{"id":4460,"date":"2017-03-06T14:36:07","date_gmt":"2017-03-06T13:36:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=4460"},"modified":"2017-03-06T14:36:07","modified_gmt":"2017-03-06T13:36:07","slug":"buch-the-travel-episodes-von-johannes-klaus-hg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2017\/03\/06\/buch-the-travel-episodes-von-johannes-klaus-hg\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eThe Travel Episodes\u201c von Johannes Klaus (Hg.)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/TheTravelEpisodesCover.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-4459\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/TheTravelEpisodesCover-202x300.jpg\" alt=\"\" width=\"202\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/TheTravelEpisodesCover-202x300.jpg 202w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/TheTravelEpisodesCover.jpg 337w\" sizes=\"(max-width: 202px) 100vw, 202px\" \/><\/a>\u201eThe Travel Episodes: Neue Geschichten f\u00fcr Abenteurer, Gl\u00fccksritter und Tagtr\u00e4umer\u201c ist eine Zusammenstellung von 27 kurzen Reisereportagen verschiedener deutscher Reisejournalisten\/Blogger. Es handelt sich dabei um eine Art Fortsetzung der ersten Reise-Episoden \u201eGeschichten von Fernweh und Heimat\u201c aus dem Fr\u00fchjahr 2016 (ebenfalls Malik National Geographic). Im Vorfeld der Nachfolgever\u00f6ffentlichung wurde vom Verlag ein \u201eReisereportage-Wettbewerb\u201c ausgeschrieben, an dem sich nahezu 200 Autoren mit eigenen, unver\u00f6ffentlichten und bebilderten Geschichten beteiligten. Bewertet wurden die Einreichungen von einer ausgew\u00e4hlten Jury verlagseigener Autoren u.a. Andreas Altmann. Sieben Autoren kamen mit ihren Geschichten auf eine Shortlist. Sage und schreibe eine einzige dieser Geschichten davon schaffte es letztlich ins gedruckte Buch und das kann eigentlich nur Folgendes bedeuten: Entweder waren die eingereichten Geschichten so schlecht, dass man der \u00d6ffentlichkeit nicht mehr davon zumuten konnte oder es handelte sich von Anfang an um einen Marketingtrick und der Wettbewerb war nur eine kosteng\u00fcnstige Methode um auf die Publikation aufmerksam zu machen und somit eine durchsichtige Farce. W\u00e4re dbzgl. n\u00e4mlich auch interessant, ob sich Altmeister Altmann und seine Jurykollegen tats\u00e4chlich die Zeit nahmen und sich mal nebenbei durch 200 Texte von irgendwelchen Nachwuchsautoren durchk\u00e4mpften. Wenn es so gewesen sein sollte, Hut ab, ist aber von Au\u00dfen betrachtet nur schwer vorstellbar.<!--more--><\/p>\n<p>Aber nun zum Buch: Die meisten der 27 Geschichten stammen von mehr oder weniger etablierten Autoren des Verlags und wurden \u2013 wie es der Titel bereits andeutet &#8211; aufgeteilt in die drei Kapitel \u201eF\u00fcr Abenteurer\u201c, \u201eF\u00fcr Gl\u00fccksritter\u201c und \u201eF\u00fcr Tagtr\u00e4umer\u201c. Die Schaupl\u00e4tze sind \u00fcber den ganzen Erdball verteilt, wie eine Graphik zu Beginn des Buches eindrucksvoll veranschaulicht. Man k\u00f6nnte meinen, dass so viele von unterschiedlichen Menschen niedergeschriebenen Erlebnisse aus allen Teilen der Welt ein Panoptikum von Erz\u00e4hlweisen, Aussagen, Storylines, formalem Aufbau, Wortwahl, Witz, Moral, Fotomaterialien, Fazits und Konsequenzen bereit hielten. Dem ist erstaunlicherweise nicht so. Vielleicht liegt es an der Auswahl des Herausgebers Johannes Klaus, vielleicht auch daran, dass sich im Deutschen eine Art allgemeing\u00fcltiges Sprachidiom des World-Travellers entwickelt hat. Die Texte sind sich unheimlich \u00e4hnlich und w\u00fcsste man es nicht besser, k\u00f6nnte man glauben, sie stammten zum gr\u00f6\u00dften Teil von verschiedenen Reisen ein und derselben Person.<\/p>\n<p>Und so verlaufen die Geschichten: Sie spielen sich fern der Heimat in einer fremden Kultur ab, der Ich-Erz\u00e4hler ist durchreisender Fremder, meist nicht f\u00e4hig sprachlich mit Einheimischen zu kommunizieren, es wird gegessen, getrunken, geschlafen, kommt zu fl\u00fcchtigen, oft nichtssagenden Begegnungen, dann geht es weiter. Irgendeine essentielle Erkenntnis wird im Text noch aus den banalsten Begebenheiten herausgepresst. Das ist bei den ersten 2-3 Mal noch okay, wenn das allgemeine Muster erkennbar wird, zunehmend unertr\u00e4glicher. Jede Busfahrt, jede Unterkunft, jede Begegnung mit Einheimischen wird zum exotischen Abenteuer hochgejazzt, kein Wort davon, dass Reisen vor allem aus Rumh\u00e4ngen und Abwarten besteht und st\u00e4ndig Dinge schief gehen bzw. anders verlaufen als gedacht. Die Gewinnerin des Wettbewerbs Nadine Pungs hat diesen eloquenten, introspektiven und gleichzeitig \u00fcberidealisierenden Erz\u00e4hlstil perfekt getroffen und passt wunderbar in die Sammlung mit den reiseberichterfahrenen Kollegen. Man hat bei den meisten den Eindruck, da war vorher schon klar, dass es interessant werden muss, dass was erlebt, aufgeschrieben und ver\u00f6ffentlicht werden wird. Zum gro\u00dfen Teil sind da Profis und Halbprofis am Werk, die seit Jahren hauptberuflich reisen und schreiben, daher wohl die Routine, die erz\u00e4hlerischen Automatismen, der glattgeschliffene Sprachstil. Es wird wie vorab geplant alles ohne Punkt und Komma aufgeschrieben und nachtr\u00e4glich mit tieferer Erkenntnis und Sinn gef\u00fcllt und sei es die Notdurft auf dem Plumpsklo. Gegen\u00fcber dem Leser wird so getan als wenn eine unglaubliche und mutige Odyssee durchlebt wurde. Reisen ist ja so bereichernd, fremde L\u00e4nder und die Menschen sind alle so nett und es ist so toll wieder nachhause zu kommen und den langweiligen Daheimgebliebenen von seinen irren Abenteuern zu berichten. Alles sch\u00f6n und gut, aber vielleicht auch nicht. Denn diese wahnsinnige Sucht nach Einzigartigem und Unber\u00fchrtem macht genau das kaputt, was sie zu finden hofft und das wird an keiner Stelle reflektiert. Wenn man diesen simplen Impuls zu Ende denkt, w\u00e4ren alle gutbetuchten Westler in den billigen L\u00e4ndern unterwegs bis alles zu Tode kommerzialisiert und alles Eigenst\u00e4ndige vernichtet ist.<\/p>\n<p>Was fehlt sind wirkliche besondere, originelle und eigenst\u00e4ndige Erz\u00e4hlungen. Die m\u00fcssen dann gar nicht von einer Extremreise am anderen Ende der Welt handeln. Es darf auch mal ganz klein und fein sein. Allerdings ist es nat\u00fcrlich schwer bis unm\u00f6glich den Effekt einer Reise, die ja immer auch eine innere Reise sein sollte, auf 10-12 Buchseiten zu verdichten und sich dann auch noch von anderen, unmittelbar benachbarten Autoren abzusetzen. Da hat man als Leser unweigerlich den Eindruck, es ging Herausgeber und Autoren lediglich um ein h\u00f6her, schneller, weiter. Gleichzeitig sp\u00fcrt man, dass genau das die Autoren doch gar nicht wollten.<\/p>\n<p>Vielleicht sind die angenehmsten Reisenden die, die ihre Geschichte nicht niederschreiben und ausschm\u00fccken um einen Effekt bei m\u00f6glichst vielen Lesern zu erzielen. Vielleicht sind die besten Reisenden die, die erleben, genie\u00dfen und bewahren. Vielleicht sind die besten Reisenden die, die zu Hause bleiben und ihr kleines, unteilbares Gl\u00fcck finden, daheim, bei sich.<\/p>\n<p>Zu Zielauswahl, Vorbereitung, Ausr\u00fcstung, Budget, Reisedauer, Lebenserwerb macht hier keiner irgendwelche Angaben, ganz so als w\u00e4ren das peinliche und unwesentliche Details, dabei h\u00e4tte genau solche n\u00fcchterne Sachinformation sehr interessant sein k\u00f6nnen, eventuell sogar ganz nebenbei pers\u00f6nliche Umst\u00e4nde beleuchten k\u00f6nnen. Und schlie\u00dflich: Warum ein deutsches Buch von deutschen Autoren einen englischen Titel haben muss bleibt unklar. Klingt bereits nach dem zweiten Band wie ein internationales Franchaiseunternehmen. Vielleicht war das die Absicht.<\/p>\n<p>Das Buch hat 352 Seiten, erscheint bei Malik National Geographic und kostet 15 \u20ac.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eThe Travel Episodes: Neue Geschichten f\u00fcr Abenteurer, Gl\u00fccksritter und Tagtr\u00e4umer\u201c ist eine Zusammenstellung von 27 kurzen Reisereportagen verschiedener deutscher Reisejournalisten\/Blogger. 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