{"id":5332,"date":"2017-09-08T11:39:43","date_gmt":"2017-09-08T09:39:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=5332"},"modified":"2017-09-08T11:39:43","modified_gmt":"2017-09-08T09:39:43","slug":"buch-verbrannte-mandeln-von-wilfried-bommert-marianne-landzettel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2017\/09\/08\/buch-verbrannte-mandeln-von-wilfried-bommert-marianne-landzettel\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eVerbrannte Mandeln\u201c von Wilfried Bommert &#038; Marianne Landzettel"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/VerbrannteMandelnCover.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-5331\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/VerbrannteMandelnCover-193x300.jpg\" alt=\"\" width=\"193\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/VerbrannteMandelnCover-193x300.jpg 193w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/VerbrannteMandelnCover-658x1024.jpg 658w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/VerbrannteMandelnCover-768x1195.jpg 768w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/VerbrannteMandelnCover-987x1536.jpg 987w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/VerbrannteMandelnCover-1316x2048.jpg 1316w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/VerbrannteMandelnCover-1200x1867.jpg 1200w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/VerbrannteMandelnCover.jpg 1594w\" sizes=\"(max-width: 193px) 100vw, 193px\" \/><\/a>In regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden h\u00f6rt und liest man in den Medien von den Auswirkungen des Klimawandels: Gletscherschmelze, Hurrikans, \u00dcberflutungen, Erdrutsche, Hitzewellen, Waldbr\u00e4nde, etc. Der Wandel findet offenbar gleichzeitig auf der ganzen weiten Welt statt, aber man muss gar nicht in die Ferne schweifen um die Effekte zu erkennen. Insbesondere bei der landwirtschaftlichen Lebensmittelproduktion liegt das Thema oft n\u00e4her als man denkt, n\u00e4mlich auf dem Teller.<!--more--><\/p>\n<p>Der Agrarwissenschaftler Wilfried Bommert und die Journalistin Marianne Landzettel haben sich umfassend damit besch\u00e4ftigt und legen mit \u201eVerbrannte Mandeln. Wie der Klimawandel unsere Teller erreicht\u201c eine aktuelle und sorgf\u00e4ltig recherchierte Bestandsaufnahme vor. Zw\u00f6lf Agrarerzeugnisse aus verschiedenen Anbauregionen der Welt dienen dazu die Ver\u00e4nderungen der Anbaubedingungen und die unterschiedlichen Reaktionen darauf darzustellen. \u00c4u\u00dferst umfangreich und detailliert beschrieben werden gleich im ersten Kapitel Anbau und Ernte von Mandeln in Kalifornien, es folgen Kaffeeanbau in Brasilien, Weinanbau in S\u00fcdeuropa, Soja-, Maisanbau und Schweinmast in Iowa, und so geht es weiter um den halben Erdball, von Nord- nach S\u00fcdamerika, von Europa bis Afrika und Indien, nicht behandelt werden Asien und Australien. Es geht dabei um die meteorologische Ver\u00e4nderungen wie extreme Witterungsbedingungen (Regen, Hitze, Trockenheit) und die graduelle Verschiebung der Jahreszeiten. Eine Folge u.a. sind Wassermangel und extreme Regeng\u00fcsse, neue Sch\u00e4dlinge und Bakterien, die durch Globalisierung und neue klimatische Bedingungen neue Regionen befallen und gro\u00dfe Sch\u00e4den anrichten und bis zu totalen Ernteausf\u00e4llen f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die beiden Autoren erl\u00e4utern hier den Stand der Dinge, erprobte Ma\u00dfnahmen und m\u00f6gliche weitere Auswirkungen. Als problematisch werden immer wieder die Anbaumethoden der Gro\u00dfkonzerne und Vorgehensweisen der globalen Saatgutfirmen benannt. Riesige Monokulturen, internationale Konkurrenz und der damit unweigerlich verbundene Raubbau an den nat\u00fcrlichen Ressourcen haben ein Ma\u00df erreicht, das die Vorstellungskraft ahnungsloser Konsumenten erheblich \u00fcbersteigen d\u00fcrfte. L\u00e4ngst f\u00fchren mangelnde Wasserversorgung, neue Parasiten, chemische R\u00fcckst\u00e4nde, Versandung, Monokulturen etc. zu schier un\u00fcberwindlichen Problemen f\u00fcr die kaum L\u00f6sungen vorliegen. Als Alternative werden einzelne biologisch zertifizierte Betriebe vorgestellt, die wohlbekannten Zauberworte sind Nachhaltigkeit, Diversit\u00e4t, Klasse statt Masse, Regionalit\u00e4t, Saisonalit\u00e4t etc. Die entsprechenden Ans\u00e4tze scheinen im Kleinen gut zu funktionieren, Paradebeispiel daf\u00fcr ist erstaunlicherweise ausgerechnet das Land Indien, das bisher von industrieller Agrarwirtschaft, global operierenden Saatgutmultis und Monokulturen weitgehend verschont blieb, weil die \u00fcberwiegende Anzahl der vielen Kleinbauern daf\u00fcr gar kein Geld \u00fcbrig h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Die insgesamt 12 Kapitel illustrieren auf diese Weise anschaulich und nachvollziehbar die grunds\u00e4tzlichen Probleme der modernen Agrarwirtschaft in verschiedenen Teilen unserer Welt. Es werden alternative Ans\u00e4tze vorgestellt, aber keine umf\u00e4nglichen L\u00f6sungen angeboten. Hier halten sich die Autoren vornehm zur\u00fcck. Als Leser stellt man sich im Laufe der Lekt\u00fcre unweigerlich die Frage, ob die vormaligen Luxusg\u00fcter Mandeln, Kaffee, Tee, Kakao, Fleisch, Orangen, Wein und\/oder Austern den Bewohnern der ersten Welt wirklich immer, \u00fcberall und preiswert zur Verf\u00fcgung stehen m\u00fcssen. Vielleicht w\u00e4re zumindest ein Teil der L\u00f6sung auf solche Lebensmittel zumindest zeitweise zu verzichten und sich mit saisonalen Produkten der eigenen Lebensregion zu begn\u00fcgen und das m\u00fcsste nicht einmal unbedingt eine sp\u00fcrbare Einschr\u00e4nkung sein. (Haseln\u00fcsse statt Mandeln, Wein aus der Region, Erdbeeren und Spargel nur im Fr\u00fchling, Tomaten und Gurken nur im Sommer, Kohl und R\u00fcben im Winter, weniger Kaffee und Schokolade, \u00f6fter mal fleischlos oder vegan etc. und vor allem von allem weniger!) Stattdessen wird ausnahmslos so getan als sei es das Grundrecht eines jeden Menschen zu jedem Zeitpunkt ressourcenintensive Luxuslebensmittel konsumieren zu d\u00fcrfen. Weniger Fleisch? Weniger Zucker? Weniger importierte Lebensmittel? Fehlanzeige, am Ende des Buches werden den einfachen Lesern vollkommen irreale Empfehlungen gegeben: Bodenqualit\u00e4t verbessern, Forschung f\u00f6rdern, ja genau, das sind die praxisfernen Ratschl\u00e4ge der Experten f\u00fcr den deutschen Endkonsumenten. H\u00e4?<\/p>\n<p>Vielleicht w\u00e4re eine einfacher und praktikabler Beitrag f\u00fcr den Einzelnen: Verzicht \u00fcben. Damit w\u00e4re vermutlich schon viel getan. Muss es wirklich Wein aus Kalifornien oder Australien sein? Warum nicht ein Tropfen von der Mosel oder den wunderbaren Hanglagen am unterfr\u00e4nkischen Main? Warum t\u00e4glich Fleisch essen, wenn es auch k\u00f6stliche vegetarische Gerichte mit regionalen Gem\u00fcsen gibt? Ist ja nicht so, dass wir heute oder in den letzten Jahrzehnten in der ersten Welt an furchtbaren Mangel leiden.<\/p>\n<p>Fazit: Interessante Aufkl\u00e4rungsschrift zum Stand der globalen Agrarwirtschaft. Leider werden ausschlie\u00dflich Luxusprodukte als Beispiele herangezogen und das ungez\u00fcgelte Konsumverhalten der westlichen Welt keiner kritischen Betrachtung unterzogen. Am Ende des Buches w\u00fcnscht man sich fast, dass die Agrarkonzerne mit ihrem r\u00fccksichtslosen Vorgehen frontal an die Wand fahren. Dass man in der Folge als Konsument evtl. auf Mandeln, Kaffee, Orangen und Oliven verzichten m\u00fcsste, w\u00e4re wohl zu verkraften.<\/p>\n<p>Das Taschenbuch erscheint im dtv Verlag, hat 288 Seiten und kostet 16,90 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden h\u00f6rt und liest man in den Medien von den Auswirkungen des Klimawandels: Gletscherschmelze, Hurrikans, \u00dcberflutungen, Erdrutsche, Hitzewellen, Waldbr\u00e4nde, etc. Der Wandel findet offenbar gleichzeitig auf der ganzen weiten Welt statt, aber man muss gar nicht in die &hellip; <a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2017\/09\/08\/buch-verbrannte-mandeln-von-wilfried-bommert-marianne-landzettel\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5,11,20,15],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5332"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5332"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5332\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5332"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5332"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5332"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}