{"id":4632,"date":"2017-05-06T06:54:50","date_gmt":"2017-05-06T04:54:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=4632"},"modified":"2017-05-06T06:54:50","modified_gmt":"2017-05-06T04:54:50","slug":"buch-hitlerjunge-schall-von-andre-postert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2017\/05\/06\/buch-hitlerjunge-schall-von-andre-postert\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eHitlerjunge Schall\u201c von Andr\u00e9 Postert"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/HitlerjungeSchallCover.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-4631\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/HitlerjungeSchallCover-193x300.jpg\" alt=\"\" width=\"193\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/HitlerjungeSchallCover-193x300.jpg 193w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/HitlerjungeSchallCover-660x1024.jpg 660w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/HitlerjungeSchallCover-768x1191.jpg 768w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/HitlerjungeSchallCover-991x1536.jpg 991w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/HitlerjungeSchallCover-1321x2048.jpg 1321w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/HitlerjungeSchallCover-1200x1861.jpg 1200w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/HitlerjungeSchallCover.jpg 1629w\" sizes=\"(max-width: 193px) 100vw, 193px\" \/><\/a>Andr\u00e9 Postert ist promovierter Historiker und arbeitet derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim <a href=\"http:\/\/www.hait.tu-dresden.de\/ext\/homepage.asp\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hannah-Arendt-Institut in Dresden<\/a>. Aktuell besch\u00e4ftigt er sich mit Jugend und Hitlerjugend im Nationalsozialismus und hat dazu die umfangreiche Schrift \u201eHitlerjunge Schall\u201c bei dtv ver\u00f6ffentlicht.\u00a0Es geht darin um die Tageb\u00fccher des bekennenden Nationalsozialisten Franz Albrecht Schall, einem th\u00fcringerischen jungen Mann aus gutb\u00fcrgerlichem Hause, der zusammen mit seinen zwei Br\u00fcdern und gegen den erkl\u00e4rten Willen seiner Eltern starke Sympathien f\u00fcr die nationalsozialistische Bewegung entwickelt. 1925 wurde Schall Pfadfinder, 1930 trat er in die Hitlerjugend ein und 1932 wurde er Mitglied der NSDAP. Das Besondere an diesem Fall: Von 1928 bis 1935 f\u00fchrt der junge Abiturient, Lehrling und sp\u00e4tere Student akribisch Tagebuch \u00fcber seine Erlebnisse und dokumentiert damit insbesondere seine pers\u00f6nliche, aber auch die gesellschafts-ideologische Entwicklung in Deutschland in der ersten H\u00e4lfte der 1930er Jahre. Nahezu t\u00e4glich berichtet er von Ausfl\u00fcgen, HJ-Treffen, Kameradschaftsabenden, Kundgebungen, Parteitreffen und was diese Erlebnisse in ihm ausl\u00f6sten. So gew\u00e4hren die Aufzeichnungen einen einzigartigen Blick in die ideologische Verblendung einer gebildeten und an sich liberal und tolerant erzogenen Einzelperson aus besserem Hause.<!--more--><\/p>\n<p>Schall hat seine Aufzeichnungen noch Ende der 1930er Jahre reingeschrieben und einem Professor des Psychologischen Instituts an der Universit\u00e4t Jena als Dokumente \u00fcberlassen. W\u00e4hrend die Originale in der Kriegszeit auf unbekannte Weise verloren gingen, blieben die Abschriften per Zufall erhalten und fanden nach einigen Zwischenstationen im Jahr 1966 den Weg zur\u00fcck zu ihrem Urheber.<\/p>\n<p>Der deutsche Geschichtsforscher Postert hat diese Aufzeichnungen gesichtet und sortiert. In seinem Buch ordnet er sie in den zeitgeschichtlichen Kontext, erkl\u00e4rt und bewertet einzelne Passagen und macht somit die Schrift f\u00fcr den Leser deutlich zug\u00e4nglicher. In der Einleitung wird die Provenienz dargelegt, die Vorgeschichte der Hitlerjugend erkl\u00e4rt und der allgemeine Wert pers\u00f6nlicher Tageb\u00fccher als historische Dokumente reflektiert. Postert teilt die von den Tageb\u00fcchern abgedeckte Zeit in sechs sinnvolle Abschnitte und Entwicklungsphasen. Sie reichen von \u201ejunger Aktivist\u201c (1931), \u00fcber \u201eParteigenosse\u201c (1932), \u00fcber \u201eHitlerjunge in der Diktatur\u201c (1933), bis zu \u201esogenannter Erwachsener\u201c (1934) und \u201eStudent\u201c (1935).<\/p>\n<p>Posterts Beitrag ist wertvoll, denn Schalls Schrift alleine ist auf Dauer zwar lebendig, doch letztlich auch arg repetitiv und wegen der ideologischen F\u00e4rbung immer wieder z\u00e4h. Schall schreibt allerdings n\u00fcchtern und keinesfalls hetzend oder aggressiv. Der knallharte Widerspruch zwischen gesellschaftlichen Utopie und der allseits bekannten brutalen Wirklichkeit macht die erstmals ver\u00f6ffentlichte Niederschrift der Erlebnisse, so wie sie sich f\u00fcr ihn dargestellt haben, im kritischen R\u00fcckblick eben doch interessant.<\/p>\n<p>Im letzten Abschnitt des Buches fasst Postert die weiteren Lebensstationen Schalls dankenswerterweise zusammen und so ergibt sich ein halbwegs geschlossenes Bild. Schall arbeitete in den sp\u00e4ten 1930ern als anerkannter Lehrer in einer Adolf-Hitler-Schule, \u00fcberlebte den Krieg gr\u00f6\u00dftenteils unbeschadet und arbeitete danach weiterhin als Werklehrer. Er starb im Jahr 2001 im hohen Alter von 88 Jahren. Bis zum Ende seines langen Lebens war Schall \u00fcberzeugt, Teil einer Jugendbewegung mit hohen Idealen gewesen zu sein, die von dem Despoten Hitler und seinen Helfershelfern verraten wurde.<\/p>\n<p>Fazit: Dicke Empfehlung f\u00fcr Leser, die authentische Einblicke in die pers\u00f6nliche Entwicklung eines \u00fcberzeugten ideologischen Mitl\u00e4ufers des Nazi-Regimes nehmen wollen. Andr\u00e9 Postert hat dabei hervorragende Arbeit geleistet. Seine Kommentare sind pr\u00e4zise und auf den Punkt, nie unn\u00f6tig ausschweifend oder betont akademisch. Sch\u00f6n, wenn wissenschaftliche Forschung einen so offensichtlichen Erkenntnisgewinn generiert.<\/p>\n<p>Das gebundene Buch erscheint im dtv Verlag, hat 336 Seiten und kostet 24 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andr\u00e9 Postert ist promovierter Historiker und arbeitet derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Hannah-Arendt-Institut in Dresden. 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