{"id":5281,"date":"2017-08-04T10:55:28","date_gmt":"2017-08-04T08:55:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=5281"},"modified":"2017-08-04T10:55:28","modified_gmt":"2017-08-04T08:55:28","slug":"album-cross-my-palm-with-silver-von-avishai-cohen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2017\/08\/04\/album-cross-my-palm-with-silver-von-avishai-cohen\/","title":{"rendered":"Album: \u201eCross my Palm with Silver\u201c von Avishai Cohen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/CrossMyPalmCover.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-5280\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/CrossMyPalmCover-300x262.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"262\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/CrossMyPalmCover-300x262.jpg 300w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/CrossMyPalmCover.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Avishai Cohen wurde in Tel Aviv geboren und wuchs dort in einem musikalischen, famili\u00e4ren Umfeld auf. Seine gr\u00f6\u00dferen Geschwister Anat Cohen und Yuval Cohen sind etablierte Saxophonisten. Als Teenager tourte er mit dem Israeli Philharmonic Orchestra, sp\u00e4ter studierte er am Berklee College of Music in Boston, seitdem lebt er in New York.<br \/>\nSein Debut nannte er \u201eThe Trumpet Player\u201c (2003) um nicht mit dem namensgleichen Kontrabassisten (ebenfalls aus Israel) verwechselt zu werden. Seither hat er fast jedes Jahr unter eigenem Namen und mit verschiedenen Formationen Alben ver\u00f6ffentlicht und international Konzerttouren absolviert. 2016 erschien \u201eInto the Silence\u201c bei dem renommierten, deutschen Label ECM. Nun wurde, nur ein Jahr sp\u00e4ter, ebendort der Nachfolger \u201eCross my Palm with Silver\u201c (2017) ver\u00f6ffentlicht.<!--more--><\/p>\n<p>Nach intensiven Konzerttourneen in der ersten Jahresh\u00e4lfte hat sich Cohen im September 2016 mit den Musikern Yonathan Avishai (piano), Barak Mori (kbass) und Nasheet Waits (drums) in ein Studio in S\u00fcdfrankreich zur\u00fcckgezogen und dort neue Kompositionen aufgenommen. An den Reglern sa\u00df kein geringerer als Produzent und Labelchef Manfred Eicher selbst. Auf dem knapp 40-min\u00fctigen Album enthalten sind f\u00fcnf Tracks, die sich zwischen 4 und 12 Minuten erstrecken. Linernotes und Tracktitel sollen Bez\u00fcge herstellen zum politischen Klima im Mittleren Osten: \u201eLike Mingus and Roach before him, Cohen uses his song titels to point to injustices at home and abroad as a small gesture of dissent. Meanwhile the beauty of the music makes its own argument.\u201c<\/p>\n<p>Naja, die letzte Aussage ist schon etwas weit hergeholt. In Klang gesetzte Ungerechtigkeit, Gewaltexzesse und kriegerische Auseinandersetzungen, wie sie im Mittleren Osten zur Tagesordnung geh\u00f6ren, sind in den Aufnahmen nun wirklich nicht zu erkennen. Ganz im Gegenteil: Das Album ist wohlklingend, einschmeichelnd, ungef\u00e4hrlich. Keine Spur von israelischen oder gar orientalischen Kultur- oder Musikeinfl\u00fcssen. Alles astreiner und bestens austarierter, westlich-akademischer Selbstverwirklichungsjazz. Kompositionen und Produktion entsprechen ohne jede Abweichung der etablierten und abgeschliffenen Sch\u00f6nklang\u00e4sthetik der skandinavisch-mitteleurop\u00e4ischen Improvisationstradition, die Manfred Eicher im Verbund mit seinem internationalem Musikerfuhrpark \u00fcber Jahrzehnte entwickelt hat. Man bekommt also genau das, was man erwarten darf, wenn man den Labelnamen ECM liest. Mit dem revolution\u00e4ren Feuer des amerikanischen Modern Jazz oder gar irgendeiner gesellschaftspolitischer Aussage hat das nun wirklich beim besten Willen nichts zu tun. Da sollten Cohen und seine Liner-Notes-Texter mal etwas auf dem Boden der Tatsachen bleiben und sich nicht in unangemessene Selbstinterpretationen versteigen. Man kann keine weltpolitisch relevante Musik bei einer Flasche Rotwein in einem abgeschiedenen Studio in der Provence oder wo auch immer aufnehmen. Da h\u00e4tten sie schon ein wenig mehr ins Risiko gehen m\u00fcssen. Hier wurde stattdessen voll und ganz auf Nummer Sicher gesetzt.<\/p>\n<p>So wie es ist, ist das Album ein folgerichtiger, zweiter Teil des Vorg\u00e4ngeralbums \u201eInto the Silence\u201c, nicht mehr und nicht weniger. Vielleicht h\u00e4tten Cohen und Eicher sich etwas mehr Zeit einr\u00e4umen m\u00fcssen, um substantielleres und anregenderes musikalisches Material zu erschaffen. Man kann mit \u201eCross my palm with silver\u201c wunderbar einen kulinarischen Abend mit Freunden umrahmen oder sich zum Sonnenuntergang mit einer guten Zigarre auf die Veranda setzen, viel mehr geht aber nicht. Dazu ist die Musik zu berechenbar, zu leicht vorauszusagen. Es ist der Soundtrack zu Ereignissen, die absehbar sind und bei denen man keine b\u00f6sen \u00dcberraschungen erleben will. Die Musiker beherrschen ihre Instrumente, bedienen das Genre auf hohem Niveau, Eicher wei\u00df wie man das aufnimmt und mixtechnisch in Szene setzt, nur: Das ist Musik f\u00fcr alte Herren, die ihre Ruhe haben wollen. Revolution klingt anders.<\/p>\n<p>Hier das Teaservideo zum \u201eAlbum\u201c. Avishai Cohen spielt mit seinem Quartett im November noch einige Termine in Deutschland: Hamburg 6. Nov, Kassel 7. Nov, Rheinfeld (Baden) 8. Nov, Mannheim 9. Nov, Dortmund 12. Nov.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"584\" height=\"329\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/EdD3Bl50DFA?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Avishai Cohen wurde in Tel Aviv geboren und wuchs dort in einem musikalischen, famili\u00e4ren Umfeld auf. Seine gr\u00f6\u00dferen Geschwister Anat Cohen und Yuval Cohen sind etablierte Saxophonisten. 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