{"id":4508,"date":"2017-03-21T16:35:51","date_gmt":"2017-03-21T15:35:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=4508"},"modified":"2017-03-21T16:35:51","modified_gmt":"2017-03-21T15:35:51","slug":"buch-gebrauchsanweisung-fuer-das-leben-von-andreas-altmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2017\/03\/21\/buch-gebrauchsanweisung-fuer-das-leben-von-andreas-altmann\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eGebrauchsanweisung f\u00fcr das Leben\u201c von Andreas Altmann"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/GebrauchsanweisungLebenCover.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-4507\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/GebrauchsanweisungLebenCover-185x300.jpg\" alt=\"\" width=\"185\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/GebrauchsanweisungLebenCover-185x300.jpg 185w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/GebrauchsanweisungLebenCover-630x1024.jpg 630w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/GebrauchsanweisungLebenCover-768x1248.jpg 768w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/GebrauchsanweisungLebenCover-946x1536.jpg 946w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/GebrauchsanweisungLebenCover-1261x2048.jpg 1261w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/GebrauchsanweisungLebenCover-1200x1949.jpg 1200w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/GebrauchsanweisungLebenCover.jpg 1576w\" sizes=\"(max-width: 185px) 100vw, 185px\" \/><\/a>Andreas Altmann, der deutsche Reisejournalist und Buchautor, widmet sich im vorangeschrittenem Alter philosophischen Betrachtungen \u00fcber Liebe und Leben. Ging es bei \u201eFrauen. Geschichten.\u201c (2015) um sein pers\u00f6nliches Verh\u00e4ltnis zum anderen Geschlecht, so greift er bei der aktuellen Ver\u00f6ffentlichung noch etwas h\u00f6her. \u201eGebrauchsanweisung f\u00fcr das Leben\u201c (2017) hei\u00dft das Buch aus der etablierten Piper-Reihe f\u00fcr die Altmann vor ein paar Jahren schon mal die \u201eGebrauchsanweisung f\u00fcr die Welt\u201c (2012) beigesteuert hatte.<!--more--><br \/>\nDass es eine verbindliche Gebrauchsanleitung f\u00fcr ein individuelles Menschenleben nicht geben kann, wei\u00df Altmann nat\u00fcrlich selbst und macht das im Vorwort auch gleich unmissverst\u00e4ndlich klar. Altmann schreibt jeweils ein Kapitel zu den Stichworten Kindheit, Paris, Gier, Abenteuer, Andere, Angst, Eros, Religion, Schmerz, Heimat, Frauen, Einsamkeit, Arbeit, Sprache, Tod, Liebe, Mut. Dazwischen platziert er unter der \u00dcberschrift \u201eEin Moment im Leben\u201c kleine Begebenheiten mit gro\u00dfer Bedeutung. Zusammengenommen ein einleuchtendes und vielversprechendes Konzept, so weit so gut. Doch dann folgt das unvermeidliche, also genau das, was man als Altmann-Leser h\u00e4tte erwarten k\u00f6nnen, denn der Autor f\u00e4llt in seine altbekannten Muster zur\u00fcck. Beim Thema Kindheit geht es um Altmanns Kindheit, bei Paris um sein Verh\u00e4ltnis zur franz\u00f6sischen Hauptstadt, bei Angst um seine Angst, bei Eros um seine Sexualit\u00e4t, bei Religion um sein Verh\u00e4ltnis zu Glaube (insbesondere Christentum), bei Frauen um seine Sicht auf\u2019s andere Geschlecht (s.a.: \u201eFrauen. Geschichten\u201c), bei Arbeit um seine Arbeit als Reisender und berichtender Schreiber etc. pp.<br \/>\nAltmann hat viel erlebt und erfahren, ist ein guter Beobachter, ein eloquenter Erz\u00e4hler und poetischer Schriftsteller. Seine Erlebnisse und Geschichten sind interessant und spannend und intelligent und au\u00dfergew\u00f6hnlich und ber\u00fchrend und inspirierend. Aber: Sie handeln immer nur von Altmann selbst und seiner pers\u00f6nlichen Wahrnehmung des eigenen Lebens. Seine Schriften geraten so zunehmend zur nicht mehr enden wollenden Auswahlautobiographie, die in repetitiven Spiralen um sich selbst kreist.<\/p>\n<p>Leser, die mit seiner Sicht auf die Welt bereits vertraut sind, springen seine immer wiederkehrenden Dauerthemen f\u00f6rmlich ins Gesicht: Seine bedr\u00fcckende Kindheit im erzkatholischen Alt\u00f6tting als Sohn eines etablierten Devotialienh\u00e4ndlers, die spie\u00dfige, unertr\u00e4gliche geistige Enge des Elternhauses, die h\u00e4uslichen Misshandlungen, sein Aversion gegen jede Art des religi\u00f6sen Glaubens, seine allgemeine Ruhe- und Rastlosigkeit, seine Unf\u00e4higkeit sich zu binden, seine bewusst propagierte Kinder- und Familienlosigkeit und es geht immer so weiter. Ja, ja und nochmals ja, das ist in Anbetracht seiner Biographie alles nachvollziehbar und zum Teil sogar plausibel, aber es wirkt wie eine ma\u00dflose \u00f6ffentliche Gespr\u00e4chstherapie, manchmal (und das d\u00fcrfte ihm selbst missfallen) wie eine massive Form der ideologischen Missionierung (d\u00fcrften doch die Lebensentw\u00fcrfe der meisten seiner Leser etwas anders angelegt sein). Man hat das alles in seinen zur\u00fcckliegenden Ver\u00f6ffentlichungen bereits mehrfach und in allen m\u00f6glichen Varianten erkl\u00e4rt bekommen und langsam reicht es. Die treuen Leser sollten es mittlerweile kapiert haben. Die klassische Altmann-Masche wird hier zunehmend vom Markenkern zum Problem. Er schreibt nicht \u00fcber \u201edas Leben\u201c, sondern wie gewohnt \u00fcber sein Leben. Das kann er wirklich gut (jahrelange \u00dcbung), aber diese Geschichten ist auserz\u00e4hlt, da kommt wenig unerh\u00f6rtes dazu. Der Mann braucht dringend neuen Stoff, bereits mit seinen letzten beiden B\u00fcchern kratzt er inhaltlich an der Schwelle des Altersstarrsinns (\u201eHab\u2019 ich euch eigentlich schon davon erz\u00e4hlt, als ich mal&#8230;\u201c). Es sind keine neuartigen Perspektiven oder Erkenntnisse mehr dabei. Da hilft wohl auch eine weitere Reise oder erotische Begegnung nicht mehr weiter.<\/p>\n<p>Wo bei gew\u00f6hnlichen Menschen im Laufe eines Lebens Freunde, Familie, Kinder und Enkel neue Entwicklungen, geistige Wandlungsf\u00e4higkeit und alternative Handlungsweisen f\u00f6rmlich erzwingen, herrscht bei Altmann r\u00fcckw\u00e4rtsgewandter Stillstand, getarnt freilich durch hyperaktiven Aktionismus (Reisen, Schreiben, Buch, Lesungen) in immer wiederkehrenden Erfahrungen derselben Art in nur minimal voneinander abweichenden Varianten.<\/p>\n<p>Schwer zu sagen, ob er aus dieser Falle nochmal rauskommt oder ob er einfach f\u00fcr immer so weitermacht und demn\u00e4chst die x-te, weitere Ausgabe seiner autobiographischen (Selbst-) Betrachtungen vorlegt. Vielleicht sollte er mal was neues versuchen, bei einer Frau bleiben, ein Kind zeugen, einen Baum pflanzen, das literarische Genre wechseln oder einfach mal eines seiner eisenharten Prinzipien \u00fcber den Haufen schmei\u00dfen. Als interessierter Leser, der seine Werke seit Jahren verfolgt, w\u00fcnscht man ihm etwas mehr Ruhe und Gelassenheit, etwas mehr Entspannung, altbayerische Wurschtigkeit und inneren Frieden.<\/p>\n<p>Es kann n\u00e4mlich auch sch\u00f6n sein mit vertrauten Menschen an einem liebgewonnenen Ort zu leben und nicht jeden Tag auf- und anregende Dinge an st\u00e4ndig wechselnden Orten erleben zu m\u00fcssen. Die meisten Menschen haben durchaus ehrenwerte Ideale, aber ihr Alltag ist bestimmt von halbgaren Kompromissen und st\u00e4ndigen Provisorien aus welchen Gr\u00fcnden auch immer. Damit klarzukommen, mit seiner eigenen Unvollst\u00e4ndigkeit, das ist das wahre Heldentum. Man bindet sich, \u00fcbernimmt langfristige Verantwortung, erledigt undankbare Aufgaben, f\u00fcgt sich bis zu einem gewissen Grad den Bedingungen und Erfordernissen des eigenen Schicksals, muss einen Teile seiner Selbstbestimmung aufgeben und manches nehmen wie\u2019s eben kommt. Das muss nicht immer gleich bedeuten, dass die Betroffenen unerf\u00fcllt und ungl\u00fccklich sind. Nein, lieber Herr Altmann, mir fehlen bei ihren Ausf\u00fchrungen die Themen Lebenspartner, Kinder, Enkel, Alltag, Leidenschaft, Durchhalteverm\u00f6gen, Irrwege, Zufall, F\u00fcgung, Zufriedenheit, Gegenwart, Zukunft und noch so einiges mehr.<\/p>\n<p>Fazit: \u201eGebrauchsanweisung f\u00fcr das Leben\u201c ist eine \u201eGebrauchsweisung f\u00fcr mein Leben\u201c aus Sicht des dauerhaften Komplettaussteigers Andreas Altmann. Anders, alternativ, antib\u00fcrgerlich und gegen jede Konvention erz\u00e4hlt er frei assoziierend von Erlebnissen aus seinem Leben. Altmann ist aufrichtig und ehrlich, immer wieder stehen ihm aber auch Egozentrik und Eigenliebe im Weg. Schreiben kann er, aber ihm geht auf seine alten Tage der Stoff aus. Ein weiteres Buch auf Grundlage seiner Biographie kann er sich sparen, es ist alles erz\u00e4hlt, was man als Leser wissen und nicht wissen will. Hoffentlich schafft er es f\u00fcr zuk\u00fcnftige Projekte neue Themen zu entdecken. Das w\u00e4re dann mal willkommene und erfreuliche Abwechslung f\u00fcr die Leser, die ihn nach wie vor sch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Das Buch hat 232 Seiten, erscheint bei Piper und kostet 15\u20ac.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andreas Altmann, der deutsche Reisejournalist und Buchautor, widmet sich im vorangeschrittenem Alter philosophischen Betrachtungen \u00fcber Liebe und Leben. Ging es bei \u201eFrauen. 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