{"id":4341,"date":"2017-01-16T08:11:01","date_gmt":"2017-01-16T07:11:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=4341"},"modified":"2017-01-16T08:11:01","modified_gmt":"2017-01-16T07:11:01","slug":"frueher-heute-musikalische-umrahmung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2017\/01\/16\/frueher-heute-musikalische-umrahmung\/","title":{"rendered":"Fr\u00fcher\/ Heute: Musikalische Umrahmung"},"content":{"rendered":"<p>Fr\u00fcher lief das so: Die Leute hatten dich auf einem Stadtfest oder einer privaten Feierlichkeit geh\u00f6rt und gesehen, eine CD gekauft, eine Karte mitgenommen oder sich einfach nur den Namen gemerkt. Monate oder Jahre sp\u00e4ter kam dann ein Anruf \u00fcber Festnetz und sie erz\u00e4hlten wie positiv sie das noch Erinnerung h\u00e4tten und dass sie auch bald heiraten oder etwas zu feiern h\u00e4tten. Man erz\u00e4hlte wie das so laufen k\u00f6nnte, meisten mit den zuk\u00fcnftigen Br\u00e4uten, die Herren waren an den organisatorischen Feinheiten eher selten interessiert.\u00a0Man tauschte Telefonnummern und Adressen aus, sendete die aufw\u00e4ndig produzierte CD mit Info oder K\u00e4rtchen und einem pers\u00f6nlichen Gru\u00df per Post zu. Ein paar Wochen danach wurde wieder telefoniert und der Termin fix gemacht. Einige Wochen sp\u00e4ter noch einmal um Anfang und Endzeiten festzulegen, Musikw\u00fcnsche abzukl\u00e4ren und Feinheiten zu besprechen. <!--more-->Zum eigentlichen Termin kannte man sich dann schon etwas, hatte ein Verh\u00e4ltnis zueinander, war \u00fcber einige Besonderheiten der engeren Verwandtschaft und Freunden informiert. Beim Fest wurde erst etwas gegessen und getrunken, dann viel getanzt und zwischendurch ein paar lustige Spielchen gemacht. Am sp\u00e4ten Abend kamen beschwippste und enthemmte G\u00e4ste auf uns zu und erz\u00e4hlten seltsame Geschichten oder verlangten ungew\u00f6hnliche Dinge von uns. Es wurde viel und laut gelacht, gesungen, gegr\u00f6llt und geschrien. Es war feucht-fr\u00f6hlich und deftig. Wir bekamen gutes Essen und Getr\u00e4nke, Bier, Wein, Schnaps, whatever. Am Ende eines solchen Abends waren wir erledigt und durchgeschwitzt, m\u00fcde, gl\u00fccklich, zerzaust und konnten kaum noch sprechen, weil wir so lange und laut gesungen hatten. Wir fuhren nach hause, erz\u00e4hlten uns w\u00e4hrend der Fahrt noch lustigste Beobachtungen oder ahmten skurrile Gespr\u00e4che nach. Am n\u00e4chsten Tag schliefen wir bis um 12.00 und befanden uns dann in der sprichw\u00f6rtlichen Muggerstarre. Erst am Montag waren wir wieder ernsthaft ansprechbar.<\/p>\n<p>Heute l\u00e4uft das so: Man bekommt eine kurze, freundliche Mail mit einer Terminanfrage und Gagenvorstellung. Die beantwortet man schriftlich. Man muss nichts erkl\u00e4ren, Telefonat ist nicht erforderlich. Eine CD braucht man nicht zuzuschicken, viele Interessenten besitzen gar keine Abspielm\u00f6glichkeit mehr. Daf\u00fcr haben sie die Musikvideos im Netz gefunden und angesehen. Dann wartet man ein paar Tage oder Wochen und bekommt entweder nie wieder eine Antwort oder ohne weitere Nachfrage eine offizielle Zusage. Manchmal wollen sie noch einen Vertrag, macht man fertig, druckt man aus und wird zugeschickt, oft reicht auch nur die Mailkorrespondenz. Monate sp\u00e4ter, kurz vor dem angesetzten Termin, mailt man noch mal, ob alles klar ist, ob sich noch was ver\u00e4ndert hat. Normalerweise nicht, alles l\u00e4uft genau nach dem Plan, der Monate vorab erstellt wurde. Hin und wieder bekommen wir Exceltabellen mit minutengenauen Abl\u00e4ufen und inhaltlichen Angaben. Zum Termin erscheinen wir p\u00fcnktlich, werden kurz begr\u00fc\u00dft, bauen leise auf und es geht wie vereinbart los. Nat\u00fcrlich zur\u00fcckhaltend und instrumental, die G\u00e4ste sollen sich beim Essen nicht gest\u00f6rt f\u00fchlen und sind froh, wenn wir oft und lange Pausen machen. Das Essen zieht sich \u00fcber 4-7 G\u00e4nge und dauert 3h oder l\u00e4nger. Wenn nach 23.00 das Dessert abger\u00e4umt wird, wird der Er\u00f6ffnungstanz pr\u00e4sentiert, der evtl. \u00fcber Wochen mit einem Choreographen einstudiert wurde. Daf\u00fcr z\u00fccken die G\u00e4ste Kameras, Smartphones und Tablets um es f\u00fcr die Nachwelt festzuhalten. Wenn das rum ist, wird oft nicht getanzt, wie man es erwarten k\u00f6nnte, sondern die G\u00e4ste inkl. Brautpaar setzen sich wieder auf ihre Pl\u00e4tze, schauen auf ihre Smartphones, bestellen vielleicht einen Kaffee. Manchmal kommt dann in der n\u00e4chsten Pause jemand auf uns zu und fragt, ob wir mal \u201ewas fetziges, tanzbares\u201c spielen k\u00f6nnten, obwohl wir gerade eine halbe Stunde lang fetzige, tanzbare Musik gespielt haben. Wenn wir freundlich bejahen und genau das machen, tanzt sp\u00e4ter trotzdem keiner. Um 24.00 Uhr kommt der Mitternachtsimbiss, die ersten G\u00e4ste sind l\u00e4ngst gegangen, ein paar \u00e4ltere Paare haben doch noch etwas getanzt, die Leute sind n\u00fcchtern und freundlich, die Atmosph\u00e4re ist ged\u00e4mpft, das Servicepersonal entspannt sich, schaut aber regelm\u00e4\u00dfig auf ihre Smartphones nach der Uhrzeit. In der n\u00e4chsten Pause werden sie uns fragen, wie lange wir gebucht sind. Wir spielen die letzte Nummer und moderieren ab, die letzten G\u00e4ste wirken erleichtert, holen ihre M\u00e4ntel, l\u00e4cheln uns beim rausgehen zu. Wir packen zusammen, die Auftraggeber bedanken sich herzlich und betonen, dass der Abend genauso gelaufen ist, wie sie es sich vorgestellt und geplant hatten. Ich denke mir, \u201eWirklich?\u201c und sage: \u201eDas freut mich zu h\u00f6ren!\u201c Es ist sp\u00e4t, aber wir sind nicht m\u00fcde, eher ersch\u00f6pft. Das kommt davon, dass wir den ganzen Abend angespannt und aufmerksam auf einem Platz gestanden und zur\u00fcckhaltend vor uns hingespielt haben. Da wird man die Energie nicht los, es staut sich immer mehr an. Wir fahren nach hause. Wir haben nicht geschwitzt, wir sind stockn\u00fcchtern, unsere Stimmen sind intakt, aber wir schweigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fr\u00fcher lief das so: Die Leute hatten dich auf einem Stadtfest oder einer privaten Feierlichkeit geh\u00f6rt und gesehen, eine CD gekauft, eine Karte mitgenommen oder sich einfach nur den Namen gemerkt. 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