{"id":4448,"date":"2017-03-03T14:07:26","date_gmt":"2017-03-03T13:07:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=4448"},"modified":"2017-03-03T14:07:26","modified_gmt":"2017-03-03T13:07:26","slug":"buch-unfaithful-music-von-elvis-costello","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2017\/03\/03\/buch-unfaithful-music-von-elvis-costello\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eUnfaithful Music\u201c von Elvis Costello"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/UnfaithfulMusicCover.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-4447\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/UnfaithfulMusicCover-188x300.jpg\" alt=\"\" width=\"188\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/UnfaithfulMusicCover-188x300.jpg 188w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/UnfaithfulMusicCover.jpg 314w\" sizes=\"(max-width: 188px) 100vw, 188px\" \/><\/a>Declan MacManus, besser bekannt als Elvis Costello, ist S\u00e4nger, Songschreiber und Musikproduzent. Er wuchs auf in London und Liverpool, k\u00e4mpfte sich durch die Londoner Klubszene und verbuchte ab Ende der 1970er Jahre erste musikalische Erfolge. Er folgten Tourneen, Songs, viele Alben, in der sp\u00e4teren Karriere interessante Kollaborationen und Filmmusiken, in letzter Zeit auch etliche Preise und Auszeichnungen. 2015 hat Costello seine umfangreiche Autobiographie vorgelegt, nur einen Monat sp\u00e4ter erschien die deutsche \u00dcbersetzung im Berlin Verlag. Mittlerweile gibt es auch ein englischsprachigen H\u00f6rbuch, eingesprochen vom Autor selbst.<!--more--><\/p>\n<p>Um es gleich vorweg zunehmen: Dieses Buch ist eine ungeheure, fast unleserliche Schwarte. Costello muss sehr lange an den knapp 800 Seiten gearbeitet haben und hat wirklich alles in Worten fassbare, teilweise sogar noch mehr niedergeschrieben. Es ist unglaublich wie viele nebens\u00e4chliche Details der Autor erinnert und seinen Lesern ungek\u00fcrzt pr\u00e4sentiert. Entweder hat er ein ph\u00e4nomenales Ged\u00e4chtnis oder er hat von fr\u00fchester Kindheit Tagebuch gef\u00fchrt und jeden Zettel, jedes Programmheft, jedes Ticket, jede Songskizze archiviert. Es werden nebens\u00e4chlichste Begegnungen und Ereignisse detailliert beschrieben, beteiligte Personen in direkter Rede zitiert, Costello wei\u00df sogar noch genau, was er vor 30 oder 40 Jahren empfunden und gedacht hat, wo er wann mit dem gewesen ist und ebenso was er dort gegessen und getrunken, vermutlich auch wie lange er auf dem Klo gesessen hat. Das ist alles sch\u00f6n und gut, aber es ist viel zu viel zu viel Information. Eine wesentliche Aufgabe von Autoren und gerade auch Songschreibern ist es doch nach dem allgemeinen Verst\u00e4ndnis die Aussage auf\u2019s absolut wesentliche zu reduzieren, Qualit\u00e4t statt Quantit\u00e4t! Von diesem verdichtendem Prinzip h\u00e4lt Costello allerdings offensichtlich nicht viel oder hat eventuell noch nicht davon geh\u00f6rt. Hinzu kommt, dass die Schrift nicht chronologisch aufgebaut ist, sondern die ausufernde Anekdotensammlung keinerlei zeitliche Abfolge einh\u00e4lt. So springt er innerhalb eines Kapitel von der Familiengeschichte seiner Vorv\u00e4ter, zu Geschehnissen seiner Kindheit, dann zur eigenen Jugendzeit, berichtet von Tourneevorkommnissen, Begegnungen mit prominenten englischen und amerikanischen Musikern, protokolliert nachtr\u00e4glich den eigenen Songwritingprozess, interpretiert eigene und fremde Texte, streut triviale Backstageerlebnisse bei Preisverleihungen und anderen Ehrungen mit ein, erz\u00e4hlt von Pers\u00f6nlichem und \u00d6ffentlichem und es nimmt und nimmt kein Ende. Es ist m\u00fchsam Costello bei seinen sprunghaften Gedanken zu folgen und passagenweise verliert man als Leser auch einfach die Lust sich diesen \u00fcberdimensionierten Stream-of-consciousness-Wust anzutun.<\/p>\n<p>Costello erz\u00e4hlt viel von sich selbst und seinem Vater, fast nichts \u00fcber seine Mutter, seine Frauen oder sein Kinder. Und das hat wohl weniger mit der Wahrung von Intimsph\u00e4re oder Pers\u00f6nlichkeitsrechten zu tun. Er erscheint als wahnsinnig eitler, eingebildeter und selbstgerechter Schn\u00f6sel und gnadenloser Narzisst. Es ist ihm au\u00dferordentlich wichtig immer wieder zu betonen wie schnell und nebens\u00e4chlich er seine Songs und musikalischen Arrangements zusammenschraubt, seine entsprechenden Erl\u00e4uterungen bieten allerdings auch keinen tieferen Einblick in seine Arbeit oder Denkweise als K\u00fcnstler. Auff\u00e4llig allenfalls sein fast enzyklop\u00e4disches Wissen \u00fcber popmusikalische Klangsignaturen, die er immer eloquent einsetzt um zu erl\u00e4utern welche Elmente er angeblich von wem geklaut hat. Mindestens genau so wichtig wie seine musikalische Arbeit, ist ihm allerdings der Jetset des anglo-amerikanischen Popadels. Namedropping all over the place, er kennt sie alle pers\u00f6nlich, ist ja gut, Elvis, es ist kaum auszuhalten.<\/p>\n<p>Am Anfang der Lekt\u00fcre fragt ich mich noch, warum Elvis Costello in meiner musikalischen Sozialisierung so gar keine Bedeutung hat, jetzt wei\u00df ich warum: Nat\u00fcrlich kann er singen, schreiben und produzieren. Aber seine selbstverliebte \u00dcberheblichkeit \u00fcberschattet sein k\u00fcnstlerisches Werk bei weitem. Wer das anders sieht, sollte diese Autobiographie lesen. Danach gibt\u2019s nicht mehr viel zu sagen. Selbst die Interpretation seines eigenen Werkes hat Costello darin bereits vorweg genommen.<\/p>\n<p>Der Autor hat seine Quellen nicht dokumentiert, tut so als h\u00e4tte er alles frei aus dem eigenen Ged\u00e4chtnis niedergeschrieben, was nat\u00fcrlich Quatsch ist. Die wenigen in den Text eingestreuten s\/w-Fotos sind an keiner Stelle untertitelt. Erw\u00e4hnenswert ist noch die durchwachsene \u00dcbersetzung aus dem Englischen von Henning Dedekind, Henriette Heise und Hubert Mania, aufgeteilt wahrscheinlich wegen der schieren Masse des Originaltextes. Mit popmusikalischen Termini sind sie ganz offensichtlich nicht vertraut, immer wieder entstehen unfreiwillig komische Begriffe. Lustig z.B. die Wendung \u201eSchlagecho\u201c, das offensichtlich w\u00f6rtlich vom englischen \u201eSlap-Delay\u201c abgeleitet wurde, im Deutschen jedoch einfach nicht existiert. Erinnert an die \u201eBluesharfe\u201c, als \u00dcbersetzung f\u00fcr die \u201eHohner Bluesharp\u201c (aus einem anderen Buch desselben Verlags). An vielen anderen Stellen werden unn\u00f6tigerweise Redewendungen, Songtitel und \u2013texte \u00fcbersetzt, was nicht hilfreich und zum allergr\u00f6\u00dften Teil auch sehr sperrig r\u00fcberkommt. Jemand, der nicht einmal diese einfachen Liedtexte im Original versteht, wird weder an Costello, noch an seinem Werk ein tieferes Interesse haben und ein knapp 800-Seitenbuch lesen. Interessanter w\u00e4re da schon eine weiterf\u00fchrende Kommentierung gewesen, aber die gibt es bedauerlicherweise nicht.<\/p>\n<p>Was in der deutschen Ausgabe leider nicht erw\u00e4hnt wird: Zum Buch erschien passenderweise das Album \u201eUnfaithful Music &amp; Soundtrack Album\u201c, eine zweckdienliche Zusammenstellung der im Buch erw\u00e4hnten und zitierten Songeinspielungen.<\/p>\n<p>Fazit: Unverzichtbare Autobiographie f\u00fcr eisenharte Elvis-(Costello)-Fans. Bald auch als BBC-Fernsehserie, geplant sind 10 Staffeln \u00e0 10 Episoden, Sequels und Prequels nicht ausgeschlossen. \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Das gebundene Buch erscheint im Berlin Verlag, hat 782 Seiten und kostet 29,99 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Declan MacManus, besser bekannt als Elvis Costello, ist S\u00e4nger, Songschreiber und Musikproduzent. 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