{"id":4331,"date":"2017-01-11T10:23:00","date_gmt":"2017-01-11T09:23:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=4331"},"modified":"2017-01-11T10:23:00","modified_gmt":"2017-01-11T09:23:00","slug":"was-meine-kinder-dereinst-ueber-mich-sagen-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2017\/01\/11\/was-meine-kinder-dereinst-ueber-mich-sagen-werden\/","title":{"rendered":"Was meine Kinder dereinst \u00fcber mich sagen werden"},"content":{"rendered":"<p>Hin und wieder frage ich mich was meine Kinder dereinst \u00fcber mich sagen werden. Heute war wieder so ein Tag: Mein Sohn f\u00fchlte sich morgens unwohl, blieb im Bett liegen, verzichtete auf\u2019s Fr\u00fchst\u00fcck. Er hatte zwar kein Fieber, aber er war ganz blass und man sah ihm an, dass wirklich irgendetwas gesundheitlich nicht in Ordnung war, also riefen wir in der Schule an und er verbrachte den Tag daheim. So wie ich, denn ich verbringe auch tags\u00fcber die Werktage zu hause und arbeite alleine vor mich hin. Hin und wieder fragen mich an solchen Tagen meine eigenen Kinder, was ich eigentlich genau mache. Ich wei\u00df dann selbst nicht was ich darauf antworten soll und sage meistens einfach: \u201eNa, arbeiten, was meinst du denn?\u201c und fahre fort meine To-Do-Liste abzuarbeiten.<!--more--><\/p>\n<p>Ja, was mache ich eigentlich? Wenn ich das so genau sagen k\u00f6nnte. Meistens checke ich morgens meine Mails, beantworte einige davon, ab 9.00 kommen hintereinander einige Gitarrensch\u00fcler oder Songwriter zum Unterricht, danach schreibe ich einen Text f\u00fcr den Blog, beantworte wieder Emails oder telefoniere bis zum Mittagessen. Das Essen nehme ich, wenn noch Reste vom Vortag da sind, zu Hause ein, manchmal gehe ich auch irgendwohin zum schnellen Mittagstisch. Wenn das getan ist, folgt etwas Lekt\u00fcre in der SZ und\/oder einem Buch, dazu lasse ich evtl. eine Musik-CD laufen, die ich am Folgetag rezensieren will. Danach wieder kurz Mails checken, Text vom Vormittag korrekturlesen, was f\u00fcr ein aktuelles Projekt aufnehmen oder eigene Aufnahmen oder Mixe durchh\u00f6ren und kommentieren. Am sp\u00e4ten Nachmittag kommen dann vielleicht wieder Sch\u00fcler, die Gitarre, E-Gitarre oder Ukulele bei mir erlernen wollen, das geht dann so bis zum fr\u00fchen Abend. Dann kommen die Kinder und die Frau.<\/p>\n<p>Ich komme dabei auf eine t\u00e4gliche Arbeitszeit von ca. 6-8h, manchmal mache ich abends und am Wochenende noch was, Konzerte und entsprechende An- und Abfahrten nicht mitgez\u00e4hlt. Eigentlich nichts wof\u00fcr man sich sch\u00e4men m\u00fcsste, trotzdem habe ich oft eine komisches Gef\u00fchl dabei. Es f\u00e4llt mir auch schwer meinen eigenen Eltern von meiner Arbeitsroutine zu erz\u00e4hlen, vermutlich, weil sie glauben w\u00fcrden, ich sitze den ganzen Tag nur rum und mache, was mir Spa\u00df macht (was \u00fcberwiegend stimmt) und wenn es Spa\u00df macht, ist es ja keine Arbeit und wenn\u2019s keine Arbeit ist, wie soll man damit Geld verdienen?<\/p>\n<p>Muss demn\u00e4chst mal meine Kinder fragen, was sie denken, was ich den ganzen Tag mache. Oder lieber nicht. Die denken wahrscheinlich auch, ich sitze den ganzen Tag rum und mache, was mir Spa\u00df macht. Letztens drohte eine Lehrerin meiner Tochter, dass, wenn irgendetwas (vollkommen Harmloses) noch einmal passiert, sie sich bei mir melden und beschweren w\u00fcrde. Ich dachte mir noch \u201eBitte nicht!\u201c und sagte meiner Tochter, sie solle sich keine Sorgen machen, ich w\u00fcrde ihr total vertrauen (tue ich wirklich) und so eine Drohung k\u00f6nnte ihr egal sein, denn ich w\u00fcrde schon l\u00e4ngst nicht mehr an das System Schule und seine Vertreter glauben. Meine Tochter machte gro\u00dfe Augen und ich war auch etwas \u00fcberrascht \u00fcber das, was ich da gerade gesagt hatte. Meine Tochter vergewisserte sich, ob sie das so auch der Lehrerein sagen d\u00fcrfte. Ich \u00fcberlegte kurz und dachte mir, vielleicht heilsam f\u00fcr die Lehrerin, wenn sie erf\u00e4hrt, dass nicht alle Eltern die Schule so bitterernst nehmen und sagte zu meiner Tochter, ja kannst du ihr so sagen. Ich denke, man sollte das alles mal etwas lockerer sehen, vor allem die Lehrer. Die nehmen sich, die Lehrpl\u00e4ne, die Schulaufgaben und die Zensurenvergabe viel zu ernst. Die sollen sich mal entspannen und in der Schule vielleicht \u00f6fter mal was machen, das in erster Linie Spa\u00df macht. Da ist man oftmals gut mit beraten, das ist zumindest meine Erfahrung.<\/p>\n<p>Der neue Lieblingssatz meiner Tochter ist inzwischen \u00fcbrigens: \u201eEs ist nutzlos, aber nicht sinnlos\u201c. Das habe ich von Reinhold Messner geh\u00f6rt und den Satz einige Male ihr gegen\u00fcber eingesetzt. Sie hat den Unterschied zwischen N\u00fctzlichkeit und Sinnhaftigkeit jetzt verstanden und teilt gerade viele Dinge in diese zwei Kategorien ein. Und sie erkennt, wenn sich diese Eigenschaften \u00fcberschneiden (was ideal ist). Vermutlich erkennt sie auch, dass meine T\u00e4tigkeit nicht immer n\u00fctzlich, aber so gut wie immer sinnvoll, weil erf\u00fcllend ist. Ich freue mich, dass sie das verstanden hat.<\/p>\n<p>Aber nochmal zur\u00fcck zu mir und der Einsch\u00e4tzung meiner Kinder, was meine t\u00e4gliches Schaffen angeht. Ich habe den Eindruck, dass auch sie Texte schreiben, B\u00fccher lesen, Musikh\u00f6ren, Lieder singen, Songtexte dichten, Musikmachen und Konzerte geben nicht in erster Linie als Arbeit verstehen. Mach ich ja alles auch gerne, das merken sie mir anscheinend an. Vielleicht sollte ich hin und wieder total ger\u00e4dert und geschafft vom Unterricht kommen oder schlecht gelaunt von Konzerten zur\u00fcckkehren. W\u00fcrde mir aber schwer fallen, so etwas vorzuspielen, das w\u00e4re dann wirklich Arbeit und die Sorte Arbeit spare ich mir lieber.<\/p>\n<p>Also was werden sie wohl ihren eigenen Kindern erz\u00e4hlen, was deren Opa gemacht hat:<br \/>\n\u201eEuer Opa hat den halben Tag B\u00fccher und Zeitungen gelesen, Texte und Songs geschrieben, Gitarre und Klavier gespielt und dazu gesungen, hin und wieder wurde diese Routine durch Unterrichtstunden unterbrochen, wenn interessierte Menschen etwas von ihm lernen oder erkl\u00e4rt bekommen wollten. Am Wochenende hat er hin und wieder mit seinen Musikerfreunden f\u00fcr andere Menschen an anderen Orten Lieder gesungen und Musik gespielt, hin und wieder wurde mitgesungen, oft auch getanzt. Da hat er dann Getr\u00e4nke und gutes Essen bekommen und kam in bester Laune und einem ordentlichen Trinkgeld in der Tasche sp\u00e4tnachts nach hause. Ansonsten hat er alle paar Jahre Reisen in fremde L\u00e4nder unternommen, Geschichten dar\u00fcber geschrieben, Fotos gemacht und gerne in der K\u00fcche gestanden, dabei Radio geh\u00f6rt und gekocht. Ich kann bis heute nicht sagen, welchem Beruf er eigentlich nachgegangen ist.\u201c (Fiktives Zitat eines meiner Kinder)<\/p>\n<p>Damit k\u00f6nnte ich gut leben, auch wenn ich tot bin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hin und wieder frage ich mich was meine Kinder dereinst \u00fcber mich sagen werden. 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