{"id":4564,"date":"2017-04-04T08:18:03","date_gmt":"2017-04-04T06:18:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=4564"},"modified":"2017-04-04T08:18:03","modified_gmt":"2017-04-04T06:18:03","slug":"buch-fast-ein-familie-von-bill-clegg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2017\/04\/04\/buch-fast-ein-familie-von-bill-clegg\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eFast ein Familie\u201c von Bill Clegg"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/FastEineFamilie.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-4560\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/FastEineFamilie-184x300.jpg\" alt=\"\" width=\"184\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/FastEineFamilie-184x300.jpg 184w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/FastEineFamilie-627x1024.jpg 627w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/FastEineFamilie-768x1254.jpg 768w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/FastEineFamilie-941x1536.jpg 941w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/FastEineFamilie-1254x2048.jpg 1254w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/FastEineFamilie-1200x1959.jpg 1200w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/FastEineFamilie.jpg 1400w\" sizes=\"(max-width: 184px) 100vw, 184px\" \/><\/a>Bill Clegg ist amerikanischer Literaturagent und seit einigen Jahren auch Autor. In seinen autobiographischen Erinnerungen \u201ePortrait of an Addict as a Young Man\u201c (2010) und \u201eNinety Days\u201c (2012) thematisierte er seine eigene Drogensucht. 2015 hat Clegg mit \u201eDid you ever have a family\u201c sein Romandebut vorgelegt. Im Fr\u00fchjahr 2017 erschien der Text als gebundenes Buch in deutscher \u00dcbersetzung (von Adelheid Z\u00f6fel) bei S. Fischer. Es ist ein starker und herausragender Roman.<!--more--><\/p>\n<p>Erz\u00e4hlt wird die Geschichte einer furchtbaren Familientrag\u00f6die. In den fr\u00fchen Morgenstunden am Tag einer geplanten Hochzeitsfeierlichkeit werden das Brautpaar und weitere Angeh\u00f6rige von einer Explosion im Haus und einem Feuer \u00fcberrascht und kommen dabei alle zu Tode. Die Umst\u00e4nde selbst sind Anfangs noch unklar, St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck f\u00fcgen sich die Puzzleteile jedoch zu einem Bild zusammen. Im Zentrum stehen dabei June Reid, die Hausbesitzerin und Mutter der Braut, Lydia Morey, Mutter von Junes im Feuer umgekommenen Geliebten Luke und der jungendliche Kiffer Silas aus der Nachbarschaft. Die einzelnen Kapitel sind mit den Vornamen einzelner Beteiligter \u00fcbertitelt und jeweils aus deren Sicht beschrieben. Dabei wechseln nicht nur die Betrachtungswinkel, sondern immer wieder auch die Erz\u00e4hlperspektiven. Einige Kapitel erscheinen als Ich-Erz\u00e4hlung, andere stammen von einem allwissenden Erz\u00e4hler. Von zentralen Figuren gibt es \u00fcber das gesamte Buch verteilt mehrere Kapitel, die ihre Entwicklung dokumentieren, andere Figuren tauchen nur ein einziges Mal auf.<\/p>\n<p>Die Katastrophe als eigentlicher Ausl\u00f6ser der Geschichte ist das stille Auge des Orkans. Die n\u00e4heren Umst\u00e4nde werden im Verlauf angedeutet, geh\u00f6ren aber nicht zum wesentlichen Kern der Erz\u00e4hlung. Vielmehr geht es in episodenhafter Form um die Entwicklung einzelner Charaktere, die feinen Beziehungen innerhalb der Patchworkfamilie und die gesellschaftliche Vorgeschichte der amerikanischen Kleinstadt. Nicht nur Inhalt, auch die wechselnden Perspektiven der Erz\u00e4hlweisen und die shortstoryartigen Einzelkapitel stehen erkennbar in der Tradition US-amerikanischer Autoren wie Jean Toomer, Ernest Hemingway, William Faulkner und John Steinbeck, an denen sich auch zeitgen\u00f6ssische Schreiber wie Donald Ray Pollock oder Willy Vlautin orientieren.<\/p>\n<p>Die Figur des jungen Mannes und Br\u00e4utigams Will fungiert deutlich als Alter Ego des Autors. Im Roman stammt er, wie Clegg selbst, aus einer Familie mit vier Kindern, hat in Washington studiert, offenbart eine spirituelle Veranlagung, steht aber insgesamt nicht im Mittelpunkt der Betrachtung. Nach zwei autobiographisch gepr\u00e4gten Ver\u00f6ffentlichungen war so was freilich erwartbar, f\u00fcgt sich jedoch problemlos, ja, bereichernd in den Text ein.<\/p>\n<p>Clegg erz\u00e4hlt seine Geschichte klug und ergreifend. Er beweist kompositorisches Geschick und besonderes Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen, insbesondere auch weil die Hauptfiguren allesamt weiblich sind. Sein Stil ist geschliffen und hat durchgehend literarische Qualit\u00e4t. Freunde amerikanischer Erz\u00e4hlformen d\u00fcrfen sich freuen. Ein beeindruckendes Romandebut und eine wunderbare Entdeckung. Man darf gespannt sein, was da noch kommt!<\/p>\n<p>Das gebundene Buch erscheint bei S. Fischer, hat 316 Seiten und kostet 22 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bill Clegg ist amerikanischer Literaturagent und seit einigen Jahren auch Autor. 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