{"id":4338,"date":"2017-01-15T11:12:14","date_gmt":"2017-01-15T10:12:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=4338"},"modified":"2017-01-15T11:12:14","modified_gmt":"2017-01-15T10:12:14","slug":"buch-ich-hasse-dieses-internet-von-jarett-kobek","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2017\/01\/15\/buch-ich-hasse-dieses-internet-von-jarett-kobek\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eIch hasse dieses Internet\u201c von Jarett Kobek"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IchHasseInternet.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-4337\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IchHasseInternet-184x300.jpg\" alt=\"\" width=\"184\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IchHasseInternet-184x300.jpg 184w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IchHasseInternet-627x1024.jpg 627w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IchHasseInternet-768x1254.jpg 768w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IchHasseInternet-941x1536.jpg 941w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IchHasseInternet-1254x2048.jpg 1254w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IchHasseInternet-1200x1959.jpg 1200w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IchHasseInternet.jpg 1400w\" sizes=\"(max-width: 184px) 100vw, 184px\" \/><\/a>Jarett Kobek ist t\u00fcrkisch-st\u00e4mmiger US-Amerikaner und lebt im Bundesstaat Kalifornien. Nach der hoch gelobten Novelle \u201eATTA\u201c ver\u00f6ffentlicht er im Fr\u00fchjahr 2016 seinen ersten, mit Spannung erwarteten Roman \u201eI hate the Internet\u201c. Unter dem Titel \u201eIch hasse dieses Internet\u201c erschien er im Herbst 2016 bei S. Fischer in deutscher \u00dcbersetzung (einwandfrei: Eva Kemper).\u00a0Kobek beschreibt in seinem polemischen, \u00fcber weite Passagen bitter-sarkastischen Roman die problematischen Folgen der digitalen Medien. <!--more-->Es geht, anders als der provokative Titel vermuten l\u00e4sst, nicht so sehr um das Internet per se, sondern um Kommunikation in sozialen Netzwerken, kommerzielle Nutzung und gesellschaftspolitische, soziale und kulturelle Ver\u00e4nderungen. Im Mittelpunkt steht dabei die fiktive Comiczeichnerin und Twitter-Celebrity Adeline und ihr illustrer Freundes- und Bekanntenkreis, der sich \u2013 typischerweise \u2013 aus mehr oder weniger erfolgreichen K\u00fcnstlern, Autoren, Immigranten, Schwarzen, Schwulen, Transgenders etc zusammensetzt. Neben der Figur J. Karacehennem als Alter Ego des Autors werden immer wieder auch absolut reale Figuren der US-amerikanischen \u00d6ffentlichkeit erw\u00e4hnt und deren Lebenswandel und Philosophie kritisch dargelegt. Angefangen von z.B. Thomas Jefferson und Abraham Lincoln, \u00fcber Stars und Sternchen aus Hollywood, Autoren, Pop-Musiker, bis zu Politikern, Wirtschaftsbossen und anderen Machthabern.\u00a0Kobek bezeichnet sein eigenes Buch bereits auf den ersten Seiten als \u201eschlechten Roman\u201c. Der Schreibstil ist n\u00fcchtern beschreibend, unpoetisch und absichtlich repetitiv. Der Handlungsverlauf m\u00e4andert anekdotisch dahin, man verliert bei den vielen Figuren fast den \u00dcberblick. Alles kulminiert in einer pers\u00f6nlichen Abschieds- bzw. Wutrede der Nebenfigur Karacehennem bei Twin Peaks fast ohne Zuh\u00f6rer. Storyverlauf und Aussagen sind desillusionierend, traurig, besch\u00e4mend, w\u00fcrdelos, erniedrigend, gnadenlos, unverzeihlich und brutal. Insgesamt schwer auszuhalten und vielleicht gerade deswegen bezeichnend f\u00fcr die Zeit, in der wir leben. F\u00fcr au\u00dferamerikanische Leser ist es interessant das Leben der turbokapitalistisch und postfaktisch gepr\u00e4gten US-Amerikaner und deren Lebensumst\u00e4nde zu verfolgen. Immer wieder ertappt man sich dabei, Aussagen f\u00fcr vollkommen \u00fcbertrieben zu halten, nur um im n\u00e4chsten Augenblick beim Abgleich mit der Wirklichkeit (z.B. Guantanamo, Snowden-Enth\u00fcllungen, Syrienkrieg, Trumpwahl) eines Besseren belehrt zu werden.<\/p>\n<p>Kobek gelingt mit seinem Roman ein bitter-sarkastisches Portrait \u00fcber den Niedergang der US-amerikanischen Zivilgesellschaft in Folge der unkontrollierten Machtergreifung digitaler Netzwerke und sozialer Medien, die l\u00e4ngst weite Bereiche der gesellschaftlichen Entwicklung begleiten, wenn nicht ma\u00dfgeblich bestimmen. F\u00fcr zartbesaitete Leser eventuell nicht immer leicht zu verdauen, aber nat\u00fcrlich ist essentiell, dass gegenw\u00e4rtige Literatur sich aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen und Problemen stellt und sie behandelt, statt sie &#8211; wie so oft &#8211; sch\u00f6n-f\u00e4rberisch zu ignorieren.<\/p>\n<p>Fazit: Ein unangenehmer und zeitgem\u00e4\u00dfer Roman \u00fcber aktuelle Befindlichkeiten. Ob er \u201en\u00fctzlich\u201c ist, wie im Untertitel angek\u00fcndigt, sei mal dahingestellt. Auf jeden Fall ist er demaskierend und aufkl\u00e4rend, deswegen absolut lesenswert. Den Autor sollte man im Auge behalten.<\/p>\n<p>Das Buch erscheint bei Fischer, hat 364 Seiten und kostet glatte 20,00\u20ac.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jarett Kobek ist t\u00fcrkisch-st\u00e4mmiger US-Amerikaner und lebt im Bundesstaat Kalifornien. Nach der hoch gelobten Novelle \u201eATTA\u201c ver\u00f6ffentlicht er im Fr\u00fchjahr 2016 seinen ersten, mit Spannung erwarteten Roman \u201eI hate the Internet\u201c. 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