{"id":4533,"date":"2017-03-27T09:58:14","date_gmt":"2017-03-27T07:58:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=4533"},"modified":"2017-03-27T09:58:14","modified_gmt":"2017-03-27T07:58:14","slug":"buch-kann-mir-bitte-jemand-das-wasser-reichen-von-ari-turunen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2017\/03\/27\/buch-kann-mir-bitte-jemand-das-wasser-reichen-von-ari-turunen\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eKann mir bitte jemand das Wasser reichen\u201c von Ari Turunen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/KannMirBitteCover.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-4532\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/KannMirBitteCover-193x300.jpg\" alt=\"\" width=\"193\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/KannMirBitteCover-193x300.jpg 193w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/KannMirBitteCover.jpg 321w\" sizes=\"(max-width: 193px) 100vw, 193px\" \/><\/a>Ari Turunen ist ein finnischer Wissenschaftsjournalist und h\u00e4lt Vortr\u00e4ge zu kulturgeschichtlichen Themen. Bereits 2010 erschien die finnische Originalausgabe von \u201eKann mir jemand das Wasser reichen?\u201c, 2016 dann die deutsche \u00dcbersetzung und im M\u00e4rz 2017 die ungek\u00fcrzte Taschenbuchausgabe.<!--more--><\/p>\n<p>Turunen unterteilt sein \u201eKurze Geschichte der Arroganz\u201c in sechs Kapitel: Zu Kopf gestiegen, Das Ego, Der Nabel der Welt, Die besseren Menschen, Das Monopol und Die Kunst der Demut. In jedem Kapitel schickt er einen auf wenige Seiten zusammengefassten Grundgedanken voraus und stellt ihn anschlie\u00dfend in unz\u00e4hligen historischen und einigen aktuellen Beispielen anekdotisch dar. Das erscheint auf den ersten Blick ganz plausibel, aber Turunen verliert sich hoffnungslos in den Geschichten, verk\u00fcrzt und verknappt um schnell auf den Punkt zu kommen und ist dabei st\u00e4rker an der f\u00fcr seine These dienlichen Pointe interessiert, als an einer umfassenden Darstellung. Es geht ihm dabei ganz offensichtlich nicht um Analyse oder Aufkl\u00e4rung, sondern um den schnellen Effekt, danach geht es ohne jede Erkl\u00e4rung \u00fcbergangslos zur n\u00e4chsten Darstellung weiter. Erz\u00e4hlt wird dabei zusammenhangslos von Begebenheiten aus allen Epochen der ganzen Weltgeschichte. Bei Stoffen, die einem als Leser etwas vertrauter sind, ahnt man, dass es noch mehr zu erz\u00e4hlen gegeben h\u00e4tte, wom\u00f6glich komplett andere Betrachtungsweisen h\u00e4tten er\u00f6ffnet werden k\u00f6nnen, aber es wird hemds\u00e4rmlig dr\u00fcbergeb\u00fcgelt. Dieser tendenzi\u00f6se und erkennbar rei\u00dferische Stil hinterl\u00e4sst dann auch einen etwas faden Nachgeschmack und ist wohl die allergr\u00f6\u00dfte Schw\u00e4che des ansonsten unterhaltsamen und interessanten Textes.<\/p>\n<p>Ein inhaltlicher Kritikpunkt ist, dass Turunen ein betont bipolares Wertesystem anwendet. Arroganz und verwandte Neben- und Unterformen wie Hochmut, \u00dcbermut, Eitelkeit, Unbelehrbarkeit, Ignoranz, etc. bis hin zur Hybris werden extrem negativ konnotiert, sind die Wurzel allen \u00dcbels und f\u00fchren unweigerlich zu Niedergang, Fall und Ruin von Familien, Wirtschaftuntenehmen, Kriegsparteien, Nationen und Kulturen. Erstrebenswert sind\u00a0dagegen Demut, Bescheidenheit, Dankbarkeit, Toleranz und ganz allgemein Humanismus, weil solches Verhalten nicht nur moralischer ist, sondern &#8211; angeblich \u2013 auch zum Erfolg f\u00fchrt. Dass sich das im Leben eben gerade nicht so einfach verh\u00e4lt, daf\u00fcr kann vermutlich jeder einzelne Leser etliche Gegenbeispiele aufz\u00e4hlen. Genau diese Einseitigkeit der Perspektive macht das Buch trotz etlicher interessanter und vermutlich auch begr\u00fcndeter \u00dcberlegungen insgesamt banal und unseri\u00f6s. Das ist unn\u00f6tig und deswegen h\u00f6chstbedauerlich.<\/p>\n<p>Fazit: Leider hat Turunen die exemplarische Darstellung seiner Thesen auf eindimensionale Erz\u00e4hlungen und effekthascherische Pointen aufgebaut. So wie es ist, bleibt es trotzdem eine kurzweilige Ferienlekt\u00fcre f\u00fcr gutgl\u00e4ubige Moralisten.<\/p>\n<p>Das Taschenbuch erscheint bei Piper, hat 208 Seiten und kostet glatte 10 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ari Turunen ist ein finnischer Wissenschaftsjournalist und h\u00e4lt Vortr\u00e4ge zu kulturgeschichtlichen Themen. 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