Los Angeles und Musikwissenschaft in Detmold und Paderborn. \u201eDie Gitarrenverzerrung in der Rockmusik\u201c wurde im Oktober 2016 ver\u00f6ffentlicht und basiert auf seiner Masterarbeit aus dem Jahr 2014.\u00a0Der Autor\u00a0hat sich mit seiner Schrift \u00fcber &hellip; <a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2017\/01\/09\/buch-die-gitarrenverzerrung-in-der-rockmusik-von-jan-peter-herbst\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5,11,19,15,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4326"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4326"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4326\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4326"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4326"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4326"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}