{"id":4807,"date":"2017-06-12T10:38:57","date_gmt":"2017-06-12T08:38:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=4807"},"modified":"2017-06-12T10:38:57","modified_gmt":"2017-06-12T08:38:57","slug":"reise-paerdu-riga","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2017\/06\/12\/reise-paerdu-riga\/","title":{"rendered":"Reise: P\u00e4rnu &#8211; Riga"},"content":{"rendered":"<p>Fr\u00fch als erster aufgewacht, es ist Sonntag. Obwohl ich erst weit nach Mitternacht zur\u00fcck ins Hostel gekommen bin, waren alle anderen noch unterwegs, im Hinterhof des Hostels wurde erst noch gesungen, danach Musik aufgelegt, aber es war nicht agressiv laut, konnte dabei trotzdem irgendwann einschlafen.<\/p>\n<p>Durch die einsamen, fr\u00fchmorgendlichen Strassen laufe ich zu einer nahgelegenen Markthalle, erst als ich n\u00e4herekomme, begegnen mir immer mehr Menschen. Es werden Obst, Gem\u00fcse und Blumen verkauft, es gibt aber auch eine Fleischhalle und eine kleine B\u00e4ckerei mit Cafe. Lokale Fr\u00fchst\u00fccksleckerei sind anscheinend fritierte Teigringe mit Puderzucker. Die werden massenweise zubereitet, in einem Edelstahltopf warm gehalten und per Kg verkauft. Ich nehme drei St\u00fcck davon und einen Kaffee, ah.<!--more--><\/p>\n<p>Dann durch die immer noch einsamen Stra\u00dfen zur\u00fcck zum Hostel. Ich setze mich an den \u00f6ffentlichen PC und schreibe, wie jeden Tag, den Blogartikel, der diesmal etwas l\u00e4nger ausf\u00e4llt. Als ich fertig bin, ist schon fast Mittag, mit dem Strand wird das nichts mehr, ich mache noch einen kleinen Spaziergang, dann hole ich meine Sachen im Hostel ab und mache mich auf zum Busbahnhof. Noch im Hostel treffe ich den Argentinier Maxim, der mit mir in einem Zimmer \u00fcbernachtet hatte. Es stellt sich heraus, dass wir beide mit demselben Bus weiter nach Riga fahren, endlich hat er mal kein St\u00f6ppsel im Ohr und wir kommen ins Gespr\u00e4ch. Ich kaufe ein Ticket und wir setzen uns im Bus nebeneinander. Es erz\u00e4hlt mir, dass er ein gro\u00dfer Musikliebhaber ist. Als Jugendlicher spielte er Bandoneon, h\u00f6rte dann irgendwann damit auf, aber h\u00f6rte weiterhin erst klassischen Tango, dann nuevo, schliesslich modern. Er unterscheidet streng zwischen Electro Tango und Tango Electro, erkl\u00e4rt mir die Feinheiten und schreibt mir die Namen seiner Lieblingsalben auf. Danach erz\u00e4hlt er freim\u00fcndig von seinen Erfahrungen mit der bewusstseinserweiterden Droge LSD und empfiehlt mir als idealen Einstieg zum Thema Mushrooms einen Besuch in Amsterdam, da w\u00fcrden sie einen zu diesem Thema gut beraten. Ja gut, \u00e4hm, ich bin ja eher so der cleane Typ, werde schon von einem Glas Rotwein total m\u00fcde und kann nach einem Radler nicht mehr klar denken, deswegen erstmal danke f\u00fcr die interessanten Tipps, war sicher gut gemeint. Er hat keine Frau und keine Kinder und ich bin mir sicher: Die aussergew\u00f6hnlichen Erlebnisse meiner Realit\u00e4t k\u00f6nnen mit den Erfahrungen seiner Scheinwelt locker mithalten.<\/p>\n<p>Die Fahrt nach Riga vergeht wie im Fluge, toll ist, dass man bei der Linie Lux auch wieder freies Wlan hat, aber noch besser, man darf w\u00e4hrend der Fahrt so viel Kaffee aus dem Automaten ziehen, wie man will, kostet nix und schmeckt echt sehr ordentlich. Als wir da sind, gehen Maxim und ich noch eine Weile zusammen in die Stadt, tauschen Kontakte aus und trennen uns dann. Das n\u00e4chste Hostel ist schnell gefunden, check-in, umziehen, dann geht es in die Altstadt, muss dringend was essen, schon wieder 16.30 und noch kein Mittagessen. Gehe auch mal kurz zur Tourist Info, aber sie sagen heute g\u00e4be es kein Konzert in Riga, nirgends, ich kann es kaum glauben und tue gut daran.<\/p>\n<p>Wenn es Leitmotive in meinem Leben gibt, dann unter anderem, dass mir seit meiner fr\u00fchesten Jugend irgendwelche Leute sagen, dass es irgendwas nicht gibt oder nicht geht oder ich das sowieso nicht schaffe. Ich k\u00f6nnte hunderte Beispiele aufz\u00e4hlen. Mich hat das aber noch nie von irgendetwas abgehalten, ganz im Gegenteil, es fordert mich heraus einen Weg zu finden und das ist oft viel einfacher als gedacht. Ich k\u00f6nnte jetzt genau so wieder hunderte von Beispielen aufz\u00e4hlen, wo ziemlich genau das eingetreten ist, von dem vorher gesagt w\u00fcrde, das sei unm\u00f6glich. So auch jetzt wieder. Kein Konzert angeblich an diesem Abend in Riga. Ich mache noch eine Runde, gehe zuf\u00e4llig runter zum Stadtkanal und da steht ein riesiger, klassizistischer Prachtbau, weisse S\u00e4ulen und dar\u00fcber steht sowas wie Nationales Opernhaus, ich also hin, rein in die seitlich gelegene Ticketbude, ich frage die Dame am Schalter was heute und morgen so geht. Sie meint, Opernfest, heute Carmen von Bizet, in einer Stunde Anpfiff, sie h\u00e4tte genau noch ein einziges Ticket. Da greift man zu f\u00fcr 20 Euro. Also schnell zum Hostel, lange Hose und Hemd anziehen, 45 Min. sp\u00e4ter bin ich wieder da, um 19.00 geht es los. Die Oper ist mit mir erst wirklich ausverkauft, moderne und sehr beeindruckende Inszenierung, so ein bisschen klassische Hochkultur zwischendurch kann schon auch Spass machen. Das Publikum international, vor mir drei Briten, neben mir eine freundliche, \u00e4ltere Dame aus Salzburg, sie gibt mir Tipps f\u00fcr die Festspiele im Sommer, w\u00e4hrend meines n\u00e4chsten Familienurlaubs in Fuschl. Europ\u00e4er unter sich, weit und breit keine Amerikaner, die h\u00e4tten eh kein Wort verstanden, franco-iberische Oper in Lettland, da findet vorab eine knallharte Eigenselektion statt. Die Inszenierung hatte flotte Tempi, herausragend aber die vielen, sehr modernen Tanzeinlagen mit Elementen aus Breakdance, Hip Hop, Street, aber auch Contact, ganz wunderbar anzusehen und auch sehr sensibel choreographiert, effektvoller stilistischer Bruch zur wohlbekannten Musik.<\/p>\n<p>Die Oper hat zwei Pausen und dauert mehr als 3h, danach ohne Umwege zur\u00fcck zum Hostel. Im Viererzimmer, sind wir zu zweit, ein Taiwaner und ich. Er antortet auf meine gutgemeinten Fragen nur mit ja und nein und glotzt ansonsten in sein Smartphone, auch gut, ich habe meine Ruhe. Draussen im Hof spielt einer zum Abschluss des Tages noch Blackbird von den Beatles auf der Gitarre und singt etwas krumm dazu, immer wieder dieselbe Strophe, aber mit Herz. Irgendwann schlafe ich ein.<\/p>\n<p>Keine Fotos diesmal, weil der PC des Hostel nicht lief. Dies ist der erste Artikel, den ich komplett auf meinem iPad getippt habe. Ging besser als ich dachte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fr\u00fch als erster aufgewacht, es ist Sonntag. 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