{"id":4670,"date":"2017-05-17T09:09:06","date_gmt":"2017-05-17T07:09:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=4670"},"modified":"2017-05-17T09:09:06","modified_gmt":"2017-05-17T07:09:06","slug":"interview-mit-dieter-kreidler-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2017\/05\/17\/interview-mit-dieter-kreidler-teil-2\/","title":{"rendered":"Interview mit Dieter Kreidler, Teil 2"},"content":{"rendered":"<p><strong>F: Seit den 1980er Jahren haben sich Spielniveau und Repertoire der klassischen Gitarre rasant entwickelt. Wie haben sie diese Entwicklung empfunden?<\/strong><\/p>\n<p>A.: F\u00fcr mich als einer der ersten \u201eakademisch\u201c agierenden Gitarrenprofessoren ist es ein Gl\u00fccksgef\u00fchl, wie sich diese ganze \u201eGitarren Szene\u201c entfaltet hat. Hinsichtlich der ungebrochenen Begeisterung von Kindern bis zu Senioren f\u00fcr die Gitarre, der Literaturvielfalt, einer erfreulichen Hinwendung zum Ensemblespiel, der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung durch innovative Wettbewerbe, \u00f6ffentlich gef\u00f6rderter Musikprojekte und der damit einhergehenden stilistisch universalen Anwendungsbreite der Gitarre, z\u00e4hlt heute die Gitarre zu den beliebtesten Instrumenten weltweit!<!--more--><\/p>\n<p><strong>F: In den letzten Jahren sind einige Lehrwerke f\u00fcr klassische Gitarre erschienen, die nicht mit einstimmigem Spiel in Apoyando beginnen, sondern als erstes den arpeggioartigen Tirando-Anschlag entwickeln. Haben Sie dazu eine Meinung?<\/strong><\/p>\n<p>Es ist eine Binsenweisheit, das ein heute ausgebildeter Gitarrist beide Anschlagsarten beherrschen muss, wenn er alle Register einer farbenreichen und dynamisch \u00fcberzeugenden Interpretation ziehen will. Um das zu erreichen, sind nach meiner Erfahrung die haltungsbezogenen Unw\u00e4gbarkeiten beim fr\u00fchen Beginn mit dem \u201efreien Anschlag\u201c (tirando) gr\u00f6\u00dfer als beim Spielen \u201emit Anlegen\u201c (apoyando). Insbesondere f\u00fcr Kinder und Jugendliche stellt sich der Bewegungs- und Anschlagsvorgang beim Apoyandospiel kontrollierter dar, der Ton ist gewisserma\u00dfen \u201ek\u00f6rperhaft\u201c rund und das kurze Verweilen an der tieferliegenden Nachbarsaite gibt dem Spieler einen guten Halt oder St\u00fctze (bei Teuchert \u201eSt\u00fctzschlag\u201c). Haben die Lehrer das Nach-oder miteinander beider Spielarten unterrichtsmethodisch im Griff und ist eine st\u00e4ndige Kontrolle der Anschlagswinkel (auch im Gruppenunterricht) m\u00f6glich, f\u00fchrt selbstverst\u00e4ndlich auch ein \u201efreier Anschlag\u201c zum gew\u00fcnschten Ziel.<br \/>\nStatistisch spielt man allerdings sp\u00e4ter beim Solo-und Akkordspiel wesentlich mehr im freien Anschlag. Wird aber &#8211; bedingt durch die kompositorische Vorgabe &#8211; eine liedhafte Phrasierung (oder eine pl\u00f6tzlich auftauchende Melodiepassage) gefordert, f\u00fchrt der Apoyandoanschlag in der Regel eher zu einem klanglich \u00fcberzeugenden \u201ecantabile\u201c. Kommt das Apoyandospiel jedoch nicht von Anfang an konsequent im Unterricht zur Anwendung, gibt es sp\u00e4ter keinen inneren \u00fcberzeugenden Impuls und Drang, diese Technik situativ und damit musikalisch kreativ \u2013 bisweilen auch spontan- abzurufen. Die schnelle Umstellung von Tirando auf Appyando stellt sich dann f\u00fcr den Spieler als zu risikoreich dar. Die Folge ist der Verzicht auf die Umstellung, das Spiel bleibt &#8211; klangfarbenarm.<br \/>\nFazit: Erst durch eine fein ausbalancierte Beherrschung und Dosierung beider Anschlagsarten wird ein klassischer und farbenreicher Gitarrenton erreicht.<br \/>\nSo handelt es sich bei der Bewertung beider Anschlagsarten im Basisunterricht dem Grunde nach um ein \u201eHaltungsproblem\u201c.<\/p>\n<p><strong>F: Vor einigen Jahren haben sie mit der dreib\u00e4ndigen Reihe \u201eGitarre spielen mit Spa\u00df und Fantasie\u201c (Schott) ein neues Lehrwerk vorgelegt. Die alte, mittlerweile 40 Jahre alte \u201eGitarrenschule\u201c erscheint weiterhin. Was hat sie zu der neuen Ver\u00f6ffentlichung bewogen und was sind die konzeptuellen Neuerungen?<\/strong><\/p>\n<p>A.: Als guter Beobachter des p\u00e4dagogischen Alltags konnte ich feststellen, dass sich aufgrund der aktuellen Diskussion \u00fcber die schulischen Rahmenbedingungen (G9\/G8), der oft prek\u00e4ren Anstellungsvertr\u00e4ge f\u00fcr Honorarlehrer und dem ver\u00e4nderten Lernverhalten von Sch\u00fclern nur eine an diese Realit\u00e4t angepasste \u201ekleinschrittige Instrumentaldidaktik in der Kleingruppe\u201c eine Chance hat, die Sch\u00fcler zu \u201eerreichen\u201c.<br \/>\nUm aber neben dem Einzelunterricht auch im Gruppenunterricht Erfolg zu haben, m\u00fcssen die Lernschritte in lustbetonter Atmosph\u00e4re angeboten werden und es sollten allzu gro\u00dfe \u201eSpr\u00fcnge\u201c vermieden werden. Hier bietet das neue Lehrwerk viele M\u00f6glichkeiten zu einem lebendigen Lerntransfer mit Spa\u00df und Fantasie im Unterricht. So sind alle kleinen St\u00fccke und Arrangements f\u00fcr 3 oder 4 Gitarren bereits f\u00fcr den ersten Beginn mit dem Anschlag von leeren (ungegriffenen) Saiten so angelegt, dass jeder Spieler (durch Stimmtausch) jede Stimme spielen kann. Das motiviert auch spieltechnisch schwache Sch\u00fcler durch das gemeinsame Musiziererlebnis und \u00fcbt das Lesen in Akkoladen.<\/p>\n<p>Abgesehen von einigen neuen \u201edidaktischen \u00dcberg\u00e4ngen\u201c und viel mehr Spielliteratur, orientieren sich die 3 neuen B\u00e4nde der neuen Gitarrenschule \u201eGitarre spielen mit Spa\u00df und Fantasie\u201c grunds\u00e4tzlich an der alten Schule aus dem Jahre 1977. F\u00fcr den Lernstoff der alten Schule (Band 1) ben\u00f6tigte man fr\u00fcher im Durchschnitt 1 bis 1 \u00bd Jahre, bei dem erweiterten, didaktisch gestreckten Konzept in 3 B\u00e4nden setze ich (wegen der kleinen Lernschritte) je Band ca.1 Jahr an. F\u00fcr Lehrer, die nach wie vor mit der alten \u201eKreidler-Schule\u201c arbeiten bzw. sie bei Sch\u00fclern anwenden, bei denen bereits das \u201eabstrahierende Denken\u201c weiter fortgeschritten ist, wird die alte Ausgabe weiter angeboten.<\/p>\n<p><strong>F: F\u00fcr Nostalgiker erschien zu Jahresbeginn ihr bew\u00e4hrter Klassiker \u201eBeatles-Songs &amp; Traditionals\u201c (Schott) als leicht \u00fcberarbeitetes Re-Print. Sind dar\u00fcber hinaus noch weitere (Wieder-)-Ver\u00f6ffentlichungen geplant?<\/strong><\/p>\n<p>A.: Mir macht die Arbeit nach wie vor viel Spa\u00df und so bin ich gern bereit, mich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen. Ich habe noch einiges in der Pipeline. Lassen Sie sich \u00fcberraschen!<\/p>\n<p><strong>Herr Prof. Kreidler, herzlichen Dank f\u00fcr dieses Interview.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F: Seit den 1980er Jahren haben sich Spielniveau und Repertoire der klassischen Gitarre rasant entwickelt. Wie haben sie diese Entwicklung empfunden? A.: F\u00fcr mich als einer der ersten \u201eakademisch\u201c agierenden Gitarrenprofessoren ist es ein Gl\u00fccksgef\u00fchl, wie sich diese ganze \u201eGitarren &hellip; <a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2017\/05\/17\/interview-mit-dieter-kreidler-teil-2\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5,19,8,17,13],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4670"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4670"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4670\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4670"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4670"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4670"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}