{"id":4391,"date":"2017-02-09T12:46:48","date_gmt":"2017-02-09T11:46:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=4391"},"modified":"2017-02-09T12:46:48","modified_gmt":"2017-02-09T11:46:48","slug":"musikproduktionstechnische-orientierungsphase","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2017\/02\/09\/musikproduktionstechnische-orientierungsphase\/","title":{"rendered":"Musikproduktionstechnische Orientierungsphase"},"content":{"rendered":"<p>Seit einigen Wochen befinde ich mich in einer musikproduktionstechnischen Orientierungsphase. In den letzten Jahren war ich als Produzent, Arrangeur und Instrumentalist so aktiv wie nie, habe meinen Output erh\u00f6ht und in den Albumproduktionen f\u00fcr mich musikstilistisches Neuland betreten. Beispiele daf\u00fcr w\u00e4ren etwa \u201eNDW\u201c (2015), \u201eMusic from \u201aStar Wars\u2019 for Small Ensemble\u201c (2015), \u201eSo klingt W\u00fcrzburg 2016!\u201c (2016) und zuletzt \u201eUrban Chic &amp; Country Cool\u201c (2017). Ich habe nicht nur wie \u00fcblich gesungen und Gitarre gespielt, sondern zum Teil sehr aufw\u00e4ndig neuarrangiert, mir unvertraute Instrumente gespielt, nahezu alles selbst auf eigenem Equipment aufgenommen und das meiste auch nachbearbeitet. Nebenbei habe ich auch angefangen zu \u201eschrauben\u201c, will hei\u00dfen: Ausgehend von Loops, Beats und Samples aus der DAW-internen Library habe ich Tracks zusammengebastelt, zum Teil kamen noch h\u00e4ndisch eingespielte Instrumente dazu (Querfl\u00f6te, Toms, Becken). Beispiele daf\u00fcr w\u00e4ren <a href=\"https:\/\/soundcloud.com\/sandra-buchner\/night-in-white-satinmaster\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eNights in white Satin\u201c<\/a> von Sandra Buchner oder <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=pXg9n2lAzcw\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eSelf Control\u201c<\/a> von Doro T (von ihr werden bald zwei weitere Tracks folgen).<!--more--><\/p>\n<p>Ich konnte durch diese Arbeiten viele wertvolle Erfahrungen machen, habe neue St\u00e4rken, aber auch Schw\u00e4chen an meiner Denk- und Arbeitsweise erkennen k\u00f6nnen. Ich habe festgestellt, dass Arbeitsauftr\u00e4ge, festgelegte Abl\u00e4ufe und klare Zielsetzungen eine befreiende Wirkung auf mich haben. Ich arbeite gerne mit kreativen Partnern auf Augenh\u00f6he zusammen, bin nach wie vor neugierig und entdeckungslustig, kann einen Prozess gut konzipieren und bringe die Projekte zu einem befriedigenden Ende. Andererseits bin ich aber auch ungeduldig, fordernd, langweilige Arbeitsroutinen ziehen mir den Stecker. Bin bei manchen Entscheidungen unsicher, tausche mich (zeit-)intensiv mit anderen aus versenkte mich unangemessen tief in die Thematik, neige zu grunds\u00e4tzlichen Auseinandersetzungen, finde zwar eine L\u00f6sung, aber oft zu einem hohen pers\u00f6nlichen Preis.<\/p>\n<p>Ende letzten Jahres habe ich gesp\u00fcrt, dass ich an eine produktionstechnische Grenze gesto\u00dfen bin. Ich habe mir und anderen bewiesen, was produktionstechnisch m\u00f6glich und machbar ist und zwar auch mit bescheidenen Mitteln. Nun m\u00f6chte ich einen Schritt weitergehen, also nicht immer betonen m\u00fcssen, unter welchen besonderen technischen Bedingungen die Produktionen entstanden sind. Man braucht daf\u00fcr inspirierende musikalische Ideen, ein funktionierendes Team, die entsprechenden technische M\u00f6glichkeiten, Zeit und Muse.<\/p>\n<p>Bez\u00fcglich meines Equipments erkenne ich allerdings einen Reformstau. Das h\u00e4ngt damit zusammen, dass ich mit meinem alten iMac, dem einfachen Interface von Presonus (Firestudio) und der DAW (Logic) gut zurecht komme. Habe allerdings inzwischen Neumann Mikros und gute Vorverst\u00e4rker nachger\u00fcstet. Wenn man nicht jedes Software Update mitmacht, kommt man unweigerlich an den Punkt, wo ein gr\u00f6\u00dferes Update so viele Konsequenzen im Soft- und Hardwarebereich nach sich zieht, dass es einfacher ist weiter auf dem laufenden System zu bleiben im vollen Bewusstsein, dass einem evtl. wertvolle neue Features einfach nicht zur Verf\u00fcgung stehen. Mein iMac ist heuer 10 Jahre alt, also digitaltechnisch eine Art Methusalem und hat die ganze Zeit treu seinen Dienst verrichtet. So langsam laufen einige Sachen aber nicht mehr, ein Upgrade ist evtl. noch machbar, w\u00fcrde aber vermutlich mehr Probleme schaffen als beseitigen. Wenn ich demn\u00e4chst ein aktuelles Modell anschaffe, muss ich in der Folge auch DAW und Notationsprogramm updaten, Interface und Festplatten sowieso. Ich habe dies zum Anlass genommen mal grunds\u00e4tzlich \u00fcber meine Arbeitsweise nachzudenken.<\/p>\n<p>Es ist n\u00e4mlich nicht nur die Hardware. Auch musikstilistisch stelle ich fest, dass sich meine Pr\u00e4ferenzen deutlich ver\u00e4ndert haben. Fr\u00fcher versuchte ich die Musik, die ich mochte,\u00a0selbst zu spielen. Ich h\u00f6rte Songwriter der 1970er wie Jim Croce, Don McLean und Jackson Browne und wollte klingen wie sie. Ich spielte ihre Songs nach, schrieb eigene Songs in ihrem Stil und eiferte ihrem Sound bei Aufnahmen im Studio nach. Das hatte im R\u00fcckblick schon fast epigonenhafte Z\u00fcge. Es gab dabei\u00a0keinen musikstilistischen Zusammenhang zwischen dem Musikgenre, das ich pflegte und der popmusikalischen Realit\u00e4t, die mich umgab (1990er: Grunge, Techno, Gangster-Rap, Neo-Punk, Electro etc.). Hin und wieder gab es Versuche aus diesem Muster auszubrechen: \u201ePictures in my mind\u201c (2004), \u201eSigns I-III\u201c (2005), \u201eImprovised Ambient Music for Dancers\u201c (2007), \u201eInD\u201c (2009), aber einen deutlichen Bezug zu zeitgen\u00f6ssischer, angesagter Popmusik hatten auch diese Produktionen nicht, es waren klangtechnische Experimente um den eigenen musikalischen Horizont zu erweitern.<\/p>\n<p>Inzwischen hat sich aber etwas ver\u00e4ndert: Ich h\u00f6re fast komplett andere Musik als ich produziere. In den letzten Jahren sind das h\u00f6chst intensive und exklusive Phasen von klassischem Jazz (Lee Morgan, Kenny Burrell, Thad Jones, Chet Baker), zeitgen\u00f6ssischer Pop (Bruno Mars, Adele, Katy Perry, Britney Spears, Justin Biber) und eine eklektische Mischung aus Trip-Hop, Electro, Ambient, Dub etc. (Halsey, James Blake, Chet Faker, Portishead, Massive Attack). Gerade die letzten beiden Genres interessieren mich auch produktionstechnisch, obwohl mir klar ist, dass ich das gar nicht machen kann und will. Ich bin aber nachhaltig begeistert von der massiven Dichte von ungew\u00f6hnlichen Klangerlebnissen, denen man da als H\u00f6rer ausgesetzt ist.<\/p>\n<p>Auch wenn ich da nicht hin will, w\u00fcrde ich doch gerne Elemente davon auch selbst bei zuk\u00fcnftigen Produktionen einbauen, wenn es denn passt. Dazu muss ich aber ansatzweise verstehen, was eigentlich gespielt und gemacht wird und das ist f\u00fcr mich als klassisch ausgebildeten Musiker und selbstgelernter Produzenten gar nicht so einfach zu sagen. F\u00e4ngt ja schon damit an, dass es einen allgemeinen Standard l\u00e4ngst nicht mehr gibt, falls es ihn denn jemals gegeben haben sollte. Heute arbeiten die Produzenten auf verschiedenen DAWs, verwenden unterschiedliche vorgefertigte Klangquellen, erstellen eigene Samplelibraries, haben ein Heer von Plug-In-Effekten, die Kombination von digital und analog ist l\u00e4ngst g\u00e4ngige Praxis, es wird studio- und l\u00e4nder\u00fcbergreifend produziert, teilweise ist jeder Track eines Albums mit unterschiedlichen Beteiligten an verschiedenen Orten von verschiedenen Produzenten erstellt worden. So etwas kann man als Einzelperson in seinem Projektstudio einfach nicht leisten.<\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz ist nat\u00fcrlich auch viel im kleinen Rahmen m\u00f6glich. Gute Ideen k\u00f6nnen immer noch eine enorme Kraft entfalten. Und weil Anregung von au\u00dfen bei so was sehr n\u00fctzlich sein kann, habe ich dar\u00fcber mit anderen Homerecordern, Schraubern, Mixern, Produzenten und sogar Musikern (!) unterhalten. Wir haben uns gegenseitig unsere aktuellen Tracks vorgespielt und ehrlich kommentiert und das war sehr lehrreich f\u00fcr mich. Habe mir in der Folge gleich neue Mikros (Neumann 184er) gekauft und bin gedanklich immer wiederholt meine komplette Signalkette vom Mikro \u00fcber Wandlung, Rechner, Abh\u00f6re bis zum Transfer an den Mixer, Editing, Mixing und Mastering durchgegangen um m\u00f6gliche Schw\u00e4chen zu finden. Dabei stelle ich fest, dass ich auf Basis meines K\u00f6nnens und meiner Erfahrungen noch mehr probieren und wagen sollte und ein h\u00f6heres k\u00fcnstlerisches Risiko eingehen will. Das dr\u00e4ngt sich vor allem bei der Produktion meiner eigenen Songs auf und da steht das n\u00e4chste Album ja mehr oder weniger unmittelbar bevor (2018?). Bis zum Sommer stehen also eine paar technische Ver\u00e4nderungen an: Ger\u00e4tschaften ausw\u00e4hlen (einlesen, ausprobieren, anschaffen), dann einarbeiten, neue Demos machen und im Herbst kann\u2019s dann hoffentlich mit neuen M\u00f6glichkeiten und Ideen losgehen, die Songs sind bereits geschrieben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit einigen Wochen befinde ich mich in einer musikproduktionstechnischen Orientierungsphase. In den letzten Jahren war ich als Produzent, Arrangeur und Instrumentalist so aktiv wie nie, habe meinen Output erh\u00f6ht und in den Albumproduktionen f\u00fcr mich musikstilistisches Neuland betreten. Beispiele daf\u00fcr &hellip; <a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2017\/02\/09\/musikproduktionstechnische-orientierungsphase\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5,8,22,16],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4391"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4391"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4391\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4391"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4391"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4391"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}